Dialog Internet: Gemeinsame Sitzung aller Arbeitsgruppen

Zum heutigen Treffen des Dialogs Internet gibt es vor allem drei Dinge festzuhalten:

  • Die Erkenntnis, dass Medienkompetenzförderung zuverlässiger ist und eine größere Reichweite hat als Regulierungen und Gesetze, hat sich mittlerweile in weiten Kreisen durchgesetzt.
  • Einige Teilnehmer waren überrascht, als ich die Vergänglichkeit von digital erworbenen Immaterialgütern (Spiele-, Musikdowanloads, etc) ansprach. Offenbar war das Problemfeld noch nicht allen Anwesenden bewusst. Wer es aber kannte, wolle meist lieber, dass es nicht behandelt würde.
  • (Sensation!) Laut Lutz Stoppe[1] haben sich die Jugendminister der Bundesländer darauf geeinigt, die Diskussion des Jugendmedienschutz Staatsvertrags (JMStV) an den Dialog Internet zu deligieren.

Doch der Reihenfolge nach: Eigentlich sah die Tagesordnung eher langweilig aus; sie bestand aus der Vorstellung der Zwischenberichte einiger Arbeitsgruppen. Immerhin fand mit der Diskussion und Ergänzung der bisherigen Arbeit der erste echte Dialog im Plenum statt. Die Positionspapiere und Statusberichte sind sehr unterschiedlich weit entwickelt; je nach Themengebiet gab es sehr viele Mitwirkende, deren Meinung unter einen Hut gebracht werden musste, oder nur wenige. Der Bericht zur Förderung der Medienkompetenz, an dem unter mehreren Dutzend Institutionen auch wir beteiligt waren, ist erwartungsgemäß gut angekommen. Hier hat sich mit der GMK eine recht neutrale und kompetente Instanz gefunden, welche die Moderation übernommen hat. Somit konnten die meisten Inhalte schon vor dem heutigen Treffen abgeglichen und zusammengeführt werden.

Da wir uns bisher vor allem um Medienkompetenz gekümmert haben, gehört der Verbraucherschutz leider zu den Bereichen, in denen noch Handlungsbedarf besteht. Dieser Bereich wurde bisher maßgeblich (nicht unbedingt im Sinne des Verbraucherschutzes) vom G.A.M.E. – Bundesverband der Computerspielindustrie mitbestimmt. Der Text als solches geht vor allem auf Werbung und „unseriöse Anbieter“ (wie Betrüger) ein, die gegen geltendes Recht verstoßen. Sämtliche Probleme mit dem bisher nicht ausreichend regulierten Feld der online erworbenen Inhalte wurden ausgeklammert. Dass Nutzer, die auf den Button „Kaufen“ klicken, oft ein nicht nur zeitlich beschränktes, abstraktes Nutzungsrecht erwerben, und sich diesem Fakt oftmals gar nicht bewusst sind, spielt bisher keine Rolle. Stattdessen fällt eine sehr prominent platzierte Warnung vor Überregulierung ins Auge. Hier werden wir uns künftig stärker einbringen (müssen).

Zum absoluten Knüller des Tages kann ich noch gar nicht viel sagen. Erst mal ist es natürlich ein riesiger Grund zur Freude, dass der neue Anlauf zur Reform des JMStV nicht wieder im Hinterzimmer irgendeines Ministeriums ausgearbeitet werden soll, sondern von einem „Expertengremium“ mit ständigem Kontakt zur Außenwelt diskutiert. Auf der anderen Seite kommt so natürlich auch viel Arbeit und eine Menge Verantwortung auf uns zu. Diese unerwartete Wendung werden wir wohl erst einmal sacken lassen…

  1. [1]Abteilungsleiter der Abteilung „Kinder und Jugend“ im BMFSFJ

10 Gedanken zu “Dialog Internet: Gemeinsame Sitzung aller Arbeitsgruppen

  1. Mich erinnern diese Ideen über „die Vergänglichkeit von digital erworbenen Immaterialgütern“ an Vorstellungen mit denen ich während meines Studium vor zehn Jahren in Bezug auf Computer allgemeiner konfrontiert wurde: damals hat es von einer heutigen Chefität schon geheißen, dass einer Digitalisierung Einhalt geboten werden müsse, da diese System-mäßige gegenüber Büchern keinen Bestand hätte…
    Sorry, aber international ist wohl kaum mehr zu bezweifeln dass Konten-gebundenen Inhalten die Zukunft gehört: am PC später als auf Konsolen. Das ist nun einmal eine Realität welcher sich auch der VDVC früher oder später einmal stellen wird (müssen) – möchten SpielerInnen auf den populärsten Plattformen weltweit auch repräsentiert werden.

