Protestbrief gegen “1378(km)”

(ost-blog) Bereits am 09.12.2010 wurde im “Ost-Blog” des Nordkuriers ein Brief des Künstlers Helmut Preller veröffentlicht, der sich gegen den Entwickler von “1378(km)” richtet. Über die Qualität des Spieles kann man streiten, aber das Bild, das Preller von der Natur der Spiele (-r) zeichnet, ist eine Erwähnung wert. So biete das Projekt nach seiner Auffassung lediglich “”Baller-Computer-Spielern” eine perfekte Steilvorlage, sich nun auch in noch perfiderer Weise den realen Opfern […] zu bedienen”. Es ist somit offenbar Literatur, Film und Theater (sowie den entsprechenden Rezipienten) vorbehalten die jüngste deutsche Geschichte aufzuarbeiten. Auch würde die im Spiel enthaltene moralische Verurteilung von Schüssen auf Flüchtlinge die nach seiner Einschätzung stattfindende “Gewalteinübung über den PC […] verharmlosen“, denn die “Indoktrinierung der SED […] zum Hass auf den Klassenfeind und Kriegserziehung bereits ab Kindergarten” werde heute “mit nahtlosem Übergang auch mit PC-Spielen fortgeführt“.

Zum Brief

(Dank an ShaneFenton.)

73 Gedanken zu “Protestbrief gegen “1378(km)”

  1. Ich versuche immer noch zwanghaft einen Sinn zu finden: Ich wurde in meiner Kindheit nicht vom Staat gezwungen mich am PC darauf vorzubereiten unsere Freiheit am Hindukusch zuverteidigen. Im Gegenteil: Mit USK und BPjM hat er krampfhaft versucht mich davon abzuhalten Shooter zu spielen. Und es werde Kriegserziehung propagiert? Ich wusste selbst nach 10 Jahren Shootern nicht, dass man auch halbautomatische Waffen manuell durchladen muss. Und Hass auf den Klassenfeind? Ok, wenn ich ganz angestrengt nachdenke, das blaue Team war mir schon immer suspekt!

  2. Das lernst du bei der Bundeswehr… ach ja… dort ist “auf Menschenähnliche Personen schiessen” legal nicht herauszensiert. Gut es gibt kein Blut, aber der Sinn dahinter dafür umso heftiger.

  3. @ THeWretched dort sogar mit fotorealistischer grafik^^

    aber was soll man von leuten erwarten, die sich nicht mit dem Medium Computerspiele auseinandersetzen(wollen)?
    Da man in Fernsehn, Zeitung und Radio ja immer nur schlechtes über Computer(-spiele) hört, und es die meisten leute einfach nicht besser wissen, haben halt viele von spielen ein ausschließlich negatives bild im kopf. soweit noch ok.
    wenn jetzt aber leute meinen, ihre meinung zu den spielen öffentlich bekannt geben zu müssen, ohne sich das ganze vielleicht ein bisschen genauer anzugucken, dann kommt dabei so ein engstirniger, von vorurteilen geprägter, geistiger dünnpfiff raus.

  4. Virtuelle Gewalt führt nicht zu realer Gewalt, genug Studien belegen dies.
    Die Konflikte an den Grenzen Mexikos, Israels und an vielen anderen Orten der Welt mögen tragisch sein, aber ihr Ursprung und Werdegang wurde nicht von der Freizeitgestaltung westlicher Jugendlicher beeinflusst.
    Dass Deutsche umgebracht wurden, weil sie von einem Teil Deutschlands in einen anderen flüchten wollten, ist das Perverse und nicht ein kleines Studienprojekt, das zum Nachdenken anregen soll.
    Eine Aufarbeitung der DDR-Zeit halte ich für dringend notwendig.
    Genau gegen diese “Schwamm drüber”-Mentalität ist ’68 mal eine ganze Generation auf die Straße gegangen. Ich denke auch, dass ähnliches uns – graduell abgeschwächt, weil die DDR ja nun nicht das 3. Reich war – auch noch bevorsteht. Im Moment sind noch zu viele Involvierte unterwegs in der Gesellschaft. Zu viele Menschen, die persönliche Erfahrungen mit politischen System verwechseln. Die alten Omis, die sich die DDR zurückwünschen, weil sie da ihre große Liebe kennengelernt haben, ihre besten Jahre verbracht haben, etc. etc..
    Ebenso der Filz der Ex-Täter und Mitläufer, die teils auch heute noch aktiv in der Politik mitwirken, die haben natürlich kein großes Interesse daran, dass das jemals aufgearbeitet wird. Schwamm drüber!
    Aber die wahre Aufarbeitung steht uns noch bevor, wenn diese Leute erstmal langsam aus dem Gesellschaftsgefüge verschwunden sind, und ein objektiver, ohne Privatinteressen geleiteter Blick auf diese Zeit möglich wird.

  5. @Jan
    Ich denke der Verlust an Zeitzeugen wird eher eine Schlussstrich-Mentalität befördern: dass man zunehmend sagt “was geht mich die DDR an, ich lebe heute im hier und jetzt, sowie denk an die Zukunft. Meine Zukunft”. Egoistisch. So wie sich Leute wie dieser “Kritiker” wohl auch Ego-Shooter-Spieler halt so vorstellen…
    Die deutschdeutsche Vergangenheit so ist auch das Erbe einer bipolaren Welt: am Ende wurde die dem Unrechtsstaat zugrunde liegende Ideologie nicht weitgehend zurück gedrängt. Ansonsten wäre die “Ostalgie” womöglich auch gar nicht erst entstanden.
    Mir scheint dies – von der Reklame etwa angefangen – ja vielfach so ähnlich zu sein wie manche Nostalgie an die 1950er Jahre im Westen: die Beschwörung des Bildes einer heimeligen, glückseligen Gemeinschaft im Osten. Musik, Sprache, Essen. Familientraditionen

    Und das politische Erbe aus der Zeit tragen sowohl eine sozialistische Linke, als auch kirchliche Kreise welche sich damit rühmen eine einmalig friedliche Revolution davon weg getragen zu haben. Auch diese Gedanken einer Friedensbewegung sind schließlich nostalgisch
    Letztlich wird es für Anderes wohl (auch) an kleineren Gruppen liegen: etwa an schwulen Männern welche ihre Jugend in der “Zone” verbrachten, wenn sie nicht geflüchtet waren – was deren Identität wiederum (mit)geprägt haben wird.
    Eine solche Vielfalt an Erinnerungen muss aber auch erst zugelassen werden und darf nicht schon im Keim erstickt werden.

