Lesehinweis

(GameStar) Es ist eigentlich schon zur Gewohnheit geworden, dass Videospiele für Gewalttaten verantwortlich gemacht werden – selbst wenn man sich dafür auf erfunde Inhalte stützen muss. Umso mehr verwundert die aktuelle Zurückhaltung, da mit der Mission „No Russian“ in „Modern Warfare  2“ sowie den Äußerungen des Täters ausnahmsweise tatsächliche Anknüpfungspunkte vorhanden sind. Daniel Raumer stellt in seiner Kolumne bei der GameStar etwas Ursachenforschung an und erklärt die „Killerspiel-Debatte“ für tot.

Zur Kolumne

23 Gedanken zu “Lesehinweis

  1. wie dort im kommentarbereich auch erwähnt wird, hängt es höchstwahrscheinlich damit zusammen, dass der täter noch am leben ist. jede schlecht durchdachte vermutung bringt die gefahr mit sich, dass die ergebnisse, die bei den verhören gemacht werden, ihnen widersprechen.
    davon abgesehen (das klingt jetzt vielleicht etwas zynisch, wenn man die deutschen amokläufe im hinterkopf behält), ist das ausmaß des verbrechens vielleicht derartig groß, dass selbst spielekritiker einen entscheidenden zusammenhang mit spielen für absurd halten.
    oder es ist die tatsache, dass der täter selbst der meinung war, spiele wie MW2 wären ein sinnvolles training und man deswegen das argument nicht unterstützen will, weil man ihm sinn und verstand zuschreiben würde.
    .
    alles in allem halte ich die debatte leider nicht für wirklich tot, aber glücklicher weise in diesem fall für irrelevant und fürs weitere evtl. abgeschwächt.

  2. Sehe das grundsätzlich zwar ähnlich, wobei ich eher von einer kleinen Entspannung reden möchte: dafür spricht neben der Freigabe von „Gears of War 3“ auch die für „Rage“ aus meiner Sicht. Vielleicht wird man sich über kurz oder lang dem Filmbereich soweit annähern, dass ähnlich wie dort nur mehr B-Movies und Trash, allzu spezielle Genre-Beiträge, nicht mehr gekennzeichnet werden. Der einzige Mainstream-Film aus den letzten Jahren der für die FSK zensiert wurde war soweit ich das überblicke „John Rambo“. Im Games-Bereich kann dabei als ähnliche Ausnahme zuletzt wohl „Mortal Kombat“ angesehen werden.
    Ein Artikel von Thomas Lindemann bei der „Welt“ ging anlässich des Falls „Dead Space 2“ schon in eine solche Richtung, wobei die besonders gewaltdarstellenden sprich brutalen Games wie „Dead to Rights: Retribution“ oder „Splatterhouse“ ein Erfolg in jeglicher Hinsicht eigentlich verwehrt blieb. Mir fallen auch immer weniger große Games ein die für die OLJB gekürzt werden würden: in absehbarer Zeit ist das eigentlich nur mehr „The Darkness 2“, wobei mir gerade der Titel zumindest in Amerika alles andere denn als AAA angesehen zu werden scheint.
    Was Raumer jedoch zu vergessen scheint ist, dass dieses Verbrechen jetzt – so zynisch es klingen mag – in ein Sommerloch fiel: die Talk-Shows machen gerade Sommerpause und die Einladungspolitik der Sender hat sich ja eher nicht geändert.
    Sowie: besondere Reizdarstellungen gibt es zum Beispiel bei Zombies und zerstörten Körpern („Dead Island“, „Rise of Nightmares“) immer noch.

  3. Ich meine auch, dass die Debatte beendet ist – zumidnest auf politischer Ebene; prinzipiell seit Inkrafttreten des 1. JuSchGÄndG im Jahre 2008; schon das JuSchVerbG von 2007 war ein bayerischer Alleingang, vond em sich alle anderen Parteien distanzierten. Das Thema bleibt nur für ewig gestrige Hardliner, gesellschaftliche Laienakteure (wie das AAW) und unsere altbekannten Medienhysteriker prominent, die aber über ihre illustren Kreise hinaus (und von uns wachsamen Spielern) eigentlich kaum wahrgenommen werden. Eing roßes geselslchaftliches Thema ist das alles nicht mehr… und selbst in der CSU ist das Meinungsbild nicht mehr so monolithisch; spätestens seit dem letzten Wahldebakel und dem deliranten Wahlkampf eine Joachim HERRMANN. Auch der Versuch „um die Ecke“ die USK zu diffameiren, wie es zuletzt Christine HADERTHAUER versucht hat, war eher ein Alleingang der Person HADERTHAUER.

    Viel mehr ist das Medium Computerspiel wohl den Weg des Mediums FIlm gegangen; (negative) Medienwirkungen werden als kulturelle Selbstverständlichkeit wahrgenommen, aber kaum weiter beachtet – Moralpanik Ade.

