Die falsche Frage

Regine Pfeiffer, Schwester des Kriminologen und ehemaligen niedersächsischen Justizminister Christian Pfeiffer, dürfte vielen Gamern mittlerweile ein Begriff sein. Vor einigen Wochen hat sie sich hier in den Kommentaren – wohl aus aktuellem Anlass – kurz zu Wort gemeldet:

„Ich bin hier reingegangen, weil ich dachte, ihr diskutiert die Frage, wie Atomenergie in Videospielen dargestellt wird.“

Ich war weniger über die Frage als über die Antworten mancher Besucher überrascht. Nachdem „Joba“ bezweifelte, dass „die Auswirkungen oder Risiken von Atomenergie oder ähnlichem mal in einem Videospiel thematisiert wurden“, schreibt „Cyclonos“:

„Atomkraft kommt in Spielen vor. Aber warum sollte das irgendwie wichtig sein?

Ich denke, dass Regine Pfeiffer – wenn vielleicht auch unbewusst – vielen Gamern in dieser Beziehung einen Schritt voraus ist.

Die Frage, ob Atomkraft in Videospielen vorkommt ist wichtig, weil Videospiele wichtig sind. Ok, manch ein Spielegegner würde wohl eher „gefährlich“ sagen, aber das hat man Jahrhunderte auch über die Presse gesagt. Diese Einschätzung ist also ein „stigma“, für das man sich nicht zu schämen braucht. Wichtig sind Videospiele im Übrigen nicht deswegen, weil sich mit ihnen gut Geld verdienen lässt, sondern weil sie ein Medium sind, dass mit seinen Inhalten die Realität wiederspiegeln und hinterfragen kann. Das muss von den Entwicklern nicht einmal beabsichtigt sein, jede Publikation ist ein Produkt des Zeitgeistes und selbst der Standpunkt unpolitisch zu sein, ist politisch. So mussten sich die Autoren von Tim und Struppi anhören, dass ihre gedankenlose den damaligen Vorurteilen entsprechende Darstellung von Schwarzen „Altmodisches, rassistisches Geschwätz“ sei.

Genauso dürfte sich in Videospielen, selbst wenn sie nur Unterhaltung sein wollen, der Fingerabdruck unserer Zeit finden. Die Trennung zwischen Realität und Virtualität ist im Übrigen ja bereits in zweifacher Hinsicht falsch: Schon rein formal sind dies keine Gegensätze: Physisch und Virtuell sowie Real und Fiktiv sind die eigentlichen Begriffspaare. Videospiele mögen virtuell sein, sie sind aber nicht weniger real als Beethovens 9. Auch inhaltlich sind Medien keine andere Welt – sie sind Teil unserer Welt. Und so gehört es auch dazu, dass Videospiele sich nicht nur mit historischen Ereignissen, sondern auch mit Inhalten anderer Werke auseinandersetzen. Ob man in Gothic nun zum Beenden des Godmodus „42“ eingeben muss, einem in Red Dead Redemption „Plainview“-Ölquellen begegnen oder gleich eine neue Interpretation von „Alice im Wunderland“ kreiert wurde: Videospiele sind ein Faktor, egal ob man diesen – je nach eigener Wertschätzung – unter „Reception“ oder „References in Pop-Cultur“ einordnet. Dass dies kein Einbahnstraße ist zeigt nicht nur Lara Craft, die den Sprung in Musikvideos „schafft“, sondern auch „Shadow of the Colossus“, ohne das der Film „Die Liebe in mir“ wohl bedeutend anders ausgesehen hätte.

Vor diesen Hintergrund sollte es auch nicht überraschen, wenn der Thematisierung gesellschaftlicher (Fehl-) Entwicklungen, Probleme oder Ängste in Videospielen Bedeutung zugemessen wird. Aus aktuellem Anlass dürfte die friedliche wie militärische Nutzung der Atomenergie nicht uninteressant sein. Und Titel, die sich mehr oder weniger intensiv mit der Thematik auseinandersetzen, gibt es in der Tat nicht wenig. Bereits in „SimCity (4)“ kann ein „Störfall“ recht unangenehm werden, wie ein Blick ins FAQ eines Forums zeigt:

Mein Atomkraftwerk ist explodiert. Wie bekomme ich die Strahlung wieder weg?