    In dem Spiel geht es aber ja um ein Gewinnen oder Verlieren wie im Fussball – das soll zwar keinen Spaß machen, aber dennoch ist es formal so angelegt. Und fördert dahingehend aus meiner Sicht auch diverse Negativbilder über Games. Warum auch immer eine solche Spielform gewählt wurde – in der Erinnerung geht es doch nicht darum. Von Erinnerungen gewinnt im besten Fall jeder Mensch, haben alle was. Von guten wie schlechten Erinnerungen kann gelernt werden – ebenso wie aus allen “Killerspielen”, Games gegen welche sich da womöglich eben noch gewandt wird.

  6. er weiß wovon er redet, weil er mal bei irgendwas mit neuem medien mitgewirkt hat. alles klar, ich weiß was Hop Hop ist, weil ich mal einen von den typen auf der straße gesehen hab. sind dann schauspieler in krimifilmen auch mörder, weil sie die “drücker” oder besser gesagt stecher sind?

  7. “Aufarbeitung der DDR-Zeit…”
    Die DDR arbeitet man nicht dadurch auf, dass man bei jeder sich bietenden Gelegenheit rumheult, wie schlecht doch alles war.
    Auf der einen Seite wird gejammert, angeblich Ewiggestrige würden die DDR verklären und besser machen als sie sei.
    Aber genauso wird doch auch versucht, die DDR als schlechter darzustellen als sie gewesen ist – und das mit allen sich bietenden Mitteln.
    So zum Beispiel hier – ein drittklassiges Computerspiel, das vorgibt, die Mauermorde zu thematisieren, wird unter lautem Geheule zum Gesamturteil über die DDR hochstilisiert.
    Ohne dieses Gejammer und die künstliche Aufmerksamkeit, um mal wieder den Osten schlechtzureden wäre das Spiel schon längst in der verdienten Versenkung verschwunden.

  8. Helmut Preller, ein weiterer Christian Berg in der “Killerspiel-Debatte”? Wird auch seine Website mit Wut-Mails zugeflamed? Wird Herr Preller daraus eine Verrohung der Jugend durch “Killerspiele” erkennen? Wann wird Herr Preller den Militär-Mythos aufsagen und vor allem wieviele Kameras und Journalisten werden dabei Zeuge sein? Und wird auch Herr Preller zwei Wochen nach seinem Statement zu “Killerspielen”, wenn er für kurze Zeit den frischen Wind der medialen Aufmerksamkeit genossen hat, wieder in den Dunst der elitären Kunst verschwinden?

  9. Also zu dem Text muss ich mal sagen: Was für ein hysterischer Scheiss, der fernab jedes gesunden Menschenverstandes (alleine schon die NS-Vergleiche sind der Hammer!) um jeden Preis Empörung ausdrücken will.

    Wieder so ein Ahnungsloser, der das Ding wohl nichteinmal angetestet hat.

    Auch wenn ich 1378 reichlich schlecht finde (Grafik, Bugs, Designfehler am laufenden Band), darf man nicht vergessen, dass dies eine “OneManShow” war, was dann schlussendlich doch ein großartiges Resultat aufweist – gemessen an der “Menpower” war, die da reingesteckt wurde.

    Filme dürfen schon lange alles mögliche Thematisieren – “Schindlers Liste” ist harter Tobak und läuft um 20.15Uhr im dt. Fernsehen. Dagegen ist diese HL-Mod im Bezug auf die Darstellung absolut harmlos. Auch ist das dargestellte bzgl “Grausamkeit” des Themas auf einem ganz anderem Niveau.

    Wenn also so ein Mauerkünstlerchen auf die Idee kommt, 1378 mit NS-vergleichen zu bewerfen, dann sollte dieser nette Eumel doch auch mal die Medien angeschaut haben, die sich wirklich mit der NS-Zeit beschäftigen. Auch darf der werte Herr gerne mal (anti)Kriegsfilme gucken oder Literatur, die sich mit Krieg beschäftigt durchlesen. Ggf. wird er dann aus seinem Schlummerland mal aufwachen.

    der Brief ist nichts weiter als Hysterie und Empörung eines völlig ahnungslosen und somit offensichtlich recht ungebildeten Menschens, dessen angebliche moralische Überlegenheit, welche in dem Brief “dargestellt” wird, einfach nur auf das vorhandensein, einer perfiden Doppelmoral zurückzuführen ist.

    Auch schäme ich mich dafür, dass andere Menschen, die in diesem Land leben so einen Dreck verfassen. Da entwickelt ein Student etwas als Projektarbeit und wird eigentlich nur mit Kot beworfen und das auch noch von Leuten, die von “Tuten und Blasen” keine Ahnung haben.
    Auch bin ich der Meinung, dass dieser Brief ziemlich Menschenunwürdig mit dem Macher, wie auch den Unterstützern des Projektes umgeht, denn die Vorwürfe dort sind nicht nur grenzenloser Quatsch (achtung Wortspiel…), sondern zudem auch sehr grenzwertig und erniedrigend.

    Ich schäme mich, in dem gleichen Land zu leben wie der Verfasser der oben verlinkten … ja was ist es eigentlich? Hetzschrift? Hassschrifft? Hasspredigt? Oder gar noch was anderes oder alles zusammen? Ich kann diese Typen nicht mehr ausstehen.
    Wenn Künstlern anderen Vorschreiben, welche Kunst in einem Land, in dem künstlerische Freiheit garantiert wird, legitim ist, dann sollten diese Künstler doch einfach mal auswandern! Auch frage ich mich, ob der Verfasser dieses Briefes überhaupt unser Grundgesetz kennt und ob er mal die unendliche Güte aufweisen könnte, das GG der BRD zu respektieren! Ein GG, welches jedem(!) Künstler entpsrechende Freiheiten einräumt.

    Denn diese Freiheit, die nicht nur Künstlern in der BRD nach dem GG zugestanden wird, ist einer der wichtigen Unterschiede zwischen BRD und DDR. Und wenn nun ausgerechnet diese Freiheit von DEM Herrn abgesprochen wird, dann hat er wohl mehr Indoktrinierung in der DDR miterlebt als er der Welt weißmachen will.

