C wie Crytek?

(CDU) Crytek dürfte Gamern nicht nur deswegen bekannt sein, weil es der größte Spielentwickler Deutschlands ist, sondern auch, weil die produzierten Titel einen Vergleich mit internationalen Genregrößen nicht zu scheuen brauchen. Der einzige „Schönheitsfehler“: Bei den Titeln handelt es sich nicht um Aufbauspiele oder Adventures, sondern um Ego-Shooter, auf die der Jugendschutz tendenziell allergisch reagiert. So auch beim Erstlingswerk FarCry, dem eine Kennzeichnung durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle verwehrt blieb, weshalb das in Deutschland entwickelte Spiel hierzulande nur geschnitten veröffentlicht werden konnte, während die ungeschnittene „Exportversion“ von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt wurde – der letzten Stufe vor einem Verbot.

Vor diesem Hintergrund dürfte es nicht verwundern, dass die Debatte um ein allgemeines Verbot sogenannter „Killerspiele“ auch von Crytek verfolgt wird. Wohl auch nicht ganz uneigennützig wurde die Petition gegen ein Verbot von Action-Computerspielen von dem Unternehmen unterstützt und auch angemerkt, zu welchen Konsequenzen man bei einer Umsetzung gezwungen sei:

„Wenn Action-Spiele in Deutschland verboten werden, wird unsere Firma das Land verlassen müssen.”

Erwähnenswert dürfte auch das offizielle Gutachten zum Amoklauf von Winnenden sein, bei dem mit FarCry 2 auch ein von Crytek der von Ubisoft Montreal entwickelte Nachfolger von FarCry erwähnt wurde. Hierzu führte Rainmar du Bois aus:

„Seine spätere Flucht aus der Schule, bei der er einen weiteren Menschen erschießt, sowie der Geiselnahme eines unbeteiligten Autofahrer, den Tim K. mit vorgehaltener Pistole zu einer stundenlangen Irrfahrt zwingt, gleicht dem Gutachten zufolge dem Handlungsschema aus Far Cry 2.“

Während die Position von Crytek damit geklärt sein dürfte, kann nun auf die Union eingegangen werden. Schon 2005 wurde im Koalitionsvertrag der großen Koalition festgeschrieben, dass mit den Ländern ein Verbot von gewaltdarstellenden Videospielen „vorrangig erörtert werden“ solle. In der Folge setzten sich auch die Innenminister der Union von Hessen, Thüringen, Niedersachsen und Bayern für ein Verbot ein, von dem wahrscheinlich auch Crytek betroffen gewesen wäre. Schließlich brachten 2007 Bayern und Hessen einen Gesetzesentwurf in den Bundesrat ein, der nicht nur das bestehende Verbot ausweiten sollte, sondern darüber hinaus auch auf eine Kriminalisierung der Nutzer abzielte. Die Union allgemein, wie die hessische und bayerische im Besonderen, sind auf Ego-Shooter also nicht allzu gut zu sprechen. So geizte auch der ehemalige hessische Innenminister und jetzige Ministerpräsident Volker Bouffier nicht mit markigen Sprüchen, mit denen er sich für die Ausweitung von Indizierung und Verbot aussprach:

„Wir beobachten die zunehmende Gewaltbereitschaft gerade von Kindern und Jugendlichen mit großer Sorge. Deshalb muss konsequent gegen Spiele, die Gewalt in jeder Form verherrlichen, vorgegangen werden.“

„Ich bin der Auffassung, das braucht niemand. Deshalb bin ich für das Herstellungsverbot und das Verbreitungsverbot für bestimmte Spiele.“

Zuletzt hat die Union zwar eingesehen, dass Verbote nicht geeignet sind um die Verbreitung von „Killerspielen“ zu verhindern, und stattdessen den Deutschen Computerspielpreis zur Förderung erwünschter Inhalte ins Leben gerufen, doch im eine gewisse Abneigung scheint noch erkennbar zu sein.

Nachdem die Fronten geklärt sind, könnte man meinen sich ausmalen zu können, dass ein Zusammentreffen von Crytek und CDU unter Umständen nicht jugendfrei enden könnte. Hierfür braucht man jedoch nicht einmal seine Phantasie zu bemühen, da Mitglieder der hessischen CDU-Landtagsfraktion am 03.08.2011 bei Crytek vorbeigeschaut haben. Zum Ergebnis ein paar Auszüge aus der Pressemitteilung der hessischen CDU:

„Es ist erfreulich, dass sich ein weltweit äußerst erfolgreich agierendes Unternehmen der Computerindustrie, die Vorteile der hessischen Rhein/Main-Region bei der Wahl ihres Hauptsitzes zu Nutzen macht. […] Die Möglichkeiten modernster Spieletechnologie, insbesondere die Potentiale der 3-D-Effekte, zeigen, dass die ‚Gamer‘ noch viele unterhaltsame Produkte aus Hessens Spielestudio zu erwarten haben. […] Es ist sehr begrüßenswert, dass ein Unternehmen wie ‚Crytek‘ den hohen deutschen Standard bei der Altersbeschränkung von Spielen als Maßstab für den weltweiten Vertrieb beibehält […]“