Leider ist ein Super-GAU so ziemlich das schlimmste, was einem in SimCity passieren kann. Das betroffene Gebiet ist auf Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte verstrahlt und kann nicht mehr genutzt werden. Zusätzlich fallen Bürgermeisterbewertung und die Verschmutzungswerte ins Bodenlose. Wer sich der Herausforderung, die Stadt trotzdem weiter aufzubauen, nicht stellen möchte, sollte am besten einfach nicht abspeichern oder die Stadt auflösen und neu beginnen.”

Bei der „Civilization“-Reihe zeigen sich auch andere Dimensionen des Problems. So kann ein Atomkraftwerk bei Unruhen zwar explodieren, aber sonst kommt es der Industrie und dem Umweltschutz zu gute. Die Risiken sind mit Fusionskraftwerken im Übrigen überwunden. In Teil 4 gibt es diese Möglichkeit dagegen nicht mehr – so dass, wohl auch angesichts der hier jederzeit drohenden Kernschmelze, auf Kohlekraftwerke als sicherere Energiequelle verwiesen wird. Konkreter als in Strategiespielen – quasi am eigenen Leib – bekommt der Spieler die Risiken der Atomkraft in dem Ego-Shooter „Stalker: Shadow of Chernobly“ zu spüren. Felik Knoke beschreibt bei Spiegel Online seine Eindrücke bei dem in Tschernobyl spielenden Titel als „makabere Spaziergänge über einen Zivilisationsfriedhof“. Das Spiel sei “keine Scifi-Phantasmagorie sondern ein bedrückendes Mahnmal menschlicher Hybris“. Auch das auf das 1987 erschienene „Wasteland“ zurückgehende Szenario der „Fallout“-Reihe dürfte hier noch eine gewisse Relevanz haben. Allein der Umstand, dass im 3. Teil die Stadt Megaton um eine Atombombe herum errichtet wurde, was – so wird dem Spieler versichert wird – sicher sei, spricht Bände. Freilich: Der Realismus wird bei der Darstellung sicherlich nicht höchste Priorität haben – so werfen virtuelle Sturmgewehre Patronenhülsen auch gerne auf der „falschen“ Seite aus, damit diese dem Spieler spektakulär um die Ohren fliegen – aber auch bei anderen Medien werden Zugeständnisse an das Unterhaltungsbedürfnis des Rezipienten gemacht.

Von daher braucht man sich für das Genre der Videospiele in der Tat nicht zu schämen, wenn es um die Auseinandersetzung mit den Risiken der Atomenergie oder anderen Themen geht. Für den Umstand, ob Atomenergie in Spielen thematisiert wird, hat sich Regine Pfeiffer jedoch genaugenommen gar nicht interessiert. Sie wollte allein wissen, „wie“ Videospiele dies tun. Hier beginnt jedoch der Punkt, ab dem die Kritik zum Problem werden kann. Die mediale Rezeption, ob Theater, Buch, Film oder Videospiele, hat ihren gesellschaftlichen Wert bereits „durch“ die Auseinandersetzung mit Konflikten und nicht erst durch die „richtige“ Auseinandersetzung. Denn diese hängt in vielerlei Hinsicht vom Blickpunkt des Betrachters ab, weshalb man einem bestimmten Werk eine von der eigenen Sichtweise abweichende Bewertung attestieren, ihm deswegen aber nicht den Wert für die Diskussion absprechen oder gar noch weitergehende Maßnahmen ersinnen kann. So gehören zur medialen Aufbereitung der Diskussion um eine anthropogene Klimaerwärmung abseits von Videospielen eben nicht nur „Waterworld“, „The Day After Tomorrow“ und „Eine unbequeme Wahrheit“, sondern auch „The Great Global Warming Swindle“ und „Welt in Angst“.

