Kennzeichnung wirkt kontraproduktiv

(via pressetext, uni-erfurt) USK-Kennzeichen auf Spieleverpackungen sind seit 2008 in einer stark vergrößerten Version vorgeschrieben, damit sie Eltern weniger leicht entgehen. Diese Prüfsiegel stechen nun tatsächlich mehr ins Auge, was bei Kindern jedoch nicht den gewünschten Effekt zur Folge hat:

“Der Vergleich der alten, noch im Jahr 2008 genutzten Kennzeichnungen und der neuen, mittlerweile verfügbaren Alterskennzeichnungen zeigte, dass sowohl Kinder als auch Eltern die neuen Kennzeichnungen früher wahrnehmen und auch intensiver betrachten. Gleichzeitig ergab sich jedoch bei den untersuchten Jungen im Alter von 12 bis 13 Jahren eine nicht intendierte Wirkung: Durch die neuen, nun größeren Alterskennzeichnungen stieg das Interesse bei den Jugendlichen, eben gerade solche Titel zu nutzen, für die sie eigentlich zu jung sind.”

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23 Gedanken zu “Kennzeichnung wirkt kontraproduktiv

  1. Was für eine Überraschung, die von Schildbürger-Jugendschützern lächerlich groß aufgeblasenen USK-Kennzeichen sind unzureichend und haben sogar einen gegenteiligen Effekt. Wer hätte da bloß darauf kommen können?

    Okay jetzt mal ernsthaft, es wird Zeit das der deutsche Jugendschutz und seine Organisationen einsehen, dass sie weder die Fähigkeiten, noch das Recht dazu haben, zu bestimmen was altersgerechte Medieninhalte sind und mit der Medienzensur in Deutschland aufhören.
    Die USK-Kennzeichen sind ein Warnzeichen, aber nicht für jugendgefährdende Inhalte, sondern für einen verstümmelten, schlechteren Abklatsch eines Originalspiels und absurd große Kennzeichen helfen bloß dabei diesen Zensurprodukten aus dem Weg zu gehen.

  2. Verbote machen eben alles nur noch interresanter
    Ohne die übertriebenen Altersfreigaben wären einige Spiele,besonders bei jüngeren,nicht so beliebt
    Teilweise liegt das wahrscheinlich auch daran das einige Jugendliche die Spiele kaufen um damit anzugeben und das geht mit einem fettem 18+ auf der Verpackung eben besser

  3. Wobei ich zugeben muss, dass auch ich in der Videothek die Farbe der Aufkleber mit einbeziehe, wenn es ums eingrenzen geht. Dumm nur – wie angesprochen – wenn man im nachhinein bemerkt, dass “Die Horde” geschnitten war…

  4. minderjährige, die sich ihre spiele nach dem roten siegel aussuchen, haben es auch schon gekannt, bevor es so aussah wie jetzt. es blödsinn zu behaupten, dass kinder, die sich brutale spielen raussuchen, um damit anzugeben nicht schon vorher gewusst haben, woran man die erkennt.

  5. Also dieses Ergebnis ist natürlich vöööööllig überraschend und absolut nicht vorhersehbar gewesen. *hust*
    .
    Schön zu sehen, dass diejenigen, die dachten mit so einer simplen Lösung bestehende Probleme lösen zu können, mal so richtig auf die Nase gefallen sind. Als nächstes kommen dann wohl die Warntexte á la “Der Konsum dieses Spiels kann ihr Kind zu einem Amokläufer machen”.

  6. Was mir an der Meldung am Besten gefällt: ich habe eben diesen Effekt bereits letztes Jahr heraufbeschworen. Je mehr ein Medien stigmatisiert und als “böse” gebranntmarkt wird, desto interessanter wird das “Warum?” – “Warum ist gerade dieses Spiel so heftig, dass es ab 18 eingestuft / nicht gekennzeichnet / indiziert / beschlagnahmt wurde? Das müssen wir uns ansehen!” Wären sie ganz normal im Handel erhältlich, würden viele von ihnen automatisch untergehen, siehe ‘Manhunt’, das sich 2003 jedes österreichische Kleinkind kaufen konnte und das es trotzdem nicht einmal in die heimischen Verkaufscharts geschafft hat… *roll eyes*