    Versteht mich bitte nicht falsch, jeder darf Kritik an allem üben, aber sollte die Kritik ein gewisses Niveau erreichen. Er hätte gerne sagen dürfen, dass er das nicht gut findet, das ist seine Meinung. Aber er sollte seine Meinung nicht mit Lügen, Übertreibungen und absolut respektlosen Vergleichen “untermauern” – achtung das Wortspiel hier, hat eine tiefere Bedeutung! Denn der Brief zeigt nichts anderes auf, als eine Mauer im Kopf! Und mit “Mauer im Kopf” meine ich nicht “Brett vorm Kopf”, sondern einfach ein mangelndes Bewusstsein dafür, dass die reale Mauer weg ist und dass die Mauer in den Köpfen der Menschen doch auch mal bitte fallen sollte, denn in dieser BRD gelten andere Werte, als in der DDR.

  10. Und er bedient sogar noch Godwins Law (irgendwann fällt in jeder Diskussion ein NS-Vergleich) mit dem KZ Simulator. Immer wieder schön zu sehen, was Künstler sich anmaßen über andere Kunstprodukte Urteilen zu können, als wenn sie die Alleinhoheit über die wahre Meinung hätten. Klar darf (und sollte!!) man über alles diskutieren, aber dann doch bitte mit Sachverstand und Argumenten und nicht Preller’sche Art.
    .
    Großartiger Kommentar von Pyri. :)

  11. Und wird Herr Preller ebenfalls die Polizei einschalten müssen, weil er seinen Mut sich gegen diese Ballerspiele auszusprechen, mit Morddrohungen vergolten bekommt? Werden diese “Morddrohungen” sich ebenfalls wieder im Sande verlaufen?

  12. Mal schauen, ob er behauptet ernste Morddrohungen zu bekommen und ob er dann der Hochschule seinen privaten Sicherheitsdienst in Rechnung stellen will….
    …ist die Frage nach der Uniform des Sicherheitsdienstes jetzt zuviel des Guten? :P

  13. @hecter specter
    Bei Christian Berg tauchen ja immer noch ab und an Wut & Haß -Mails/Gästebucheinträge auf, nur die sind gegen die Gamer und ihr Hobby gerichtet. Es gab bei ihm mehr Mails/Gästebucheinträge gegen die Spieler als gegen ihm, das nur so am Rande.

  14. Richtig Doktor, aber das hielt Herrn Berg nicht davon ab, dennoch eine Verrohung durch Videospiele aus den an ihn gerichteten Wutmails zu ziehen. Leider. Aber danke für deine Bemerkung.

  15. Der Verfasser dieses Briefes scheint wahrlich nicht sehr weit gedacht zu haben. Eine größere Ansammlung geballten Unsinns habe ich länger nicht gelesen. Aber ich schätze (oder vielmehr: hoffe), dass dies eine Maßname war, um wieder in die Medien zu kommen… frei nach dem Motto “Hauptsache Aufmerksamkeit”.

    @maSu:
    Ich tippe auf Pink.
    Ist Politisch noch korrekt, Braun(SA)/Schwarz(SS)/Grün(NVA)/Rot(China) sind doch prinzipiell verdammenswert.
    Vorrausgesetzt er behält konsequent sein Niveau, welches er im Brief an den Tag legt.

  16. Es gibt ja auch dieses Duo “Interpixel” aus der Schweiz, das “Killerspiele” sammelt um sie dann in Medienkunst-Veranstaltungen zu vernichten. In Hinblick auf andere Ausdrucksformen wäre das wohl eine kritische Auseinandersetzung, aber die meinen das völlig ernst. Verstehen das noch als kritische Auseinandersetzung mit Games welche sich traditionell mit Krieg oder Gewalt auseinander setzen und finden daran anscheinend auch nichts dabei in einer dementsprechend ideologischen Verblendung
    Gegen Kommerz, “neoliberaler Globalisierung” und etwaigen Zusammenarbeiten mit militärischer Repräsentanz, sowie verbindet sich noch mit Adornoschen Ideen von Authentizität dagegen. Wenn dieser unliebsame Ausdruck Anderer grundsätzlich schon nicht als minderwertig(er) angesehen wird.
    Finde es auch bemerkenswert bis tragisch, dass so etwas noch von (anderen) Kreativen kommt, und ich denke das hat mit tiefgreifenden kulturellen Vorstellungen zu tun wie sie gerade im deutschsprachigen Raum vorhanden sind: Kunst hätte da (noch immer), trotz gegenläufiger Bewegung wie dem Wiener Aktionismus, von anderen Leuten wie Schlingensief oder wieder Anderen wie Werner Schwab hier aus meiner Gegend, welche von Haus aus sozusagen eher absteigen als aufsteigen wollten, die bürgerliche Aufgabe einer moralisch normierten Säuberung. Quasi im Vorfeld zu einem “libertären Antimilitarismus” welcher laut Peter Bürger “Not” täte. Die grundlegende Idee einer Friedensbewegung ist so aus meiner Sicht auch tatsächlich weniger ein Eintreten für Frieden in der Welt, als eine Reinigung von militärischen Einflüssen, Kriegsspielzeug, “Killerspielen”, etc. So als ob all die Militärs, SoldatInnen und KillerspielespielerInnen eben alle die Kriege dies leider noch immer gibt haben wollten – so schlecht gedacht wird über diese Menschen. Obwohl ich persönlich zum Beispiel ja keinen Einzigen kenne aus diesen Gruppen, welcher auch meinem Eindruck nach so erpicht darauf wäre…

    Eine Auseinandersetzung mit Krieg beispielsweise, welche nicht mittels Vorstellungen eigener Überlegenheit und in Zurückhaltung Distanz wahrt, wird nicht ertragen von diesen Leuten: so stieß ich gestern auf ein Fotoshooting Steven Meisels namens “Make love not war”. Das sah sich so (ebenfalls) Pornografie-Vorwürfen ausgesetzt
    Bei Games mag ziemlich viel diesbezüglich ja schon über die Titel laufen: so wird ein “Call of Duty” nicht mit “Ruf der Pflicht” sondern “Die Pflicht ruft” übersetzt, obwohl Letzteres doch eher der Derrick-Zeichentrickfilm im Untertitel hieß…

    Aber das ist glaub ich auch das Problem, solche Vorstellungen sind es, welche einem Journalismus bei uns vielfach gegen “Killerspiele” auf die Barrikaden steigen lässt. Von der Hochschule und den “1378(km)”-Leuten wurde (zunächst) eigentlich auch nur die Bild-Zeitung angeführt als Haupt-Kritikerin, weil von der weiß praktisch Jeder in Deutschland mehr oder weniger, dass diese auch “Blöd” genannt wird. Da meint man so in einem Publikum offenbar auch andocken zu können, obwohl – siehe dieser “Kritiker” beim “Ost-Blog” – die Vorbehalte anscheinend doch ungleich tiefer liegen.