Wenn sich jemand über die Darstellung einer Thematik in Videospielen sorgt, sollte man das also als Kompliment auffassen – selbst wenn die Person wahrscheinlich weniger durch Akzeptanz, sondern eher aus Skepsis dem Medium gegenüber geleitet wurde. Aber unter uns – solange Videospiele noch als „gefährlich“ bezeichnet werden, hat man an ihnen noch eine Idee mehr Freude. Vielleicht möchte ein mancher auch deswegen gar nichts an der aktuellen Situation ändern. Bevor ich es vergesse, an dieser Stelle noch der vollständige Kommentar von „Joba“:

„Atomenergie in Videospielen? Ich sehe dort ebenfalls keinen Zusammenhang. Ich glaube nicht, dass die Auswirkungen oder Risiken von Atomenergie oder ähnlichem mal in einem Videospiel thematisiert wurden.

*wieder Fallout: New Vegas spielen geht*“

34 Gedanken zu “Die falsche Frage

  1. Also ich lehne mich mal aus dem Fenster und unterstelle der Frau Pfeiffer ein schlechte Absicht.
    Ich war irgendwie ein bißchen genervt von ihrem Beitrag. Es klang wie eine Unterstellung, warum wir hier nicht über Atomenergie diskutieren, wenn gerade in Japan so ein Unglück geschieht. Aber Atomenergie hat mit der News „Recherche beim Spiegel?“ doch gar nichts zu tun. Wenn ich über Atomenergie diskutieren will, mach ich das im Forum, oder auf Spon, ard.de etc. Irgendwie klang das so, als müssten wir hier als Community gefälligst über Atomenergie diskutieren.
    Aber vielleicht, oder besser hoffentlich, irre ich mich.

  2. OMG!!!!
    „Gamer verharmlosen die Gefahr von atomaren Katastrophen“
    „Durch Spiele wie Fallout und Command & Conquer …“

    Happy Coding.

    Ich frage mich gerade wie denn die Leute eine Darstellung von Kernkraft in Spielen haben möchte? Übertieben wie in Fallout und STALKER? Oder lieber „Realistischer“ wie in SimCity?

    Sollten Sims bei AntiAtomkraft Demos mitlaufen können? Oder lieber im AKW arbeiten?
    Dürfte man da dem Spieler überhaupt eine Wahl lassen? Wie wissen ja die Option allein ist schon BÖSE!!!!!1111elf!!!
    Tiberium eine Referenz zu C&C befindet sich bereits in Sims3 wenn man dieses Kristall zu lange im Inventar trägt bekommt man „Visceroide Übelkeit“ sprich Strahlenvergiftung… Wie weit sollte man da gehen? Sims an Krebs erkranken lassen? Chemo geben? Haare verlieren? … Da könnte man keine ab 12(?) Einstufung aber vergessen.

    Wer darüber meckert, dass ein Thema in Spielen nicht oder nur Wengi behandelt wird, sollte mal selbst ein Spiel entwickeln…

    „Ob man in Gothic nun zum Beenden des Godmodus “42? eingeben muss“
    ???

  3. 42 ist die Antwort auf die große Frage nach dem Universum dem Leben und einfach allem.
    Berechnet von Deep Thought den zweitgrößten Computer der jemals gebaut wurde…

    Wer findet die alte Serie noch besser als den neuen Film?

    Ich wollte wissen ob man wirklich 42 eingeben muss… dachte da würde im Menü god eingeben… ok Gothic habe ich schon eine lange zeit nicht mehr gespielt stimmt fast… 42 macht alle Cheats rückgängig.
    http://www.worldofgothic.de/gothic/gothic_cheats.htm

    Happy Coding.

  4. Mein Vater hat die Serie zum Glück damals vom TV auf VHS aufgenommen. Natürlich ist die besser als der neue Film. Und dass andauernd im Intro Journey of the Sorcerer kommt ist bei den Folgen auch kein Nachteil, im Gegenteil – Epic win!!!

  5. Die Meldung von den Preisträgern wollte ich auch schon posten, dachte aber ihr wüsstet das auch schon längst.
    Passend zur Diskussion hier mit Atom… sind ganz „lustige“ Kommentare unter folgendem Artikel:
    http://www.welt.de/spiele/article13020821/Computerspiel-ueber-Atom-Apokalypse-gewinnt-Preise.html
    Da beschweren sich die Leute darüber, dass ein Atomunfall in dem Spiel thematisiert wird, und dadurch doch aus der aktuellen Situation Profit geschlagen werden soll, wobei andere versuchen klar zu machen, dass das Spiel schon vorher entstanden ist.