  2. „Einige Teilnehmer waren überrascht, als ich die Vergänglichkeit von digital erworbenen Immaterialgütern (Spiele-, Musikdowanloads, etc) ansprach. Offenbar war das Problemfeld noch nicht allen Anwesenden bewusst. Wer es aber kannte, wolle meist lieber, dass es nicht behandelt würde.“

    Tya… wieso wohl.
    Ich bin und bleibe gegen so was! Account Bindung \ DRM ist der Tod der Spiele! Dies wird wie die Kreditkartenblase auch bald platzen! Dann können viele Entwickler ihre Türen zumachen.
    .
    Happy Coding.

  3. Ich bin ein wenig verwundert, dass das Thema Verbraucherschutz dort auf den Tisch kam, da ich davon ausging, dass der Fokus auf Kinder- und Jugendpolitik liegt, bin aber erfreut, dass das ganze schon einmal vorgewärmt wurde.

  4. @TRB: Das liegt vor allem daran, dass vor allem Anbieter von DRM-Software Bescheid wussten. Und die sind ja nicht daran interessiert, sich auch nur Transparenzkriterien zu unterwerfen. (Sie sprechen ja auch irreführend von „Kaufen“, wo man aber ja gar kein echtes Eigentum erwirbt.)

    @Gordon: Insbesondere, wenn es um Inhalte für Kinder geht, ist das auch Sache der Familienpolitik/ Medienerziehung. Angebote, die sich an Kinder richten, sollen für Kinder verständlich sein. In diese Richtung gibt es bereits gesetzliche Bestimmungen. Zudem wurde mehrfach angedeutet, dass sich auch andere Ministerien (Verbraucherschutz und Inneres) mit unseren Ergebnissen auseinandersetzen wollen.

  5. Ach, “die Vergänglichkeit von digital erworbenen Immaterialgütern” soll sich demnach NICHT auf Konten-gebundene Inhalte beziehen. Ist ja interessant…
    Ich frage erst gar nicht mehr worauf sonst, denn offenbar hat man sich hier so schon einen eigenen Polit-Sprech angewöhnt. Bemerkenswert.
    Und nein, Herr M, da gibt es aus meiner Sicht auch nichts zu verstehen. Nicht das geringste.

  6. Gordon wollte klarstellen, dass wir kontengebundene Inhalte nicht per se verteufeln, sondern nur Transparenz fordern. Wenn „Kaufen“ dran steht, soll man bitte auch Eigentümer werden.

    Man soll also, bevor man Geld für etwas aufgibt, auch wissen, wie lange man auch etwas davon hat.

  7. Nun, Herr anderes M, dies hätte vermieden können, wenn du die Beiträge der anderen auch ,al lesen würdest. Das Thema DRM wurde im Forum schon etliche mal angesprochen und auch die Position des VDVCs dazu und jedesmal haben wir uns gleich dazu geäußert. Daran hat sich nichts geändert, warum sollte also aufeinmal JETZT der VDVC „kontengebundene Inhalte“ abschaffen wollen, wenn es nichtmal ansatzweise einen begründeten Verdacht dazu gebe?

    Langzeitgedächtnis hilft ;)

  8. Ich habe nirgendwo behauptet, dass Ihr diese Inhalte „abschaffen“ wollt – das entspringt reiner Fantasie und ist eine ganz üble Unterstellung – dennoch wendet Ihr Euch so doch dagegen: Ihr wollt eben etwa nicht einmal haben, dass man da etwas überhaupt „kaufen“ nennt.
    Ich würde nichts gelesen haben und an meinem Gedächtnis täte es mangeln, dabei kann so nicht einmal wiedergegeben werden was ich schrieb – da stand überhaupt nichts davon, dass Ihr etwas abschaffen wolltet.

    Und dabei berücksichtigt Ihr nicht einmal, dass sehr Vieles was auf Konsolen-Marktplätzen zum Beispiel „gekauft“ wird dort gratis „verkauft“ wird. Inklusive Quittungen. Bei iTunes dasselbe. Welche Garantien möchtet Ihr denn dafür haben? Oder wollt Ihr das auch nicht, dass man etwas „gratis“ kaufen kann wie es so dort üblich ist. Ich glaube ja Euch interessiert das alles überhaupt nicht. Ihr wollte Euch bloß einschlägig profilieren. Ja das unterstelle ich zur Abwechslung Euch mal – nach dem was es hier alles an Fragwürdigkeiten so zu lesen gibt.
    Abonnements, andere Services, etc. kommen so auch nicht vor – genau die wird es in Hinkunft wahrscheinlich aber immer mehr geben. Ebenfalls am PC.

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