    Das ist natürlich kein Grund, die regelmäßigen Entgleisungen der genannten Akteure nciht auch weiterhin anzuprangern, die Stigmatisierung des Mediums bleibt ja…

    @ Pyri:
    Ich meine übrigens nicht, dass man an der Spruchpraxis der USK (oder gar der BPjM) eine Liberalisierung o.ä. objektiv herausarbeiten kann… man kennzeichnete schon vor Jahren ein „Shadow of Rome“, „Mortal Kombat: Deception“, „Urban Chaos: Riot Response“ u.ä. – es kommt halt auf das zuständige Gremium an. Ich sehe auch nicht, dass für eine Kennzeichnung zensierte oder eben gar nicht veröffentlichte Titel weniger würden.
    Übrigens wurden in den letzten Jahren auch mehr Filme, als nur „John Rambo“ für eine Kennzeichnung gekürzt, aber ich weiß ja nicht, wie du da Maisntream-Film definierst.

  4. Ich will ja kein Wasser in das Freundenfeuer giessen, aber da sich die Presse schon damit blamiert hat gleich nach den Anschlägen den Moslems (Osama ist zurück!!!1111) die Schuld in die Schuhe zu schieben möchte man vielleicht es lieber sein lassen auf den Computerspielern herum zu hacken. Jemand könnte auf die Idee kommen das wenn sich schon die „tollen“ Terrorexperten sich irren, das vielleicht auch diese komischen alten Onkeln die Computerspiele nicht toll finden und die lieben Jugendlichen von den Vorzügen der Schreibmaschinen überzeugen wollen auch nicht Recht haben? Es kann auch sein das nach dem tollen Murdoc Statement und den Handyhack Skandal in England die Öffentlichkeit endlich zwei und zwei zusammenzählt und nicht Blödsinn glaubt den ihnen der alte Rupert da als Neuigkeiten verkaufen möchte. Murdocs Newscorp war immer schon besonders darauf aus Computerspiele und Spieler zu krimnalisieren und sie in den Dreck zu ziehen.

  5. @Skully
    Komisch, Kriminalisierung ;-) Dabei dachte ich in Deutschland wäre es eher umgekehrt und das schöne News-Corp-Elaborat „Aliens vs. Predator“ wäre dort zuletzt für strafrechtlich relevant befunden worden –
    Sowie: wenn ich da an Jess Chobot denke, aber gut, der hab ich das Gamer-Girl-Dasein sowieso nie abgenommen. Ruperts böse Agentin also http://www.newscorp.com/management/fim.html Hach, diese Globalisierungen auch immer…

  6. Wie erbärmlich ist denn dieser Kommentar? 77 Tote, viele Jugendliche, aber hauptsächlich wir können ungestört weiter spielen. Manchmal einfach mal die Klappe halten, denn es ist nicht unser Resort zum Berichten.

  7. @ anti
    Generell nimmt man hier in den Kommentaren eher Bezug auf die dazugehörige News. Zu Oslo gibt es einen eigenen Thread im Forum.

  8. @Pyri Es spielt keine Rolle für IGN welche Spiele mit welchen Inhalt produziert werden, Fakt ist das Newscorp die FPS als „Killerspiele“ hinstellt, die Meinung des Springer Verlags ist die Gleiche und sie werden auch nicht dadurch rehabilitiert das sie CBS veröffentlichen. Für die spielt es keine Rolle ob sie über Fallout, COD etc. berichten oder über den Landwirtschaftsimulator, da sie selbst keine FPS herstellen oder daran verdienen. Springer Verlag und Newscorp gehören für den Mist den sie verbreiten angeklagt, aufgelöst und enteignet. Die BPJM und das KFN genauso, weg mit diesen auf Ignoranz, Nepotismus und Korruption aufgebauten nutzlosen Instituten und Behörden.

  9. Die Diskussion um Killerspiele ist schon seit Jahren tot.
    Die einzigen die sie noch führen, sind ein paar einsame konservative Hardliner und, ironischerweise, die aufgeschreckte Spielerschaft, die an alle Ecken ihre vorgeschobene Verteidigung hinträgt und die Debatte damit erst anstößt.

  10. @ TBF
    Wenn die „aufgeschreckte Spielerschaft“ seine Verteidigung irgendwo vor einer breiten Masse veeröffentlichen würde, dann vielleicht. So ist es eher eine Debatte unter, sagen wir, „Interessierten“.