  17. “User finden Mauerballer-Spiel 1378 auch nicht so toll”

    http://ostblog.blog.de/2010/12/14/title-10181800/

    Scheint so, als würde man sich schon einiger Kommentare bedienen, um den Geisteszustand der kommentierenden Gamer zu beleuchten:

    “Allerdings kommt das deutsch-deutsche Ballerspiel auch bei vielen Usern nicht unbedingt gut an, selbst wenn zwischenzeitlich der Server zum Herunterladen des Spiels überlastet war. Preller hat dankenswerterweise einige Kommentare zusammengestellt, die ganz nebenbei auch tief in die Psyche der potentiellen Adressaten blicken lassen.”

    Da werden dann solche Aussagen herangezogen, wie:

    “bald gibts ne mod zu der mod wo man dann straffrei alles niedermähen und mit Hilfe der gravity gun toiletten um sich werfen kann :x”

    Anscheinend sind weder Herr Preller, noch der Autor in der Lage, die Ironie in diesem Kommentar zu erkennen.

    oder dies:

    “Die Möglichkeiten klingen ja klasse, auch das man als Soldat mit fliehen kann. Frage mich ob man auch eigene Soldaten abschießen kann um den Flüchtlingen zu helfen, aber dann wären die Teamverhältnisse ja nicht sehr statisch sondern eher dynamisch. Auch das unter den Flüchtlingen ein Stasi Spion ist wäre ein cooles Spielelement.”

    Anhand dieser und noch weiterer Aussagen will der Autor also einen tiefen Einblick in die Psyche der Gamer erkannt haben? Naja…

    Für mich klingt das eher so, als ob ein Mensch nicht nur voreingenommen ein Medium verunglimpft, sondern auch deren Nutzer. Ich weiß nicht, wie er die Gamer bewerten würde, aber sein Kommentar lässt auch tief blicken. Denn ohne auch nur einen dieser Gamer zu kennen, glaubt er zu wissen, was im Kopf dieser Gamer vorgeht und das anhand einiger einfacher Kommentare.
    Also muss ich demnächst als Gamer aufpassen, ja immer politisch korrekt und frei von Ironie oder satirischem oder sarkastischem Unterton zu schreiben, sonst hinterlasse ich noch “einen tiefen Blick in meine Psyche”.

    Übrigens scheint Herr Helmut Preller des Öfteren bei “ostblog” Kritik über “1378 (km)” zu äüßern.

  18. Also, zum Text selbst will ich gar nichts mehr sagen, wurde ja alles schon durchgekaut – aber ich finde die Kommentare unter dem Artikel richtig toll!

  19. @hecter specter
    Aus persönlichen Gesprächen mit Nicht-Gamern oder gar Kritikern weiß ich das die meisten die Gamer für Verrückte halten ,einige Leute, wenn auch nicht die Mehrheit halten Gamer sogar für potenziell gefährlich. Sage ich dann das ich selbst Gamer bin brechen die meisten das Gespräch umgehend ab oder sie versuchen es mit beleidigenden Sarkasmus und direkten Beleidigungen oder sie reagieren mit Versuchen mich davon zu überzeugen wie gefährlich und schädlich Games doch sind und das ich von dieser Amoklaufdroge die Finger lassen soll. Dies alles sind auch die Gründe warum ich Gespräche mit Kritiker und Ahnungslosen mittlerweile eher scheue und ich Rey und Green danke das sie sich den Quark freiwillig antun.

  20. In case you don’t go to the Stigma-Videospiele forum, I repeat what I’ve said there : months ago, when I wrote a news about “1378(km)” on French gaming site Canard PC ( http://www.canardpc.com/news-50058-allemagne___1378_km_de_controverse.html ), most reactions were hostile. I started to translate the most… “interesting” comments. Here is one :

    Original link : http://forum.canardpc.com/showpost.php?p=3635490&postcount=3
    Translation in German :
    “Die Idee ist dermassen bescheuert, dass ich fast an eine organisierte Verschwörung glaube…
    ***
    Die Chefs der Bösen, die Spiele nicht mögen, finden sich in ihrem geheimen Schlupfwinkel zusammen. Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt, die Welt lacht über ihre Einstellung zu Computerspielen…
    – Nummer 1, die Situation ist nicht mehr haltbar, die Welt zeigt mit dem Finger auf uns und die Jugend spielt diese gefährlichen Spiele weiter.
    – Nummer5 hat Recht, wir müssen handeln, sont glaubt keiner mehr and die Legitimität unseres Kredos.

    Eine schwere Stille setzte ein im Burgsaal. Nummer1 ergriff das Wort.
    – Brüder ! Ich habe einen Plan ! Einer meiner verdeckten Spione wird ein total dummes Spiel entwickeln, unter dem Deckmantel der Kunst und der Kultur. Er wird die Möglichkeit einbauen, Unschuldige zu töten und ein schwarzes Kapitel unserer Geschichte nachzuspielen. Dann können wir beruhigt die Killerspiele weiterjagen…

    Der Saal bebte vor Applaus.
    – Der Plan ist genial !
    – Es lebe Nummer1 !
    ***
    In der Episode 2 werden wir das Entstehen eines Spiels verfolgen, gesponsort von Husqvarna (Vertreiber von Gartengeräten), mit Schwarzen, die mit Äxten bewaffnet sind, und mit schwangeren Frauen. Der Spieler kann eine Frau inkarnieren, die um ihr Leben kämpft, oder ein Schwarze sein, der mit seiner Machete die Frauen tötet/vergewaltigt/ausschlachtet (aber falls er das tut, muss er sich vor dem Gericht verantworten). All das natürlich nur, um die Jugend daran zu erinnern, dass es in Ruanda einen Völkermord gab. Das ist natürlich Kuuuuuunst und Kultur.

    Also, abgesehen von meiner Abscheu und Bestürzung, würde ich gerne wissen, was daran pädagogisch sein soll, ein historisches Ereignis « wahrhaftig » nachzuspielen. Denn wenn es irgeneinen pädagogischen Sinn gibt, die Wirklichkeit zu simulieren, dann kann man auch sagen, dass Uwe Boll kräftig Kohle damit scheffelt, Völkermorde zu drehen (seine neue Masche). Auch etwas, das mal pädagogisch nennen kann.