Mit Peter Tauber war auch ein Bundestagsabgeordneter der CDU zugegen, der seine Impressionen eigenhändig verbloggt hat. Auch zu den Themen Jugendschutz und Gewalt gab es Gespräche:

„Die Debatte war auch deswegen an diesem Punkt schnell beendet, weil Crytek sich zu den im internationalen Vergleich recht strengen deutschen Standards im Jugendschutz bekennt und betonte, dass die Spiele vor allem für eine volljährige Zielgruppe entwickelt und produziert werden. […] Also hören wir endlich auf, über Computerspiele zu schimpfen, sondern fragen uns lieber, warum einige wenige Jugendliche es nicht schaffen, Spiel und Realität zu trennen. Gönnen wir aber den Millionen von Gamern ihren Spaß!“

Auch wenn Peter Tauber wohl nicht als durchschnittlicher Unionspolitiker durchgehen wird – Bedurfte es um die hessische CDU zu der obigen Pressemeldung zu bewegen im Endeffekt nur des Hinweises, dass sich Ego-Shooter überwiegend an Volljährige richten? Mir soll’s recht sein, auch wenn ich mich darauf noch einstellen muss:

14 Gedanken zu “C wie Crytek?

  1. „FarCry 2 auch ein von Crytek entwickeltes Spiel“
    wurde FarCry 2 nicht von Ubisoft Montreal und nicht von Crytek entwickelt? Crytek war zu der Zeit doch an Crysis Warhead am arbeiten…

  2. so wie es in jeder Partei Querköpfe gibt, wird es auch bei der CDU welche geben, die gegen die Parteilinie schwimmen.
    Für uns, die wir der CDU eher ablehnend gegenüberstehen schauen solche Leute natürlich wie Helden aus, die die Wahrheit erkannt haben. Es ist aber nur unsere Perspektive.
    Es bleibt abzuwarten, ob sich auch die offizielle Parteilinie wandelt.

    Problematisch ist auch, dass Tauber’s Blogpost ein Blogpost im Internet ist. So bekommen ihn diejenigen, die eigentlich aufgeklärt werden müssten, nur schwer zu Gesicht.

  3. Ich musste wirklich laut lachen, das war jetzt sehr unterhaltsam!
    WENN das seine ECHTE Meinung ist, dann soll sie bitte Schule machen! ;)

  4. ich weiss nicht!
    die union verliert im moment stätig an wählerstimmen.
    das hier könnte lediglich nur eine verzweiflungsaktion sein, weil man uns auf einmal braucht.

  5. @Booomboy
    Ih glaube auch das die uns für Blöd halten und lediglich Honig ums Maul schmieren wollen, ich meine wieviele Jahre hackt diese Partei auf uns Gamer schon herum und was haben die nicht alles an Lügen genutzt um uns zu schaden, einzelne Ausnahmen mag es auch in dieser Partei geben aber das groß der Partei wird wohl kaum ihre Meinung geändert haben über uns und unser Hobby. Ih rate zur Vorsicht und Skepsis.

  6. Zur Grammatik: Meiner Meinung nach müsste es „Bedurfte es … nur des Hinweises“ heißen (Genitiv).

    Zum Inhalt: Ich denke auch, dass hier in allen Teichen Wahlstimmen gefischt werden. Bei der Senioren-CDU (wo es die meisten Gamer nicht mitbekommen) fordert Schünemann ein Verbot von Spielen und im Internet (wo es die meisten Senioren nicht mitbekommen) gibt man sich spielefreundlich – ganz schön gerissen. ;p

  7. „Mir soll’s recht sein“

    Mir nicht… sorry was is das denn bitte?
    Jahre lang dürfen wir zugucken wie versucht wird die komplette industrie und konsumenten zu kriminalisieren durch diskussionen um komische „killerspielherstellungsverbote!“ und ähnliches gedönns. Ein solches verbot würde wohl Crytek am meisten treffen, sich nun hier hinzustellen und Crytek dann als glänzendes beispiel für deutschen jugendschutz und deutsche entwicklerstudios zu nehmen das ist ja schon ziemlich dreist…

    Mich wurmt es eher das die CDU das große geld gerochen hat nachdem Crytek durch Crysis2 mal wieder einen schönen batzen gemacht hat. Die dachten bisher wohl durch so „kinder videospiele“ macht niemand wirklich geld. Nun wird gemerkt das dem wohl doch nicht so ganz ist, also packt man eben ganz schnell die „wir mögen unternehmer und niedrige steuern, zukunftsstandort deutschland!“ keule aus.

    Und is egal ob da nur hansel von der parteilinie wegtanzen, wenn es um abstimmungen und entscheidungen geht sind solche leute wieder richtig richtig schnell auf parteilinie treu. Von daher finde ich diesen bericht eher beleidigend als irgendwie „erfreulich“…

  8. Frau Wolff relativiert ja schon im nächsten Satz: „Die Faszination von Computerspielen hat jedoch auch negative Folgen…“ Was schließlich in reiner Zensur endet: „… dass bereits während des Herstellungsprozesses von Spielen eine intensive Kooperation zwischen den zuständigen Prüfstellen zur Minderung von Gefahren und Einstufung der Freigaben stattfindet.“

  9. Pingback: stigma-videospiele.de | VDVC

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