  6. @nix
    Das habe ich natürlich auch auf dem Schirm – ich warte noch auf eine Stellungnahme, wahrscheinlich wieder vergeblich (Mit mir will ja niemand reden^^). Aber trotzdem Danke für den Hinweis. Poste sowas aber besser im Forum in dem Presse-Thread.

  7. habe gerade mal zum Spass den Bericht zu Crysis 2 auf welt.de durchgelesen…
    http://www.welt.de/spiele/article12958246/Einsamer-Kampf-gegen-Aliens-in-New-Yorks-Ruinen.html
    keine Ahnung, ob man sich darüber freuen soll, dass die überhaupt so was bringen – ich glaube schon- oder ob man auch traurig darüber sein muss, wie wenig der Autor sich zur Hintergrundgeschichte Informiert hat. (Er lästert über die Story, die zugegebener Maßen nicht besonders aufregend ist, aber er hat sie trotzdem nicht verstanden und sich nicht einmal bemüht kurz auf einer Games-Seite nachzulesen, warum da Soldaten gegen den Protagonisten kämpfen)

  8. Ich denke, dass Radioaktivität, bzw ionisierende Strahlung in der naechsten Zeit wieder eine höhere Rolle spielen wird. Bis jetzt dominieren „(teil)Endzeit“-Spiele ueber dieses Feld (wie die beiden ueberaus genialen, atmosphaerisch perfekten Metro 2033 und Stalker (zu dessen Vorlagen, den Buechern ich nur raten kann! Metro2033 ist lesenswert, da hier gesellschaftliche Gruppierungen sehr interessant wiedergegben werden. „Picknick Am Wegesrand“ ist die Vorlage zu STALKER, welches unbestreitbar „hoehere“ Literatur ist – auch sehr schoen geschrieben. Jedoch keine direkte Vorlage, sondern eher Inspiration. Die STALKER Buecher kann ich mir nicht als „hochwertig“ versprechen, wer es besser weiß, her mit den Infos!).

    Bis wirklich Spiele zu diesem Thema herauskommen, braucht es etwas Zeit. Spiele sind „sehr schwer“ zu machen/brauchen ihre Zeit. Wahrscheinlich wird es in Fallout 4 dann ein Atomkraftwerk geben, in dem ueberall Schilder mit Aufschriften zu finden sind, die ueber die Sicherheit informieren. Ich fand schon in Fallout 3 waren viele Plaetze sehr boese in Szene gesetzt, man denke an das weiße Haus. In Fallout 2 gab es meine ich schon ein Atomkraftwerk in dem verstrahlte Ghouls arbeiteten(Glowing Ones – Ghoule die soviel Strahlung abbekommen haben, dass sie leuchten – witzig, natuerlich schwachsinn). Vielleicht muss man in GTA aber auch einen Fabrikenbesitzer bestechen, dass er auf einen Kuehlturm verzichtet, da dieser viel zu teuer sein wird.

    Ist vielleicht das Problem an Videospielen. Noch lassen sich die großenn icht allzu schnell herstellen, als das eine aktuelle Satire entstehen kann. Spielen wie GTA koennen so nur meißt Gesellschaftsmissstaende im gesamten behandeln(Schwulenhass, Waffenbesitz, Polizei, Politik,[…](in den USA)

    Das Browserspiel ist wirklich witzig. Gerade diese „Jahreszahl“. Es geht nicht ohne Meltdown, weil die Reaktoren nicht sicher sein koennen.

  9. @Kummel
    Ohne jetzt nachgezählt zu haben – ich meine, dass die Eimer keinen Einfluss haben. Und das ist auch ein Punkt, der mich gegenüber vielen Serious „Games“ recht spektisch macht. Die sind meinst so platt, dass sie für mich „nur“ als interaktive Karrikatur durchgehen würden. Die Möglichkeit des Mediums der Spiele wird da nicht ansatzsweise ausgeschöpft.