    Bei meinem damaligen Freundeskreis und mir war es schließlich auch nicht anders. Im Laufe meiner Pubertät waren ‘Resident Evil 2’, ‘Quake III’ und später ‘Soldier of Fortune II’ definite “Must-Haves” dank der Kontroversen in Deutschland, die wir über die deutschen Printmedien mitbekamen, obwohl sie uns nicht einmal betraf (dass es in Österreich keine Indizierung gibt wusste damals allerdings kaum einer, zu stark war die Abhängigkeit zu besagten Printmedien als Informationsquelle – Gott sei Dank sind diese Zeiten vorbei, es lebe das globale Internet!). Bei Letzterem galt: besonders cool ist, wer eine Importversion ohne Roboter sein Eigen nennt… ^^

  7. Wie schreibe ich (ähnlich) in meiner Diss.:
    “Wenn die Rezeption von Erwachsenenmedien ein Privileg Erwachsener ist, dann ist sie gleichermaßen ein (potenzieller) Aspekt der Adoleszenz Jugendlicher.”
    Auch die Wahlfreiheit der Medien distinguiert in usnerer Gesellschaft Jugendliche und Erwachsene, da ist es ein natürlicher Prozess, dass Jugendliche (nach und nach) vermeintliche “Erwachsenenmedien” (resp. solche, die nicht für ihre Altersklasse zugelassen sind) rezipieren, das findet nicht schlagartig mit dem entsprechenden Geburtstag o.ä. statt; man könnte auch sagen, dass man da ohne Dünger nicht reifen kann. Das muss mna i.d.S: auch nicht zwingend mit dem Reiz des Verbotenen selbst begründen, dass ist eher eine Demonstration und Konsequenz des Prozesses zunehmendender Autonomie der Jugendlichen – im Grunde genau das, worauf man hierzulande mit dem Jugendmedienschutz wert legt: Die Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit.

    So verwundert es auch nicht, dass schon seit unzähligen Jahren bekannt ist, dass die betroffenen Jugendlichen da i.d.R. einen klassischen 3rd-person-Effekt demonstrieren und jede Schutzbedürftigkeit von sich weisen; Schutz sei nur einige andere notwendig oder gar nur für jeweils Jüngere (das ließ sich bereits für Kinder feststellen) – Jugendschutz ist für sie in aller Regel eher Kinderschutz.

    Hinzu kommen zwei weitere Phänomene: Einerseits das sog. “kids are getting older younger”-Syndrom, andererseits die Vermischung von Jugend- und Erwachsenenalter, das Phänomen der Postadoleszenz.

    Das sich Jugendliche nicht an die Altersklassifikationen gebunden fühlen, ist schon von daher eine selbsterfüllende Prophezeiung und außerdem schon seit Jahrzehnten der Fall. Die Wirkung mag nicht intendiert gewesen sein, sie war aber vorhersehbar………

  8. Was mir vor ein paar Wochen aufgefallen ist, als ich “Fallout: New Vegas” bei meinem Lieblingdealer ausleihen wollte:
    Ich stand vor der Tür der 18+ Abteilung, um in rein zu dürfen. Da schau ich mir die Spiele an und denke die ganze Zeit, warum die das nicht da haben. Gerade Fallout! Wo stand es? VORNE! Ganz normal zwischen “Viva Piñata” & co.! Leider wurde zwischendurch die komplette Belegschaft in der Videothek durchgetauscht. Das hätte es bei den alten Mitarbeitern definitiv nicht gegeben, daß mehrere 18+ Titel (sogar schön nebeneinander sortiert) vorne stehen. WENN das mal vorkam, hat man bescheid gesagt, dann kam ein “Oh, Mist!” und der Typ oder Typerette ist losgestürmt und hat das aus dem Regal gezogen. Als ich dieses mal bescheid gesagt hab, daß fast 25 18+ Titel allein für die XBOX360° vorne stehen, kam nur: “Na und?” und das geht definitiv nicht!
    Ich bin Kunde seit ich 17 bin und damals vor ca. 12 Jaren stand nicht ein einziges Spiel, Video oder sonstwas ab 18 vorne! Denn daran würde ich mich erinnern…

