Ein Gedanke zu “Lesehinweis

  1. Ich bin gespannt was da in den anderen drei Teilen noch kommen wird und vielleicht ist es deshalb zu früh darüber zu urteilen, wenn man nicht weiß worauf Höltgen letztlich hinaus will bei dieser Beschreibung einer Entwicklung, aber ich hätte mir schon gewunschen, dass bestehende Verhältnisse in Hinblick auf Jugendschutz und die bestehende Gesetzeslage erstmal hinterfragt, analysiert werden.
    Im angeschlossenen Forum kam es, ob beabsichtigt oder nicht, auch schon raus: es ist eben letztlich eine Frage wie man die „Gewalt“ in den Spielen sieht. Höltgen scheint diese dabei einerseits strukturell zu begreifen, andererseits ihre Visualisierung aber dann auch umso eher als problematisiert anerkennen zu wollen – je stärker diese ins Gewicht fällt. Und beruft sich dann gegebenenfalls auf Wertewandel etc.
    Das ist für mich nicht stichhaltig und prognostisch auch absurd zu nennen – darüber hinaus widerspricht es aus meiner Sicht früheren Arbeiten von ihm, wo er sich Körperdarstellungen im Splatterfilm angenähert hat. Ich sehe da aber keinen Unterschied, also bei den Gewalthandlungen in Games, zur Betrachtung eines Films. Da gibt es nur immer die Fraktion die sagt „sind ja nur Pixel“ und Gegnerschaften stets als Kanonenfutter begreift, etc. Denen kann man so wie Höltgen einfach nicht kommen – tut mir leid. Das greift nicht, da diskriminiert man die – wobei ich fürchte, dass das da ja häufig leider noch bewusst in Kauf genommen wird. Weil man die intellektuell sowieso nicht als sein oder ihr jeweiliges Zielpublikum ausgemacht hat. Aber die Gruppe kann es auf der Theaterbühne auch geben, wenn sich die Leute mit Theaterblut beschmieren und etwa herumalbern. Oder „Killerschach“ veranstalten. Das sind alles differente Körperbeziehungen die zu berücksichtigen sind.

    Immer wieder scheint da jedoch ein besonderes Risiko-Publikum ausgemacht zu werden, das letztlich verhindert dass Videospiele emanzipatorisch wie andere Medien betrachtet werden: über ein vermeintlich unreifes, zu schützendes, jugendliches Publikum – aus meiner Sicht gibt es dafür jedoch überhaupt keinen Grund. Jedenfalls genau so wenig wie einen beim Film oder (anderem) Theater spielen –
    Stichhaltig ist es dabei nicht eine Situation von vor zwanzig, dreißig Jahren ebenso in die Zukunft zu projezieren: ich denke da braucht man sich nichts vorwerfen – ein kritischer Punkt in der Darstellung ist längst überschritten worden. Spiele werden heute größtenteils schon wie aufwändigere Animationsfilme zumindest wahrgenommen. So abstrakt wie einst bei River Raid ist das Inkriminierte von heute nicht mehr, und wird es auch nicht mehr werden. Der Pixelbrei aus den ersten beiden Dooms ist heute Geschichte. Und zu glauben das die heutigen Bilderwelten in zwanzig Jahren so wieder gesehen werden absurd: Realfilme aus den Sechzigern werden heute gegebenenfalls auch noch beschlagnahmt, ebenso wie es bessere Animationsfilme würden.

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