    Ich gehe noch etwas weiter und denke an ein… ein Spiel, wo man mit den Nazis zusammenarbeitet?
    Call Of Duty 7: Denuziation warfare:
    Bleiben Sie in Ihrem Keller vergraben und hoffen Sie auf das Ende des Krieges, oder denunzieren Sie Ihre Nachbarn und Sie bekommen am Ende der Partie den Kopf rasiert.
    Ja ja, toll diese Idee, das erzieht die Kleinen so richtig.

    Bleiben wir bei Deutschland, packen wir die Gelegenheit am Schopf: Sim Todeslager.
    Leiten sie ein Todeslager im zweiten Weltkrieg. Verwalten Sie die Gaszufuhr, machen Sie die Lebensmittel knapp, stellen Sie einen Klempner zum Rabattpreis ein, um die Duschen zu installieren… aber aufgepasst: wenn es Ihnen gelingt, alle Insassen auszulöschen, haben sie Partie verloren und bekommen den gesamten Nürnberger Prozess aufgebrummt.

    Nein, ehrlich, ausser Voyeurismus und einem verzweifelten Versuch, Aufmerksamkeit zu erlangen, fällt es mit schwer zu glauben, dass der angeborene Idiot, der sich Künstler und Jugenderzieher nennt, kein grosses Arschloch ist, der Lust auf eine Vierstelstunde Berühmtheit hat und auf armes Opfer der Bösen macht, die nicht anderes machen als die netten Spiele zu verbieten, die Dich gute Dinge lehren, die Du noch nicht kanntest.

    Man sollte die Spiele bei den Spielen lassen, die Popularisierung von Wissen bringt nur mittelmässige Leute hervor, sagte der Weise. Diese Leute, im Übrigen saudumm (die Künstler-Heulsuse, die das Spiel konzipiert hat, und seine Gegner mit gehobenem Zeigefinger aber intellektuell beschränkt), stammen nichtsdestotrotz von einem ziemlich fortgeschrittenen Erziehungssystem. Was würde passieren, wenn wir eine oder zwei Generationen, erzogen mit einem Gamepad in den Händen, verstreichen lassen…

    Wenn ich die Diskussionen von Spielern über ihre Leidenschaft sehe, und die intellektuelle Mittelmässigkeit, die sie bei der Verteidigung der Comuterspiele zur Schau stellen, dann überkommt mich eine schreckliche Vorahnung von Armageddon, wenn ich das auf eine politische Diskussion übertrage :
    – Also die Amis sind alle Dreck, das sieht man ja in Medal of Honor: Indians Just Wanna Have Fun.
    – Ach du scheisse, sag mal bist du Links Hippie… wenn Du nur ein bisschen Kultiviertheit hättest, hättest Du Half-Life: True Story of America gespielt, und Du wüsstest, dass die Indiander Gras rauchten. Ist es das, was Du willst? Drogenabhängige Kinder?
    – Halle Leute, hört auf zu trollen, wir reden hier über die Kulturrevolution in INDIEN… noch nie was von Bioshock 7: Gandhi’s Dream gehört ?
    – Mm naja, das hatte 4/10 in den Spielzeitungen, das Land ist so scheisse.

    Jetzt fehlt nur noch ein “Pro Evolution Soccer” Turnier, um den Präsidenten zu wählen, und wir sind angekommen, denke ich.”

  21. Dass ist echt erschreckend, Doktor Trask. Ich hab bisher immer Glück gehabt mit Nicht-Spielern. Wahrscheinlich geh ich deswegen ein wenig naiv an die Sache heran.

  22. Hm,ich frage mich ernsthaft, was der Friedensnobelpreis mit dem Videospiel zu tun hat. Und die das von Doktor Trask kann ich nur bestätigen. Wenn ich sage,dass ich selbst Ego-Shooter spiele, wird meistens das Gesprächsthema gewechselt. Einem Jungen an meiner Schule ist es übrgens verboten worden, ein T-Shirt mit der Aufschrift “Ja ich spiele Killerspiele-nein ich plane keinen Amoklauf” vom Direktor verboten worden…

  23. @Shane_Fenton
    “… Ja ja, toll diese Idee, das erzieht die Kleinen so richtig.”
    .
    Welche Kleinen? Das Spiel ist ab 18.
    Und der Rest deines Beitrages ist leider auch nicht besser.

  24. der blogger hat übrigens in den kommentare auf die einträge reagiert. ich würde selbst antworten, bin aber zu müde im moment.
    also wenn das jemand darauf reagieren will, würde ich raten etwas rücksicht zu nehmen. ach das kotzt mich doch schon wieder an. ist eine reaktion wie zuletzt beim frau-tv-beitrag auf der seite. immer der selbe scheiß. bitte erklärt ihm was nicknames im internet bedeuten und warum das keine “kampagne” oder so ein schwachsinn ist. der soll froh sein dass sich das überhaupt jemand durchliest und sich damit befasst. *rage*
    gute nacht

  25. hm,habe mal nen kommentar geschrieben,mal sehen,ob der veröffentlicht wird:
    ————————————–
    Sehr geehrter Herr Wilhelm
    Zunächst einmal möchte ich mich positiv überrascht zeigen, dass sie zu einem Dialog bereit sind.
    Viele Spielegegner lassen eben diesen nicht zu. Aber auf der anderen Seite möchte ich ihre Aussage “Ich gebe zu, dass ich mir das ganze Spiel nich nicht herunter geladen und durchgespielt habe” kritisieren.
    Denn über ein Spiel,das man nicht spielt zu urteilen ist, als würde man über ein Bild berichten, das man nie gesehen hat.
    Denn ein Werk wie ein Computerspiel wirkt nur, wenn man es selbst spielt.
    Im Übrigen stecken sie hier Computerspieler gleich wieder mit Asozialen in einen Sack.
    Wenn sie hier schreiben, dass die Debatte NOCH sachlich bleibt, erzeugen sie eine stigmatisierende Wirkung. Gerade so, als seien Computerspieler nicht in der Lage, eine sachliche Diskussion mit klaren Argumenten zu führen.
    MfG

  26. @purchaser:

    Sorry for the misunderstanding. What you read in German is not my article. It is one of the numerous comments I had. It happens to be the most brutally negative one against the “1378(km)” project, but I translated it anyway to give a couple reactions in the French gaming community.

    Actually, my “real” article is here : http://www.canardpc.com/news-50058-allemagne___1378_km_de_controverse.html . But it’s nothing that interesting : I’ve just tried to present the background of the game and compile the various hostile reactions coming from the German political class.