  9. Und warum sollte das nicht gehen? Das ist absolut legal; die “Na und?”-Reaktion sit da mehr als angebracht. Wenn die da eine 18er-Abteilung drin haben, dann haben die diese ohnehin nur aus eigenem Gutdünken hingepflanzt, nicht aus rechtlichen Gründen. Wollten sie z.B. indizierte Medien in dieser Abteilung auslegen, wäre auch das – als “shop-in-the-shop”-Regelung – illegal…

  10. Und genau das haben die Gamer von Anfang an gesdagt,das diese Übergroßen Logos auf den Packungen von Spielen (Und auch Filmen) die Begehrlichkeiten bei den Jugendlichen (trotz Zensur und co.) ledliglich deutlich steigern werde anstatt die Begehrlichkeit zu senken.
    Und das gleiche auch bei den Indizierungen, eine Indizierung oder gar Beschlagnahmung ist für die Jugendlichen nichts anderes als ein übergroßes Qualitästsiegel was deren Interesse erst Recht weckt und das trifft auch auf die zensierten Titel und denen zu die hier nicht erscheien dürfen, das heißte es dann bei den Jugendlcihen: “Also wenn das hier nur zensiert erscheint deor gar nicht muß das Spiel ja was ganz tolles sein” und schon sitzen die Jugendlichen vorm Rechner und ordern das Spiel ihres Interesses.

  11. Ich kann man noch an die Zeiten erinnern als es gar keine Freigaben gab und man so einiges an Gewaltspielen nicht gekauft hatte weil man sie oft nicht kannte (Gamemagazine und Mundpropaganda und Werbung und Gameshops gab es aber damals schon nur halt kein I-Net)und man auch noch nicht gezielt nach roten Flecken suchen konnte, dann kamen die Freigaben und damit Hilfestellung beim Spielekauf, die Jugendlichen hatten so auch ich hatten shcnell raus das Kidgames in der Regel von der Qualität her Mist sind und die besseren oft ein ab 16 oder gar 18 hatten und man merkte auch schnell das man mit Uncutimporten und Index-Games gut angeben konnte. Wer Disketten oder später CD/DVD’s via Brenner vervielfältigen konnte, war immer im gespräch und sehr gefragt (Brenner hat aber heute eh jeder, aber nicht jeder hat jedes Game oder kennt jedes Spiel-*Mal von Nerds wir mir einmal abgesehen*Grins)

  12. @Pow Na und? Wenn man in der Videothek was ab 18 ausleihen will muss man doch den Ausweis vorlegen. Im Kino hängen ja auch die Plakate von SAW usw. .

  13. Pingback: Negative Wirkung von Alterskennzeichnungen | Jugendmedienschutz-Staatsvertrag - JMStV

  14. @Vicarocha
    Bei indizierten Sachen wäre so eine Auslage doch nicht mehr legal oder?
    Nehme an es waren in dem Posting bloß USK-18-Spiele gemeint, ja…

    Viele scheinen denn Unterschied aber noch immer nicht begriffen zu haben: als ich vorhin nach “Manhunt 2” googelte stieß ich gleich als ersten Treffer auf ein angebliches “USK-18”-Video bei Yotube davon. Oder war es gar “FSK-18″… Sachen gibts :-(

  15. OK, dafür kann man eine Studie machen, man kann es wissenschaftlich unterlegen. Aber man hätte auch meine Oma fragen können. Die hat für solche Sachen immer einen passenden Spruch: Nachbars Kirschen sind besonders süß… oder so etwas.
    Wovon reden wir denn die ganze Zeit! Glaubt uns nun endlich mal jemand? Kann man, bevor man wieder eine Ministerin draufloswerkeln lässt, erstmal die Basis fragen. Das würde viel Arbeit und Geld sparen.
    Und getraut sich eventuell mal eine Studie an das Thema: Die USK ist überflüssig!?

  16. nun die zensur die die usk von den entwicklern fordert, auch “selbstzensur” genannt, ist eigentlich das einzig negative an der usk.
    ich finde videospiele sollten auf jedem fall weiterhin mit altersverifizierungen veröffentlicht werden, ein bissel mehr dezenter als wie jetzt, aber mehr auch nicht.
    sprich: die usk soll lediglich festelegen, ab welchem alter welches spiel geeigent sein soll, da ist dann aber auch schluss.

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