  10. Da ja hier auch eine Aussage von mir kritisiert wurde, muss ich mal klarstellen dass ich es immer noch für unwichtig halte.
    Warum sollen wir nun hier so eine Schattendiskussion aufmachen, bei der wir doch sowieso wieder die Moralkeule um die Ohren gehauen bekommen?
    Wer unterstellt dass GTA4 ein verkapptes Rassistenspiel ist, der unterstellt uns auch schnell dass wir uns an Hiroshima aufgeilen.
    Und gerade jetzt mit diesem Fukushimadebakel im Hinterkopf sollten wir das nicht diskutieren.
    Dafür ist das Thema momentan zu sehr emotional aufgeladen und wird zu hysterisch behandelt.

  11. Frau Pfeiffer hat sich doch auch schon früher mal dazu geäußert, zwar nicht zur Kernenergie aber zu Waffen:
    http://stigma-videospiele.de/wordpress/?p=779

    „… und sogar Atombomben. Ich beobachte seit langem die Ent-Tabuisierung von Atombomben. Als ein Vorabvideo von Crysis erschien, waren die Spieler begeistert [….] „Neues Video zeigt Nuklearen Einschlag einer Atombombe. … Viel Spaß damit!“ Um ein Spiel der Command & Conquer Reihe trotz Atombomben „ab 16“ rauszubringen, wurde diese kurzerhand in Aurorabomben umbenannt. (Sogar Schnittberichte hat sich darüber mokiert.) Und jetzt in Fallout 3 sind dem Spieler sogar Mini-Atomwaffen in die Hand gegeben. Das finde ich ganz und gar schrecklich.”“

  12. Ich Finde es krank, wenn man über ein thema nicht sprechen darf, weils ein TAbU Thema ist!

    Redet man über ein Thema nicht, setzt man sich nicht damit auseinander! Kinder Vergewaltigen im Vatikan! Jeder weis es ist aber nen Tabu Thema! Darum Fröhnen sie weiter! …! Ent Tabuisierung ist das einzig richtige egal welches Thema!
    Happy Coding

  13. @Kruemmel
    „Die STALKER Buecher kann ich mir nicht als “hochwertig” versprechen, wer es besser weiß, her mit den Infos!)“
    .
    Habe die ersten drei Bände (Trilogie) gelesen und fand sie echt unterhaltsam. Nicht tiefschürfend, aber doch spannend geschrieben. Mit den Ereignissen im Spiel hatten die nicht wirklich was zu tun, auch wenn einiges für Wiedererkennungszwecke eingebaut wurde (u.a. Bloodsucker, Snorks, Controller, Anomalien, 100Rad Bar, Arena, Pripyat, das AKW). Generell wurde dieses mysteriöse, bedrohliche Szenario, was in den Spielen mit der Zone assoziiert wird, jedoch gut eingefangen. Ob’s hochwertige Literatur ist, ist mir letztlich egal. Die Nachfolger klangen von der Story her eher seltsam.
    .
    @Topic
    Ja, ja die Pfeiffer. Habe den Eindruck, dass sie Gamer als eine Art Studienobjekt ansieht, die sie nur anstubsen muss, damit sie etwas tun, was sie dann analysieren kann. Ich verstehe weiterhin einfach nicht, worauf sie hinaus will. Findet sie Spiele böse? Zum Teil schon. Sollte es Tabus bei Darstellungen geben? Offenbar. Warum? Ist einfach so. Wie bereichern ihre Ansichten Forschungsdebatten? „???“.

  14. Der Zusamenhang zwischen Atomenergie und Videospielen ist thematisch nur durch die Hintergrundgeschichte gegeben, wenn es in diesen Videospielen um eine Postatomare Endzeit der Menschheit geht. Oder eben in dem bereits angesprochenen Thema von SimCity bzw. vergleichbaren Strategiespielen. Aber all dies ist mehr oder weniger entweder ein gravierender, zum Wohle der Geschichte des Spiels massiv fantastisch ausgeschmückter Teil (Fallout mit seinen Mutanten) oder eben ein geringer, nicht zwingender Teil des Spiels (SimCity mit seinen Kraftwerken).

