Informiert aber Uneinsichtig?

(via heise, apothekenrundschau/JIM-studie) Nach einer repräsentativen Umfrage halten 67 % der 14- bis 19-Jährigen die „Verteufelung“ von Videospielen für übertrieben. Bei den 20- bis 29-Jährigen ist es noch jeder Zweite, während kritische Stimmen bei den Älteren mit ca. einem Drittel die Minderheit darstellen. Eine ähnlich laxe Einstellung von Jugendlichen hat die diesjährige JIM-Studie offenbart: Auch wenn 94 % der männlichen Jugendlichen die Altersfreigaben der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle bekannt sind, setzen sich 81 % über diese hinweg. Einen Rechtsbruch stellt dies freilich nicht dar – selbst Eltern machen sich nach dem Erziehungsprivileg durch die Weitergabe ungeeigneter Spiele an ihre Kinder nicht strafbar, sofern ihre Erziehungspflicht dadurch nicht gröblich verletzt wird.

9 Gedanken zu “Informiert aber Uneinsichtig?

  1. Setzen sich da 81% über die Einstufungen hinweg oder würden sich 81% über die Einstufungen hinwegsetzen, wenn es nötig wäre? In der befragten Altersgruppe sind schließlich zwei Jahrgänge schon volljährig.
    Insgesamt ist das Ergebnis wohl nicht überraschend. Die deutschen USK-Einstufungen sind überzogen genug, dass man sie ohne Schaden allesamt um mindestens zwei Jahre absenken könnte.

  2. Verteufelung ist ja ein hübscher Begriff. Vielleicht hat jemand vor Kurzem auf Phoenix die Wiederholung des Dokumentarfilms „Al Capone aus der Pfalz“ gesehen. Es ging um Bernhard Kimmel, der von seinen Eltern zu einem gottesfürchtigen Gläubigen erzogen werden sollte, daraufhin Freiheit und Zuflucht im nahen Wald suchte, dort mit seinen Kumpels Waffen aus der Kriegszeit fand und mehr und mehr ins kriminelle Milieu hineinwuchs, bis es für ihn kein Zurück mehr gab und er zum Schwerverbecher wurde. Interessant dabei zum einen die Gründe, die ihn in den Wald führten, zum anderen die Reaktion der Öffentlichkeit. Da zu dieser Zeit gerade ein Al Capone-Film in den Lichtspielhäusern flimmerte und Bernhard Kimmel seine Vorliebe für den Gangsterboss bekundete, richtete sich der Zorn der Massen gegen diese Filme… Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Ich habe mich bei dieser Dokumentation sehr unterhalten gefühlt.

    http://www.daserste.de/kriminalfaelle/sendung_dyn~uid,1qslxlwkg0zj3snk5eqz7gc6~cm.asp

  3. Das ergebnis der umfrage
    war doch zu erwarten
    Ziemlich allen kindern
    und jugendlichen (so wie mir) ist die
    altersbeschränkung (freundlich gesagt)
    völlig egal
    Kranki hat recht wenn er meint das die
    Altersbeschränkungen alle um mindestens
    zwei Jahre verringert sollten
    Wobei ich denke das problem liegt
    eher an der Ungenauigkeit der Altersbeschränkungen
    Weder usk noch pegi haben Altersstufen zwischen
    13-16 bzw. 7-12 jahren

  4. @The_Real_Black
    Das Kinoprivileg in Deutschland wie ich es nennen möchte hat aus meiner Sicht andere Gründe.

    (Zur Erklärung: dadurch darf die FSK, ansonsten nicht, (einfach) jugendgefährdendes Material für eine Auswertung in Lichtspielhäusern kennzeichnen. Eine eindeutige Diskriminierung in Hinblick auf Games, welche solche Auswertungen eben gar nicht erfahren)

    Gründe die zum Beispiel in Festivals liegen, Festivals wie dem Fantasy Film Fest. Dass dort nicht mal die Polizei hereinschneit in eine Vorführung und einen Film kurzerhand beschlagnahmt. Das würde für mich einfach auch (international) zuviel Aufmerksamkeit erregen und das möchte eben auch der Staat vermeiden. Denn was vorher nicht schon indiziert wurde wird üblicherweise ja auch nicht beschlagnahmt. Und eine Gelegenheit zur Indizierung wird so irgendwie doch auch nicht geboten. Zumindest nicht mehr seit 2003
    Hängt meiner Meinung nach auch mit Bildungsprogrammen, Vorstellungen davon, zusammen. So kann ein ausgewiesener Experte wie Marcus Stiglegger bei Gelegenheit ebenfalls problemlos illustrativ über anderweitig verbotene Sachen auch referieren und braucht sich dabei auch vor nichts und niemanden fürchten in einer zumindest entsprechend abgeriegelten Öffentlichkeit. Hinzu kommt, dass so eine Situation in aus meiner Sicht perfider Weise auch Akzeptanz für Zensurmaßnahmen woanders eben schafft, weil eine offizialisierte Kultur über akademische Veranstaltungen, etc. so eben nicht davon betroffen ist.
    Und das Ganze hängt mit einer Bevorzugung von Kultur zusammen wie sie eben in Lichtspielhäusern oder anderen Theatern stattfindet. Sexkinos gibts ja (fast) nicht mehr
    Die Indizierungen und Beschlagnahmungen betreffen so immer eher Video-Veröffentlichungen und damit einhergehend immer eher auch Privaträume.
    Mir fällt auf die Schnelle so interessanterweise überhaupt kein indizierter oder beschlagnahmter Kinofilm in Deutschland ein
    In Österreich wurden die Filme Das Gespenst und Das Liebeskonzil in den jeweiligen Ländern afaik hingegen von den Kinos weg beschlagnahmt

  5. Nachtrag: auf SB.com gab es vor einiger Zeit dazu sogar noch einen Artikel über eine entsprechende Veranstaltung, wo jemand von der FSK pikanterweise in meiner Erinnerung überhaupt behauptet hat, dass Kinofilmen in Deutschland dadurch kein Unheil droht. Demnach diese mehr oder weniger völlig problemlos laufen könnten: was natürlich Unsinn ist, sieht man sich doch geschnittene Kinoauswertungen von John Rambo oder Hostel 2 an. Aber das ist vermutlich ja auch alles viel zu kommerziell für diese Leute um diese zu berücksichtigen, daran überhaupt zu denken…

    Es ist aber wohl schon so, als in der Sache kaum bewanderter Nicht-Jurist kann ich darüber aber ebenfalls nur spekulieren, dass man bei der FSK bei keinem gewaltdarstellenden Film zum Beispiel von einer schweren Jugendgefährdung ausgehen braucht. Dass man für die Vergabe von Kennzeichen, das heißt auch auf Video, bloß überhaupt nach Jugendgefährdung sichten muss und ob diese nun strafrechtlich relevant ist oder nicht später der BPjM, beziehungsweise den Gerichten, (ganz) überlässt.
    Dazu passt aus meiner Sicht auch die Handhabe automatischer Indizierungen bei (angeblich eindeutiger) „schwerer Jugendgefährdung“, die Kinofilme so ja für gewöhnlich nicht betrifft…
    Diese Vermutung von mir legt dann aber auch nahe, dass die geschnittenen Kinofilme welche es doch gibt vermeidbar wären. Sache der jeweiligen AnbieterInnen – also vorauseilender Gehorsam.

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