„Doom“ vom Index gestrichen

(BPjM) Die BPjM hat „Doom“ vom Index gestrichen, da für eine Aufrechterhaltung der Indizierung nicht die notwendige Mehrheit erreicht werden konnte. Der Anbieter hatte die Streichung des Spiels beantragt, das mittlerweile zu den 10 einflussreichsten Computerspielen gezählt wird und somit als „wichtiges Kulturgut“ gilt. Bei der Begründung wurde unter anderem darauf abgestellt, dass Kinder und Jugendliche mittlerweile den Umgang mit virtuellen Welten gewohnt sind und dass dem Spiel keine fotorealistische Grafik bescheinigt werden könne, was der Annahme von „einem extrem hohem Realitätsbezug“ entgegenstehe. Dennoch waren einzelne Mitglieder der Ansicht, dass „Doom“ weiterhin als jugendgefährdend anzusehen sei, da das alternativlose Töten menschlicher Gegner zum wesentlichen Inhalt des Titels zähle. Diese konnten sich im 12er Ausschuss jedoch nicht durchsetzen, der aber betont, dass eine veraltete Grafik allein eine Indizierung nicht automatisch verfallen lasse. Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass mittlerweile anerkannte Altersfreigaben existieren, so dass „Doom“ auch ohne Indizierung nicht an Kinder und Jugendliche weitergegeben werden darf.

Zur Begründung

27 Gedanken zu “„Doom“ vom Index gestrichen

  1. Die Karawane zieht weiter. Es ist unerheblich was, wichtig nur, dass indiziert wird. Und da gibt es genug anderes Material. Dass Kinder und Jugendliche mittlerweile den Umgang mit virtuellen Welten gewohnt sind hätte ich gern im Kontext zu 1994 erklärt bekommen. Ein Zwölfjähriger von heute hat einen Umgangsvorsprung von 17 Jahren, also 17 Jahre mehr Umgang mit solchen Spielen als die damaligen Zwölfjährigen – oder?

  2. Musste beim Lesen der Begründung erst an eine gelungene Satire denken. Aussagen wie „aus heutiger Sicht handele es sich bei „Doom“ nicht um eine realistische Darstellung“ wären doch auch schon damals absurd gewesen. Bin fast froh, dass die damals auch noch keine Zeitmaschinen hatten und sich heutige Spiele angucken konnten. Wahrscheinlich hätten sich die BPjM’ler dann in einer Panikreaktion in einen Bunker zurückgezogen und sich auf ewig versteckt. :D

  3. Sogar ab 16:
    – „In der Folge konnte Doom als nicht-indiziertes Spiel bei der USK eingereicht und nach der Gremienprüfung mit „ab 16“ gekennzeichnet werden.“

  4. „Darüber hinaus wurde darauf hingewiesen, dass mittlerweile anerkannte Altersfreigaben existieren, so dass “Doom” auch ohne Indizierung nicht an Kinder und Jugendliche weitergegeben werden darf.“

    man könnte meinen selbiges gilt für alle andere indizierten spiele auch

  5. @Mike L:
    Ich vielleicht irgendwann auch wenn es bei uns endlich freigeschaltet wird, im Umland ist es ja schon seit Jahren erhältlich aber ob da noch jemand von den Rechteträgern an einer Freischaltung interesse hat nachdem es das schon so lange auf XBLA gibt?

  6. Vielleicht sollte man schon noch hinzufügen WEM man diese historische Entwicklung zu verdanken hat, nämlich ZeniMax Germany. Also plant man offenbar doch eine Neuveröffentlichung, wobei es wohl ja immer noch so viele Index-Leichen gibt die allesamt geborgen werden müssten – wenn sich die Industrie in Deutschland mal darum kümmern würde. Da kann der Felix Falk aus aktuellem Anlass noch so oft jubilieren, da hätte die Industrie schon auch eine Verantwortung zu tragen. Es müsste einen Fond geben mit dem sich darum bemüht wird so viele Titel wie möglich nach den zehn Jahren vom Index zu bekommen. Und damit müsste die BPjM halt auch auf Trab gehalten werden – denn wohl nur dann, wenn es auch Druck gibt wird diese unsägliche und aus meiner Sicht menschlich verabscheuungswürdige Praxis im Land sich vielleicht irgendwann gänzlich aufhören http://www.videogameszone.de/Doom-3-XBox-72161/News/Doom-erhaelt-USK-Einstufung-Shooter-ab-sofort-ab-16-freigegeben-842156/
    Ich verstehe ja nicht weshalb da immer so herumgetan wird, von „Antragstellerin“ gefaselt aber nicht erklärt wer das im konkreten Fall gewesen ist.

  7. @Pyri
    Bei Spielen sind es soweit ich weiß ein paar Jahre mehr als nur 10 die vergehen müssen(kann mich aber auch irren, da gibt es zig unterschiedliche Aussagen zu).
    Die deutschen Versionen waren zensiert, in Teil 1 fehlte das Swastika und in Doom 2 fehlten die Bonus-Maps.

