Arcade-Videospiele illegal verboten

(via GSPB, mz, Südliches Anhalt) Für Leser dieser Seite dürfte es kein Geheimnis sein, dass manche deutsche Gemeinden gewaltdarstellende Videospielautomaten – obwohl es sie praktisch nicht gibt – um ein vielfaches höher als z.B. Glücksspielautomaten besteuern. Es wird hierbei ganz offen zugegeben, dass der Betrieb auf diese Art unwirtschaftlich gemacht und das Aufstellen der Automaten verhindert werden soll. In der Stadt Südliches Anhalt ist man einen Schritt weiter gegangen und hat am 24.11.2010 offen ein Verbot beschlossen. Das ist einerseits natürlich erfrischend ehrlich, andererseits aber illegal. Zumindest geht die Gemeinde selbst davon aus. Nichtsdestotrotz hat man sich für ein Verbot entschieden, denn:

“Einer muss mal anfangen. So was muss verboten sein.”

14 Gedanken zu “Arcade-Videospiele illegal verboten

  1. @EpICu?

    Definition ist in § 2 enthalten. An öffentlichen Orten aufgestellte Geräte mit Benutzung gegen Entgelt und offenbar auch:

    “die entgeltliche Benutzung von elektronischen multifunktionalen
    Bildschirmgeräten, die das Spielen am
    Einzelgerät oder durch Vernetzung mit anderen örtlichen
    Geräten (LAN) oder im Internet ermöglichen.”

    Also möglicherweise auch kommerzielle LANs und Internet-Cafes, bei denen gezockt werdne kann?

  2. Wie verharmlost man denn Krieg? Emile Zola, Erich Maria Remarque – das ist doch nüchternes, realistisches Herangehen an die Thematik Krieg. Verharmlosung ist für mich, wenn ich bei N24 einen General a.D. sehe, der voller Begeisterung das militärische Genie eines Alexander des Großen preist und voller Hochachtung von nur 2000 Toten spricht, während die Gegenseite ihre gesamte Armee verloren hat. Damit wären wir dann auch beim Punkt der Verherrlichung. Wie sollte denn ein Automatenshooter aussehen, dass er nicht den Krieg verherrlicht? Er muss also realistisch im Sinne von Remarque das Geschehen abbilden. Dann sind wir aber bei der Gewalttätigkeit gegen Menschen. Nehmen wir doch einmal das Spiel “Im Westen nichts Neues” – wie sollte das denn dann aussehen?
    Gyere, gyere baratok.

  3. Naja im biegen und brechen von Recht und Gesetz waren Politiker immer schon gut. Tja wieder etwas mehr worauf man achten muss aber da in Deutschland Arcadeautomaten eh seit nun beinahe 20 Jaren Tod sind, wem interessiert da noch ein Gesetz wie dieses?
    .
    Gibt viel Unsinn, so darf öffentlich (Im Geschäft) Spiele nur mit einer Freigabe bis maximal 6 Jahren vorgeführt werden (Auf einem TV) selbst wenn der Kunde Volljährig ist und die Vorführung durch geschultes Fachpersonal betreut wird, die Demostationen/Vorführungen sind seither (Ende der 90er) überdeutlich weniger geworden bzw. in aller Regel gänzlich aus den Läden verschwunden.

  4. Möchte Doktor Trask zustimmen: der Markt wurde ohnedies bereits kaputt gemacht, die dazugehörige Kultur ebenso. Damit schaffte man es wohl auch, dass sich manche Arcade-lastigeren Genres in Deutschland nie so durchgesetzt haben – manche Arcaden von früher waren so vielleicht eher auch aus dem Urlaub in der Kindheit bekannt, wo die Münzen naturgemäß immer etwas knapp waren
    Ansonsten sprechen aus dem Text bloß die altbekannten Ressentiments gegen Gewaltdarstellungen und eine Beschäftigung mit “Krieg” in Videospielen.

  5. @Purchaser
    Hierbei gebe ich zu bedenken, dass mittlerweile zumindest bei Büchern die Toleranz für Gewalverherrlichung sehr hoch ist. So sind zum Beispiel “In Stahlgewittern” (WW 1, Hammerharter Stoff) oder “American Psycho” (Sollte bekannt sein, noch abgefuckter)nicht verboten.
    Keine Ahnung, ob es so etwas wie ein anti-Kriegsspiel in diesem Sinne überhaupt geben kann. Aber definitiv werde hier völlig andere Maßstäbe angesetzt.

  6. Ich denke auch Krieg ist ein Unwertsurteil, demnach ist auch jedes Kriegsspiel ein Antikriegsspiel: bei Spiele welche andere negative Dinge behandeln spricht man schließlich auch nicht gleich davon, dass es diese befürworten würde. So etwa Katastrophen wie eine übersteigerte Heuschreckenplage in “It came from the desert” (Cinemaware)
    Eine Freude an Heuschreckenplagen wie einzelnen Darstellungen von “Krieg”, Kriegshandlungen, schließt auch das nicht aus: was erwartet man denn auch anderes von einem “Antikriegs”-Irgendwas, egal ob Film, Buch oder Spiel? Doch bloß Zurückhaltungen und Zurücknahmen in Darstellungen – was Darstellungen eben verhindert. Verhindern soll? Kann es das sein? Für mich jedenfalls nicht. Jeder Mensch kann fiktionale Darstellungen so oder so empfinden, was für den einen eine Verherrlichung darstellt ist für den anderen Kritik. Leider scheint man sich unter “Kritik” so jedoch immer nur Zurücknahmen, Zurückhaltungen vorzustellen, in Zusammenhang mit moralischen Ermahnungen – ich verbinde damit wiederum aber eher nur zwei Dinge: Heuchelei und Verlogenheit.

  7. Arcade, wie amüsant. Da sind sie ungefähr 15 Jahre zu spät dran. Die Spielhalle ist bei uns / im Westen schon lange tot. In Asien / Japan hätte ein solches Verbot stärkere Konsequenzen…

  8. Can someone make me a summary of the situation in English, please ? According to Googletrad, I guess that a German town decide to ban completely “violent” arcade games instead of overtaxing it, but I would like to have more precisions.

    Thanks in advance.

  9. Right:

    At the Image:

    “Geräte, mit denen Gewalttätigkeit gegen Menschen dargestellt wird oder die eine Verherrlichung oder Verharmlosung des Krieges zum gegenstand haben, sind verboten.”

    “Gears, which are used to show violence against humans or deal with a glorification or trivilization of war, are forbidden.”

    It’s about coin operated gears in the public. Maybe also LANs but I don’t understand that part.

  10. Viele Danke !

    And what about the overpriced tax ? Does it involve any kind of slot machine ? Arcade games only ? “Violent” arcade games ? Is there any document on the subject I can refer to ?

    (I plan to write something in French, that’s why I ask all these questions)

  11. De rien!
    For example Bremen (§ 3):
    http://bremen.beck.de/default.aspx?vpath=bibdata%5cges%5cBrVergnuegstG%5ccont%5cBrVergnuegstG.htm&mode=all
    For slot machines were you can win cash its different – See § 3 (2): 200 €, 50 € or 10 percent of the money.
    For other look at § 3 (3):
    – Musicbox 15 € per Month.
    – Slot Machines where you can’t get cash 20 € (in casinos) or 60 € per month (other places).
    – Gears which show violence 307 € per month (“Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder eine Verherrlichung oder Verharmlosung des Krieges” = which show “violence against humans or a gloryfication or trivilization of war”.)
    (Other towns have up to 1000 € a month.)

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