Diskussion vorm Supreme Court

(nytimes/gamepolitics) Befürworter und Gegner eines Gesetzes, dass die Abgabe mancher Videospiele an Minderjährige verbieten soll, haben am Dienstag ihre Argumente vorm Supreme Court ausgetauscht. Mittlerweile ist sowohl ein Transkript als auch eine Pressemeldung der Entertainment Software Association verfügbar. Ebenfalls findet sich ein Bericht über die Debatte bei der New York Times:

Zum Artikel

19 Gedanken zu “Diskussion vorm Supreme Court

  1. „He said common sense should allow the government to help parents protect children from games that include depictions of “gratuitous, painful, excruciating, torturing violence upon small children and women.”“
    .
    joa.. von mir aus. wären ja nicht viele spiele von betroffen :)

  2. JUSTICE GINSBURG: Is there — you’ve been asked questions about the vagueness of this and the problem for the seller to know what’s good and what’s bad. California — does California have any kind of an advisory opinion, an office that will view these videos and say, yes, this belongs in this, what did you call it, deviant violence, and this one is just violent but not deviant? Is there — is there any kind of opinion that the — that the seller can get to know which games can be sold to minors and which ones can’t?
    MR. MORAZZINI: Not that I’m aware of, Justice Ginsburg.
    JUSTICE SCALIA: You should consider creating such a one. You might call it the California office of censorship.

    Also ich bin jetzt die Hälfte runter, aber ich glaube die Richter sind nicht sehr begeistert von dem Gesetz.

  3. Das stimmt allerdings. Die Richter verhalten sich da recht neutral.
    Ich möchte aber noch was zitieren:

    JUSTICE SOTOMAYOR: Would a video game that portrayed a Vulcan as opposed to a human being, being maimed and tortured, would that be covered by the act?
    MR. MORAZZINI: No, it wouldn’t, Your Honor, because the act is only directed towards the range of options that are able to be inflicted on a human being.
    JUSTICE SOTOMAYOR: So if the video producer says this is not a human being, it’s an android computer simulated person, then all they have to do is put a little artificial feature on the creature and they could sell the video game?
    MR. MORAZZINI: Under the act, yes, because California’s concern, I think this is one of the reasons that sex and violence are so similar, these are base physical acts we are talking about, Justice Sotomayor. So limiting, narrowing our law here in California, there in California to violence — violent depictions against human beings.

    Gewalt gegen Menschen ist drin. Gewalt gegen alle anderen nicht.

  4. Was ich noch nicht verstanden habe ist, warum das Gesetz (nicht) verfassungsgemäß ist, wenn es sich unterschiedslos oder differenzierend auf narrative bzw. nicht narrative Spiele richtet.

  5. @Rey Alp
    Weil es schonmal völlig unklar ist was eine Narration überhaupt darstellt, und was nicht. Erzählt eine CS- oder FIFA-Partie keine Geschichte – ist dies keine Fiktion – wird dort nicht die Geschichte der jeweiligen Partie erzählt? Ich würde das alles mit „nein“ beantworten. Natürlich erzählt so etwas auch eine Geschichte und natürlich ist es auch Teil einer Fiktion. Ich spiele nicht für Manchester United in einem wirklichen Leben, dafür aber im Videospiel. So wie ich m wirklichen Leben auch kein aufstrebender Ganove bin in anderen Spielen, sondern ein eher friedfertiger Mensch

    Ich denke die gestrige Anhörung ist zudem doch sehr positiv schonmal verlaufen.
    Gut möglich, dass wie die ESA in einer Aussendung schreibt mit einer Entscheidung zugunsten des Gamings ein für allemal solche Gesetze vom Tisch sind.
    Die „Interaktivität“ ist mehr oder weniger der einzige Punkt der einigermaßen als Grund für eine besondere Gesetzgebung vorgebracht werden kann. Irgendwie habe ich jedoch nicht den Eindruck, dass dieser besonders viel Eindruck schinden würde bei diesen RichterInnen. Es ist auch eine ganz andere Rechtswelt als jene deutscher Gerichte… Und die beste Berichterstattung findet sich übrigens wohl wieder mal bei Kotaku ein http://kotaku.com/tag/schwarzeneggervs/

  6. Also bei der Wertung bin ich noch gar nicht – zum Verständnis: Das gesetz ziele nur auf narrative Spiele ab:

    „JUSTICE KAGAN: So are we going to separate video games into narrative video games and non-narrative video games?
    MR. SMITH: You don’t have to, as long as the law is limited to regulating narrative. That’s what this law is limited to.“

    Und weiter:
    „JUSTICE SCALIA: Well, what about a law that says you can’t sell to minors a video game — it doesn’t care what the plot is, but no video game in which the minor commits violent acts of maiming, killing, setting people on fire? What about that? Would that — would that be regulating speech?
    MR. SMITH: Well, of course, Your Honor.“

  7. „Das mit den Vulkaniern ist echt gut. xD So viel Sinn und Verstand wünsch ich mir für Deutschland, dann hätten wir schonmal keine Probleme mit Left 4 Dead und co.“

    Bis 2004 war das bei uns so, zumindest im Strafgesetz. Dann wurde der §131 StgB extra auf „Menschen und menschenähnliche Wesen“ ausgeweitet, weswegen heute Left4Dead 2 und Dead Rising beschlagnahmt sind.
    Wie das bei Indizierungen gehandhabt wurde hab ich jetzt aber gar nicht im Kopf.