    Außerdem halte ich Videospiele für einen absolut falschen Weg, sich differenziert mit einem Thema wie der Atomenergie auseinander zu setzen. Denn theoretisch müsste es in diesem Spiel HAUPTSÄCHLICH um eben diese gehen, damit ein ausreichendes Verständnis dafür erzeugt wird, da alle Alternativen & natürlich auch die Vor-/Nachteile zu beleuchten sind.
    Da ein solches Spiel aber faktisch nicht existiert, ist es absolut inakzeptabel und in meinen Augen auch zutiefst heuchlerisch, sich tiefergehend über dieses Medium mit dem Thema Atomenergie auseinanderzusetzen.

  15. Und zum Thema Frau Pfeifer:
    Ich denke, es ist nicht einmal ansatzweise davon auszugehen, dass die „Debatte“, die sie hier führen „wollte“ im geringsten zu ihrem Ende geführt wurde oder auf einem auch Ansatzweise zufriedenstellendem Level steht.

    Daher frage ich mich, warum aus dieser themenfremden „Mücke“ nun eine eigene News gemacht worden ist. Von einer differenzierten Reaktion von Seiten Frau Pfeiffers gehe ich nicht aus, eher esse ich nen Besen mitsamt Stiel und tanze dabei Macarena.

  16. @ Crusader

    und genau dieses „studienobjekt“ ist jetzt wieder auf einen Winzbeitrag von ihr eingegangen.
    Ich finde, wir sollten schon mehr Stolz haben und nicht über jedes Stöckchen springen dass sie uns hinhalten. DAS hat was mit Selbstachtung zu tun.

  17. Ich muss da mal lanzelotz voll zustimmen…
    Hier wird mehr in ihre aussage interpretiert als nötig, uns ist allen klar das computerspiele als medium auch nicht so einfache themen ansprechen sollen/können/müssen.

    Aber muss man das wirklich auf jedes aktuelle thema anwenden? Ich glaube der kommentar von frau pfeiffer sollte eher in die ähnliche kerbe schlagen wie die „armen eisbären an die niemand denkt“. Wohl möglich mit der option auf erweiterung in „es gibt spiele wo atomstrahlung vor kommt?! WAS?! killerspieler spielen japan katastrophe nach und bauen weiterhin atomkraftwerke in sim city!?“

    Oder im neudeutschen internet-slang würde man sowas ganz einfach nennen: Jemanden trollen

    Genau das hat frau pfeiffer mit uns versucht :P

  18. Warum ist Regine Pfeiffer Gamern (un)bewusst vorraus? Weil R. Pfeiffer bei jedem Vorfall dieser Welt sofort schreit: „Und in Computerspielen wird das voll böse dargestellt!!!!“? Weil im Jahr des Gorillas bei WoW eine Quest existiert, bei der man Affen besiegen muss (ich hoffe ich habe das richtig in Erinnerung)?!

    Also ich würde diese Denkweise jetzt nicht als sonderlich „weit vorraus“ sondern eher als „unglaublich weit zurück“ bezeichnen. Warum haben wir beim „Dioxin-Skandal“ von R. Pfeiffer eigentlich nichts zu versuechten Lebensmitteln und ihrer Darstellung in Spielen gehört?

    Darüber hinaus war der eine Satz schon sehr vorwurfsvoll formuliert und ich habe weder die Zeit, noch die Lust, bei jedem größeren Vorfall mit irgendwelche Moralkeulen um mich zu werfen, nur damit R. Pfeiffer zufrieden ist, dass die Gamer auch sofort und total Offtopic in den News über den Vorfall zu reden.

    Und um mal ehrlich zu sein: mir sind die Vorfälle in Japan ziemlich egal. Natürlich war man bestürzt, was da geschehen ist, aber nach der anfänglichen Emotion bleibt nur ein „es ist halt passiert und kann nicht geändert werden, egal ob ich nun traurig gucke oder nicht“ zurück. Und ja mir ist bewusst, dass diese Äußerung bei den dreisten Gutmenschen jetzt eine Empörung zur Folge hat. Ich sehe schon so Schlagzeilen in den Köpfen dieser „Gestalten“, die wie folgt klingen: „Herzlose Gamer“ oder „Den Gamern sind 28.000 Tote und Vermisste egal!“. Das traurige ist ja eigentlich: Diesen Gutmenschen geht es genauso, die tun nur traurig und traumatisiert, um anderen eben mangelhafte Moral vorwerfen zu können.