    Anyway, I plan to translate other (less brutal) comments, but right now my translator is quite busy with his newborn baby.

  27. Offtopic:
    Kann irgendwer mit nem Twitteraccount bitte mal schreiben, dass NICHT die BPjM, sondern das AG Frankfurt a.M. “Silent Hill: Homecoming” beschlagnahmt hat? Die BPjM kann NICHT eine Beschlagnahme beschließen! Es tut weh, andauernd diese falschen Tweets zu lesen. Als Quelle kann da gerne auch SB.com genutzt werden.

  28. I saw it, Shane_Fenton, but a little too late… sorry.
    .
    Ich bin aber auch in Stimmung. Jetzt habe ich mir den Brief ein paarmal durchgelesen. Diese anmaßende Arroganz, mit der er selbst die Professoren abkanzelt. Dazu das Gerede von Hass – er selbst ist doch bis ins Innerste von Hass zerfressen. So schwer es mir fällt, da muss man erstmal ruhig bleiben. Das sind die Typen, die dafür sorgen, dass die Konfliktherde dieser Welt nicht zur Ruhe kommen. Dabei haben wir als Gamer noch Glück, dass wir gar nicht seine Zielgruppe sind. Lediglich, weil es sich um ein Spiel handelt, welches die Grenze thematisiert, sind wir involviert.

  29. Das war bei mir mal in der schule so, da hat der lehrer am melternabend gesagt, ja wir gucken saw, da werden köpfe abgerissen und wir spielen gta san andereas, das sieht aus wie ein harmloses rennspiel, ist aber weiß nicht mehr.

  30. Ich versteh nicht ganz, wie man ein “Spiel” wie 1378 km in Schutz nehmen kann.
    Ein Schandfleck der deutschen Geschichte wird zum Multiplayerspiel umgemodelt und der Grenzer, der nur ein bisschen tötet ist der Gewinner. Was ist die Moral des Spiels? Grenzer die nicht alles umlegen, sondern nur in Maßen töten, sind die besseren Menschen?

    Man kann ja von Computerspielen halten was man will, aber solche Geschmacklosigkeiten sind mir in meiner Spielerkarriere noch nicht untergekommen.
    Ein Grand Theft Auto ist auch brutal, hat aber eine gewisse ironische Distanz, die den gesunden Menschenverstand der Macher erkennen lässt. Eben dieser fehlt dem Macher von 1378 km.

  31. @tobiasS: Genauso, wie alle anderen kritiker nimmst du dir das recht raus, darüber zu urteilen, in diesem fall über die idee an sich und den entwickler, ohne dich dabei informiert zu haben, in dem fall über seine intention, auch wenn man diese nicht teilen muss.

  32. ignoriert doch bitte diesen spinner!
    man sollte doch langsam meinen, dass wir hier alle langsam daraus gelernt haben, dass es sich nicht lohnt solche irrläufer in irgendeiner weise zu belehren und auf missstände hinzuweisen.
    spinner wie der autor dieses briefes sind hardcore-idioten denen man wissen eimerweiser in den kopf gießen könnte und dennoch würden die köpfe weiterhin hohl von innen sein.

  33. Auch wenn ich es nicht so drastisch ausdrücken würde, hat Boomboy irgendwie recht… schon seltsam was diese unseriösen Verschwörungstheoretiker mit ihrem Verbaldurchfall dennoch Aufmerksamkeit erregen können, aber ich weiß woran es liegt:

    “Der Klügere gibt nach… und die Dummen werden die Welt beherrschen!”

    Und genau deswegen kann uns nicht jeder Spinner egal sein, denn er indoktriniert ganz gezielt die restliche Bevölkerung und stellt so für eine jede freie Gesellschaft eine Bedrohung dar.

    In der DDR würde er für sein “Systemkonformes denken” – also das Nachplappern von Idioten in Politik und Medien vermutlich eine Auszeichnung bekommen. Hier schafft er es immerhin in einen Ostblog >.<

  34. Naja außer von uns bekommen Berg, Preller und Co. doch nicht wirklich soviel Aufmerksamkeit, wenigstens nicht in einem besorgniserregenden Umfang. Die müssen die Veröffentlichung ihrer Schnellschüsse besser timen. Wenn man wirklich Aufmerksamkeit will, muss man warten bis wieder was Schlimmes passiert und dann auf den Zug der Empörung aufspringen.

  35. @lanzelotz
    Das tun viele ja aber die “Wir bashen mal Games & Gamer” Welle ist ja nach wie vor kräftig am Rollen und so schnell auch nicht zu stoppen und um ehrlich zu sein, ich hoffe das so schnell nichts schlimmes passiert, ich habe wirklich keine Lust das aus der Welle wieder mal ein Tsunami wird der über uns alle hereinbricht und uns abermals vorspült, das hatten wir nämlich einfach schon zu oft gehabt.

  36. 1. Der Mann will sich aber gar nicht damit auseinandersetzen, er hat es klar gemacht. Denn er hat sich ja ein Video zeigen lassen. Doch, auch in ARD und ZDF, die uns die wunderbar informativen Beiträge über die “bösen Machenschaften” der Computerspieleindustrie geliefert haben, läuft nicht nur der Musikantenstadl, sondern auch Krimiserien, Kriegsfilme, Thriller und Rachedramen. Auf dieselbe Weise – nämlich durch geeignete Schnitte – kann man nun auch belegen, daß das Programm nur noch aus Sex und Gewalt bestehe. Dann hat man ja schon alles gesehen, dann muß man sich mit der Geschichte nicht mehr auseinandersetzen. Und schon vor 400 Jahren mußte man das Theaterpublikum – weil man nämlich mit den allseits beliebten Hinrichtungen und Tierquälereien konkurrierte – mit (Schweine-)Blut und Pyrotechnik locken.

    2. Zumindest aber sind solche Briefe ein Beispiel dafür, daß sich das vermeintlich gesicherte Wissen in Wahrheit doch zu einem guten Teil aus Mythen (klassisches Beispiel: Militärmythos) zusammensetzt.

    3. Und es zeigt auch, daß, trotzdem ein System untergegangen ist, in dem man diktatorische Maßnahmen und die Verfolgung von Menschen mit dem “Klassenfeind” rechtfertigte, dieses Denken noch lange nicht tot ist. Heute sind es nicht mehr die Kapitalisten (naja, die offenbar ein bißchen doch) — wie die “Aktion saubere Leinwand” in den 1960er Jahren behauptete, die Kommunisten –, die die “Moral der Jugend” durch Beatmusik und Gewaltfilme verderben, sondern die US-Armee, die CIA oder die bösen Spielefirmen, von denen man zu wissen glaubt, daß sie ja auch Erdbeben verursachen. Nämlich immer derjenige, dem man sowieso alles zutraut, der ohnehin per definitionem böse ist.