  8. Ob man diese Argumente des US Gerichts auch so in Deutschland anwenden könnte?
    Immerhin kämpfen die Spiele Publisher ja auch hier gegen die Bevormundung durch den Staat. Aber ich hab das Gefühl, sie kämpfen hier nicht so energisch wie in den USA.
    Da hat man als Gamer schon mal ne eigene Lobby in Deutschland und dann ist sie hier die einzige, die keine Macht hat, echt doof. :D

  9. „common sense“ wäre eine ausreichende Begründung wenn es um ein rational basis review ging. Dabei reicht es, dass der Staat nachweisen kann, dass die Maßnahme irgendwie geeignet ist um die dargelegten Ziele zu erreichen. Das ist ein sehr niedriger Standard, der sehr einfach zu erreichen ist.

    Bei 1st Amendment Fragen wie hier wird allerdings strict scrutiny angewandt und da wird es für den Staat sehr schwer werden. Das ist übrigens der Grund weshalb man versucht das Gesetzt so eng wie möglich zu fassen in dem man es z.B. auf Menschen beschränkt.

    LOL @ Scalia. Der Typ ist eigentlich ein bigottes Arschloch mit einiges sehr seltsamen Meinungen, aber der Kommentar war lustig.

  10. @Mr. Fusion
    Nein. Die sind nicht anwendbar, da Meinungsfreiheit in Deutschland keinen besonderen Schutz genießt und im Grundgesetz explizit durch den Jugendschutz ausgehebelt wird. Wenn du wirklich verstehen willst um was es hier geht, schlag Begriffe wie rational basis review, intermediate scrutiny und strict scrutiny nach (engl. Wikipedia). In den USA müssen Gesetze die die Meinungsfreiheit oder den Equal Protection Clause (14th Amendment) tangieren bestimmte Standard erfüllen um verfassungskonform zu sein. Je größer und allgemeiner die Einschränkungen sind, desto höher sind i.d.R. die Hürden. Wenn die ESA z.B. argumentiert, dass es bessere, weniger restriktive Mittel gäbe, dann bezieht sich dass auf einen bestimmten Punkt des reviews Standards.

  11. am schönsten wäre es, wenn das ganze nochmal jemand kurz um auf deutsch feedbacken (wieder neues wort erfunden xD) könnte, vielen dank^^

  12. Wenn kompetitive oder kooperative Aspekte von Spielen durch dieses Gesetz, diese Vorstellungen davon, nicht betroffen sein sollen, sondern bloß ein narrativer Teil, muss dieser erstmal doch auch bestimmt werden (können) um ihn von den beiden anderen Teilaspekten, und möglichen Weiteren, noch – einigermaßen zumindest – unterscheiden zu können: die ESRB gibt ja auch im Bereich Online-Play zum Beispiel jetzt schon vor, dass sie darüber wenn überhaupt nur begrenzt urteilen kann
    Gaming ist oft doch sehr vielfältig
    Vielleicht denk ich da aber auch ganz falsch.

  13. @Mr. Fusion
    „Immerhin kämpfen die Spiele Publisher ja auch hier gegen die Bevormundung durch den Staat.“

    Tun sie das denn wirklich? Also ich habe bisher noch nicht wirklich viel davon mitbekommen. Im gegensatz zu den verhältnissen in den USA sind die deutschen gamer so ziemliche einzelkämpfer.

    Nur mal so als beispiel:

    „Heading into the hearings with the Supreme Court, the video game industry has been backed with briefs from the main trade groups behind movies and music as well as corporations such as Microsoft, rights groups such as the American Civil Liberties Union and the business advocacy group“

    In den USA haben die gamer nicht nur industrie unterstüzung sondern auch unterstüzung von allerhand anderen vereinigungen. Hier in deutschland ist die situation komplett umgedreht…

    Klar die deutsche film/musik industrie ist nicht wirklich vergleichbar mit der amerikanischen aber hier in deutschland hat man eher das gefühl das man sich gegenseitig zerfleischt nach dem motto „die spiele sind böse aber unsere filme sind kulturel wertvoll also verbietet spiele und lasst uns in ruhe!“.

  14. @Pyri
    Die Abgrenzung zwischen verschiedenen Spiel-Typen (oder gar verschiedenen Medien) und vor allem die Grenze zwischen erlaubter und zu beanstandender Gewalt waren ja der zentrale Punkt dieser Anhörung. Ich denke das wichtigste was man da herauslesen kann ist dass allen Parteien klar ist, dass es sehr schwierig ist da eine klare Linie zu ziehen. Und genau daran könnte das Gesetz letztlich scheitern. Anders als in Deutschland müssen solche Einschränkungen und Verbote nämlich eng gefasst werden. Einerseits will man also mit dem Gesetz so viele Spiele wie möglich erfassen. Andererseits kann man die Definitionen nicht völlig schwammig machen. Der Konflikt ist kaum zu lösen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.