“We are not Toymakers”

(The Escapist) In der Show Extra Credits reden James Portnow, Daniel Floyd und Allison Theus, die alle schon diverse Jobs in der Videospielindustrie hatten, über das Medium und wie man es verbessern kann. In der 10-minütigen Episode “Facing Controversy” widmen sie sich dem Thema wie die (US-)Videospiel-Industrie mit Druck aus der Öffentlichkeit umgeht, am Beispiel des kontroversen Projekts Six Day of Fallujah, wie das Projekt begann und woran es scheiterte. Es geht darum was Videospiele leisten können und was sich ändern muss, damit sie als Medium und Kunstform erstgenommen werden.

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11 Gedanken zu ““We are not Toymakers”

  1. Generell philosophisch: Ich wüßte nicht, dass Spiele mal nicht “erwachsen” gewesen wären… ich wüßte nicht, wie man “erwachsene” Spiele von Spielen differenzieren wollte, die das nicht sein sollen?

    Was soll “erwachsen” sein? Das Konzept ist m.M.n. fragwürdig; ungeachtet der Äpfel und Birnen: Die visuelle Präsentation, die Ästhetik? Ist ein “Heavy Rain” i.d.S. “erwachsener”, als ein “The Legend of Zelda: The Wind Waker”? Die Inszenierung? Ist ein “Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots” i.d.S. “erwachsener” als ein “Call of Duty: Black Ops”? Die Themenwahl? Ist ein “Defcon 5” i.d.S. “erwachsener”, als ein “Kane & Lynch 2: Dog Days”? Sind sog. “serious games” erwachsener als andere “games”?

    Ob Spieler Spielen ein “Erwachsenwerden” attestieren oder ein Christian PFEIFFER “Flegeljahre” der Spiele diagnostiziert ist da m.M.n. kein gravierender Unterschied. Das sind keine objektiven Termini, dass sind subjektive Werturteile… ist “erwachsen” nicht eine Leerformel?

    Wichtiger finde ich da, was Pyri ab und zu anmerkt: Ein Überwinden der eingeschränkten, nach wie vor bei unterschiedlichsten Akteuren (und insb. der dt. Spielepresse z.B.) virulenten Ansicht, Spiele müßten (in einem engeren Sinne) “Spaß” machen. Es wäre wohl viel damit getan, da eher auf die Schiene zu gelangen, dass sie unterhalten sollen (und da darf man dann nicht den Fehler machen, Unterhaltung in eine Ecke mit Vergnügen im spaßigen Sinne, Amusement im umgangssprachlichen Sinne o.ä. zu stecken), aber auch der Begriff erscheitn mir eher ungeeignet; besser wäre es vielleicht sogar einfach nur von “ansprechen” zu reden.

  2. was macht ein game erwachsen. für die kleinen kids und für so manche jugendliche, ist brutalität ein zeichen von erwachsen, eben weil wir erwachsene die kinder davor schützen wollen. für andere ist ein anspruchsvolles rätselspiel ein spiel für erwachsene. für manche ist mario kindisch, weil es bunt ist und für auch für alle gedacht ist. man will was, um sich von den kleinen pissern abzugrenzen und um sein autoritätsgefühl zu unterstreichen. interessant wirds, wenn die hersteller kriegsspiel oder sonst was vor gegnern rechtfertigt, dass dies spiele für erwachsene sein sollen, wie als würden sie das nicht zu unterhaltung tun, sondern um die schrecken des krieges mitzuerleben, und behaupten teils mehr teils weniger, es seien antikriegsspiele, meist nur, wei lsie brutal sind.

  3. aber weil diese patriotische dastellung in cod eigentlich kindisch ist, weil ja der erwachsene mensch natüüüüürlich krieg verabscheut, wird brutalität eben als erwachsenenmerkmal eingebaut.