  8. @ DT:
    Du irrst…

    § 18 Abs. 7 JuSchG:
    „Medien sind aus der Liste zu streichen, wenn die Voraussetzungen für eine Aufnahme nicht mehr vorliegen. Nach Ablauf von 25 Jahren verliert eine Aufnahme in die Liste ihre Wirkung.“

    § 23 Abs. 4 JuSchG:
    „Nach Ablauf von zehn Jahren seit Aufnahme eines Mediums in die Liste kann die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Streichung aus der Liste unter der Voraussetzung des § 21 Abs. 5 Nr. 2 im vereinfachten Verfahren beschließen.“

  9. Gibt es eigentlich schon eine Reaktion der Spielekritiker? Kann doch nicht in deren Sinne sein, dass der Vater aller Shooter nun zugänglicher wird. ;)

  10. @Doktor Trask
    Du kannst Dir etwa folgendes merken: was für Videospiele gilt, gilt etwa auch für Filme. Lediglich in Hinblick auf §86a gibt es da traditionell andere Auslegungen, aber die werden im Text des Strafrechts selbst schonmal ebenfalls nicht dezidiert zum Ausdruck gebracht.
    Ich wüsste weder aus dem Strafrecht noch dem Jugendschutzgesetz schonmal eine Stelle wo ausdrücklich nur auf Videospiele Bezug genommen werden würde, also da irgendetwas unterschieden werden würde. Etwa in Hinblick auf elektronisches Spielzeug oder so.
    Und das ist ehrlich gesagt auch das einzig Positive was ich in den deutschen Gesetzen diesbezüglich finden kann, nämlich dass anders als in Australien zumindest bis vor kurzem soweit (also vom §86 und §86a mal abgesehen) da keine Diskriminierung stattfindet.
    Medien werden prinzipiell gleich behandelt, also muss man wohl etwa auch sagen, dass die USK Videospiele als Kunstwerke ungeschaut ihres Inhaltes ansieht, wahrnimmt. Wie dann konkrete Inhalte wahrgenommen werden steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt.
    Ausdrücklich nur über Computer- und Videospiele spricht das Gesetz jedoch eigentlich nicht. Afaik gäbe es irgendwo eine Unterscheidung zwischen USK- und FSK-geprüften Importen, darauf wurde ich jedenfalls mal von wem hingewiesen, aber die hab ich eben auch nie wirklich ausfindig machen können.

  11. … dafür müßten die überhaupt einen Plan vom Markt haben: Die „Spielekritiker“ kennen die Spiele, über die sie sich brüskieren, ja i.d.R. nicht – denen werden von ein oder zwei Meinungsführern irgendwelche Zusammenschnitte aus diesem oder jenem Spiel gezeigt und das war es… und bei diesen Meinungsführern sieht es nicht anders aus (wesentlich mehr als ein „GTA IV“ oder „Der Pate“ dürfte auch ein CHristian PFEIFFER nie im Leben gesehen haben). Das aht schon seinen Grund, warum in den „Debatten“ immer dieselben Spiele als Bsp. herangezogen werden.

  12. Geduld, es ist ja erst seit heute offiziell gestrichen. Ich denke das wird sehr bald in irgendeiner Form zu kaufen sein, solche Prüfungen beantragt man ja nicht zum Spaß.

  13. Ich vielleicht irgendwann auch wenn es bei uns endlich freigeschaltet wird, im Umland ist es ja schon seit Jahren erhältlich aber ob da noch jemand von den Rechteträgern an einer Freischaltung interesse hat nachdem es das schon so lange auf XBLA gibt?

    Doch damit recne ic auf jeden Fall-das wird ja der grund sein warum die ne Überprüfung gebeten aben-un das auch hier noc verkaufen zu dürfen

  14. @Vicarocha

    Naja gesehen wird er mit Sicherheit schon mehr haben als deine 2 Bsp. , aber darum geht es nicht. Sehen kann ich auch auf Screenshots oder in kurzen Videos. Das Problem aller Kritiker ist (ja ich verallgemeinere bewusst), dass sie die Spiele nicht selbst spielen oder wenn dann nur bereits mit einer vorgefertigten Meinung. Es gibt nicht den Christian Pfeiffer, der nach der Arbeit gemütlich ne Runde FIFA an der Konsole daddelt oder den Manfred Hopf der aufm DS Tetris spielt. Das einzige was diese Herren (und Damen) mit Videospielen machen, ist die Gewalt aus Titeln zu extrahieren und mit dem Finger drauf zu zeigen, völlig egal was das Spiel sonst noch bietet.

    Ich erinnere da gerne an den Realschullehrer aus Erfurt, den Galileo vor die Kamera gezerrt hat. Nach dem Shooterspielen (ich glaube es war Quake 3) meinte er (sinngemäß, genauer Wortlaut nicht parat): „Es hat mir zwischendrin sogar richtig Spaß gemacht bis ich dann nachdachte ob mir das Spiel überhaupt spaßmachen sollte“

  15. Ich möchte noch anmerken, dass die BPjM naturgemäß nicht selbst Doom als nunmehr „wichtiges Kulturgut“ ansieht, sondern sich auf Seite 12 mit dieser Interpretation lediglich auf die Aufnahme von Doom in die Library of Congress in den USA beruft –
    Was man so wohl annehmen darf ist, dass so eine Aufnahme auch für die BPjM nicht unwesentlich ist, wobei ich aber ehrlich gesagt nicht genau weiß wie die Auswahlkriterien dort aussehen – neben dem Doom-Spiel ist etwa auch der Doom-Film mit The Rock in deren Datenbank zu finden ^^ Also wie sich das etwa von hiesigen Nationalbibliotheken unterscheidet, wo ja jeder Schmöker reinkommt. Auch alles was an Unis so fabriziert wird. Soweit ich weiß gab es in der Bibliothek vor ein paar Jahren aber zumindest mal eine Spiele-Ausstellung mit Doom http://www.sueddeutsche.de/digital/doom-neben-kant-killerspiele-als-kulturgut-1.911511
    Gegebenenfalls sollte man so hoffen, dass dort noch mehr Titel unterkommen, wenn man noch mehr vom Index in Deutschland bekommen möchte…

  16. Doom wurde vom Index gestrichen… da läuft was falsch…
    nicht Doom gehört vom Index gestrichen, sondern der Index selbst gehört gestrichen. Ein altes bürokratisches Zensur-Monstrum, in denen manche Typen „Gott“ spielen wollen und können :x

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