  11. @Skully
    Na ja, will Dir da eigentlich gar nicht widersprechen und das mit IGN ist – zugegeben – ein ziemlich polemischer Einwurf von mir schon gewesen, aber „die Meinung des Springer Verlags“ mag sich bei der CBS schon auch niederschlagen. Ich zitiere mal aus dieser Aussendung http://www.presseportal.de/pm/51005/1710336/keine-klare-linie-bei-der-einstufung-von-gewaltspielen „COMPUTERBILD SPIELE sieht hier dringenden Handlungsbedarf bei der korrekten Umsetzung der Alterskennzeichnungs-Richtlinien, damit USK und BPjM in Zukunft einheitlich und nachvollziehbar Spiele bewerten. Denn wenn „drastisch inszenierte Gewalttaten gegen menschlich gestaltete Spielfiguren“ ein Indizierungsgrund sind, dürften weder God of War 3 noch aktuelle Militärspiele frei verkäuflich sein. Die bestehenden gesetzlichen Grundlagen müssen konsequent angewendet werden.“
    Gut, Ähnliches ist auch schon beim IDG-Verlag, über einen Spielesendung-Moderator aus dem Fernsehen, aber immerhin…

  12. Ich weiß nicht, ob es angebracht ist, schon von einem Umdenken zu sprechen. Die norwegische Sozialdemokratie wird sich bestimmt nicht mit „World of Warcraft“ als Begründung zufrieden geben – und wer weiß, was Breivik noch alles erzählen wird. Auch die Dame vom skandinavischen Geheimdienst möchte erstmal trauern und eventuell wohl auch etwas Zeit verstreichen lassen, bevor sie sich dazu äußert. Man sollte wohl ebenfalls noch ein wenig warten, bis man ein Urteil über unsere Spielehasser fällt.
    Woran liegt es, dass Frau Pfeiffers Link nicht mehr geht? Hat sie zurückgezogen?

  13. @TBF: das ist fast noch nie passiert, dass die gamerschaft öffentlich die debatte angestoßen hätte, außer der VDVC, und wenn man sich den grund für von gamern angestoßene debatten anguckt, die zugegebenermaßen meist eher in monologen enden, weil sich keiner auf eine echte debatte einlässt, kann man nicht behaupten, dass diese viel mit der traditionellen „killerspiel“-debatte zu tun haben, sprich, „stellen spiele eine ursache für gewalt dar?“.
    davon abgesehen.. wenn die „aufgeschreckte spielerschaft“ aufgeschreckt ist, dann hat das ja wohl offensichtlich was damit zu tun, dass jemand etwas dämliches von sich gegeben hat, dass die spielerschaft angegriffen hat und diese sich dementsprechend verteidigt. also immer nur genau dort, wo diese debatte dringend notwendig wäre. das ist nicht an „allen ecken“, aber leider doch auch vielen. dabei ist es prozentual nicht einmal ein großer anteil der spieler, sondern die absolute minderheit und auf gehör stößt sie dann sowieso so gut wie nie. aber „einfach mal die klappe halten“ kommt nicht in frage, nur weil ein paar casual-gamer (nichts gegen casual-games) angst davor haben, ihr eigenes hobby wirklich ernst zu nehmen und denken dadurch ginge der spaß verloren. das ist auch ihr recht sich aus den debatte rauszuhalten, aber verstehe nicht, wieso sie sich von allen anderen wünschen, das gleiche zu tun.
    .
    dass eine debatte nicht (mehr) exisitert, ist übrigens nicht automatisch was gutes. solange sie existiert, muss sie existieren, denn solange sie existiert, gibt es meinungsverschiedenheiten. wenn sie für eine zeit lang verschwindet, ohne dass sich jemand einig geworden ist, heißt es nur, dass die parteien der diskussion entweder trotzig den rücken zugekehrt haben, oder dass eine partei aufgegeben hat zu argumentieren, ohne wirklich überzeugt worden zu sein.

  14. Ja. Die Diskussion war mit zunehmender Popularität der Spiele unausweichlich. Und ich bin auch durchaus der Meinung, dass sie damals geführt werden musste(von beiden Seiten). Das hat schließlich dazu geführt, dass heute NICHT mehr kommentarlos von ganzen politischen Fraktionen auf die Killerspiele gezeigt werden kann. Nur in letzter Zeit erlebe ich immer häufiger, dass bei jeder erdenklichen Situation nicht etwa die Ankläger sind die sagen „Die Killerspiele sind Schuld“, sondern in der großen Mehrheit Kommentare wie „Mal sehen wie lange es dauert, bis wieder jemand auf die Killerspiele zeigt“, übrigens fast immer ohne Reaktion. Die Spieler fühlen sich pudelwohl in ihrer Opferrolle.

    Dass Publisher USK 18 Spiele entschärfen, hängt damit zusammen, dass es Unternehmen sind, die möglichst viel Geld machen wollen. Wenn das Spiel indiziert werden sollte, droht ihnen ein Werbeverbot, was ihre Umsätze schmälert. Es ist keinesfalls so, dass du die Spiele nicht mehr kaufen könntest. Und ganz ehrlich: Ich habe bisher weder Ragdoll noch Splattereffekte vermisst.

  15. Nein, die Debatte ist nicht tot. Sie wird nur verlagert: Im Visier befindet sich nun das Internet, so wie wir es bisher kennen.

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