  4. @Vicarocha
    Ich denke das grundsätzliche Problem sind diese Zugänge zu einem gewissen “Ernst”.
    Humor hat ja wenn dann auch nur einen therapeutischen Platz zugewiesen bekommen in dieser Gesellschaft: unlängst war ich hier in Österreich im Krankenhaus und bei der Inneren Medizin lief da so eine Sendung im Krankenhaus-Fernsehen von einer Vortragenden aus Deutschland glaub ich, die erzählte aus ihrem fragwürdigen Leben und machte Witze. Ich versuchte sie zu ignorieren, aber ich bemerkte wie sie die anderen PatientInnen aufregte mit ihren Reden über ein gesundes Lachen. Schließlich kam es zu einem Aufstand gegen das Fernsehprogramm und das Personal wurde doch lautstark gebeten den Apparat auszustellen

    Was ich sagen möchte ist, dass nicht nur im deutschsprachigen Raum mit seinen traditionellen Unterscheidungen auch bei Musik zwischen E (Ernst) und U (Unterhaltung, mit einem päjorativen Unterhaltungsbegriff), Lust und Freude (an verschiedenen Dingen) es schwer haben: so hat bei den jährlichen Oscarverleihungen eine Komödie als “bester Film” auch einen schweren Stand. Ganz selten dass eine mal gewinnt – ich erinnere mich spontan wirklich bloß an Billy Wilders “Das Appartment” 1960
    Nur bei den Golden Globes gibt es für Komödien und Musicals eine eigene Kategorie
    Ähnlich verhält es sich mit der Lust am Schrecken, dem Horror-Genre

    Es regiert Betroffenheit und moralische Überlegenheit. Man sehe sich bloß an was eine Oprah Winfrey zum Beispiel schafft. Da ist alles mehr oder weniger wie der Boxer Rocky Balboa von Stallone angelegt: selbst noch übergewichtige Sozialfälle. AufsteigerInnenstories. Kaum etwas über den Abstieg wie ihn ein Landsmann von mir, Werner Schab, an deutsche Theater gebracht hat. Alles eine Mischung aus Obama und Schwarzenegger. Bildung und Kraft. Erfolg. Solche Normen.
    Oder welche Dokumentationen bei den Acadmey Awards überhaupt nominiert werden – entweder was Oberflächliches über Pinguine oder was ökonomistisch Verbohrtes aus Österreich. Bloß manche Kapazunder im Mainstream-Film wie Kubrick, Scorsese, Polanski oder Kathryn Bigelow schafften es dies mitunter zu konterkarieren. Das heißt auch für eine breite Masse. Und fanden damit noch dazu (einigermaßen) Akzeptanz. Der letzte Oscar-Winner von Bigelow stellt (US-)Krieg und (US-)Militär
    ja kaum anders dar als ein Call of Duty – wobei ich persönlich in kaum einem Call of Duty noch so besonders viel “Patriotismus” wahrgenommen habe. Ehrlich gesagt überhaupt nicht

    Was man mit diesen Bezugnahmen zum (angeblich) Erwachsenen meint ist aus meiner Sicht eher der Bezug zu einer gedachten “Reife”. Nur wer einigermaßen “reif” ist für dieses oder jenes, kann das auch tun – hat eine dementsprechende Stellung, Promotion erfahren. Deshalb spricht man ja auch von “Reifeprüfungen”, der “mittleren Reife” etc. Ein älterer Mensch gilt als “reifer” (und erfahrener), etc.
    “Anspruch” wird dabei für gewöhnlich einer (seicht gedachten) Unterhaltung ja noch entgegen gestellt. Leider
    Ich finde ja eine Rede von “serious games” bereits eher unglücklich.

  5. Naja, es gibt ja Bücher für Erwachsene, so wie es Jugend- und Kinderbücher gibt. In dem Sinne verstehe ich auch den Anspruch, ein Spiel für Erwachsene zu sein. Ich lese gerade Zolas ‘Der Zusammenbruch’ – das wäre doch mal eine Vorlage für ein erwachsenes Spiel… Und genau solche Themen fehlen mir noch viel zu sehr.

  6. [b]Teamchef Peter Tamte will “Six Days in Fallujah” nicht aufgeben[/b]

    http://www.cynamite.de/Six-Days-in-Fallujah-PS3-232300/News/Six-Days-in-Fallujah-Entwickler-wollen-den-Irak-Shooter-noch-nicht-aufgeben-799456/

    Keine Option […] sei es allerdings, das heikle Irak-Szenario aufzugeben und das Spiel beispielsweise in “Six Days in Bullcrapistan” umzubenennen[…]. In diesem Zusammenhang bemängelt er, dass die Industrie nicht bereit sei, etwas Neues zu wagen[…]. Die Publisher müssten sich entscheiden, ob sie auch künftig nur “triviales (…) High-Tech-Spielzeug” auf den Markt werfen wollen oder ob sie sich um eine Weiterentwicklung zum ernstzunehmenden Medium bemühen wollen.

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