  19. Mich würde jetzt interessieren was Frau Pfeiffer von Jericho – Der Anschlag hält…
    Ist diese Serie eine Auseinandersetung für Amerikaner mit Atomangriffen gewesen und deswegen nach der ersten Staffel abgesetzt worden?

    Ist Fallout nicht auch eine interesante Auseinandersetzung mit dem Thema?

    Solange Frau Pfeiffer aber nicht bereit ist zu Antworten was sie denn will wird sich unser Bild von ihr nicht sonderlich Verbessern…

    Happy Coding.

  20. @Ray_Alp
    Natuerlich nur „Spiel“ und nicht Spiel. Aber trotzdem zeigt es, was es mit Kernkraft auf sich hat. Dieses Spiel kann man nur verlieren. Und im Gegensatz zu „Dwarf Frotress – loosing is gun“ macht das hier keinen Spaß. Jeder „Atomphysiker“ weiß, dass die Dinger nicht sicher sein koennen. Da gibt es nichts dran zu drehen. Ein Maschine die du nicht abschalten kannst, ist unsicher. Du brauchst immer ein Notaus, welches dann bitteschoen auch in den naechsten Jahren greift.

    @Crusader
    Da hast Du mich neugierig gemacht. Ich glaube nach „Stalinorgel“ brauche ich auch mal wieder was in Richtung Fiktion. „Hoehere“ Literatur sollte nur vermitteln, dass es schon was mit Anspruch ist. „Picknik am Wegesrand“ liest man nicht im Bus oder zur reinen Unterhaltung. Dieses Buch ist ein Gedankenexperiment. Ein sehr gutes. Wenn ich nun sage, dass ich das an Metro vermisse, dann meine ich eigentlich nur, dass hier nur die Geschichte interessiert, weniger vielleicht eine Kritik. Es dient halt der Unterhaltung, liest sich wunderbar, hat super Ideen (Schilderung der Nahrungsversorgung, neue „Helden“/Rollen, Gesellschaftssysteme in einer neuen Welt (Demokratie, Kommunismus, Sozialismus,[…] sogar eine „spirituelle“ Station ist zu finden) und ist einfach gut :).

  21. @Cyclonos
    „und genau dieses “studienobjekt” ist jetzt wieder auf einen Winzbeitrag von ihr eingegangen.“
    .
    Tja sind wir nicht gut abgerichtete Äffchen. ;)

  22. Hui, als ich die ersten Zeilen gelesen hab, hab ich schon ne Sekunde befürchtet, dass meine Aussage ohne Anwendung jeglichen Menschenverstandes verstanden worden war. Aber am Ende klärst du ja glücklicherweise auf.

    Ehrlich gesagt war meine Aussage ja damals eher offtopic (genauso wie die von Frau Pfeiffer) und ich habe nicht geglaubt, dass es sich wirklich um sie handeln würde.

    Grüße Joba

  23. Die Frage mag man haben, man mag sie aber auch für falsch gestellt halten. Zum Beispiel kann man einwenden, daß sie auf einem eingeschränkten Verhältnis dessen beruhe, was ein „Spiel“ sein könne: das Verständnis scheint sich da eher auf Kinder und ihre „Vorbereitung für das Leben“ zu konzentrieren. Bereits anläßlich eines früheren Beitrags hatte ich schon einmal thematisiert, daß sich mir nicht so ganz erschließt, warum im Computerspiel dem Spieler nur „moralisch gute“ Alternativen zur Verfügung stehen sollten. Zum Beispiel hatte Schiller in seiner Theatertheorie ja sehr wohl davon gesprochen, daß auch die unmoralische Handlungsalternative eine moralische Relevanz hat. Und nicht zuletzt zeigen die Stücke von Shakespeare, die griechischen Tragödien, etliche andere Erzeugnisse der Literatur und Filme immer wieder auch Menschen, die nach bestimmten Vorstellungen unmoralisch handeln, und bringen sie in Situationen, die mit der Realität wenig zu tun haben.

    Warum sollten wir dann im Computerspiel, das ja erst eine vergleichsweise kurze Geschichte hat, wieder hinter diese Möglichkeiten zurückgehen? Die Handlungen des Spielers können nun – analog zu dieser Theatertheorie – auch etwas über ihn aussagen: Einige Spiele wie „Black and White“, „Fable“ oder „Fallout“ vermerken ja auch – unabhängig von der Erfüllung der Aufgabe – das „Karma“ eines Spielers, und es gibt zumindest ein Strategiespiel, das Ähnliches tut.