    4. Und wie oft habe ich mich selbst gefragt: Wie hätte ich gehandelt, wäre ich so aufgezogen worden? Die Grenzer werden ja nicht einschlägig als regimekritisch bekannte Leute, sondern glühende Verfechter der Staatsideologie gewesen sein. Damit kommen wir noch zu der eindimensionalen Argumentation: Es war damals ein ganzes System, das Menschen von frühester Kindheit an indoktriniert hat. Man hat Jugendlichen im Rahmen des schulischen Curriculums Waffen in die Hand gedrückt. Daß die Spielmechanik von “1378(km)” dafür nicht taugt, die Frage zu beantworten, ist eine andere Frage als die, ob man tatsächlich glaubt, ein Ballerspiel könne eine jahrzehntelange politische Indoktrination ersetzen.

    5. Apropos “Auschwitz”: Ich erinnere mich sehr wohl an (allerdings Offline-)Spiele von Brenda Brathwaite: Diese verlangen dem Spieler durchaus anspruchsvolle Auseinandersetzungen ab, etwa: Wäre er bereit, einen Teil ihm anvertrauter Menschen verhungern zu lassen, um einen anderen Teil zu retten? Oder auch, wäre er bereit, ein Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel zu spielen, wenn das Ziel des Spiels ein NS-Vernichtungslager ist? Wie steht Preller dazu, ist das Computerspiel nur deshalb “böse”, weil es ein Computerspiel ist? Oder ist schon die Vorstellung davon, sich in Täter und Opfer hineinzuversetzen, so abseitig, so böse und gemein, daß man damit nicht rühren darf? Kann man das Eine feiern oder gar zur Kunst erklären und das Andere verteufeln? Und, wenn man sie rundweg ablehnt, dürfte man dann noch etwas mit Zeitzeugenberichten anfangen?

  37. P.S.: Und ja, vielleicht selbst in Täter. Denn ist es nicht relevant für die historische Lektion, zu fragen, warum Menschen letzten Endes so handeln, und was vielleicht in dem Moment in ihnen vorgeht?

  38. @Martin Ebers
    Ich denke Herrn Preller geht es darum, dass Medien vor solch negativen Dingen eher MAHNEN sollten und dabei auch nichts oder halt wenigstens nicht zuviel zulassen: dass sieht man glaube ich auch daran, dass er davon spricht dass sich Spieler schon offenbar zur Genüge in Spielen an “Opfern bedienen” würden.
    Kritik in dem Sinne, eine angemessene Aufarbeitung, würde auch eher aus einer gewissen Distanz heraus möglich erscheinen. Mit Zurückhaltung.
    Die Möglichkeit(en) ehtisch-moralisch negativer Handlungen werden so bereits grundsätzlich abgelehnt scheinbar und da schon unter “Auseinandersetzungen” etwas völlig Anderes verstanden als das.
    Das ist ein sehr tiefreichender Kulturkonflikt in meinen Augen.

  39. Ich erinnere mich da immer noch an Schillers Theatertheorie, wonach eben die handelnden Figuren sich gar nicht moralisch verhalten müssen, bzw. selbst die unmoralische Handlung immer noch eine moralische Bedeutung hat und auch eine entsprechende Aussage trifft. Ein “neues” Medium kann natürlich neue Wege suchen. Es hat ja auch andere Mittel. Aber wer definiert diese? Oder hat in der Historie jemand dem Theater oder dem Buch die Ausdrucksmittel definiert, der damit jeweils nichts zu tun hatte? Und soll ein Medium, nachdem ein vorheriges bestimmte Potentiale bereits erschlossen hat, hinter diese zurückgehen? Kann das interaktive Medium mehr als das (mehr oder weniger andächtig) rezipierte, kann es Anderes…

  40. seine reagtion ist schon nachvollziehbar. zum wenn man solche schlimmen dinge “nachspielt”, zum anderen wenn man dadurch selbst mehr oder weniger zum täter wird, der gedanke ja natürlich schwachsinn, aber der entwickler meint ja, dass der spieler ja grenzer sein und dannach über seine tat traurig sein soll oder sowas. seine intention gibt keinen sinn. ihm geht es blos darum, dass er dadurch aufmerksamkeit kriegt und irgendeinen pädagogikpreis bekommt. ein multiplayershooter, der nur durch ein ernstes thema mit video am ende plötzlich ein lernspiel sein soll oder zum nachdenken anregen soll, ist blödsinn. das sieht der künstler auch so. dann würden wir gamer ja auch keine shooter spielen. ich bin geschockt, wenn ich bei cod 6 ein zivilisten auf dem flughafen erschieße, weil es realistisch aussieht (und eine überflüssige und gefährliche Grenzüberschreitung ist)und nicht weil ich einen “menschen” erschossen habe. von dem her ist interaktivität in einem medium über ein schlimmes ereigniss eigentlich nutzlos.

  41. wieder ein post von frank:

    “Natürlich sehe ich das Blog auch als Diskussionsforum. Wer ein wenig blättert, wird das schnell feststellen.
    Ich muss sagen, ich bin einfach von den Socken über die sehr niveauvolle Diskussion. Keiner geht meines Erachtens unter die Gürtellinie, was ja unter Nickname in anderen Foren oft mal passiert.
    Ich wollte heute abend noch mal etwas länger und differenzierter zu meiner Meinung schreiben. Auf jeden Fall sei schon mal gesagt, dass es mir fernlag, die gesamte Spieler-Gilde zu beleidigen bzw. gering zu schätzen. Ich habe aber auch Helmut Preller so interpretiert, dass es ihm nicht darum ging.
    Die Zeit ist aber bereits fortgeschritten und mir lag noch eine andere Sache mehr am Herzen -der Tod von Eva Strittmatter: http://rampen-licht.blog.de/2011/01/04/mach-lied-stille-memoriam-eva-strittmatter-10306170/
    Vielleicht erklärt sich damit auch schon einiges. Meine Freizeitleidenschaft liegt eben eher in der Literatur, dann noch ein bisschen Sport gegen die “Schwimmringe” eines alten Mannes, Familie (sechsjähriger Sohn) und Bloggen – und dann ist die Zeit eben auch um. Nichts bleibt mehr, um Erfahrungen in der virtuellen Welt der Spiele(r) zu sammeln.
    Gute Nacht und spielt nicht mehr so viel in den Scheinwelten!”

    “Gute Nacht und spielt nicht mehr so viel in den Scheinwelten!”
    alles klar -.-

  42. @frontal21
    Ich würde da aber nicht zuviel hineininterpretieren, ist halt ein etwas unglücklich gewählter Schluss, es kann ein gemeiner Seitenhieb sein, es kann sich aber auch einfach nur auf die dort bereits fortgeschrittene Uhrzeit beziehen, wer weiß. Ich halte mich daher zurück und unterstelle erstmal keine absichtliche Bosheit. Sollte sich sowas mehren kann man ihn ja immer noch darauf ansprechen und kritisieren.

  43. Ich habe den guten Herrn Frank W. noch folgendes geschrieben über die Nutzung der Nicknamen:

    Was die Nicknames anbelangt, normal würde ich hier auch eher meinen Nickname nutzen wollen, aus privaten aber vor allen Dingen aus beruflichen Gründen. Heute ließt der Chef gerne mal mit, wenn man so wie ich jetzt seinen echten Namen nutzt kann das zu erheblichen Problemen führen wenn man etwas sagt oder ein Hobby hat welches dem Chef nicht passt und privat fängt es schon damit an das man mit unerwünschter Werbung geradezu überschüttet wird und hört beim Namesmißbrauch auch nicht auf, über den Namen kann man dank des Internet so ziemlich alles raus bekommen, wenn ich wollte könnte ich von ihnen Herr Frank W. (Bitte nicht als Drohung auffassen, es soll nur ein Fallbeispiel sein zur besseren Erklärung für Sie) sehr schnell alles raus bekommen, Telefon-Nr. Adresse, Namen der Frau, der Kinder, Bankverbindung, Hobbby’s, Steuernummer ihres Hundes, Vorstrafen, Gehalt einfach alles selbst wenn Sie selbst nie was davon im Internet preisgegeben haben. Deshalb nutzen Computernutzer Nicknames, auch bei Kindern sollten man vom Klarnamen/Realnamen absehen, der Sicherheit der Kinder zuliebe: Stichworte “Böser Onkel aus dem Internet”.

    Ich hoffe mal dass das so in Ordnung geht.

  44. @Martin Ebers
    Diese Facette bei Schiller scheint mir in der Diskussion um Spielinhalte eine jedoch eher untergeordnete Rolle zu spielen. Viel wichtiger wäre da offenbar dessen Denken über einen Idealismus. So zum Beispiel hier:

    Winfred Kaminski, Der digitale Sündenfall. Friedrich Schillers ästhetische Utopien und die virtuelle Welt der Computerspiele. ‘Dokumentation der Fachtagung “Flügel der Einbildungskraft. Schiller revisited – Ästhetische Bildung zwischen Freiheit und Verantwortung” vom 10.-12.11.2005 in Rudolstadt, LAG Jugendkunstschulen Thüringen e.V. Und Bundesverband der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen e.V., bjke. Prof.Dr. Winfred Kaminski’, aus http://www.bjke.de/downloads/winfred_kaminski.pdf , 2010-06-23 00:15, Safari 5.0.

    Auch bei Helga Zepps kulturpolitischer Seite der LaRouche-Bewegung steht Schiller im Zentrum (Schiller-Institut). Da findet womöglich ein Missbrauch Schillers statt – und auch bei gemäßigteren Schiller-Leuten welche eigentlich in völliger Opposition zu Zepp-LaRouche stehen tauchten “Killerspiele” schonmal auf. Nachzulesen etwa hier im Archiv, Link spar ich mir – auch weil der wohl erst freigeschaltet werden müsste.

  45. also ich bin auf den kommentar mit den “scheinwelten” und der vielen zeit, die er uns scheinbar unterstellt, eingegangen, aber denke auch, dass es nicht ganz so ernst gemeint war und freut mich, dass er über das niveau überrascht ist :) hatte erst gelesen “überrascht über die niveaulose diskussion”, dachte er hätte sich gar nichts durchgelesen und war schon dabei, ihn zurechtweisen zu wollen.

  46. @Egozid
    Deshalb sollte man sich auch immer die Zeit nehmen alles gründlich durchzulesen, das Kleingedruckte lesen und zwischen den Zeilen durchzulesen, ganz wie beim waschen da braucht man auch Zeit und darf nichts auslachen. ;o)

  47. *auslassen* muß es oben heißen, hoppla wie peinlich, das liegt einfach an der Grippe das man solch lustige Fehler macht. :o)

  48. Was man da liest ist das, was man immer ließt, wenn es um sog. Killerspiele geht: Sind schund, können keine Kunst, sein, böse, blablabla…

    Wann die Spielekiller sich mal was neues einfallen lassen?

  49. @Mars
    Ich denke da wiederum schonmal, dass das was Booomboy von sich gab ungleich weniger beleidigend gewesen ist als die “Meinung” welche Herr Preller so artikulierte. Über gleich ein ganzes Kollektiv anderer Menschen. Fremder.
    Das was Booomboy schrieb ist dem gegenüber sogar noch niedlich zu nennen – bei dem was von Herrn Preller allein über ein Verhältnis von Gamern zu Krieg(sopfer)/en geäußert wurde, reales Leid bei etwaiger Freude an fiktionalen Gewaltdarstellungen.

    Insofern sehe ich diesen weiteren überheblichen Kriegsgott-Kommentar auch als ein weiteres Mal in der Sache ungeheuerlich verharmlosend und absolut disqualifizierend an. Meine Meinung. Tut MIR leid.
    Und werde ich in Hinkunft (auch) überlesen.

  50. Hm, man sollte in der Erregung nicht schreiben, insofern würde ich gerne von Rey’s Angebot Gebrauch machen und um Löschung meines vorigen Posts bitten – ich hatte Boomboys Comment als Reaktion auf den Beitrag von TobiasS gesehen und nicht auf den von Preller. Tut mir Leid Boomboy!
    Aber Pyri, was ein Kriegsgott-Kommentar ist musst du mir bei Gelegenheit mal erläutern.

  51. Ich denke dass diese verlogenen Vorgänge hier in dermaßen menschliche Abgründe blicken lassen, so dass ich mir weitere Kommentare in Zukunft mehr als zweimal überlegen werde. Aber mit Anderen kann man es allem Anschein nach ja machen wird geglaubt.
    Soviel zu meinen Vorstellungen von Benehmen und “Erziehung”

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