    Zum Anderen darf man auch nicht vergessen, daß Spiele zwar vielleicht den Anspruch haben, die Welt, die sie darstellen, realistisch abzubilden, nicht aber unsere Realität — oder diese allenfalls allegorisch. Die Welt von „Fallout 3“ ist ja doch eine Überzeichnung, die sowohl die Naivität, den Glauben an die unbegrenzten Möglichkeiten, als auch die Furcht der Menschen im Umgang mit dem Atom darstellt: Da gibt es atombetriebene Autos, „Mini-Nukes“ benutzt man im Scharmützel (wobei eine der Figuren allerdings die eher idealistische Möglichkeit äußert, man könnte damit ja auch einen Brunnen graben). Selbst der bevorzugte Softdrink der Zeit („Nuka Cola“) thematisiert das Atom. Erinnern wir uns an „duck and cover“, ein Atombombenangriff sei ja nicht so schlimm, denn es reiche ja, in die Knie zu gehen und den Kopf zu bedecken. Und an die Angst, die beispielsweise die Geschäftemacher ausnutzen, um sich Versuchskaninchen für Menschenversuche zu verschaffen.

    In der Welt von „Fallout 3“ ist das ultimative Böse ansonsten schon geschehen: Die Atombomben sind lange vor der Geburt des Protagonisten gefallen, die zynisch und indiskriminit die Zivilisation und die Menschen zerstört haben, egal wie gut oder schlecht sie auch gewesen sein mögen. Der Spieler kann durch sein Handeln die Welt höchstens besser machen. Er kann genauso zynisch werden wie die Welt, in die er hineinschaut, kann sich denken, eine Atombombe mehr mache auch schon nichts mehr aus. Er handelt schon „besser“, indem er unterscheidet, kann aber auch die verbliebenen Idealisten bei dem Versuch unterstützen, so etwas wie eine lebenswerte Zukunft zu erschaffen.

    Und das Schönste dabei: wie man schon bei „Black and White“ feststellte, tendieren die meisten Menschen zum positiven Karma. Das mag heißen, daß sie sehr wohl auch in der fiktiven Welt über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen reflektieren. Die Möglichkeit zum „bösen“ Handeln „verleitet“ sie also nicht auch zu bösen Handlungen. Über die Übertragung in die Wirklichkeit noch gar nicht gesprochen.

  24. Und nicht zuletzt, als Post Scriptum, ein kleiner Seitenhieb: Hier wie „dort“ wurde und wird die Welt ja letztlich von denen „gestaltet“ oder auch zerstört, die Computerspiele gar nicht kannten. Ich sehe es als ziemlich haltlos an, dann die Spieler für die Zustände verantwortlich zu machen…

  25. @Martin Ebers
    Das sollte man vielleicht noch erweitern, weil es viele Shooter nicht berücksichtigt die einem zu Gewalthandlungen für ein erfolgreiches Abschließen des Spiels/Überleben im Spiel zwingen und somit auch mit Existenzmöglichkeiten konfrontieren.
    Handlungsalternativen fallen da ja eher weg.
    Dass man in Fallout 3 mit den Supermutanten nicht diskutieren könne wurde dazu auch beim SPIEGEL mal kritisiert.

    Ansonsten hätte man da eben Vieles inkriminiert: aber es gibt auch Positives aus dem RPG-Bereich zu berichten. So indizierte die BPjM Fallout 3 ja erst ein halbes Jahr nach Release und obwohl ich mir persönlich zumindest kein gewaltdarstellenderes Spiel vorstellen kann wo menschliche Körper noch mehr in ihre Einzelteile auseinander fallen würden hielt sie es dabei auch nicht für strafrechtlich relevant – in Hinblick auf Würde und so. Schon ein Fortschritt wie ich meinen möchte.
    Und es gibt ja auch eine innere Moral begrenzter Möglichkeiten in Fallout 3 – wie dort zum Beispiel mit Kindern umgegangen wird.

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