LNS11 – Resümee

Planungsphase

Es gibt Chancen, die muss man einfach nutzen – auch, wenn das irrational wirkt. Das Angebot von der Hochschule für Gestaltung, „mal eben“ eine LAN-Party zu organisieren, fällt in genau diese Kategorie. Normalerweise sollte man bei größeren Veranstaltungen mindestens ein halbes Jahr vor dem Termin einen Mietvertrag in der Tasche heben, doch das „Hey, wir haben in ein paar Wochen unverhofft (und umsonst!) Platz für euch!“ ist einfach zu verlockend, um es auszuschlagen.

Und so trafen sich bereits kurz darauf Mitglieder des LAN-Vereins NetQuarter und des VDVC um auszumachen, wer welche Aufgaben übernimmt. Anfangs war praktisch nur klar, dass es viel Platz (die HfG ist groß) geben wird und Equipment keine Rolle spielt (allein Christian hat genügend Hardware). Außerdem wollten wir selbstverständlich unserem Bildungsauftrag nachkommen. Es kann ja nicht sein, dass wir andere LANs mit medienpädagogischem oder kreativem Programm anreichern und diesen Aspekt auf unserer eigenen zu kurz kommen lassen. Alle Aufgaben wurde an anwesende Personen delegiert – für diese galt es nun, herausfinden, was zu tun ist und es dann auch umzusetzen. Um Zeit zu sparen, konnte und musste jeder Helfer in seinem Bereich eigenverantwortlich handeln.

Wer könnte dieser Location schon widerstehen?
(Lizenz: CC-BY-NC-ND, Autor: Robin Marx)

Besonders Gordon zeigte sich sehr engagiert und wurde schnell zum inoffiziellen Projektleiter – ein solcher war ja offiziell gar nicht vorhanden. Eigentlich war es seine Aufgabe eine Diskussion zur Spielekritikdebatte auf die Beine zu stellen, doch nebenher fragte er regelmäßig den Status verschiedener Helfer ab und versorgte sie mit aktuellen Informationen. Sebastian (HfG) verfasste außerdem regelmäßig umfassendere Statusreports für das gesamte Organisationsteam. Das größte Problem sahen wir anfangs in der Beschaffung von Tischen für alle Teilnehmer. Da er ja eh auf der Hardware saß, erklärten wir Christian zum verantwortlichen für den LAN-Bereich. Er sollte sich nun auch um Tische kümmern. Das sah zunächst so schwierig aus, wie wir erwartet hatten.

Es lief alles darauf hinaus, dass wir Geld in die Hand nehmen und Tische mieten müssten – dafür hatten wir auch schon einen Eintrittspreis von 10€ (incl. 5€ Verzehrgutschein) festgelegt. Doch nur eine Woche vor der Veranstaltung taten sich neue Möglichkeiten auf. Zum einen waren in der HfG Bühnenelemente vorhanden, die sich zweckentfremden ließen. Diese hatten wir zunächst im Scheuklappenmodus (Zombie-Stimmlage: „LAN-Orga fressen Tische!“) übersehen. Zudem wurden uns vom Stadtjugendausschuss weitere zugesagt, die wir aber hätten abholen müssen. Spontan – möglich auch, weil die Zahl der Anmeldungen das zuließ – entschieden wir uns für die preisgünstige, kleine Lösung: Gratis-LAN nur mit den Bühnenelementen.

Veranstaltung

Bei der Veranstaltung selbst haben etwa 70 Gamer gezockt, zugehört, diskutiert, wenig geschlafen und viel Koffein konsumiert. Freitag Abend wurde eine Runde begrüßt und aufgebaut, dann ging es auch schon los mit dem LAN-Teil der Nacht: Battlefield, Call of Duty, Counterstrike, Starcraft, Minecraft, Left 4 Dead, Quake und andere Spiele in verschiedenen Versionen liefen in mal kleineren, mal größeren Sessions. Dass hier ein wenig die Organisation gefehlt hat, war am Ende auch nicht so schlimm, Spaß gemacht hat es trotzdem. Und obwohl die eigentlich angedachte Eltern-LAN – aka Spiele(nd) verstehen – mangels Eltern weniger erfolgreich war, wurde von der Möglichkeit, den Spielern über die Schulter zu schauen, häufig Gebrauch gemacht: Pros beim Quake-, Starcraft- und Counterstrike-Zocken zuzuschauen finden auch Gamer beeindruckend. So gegen 4 Uhr wurde der Lichthof der HfG dann nach und nach ein wenig ruhiger, und als es gegen 7 auch noch hell wurde, fand man im ganzen Gebäude Schlafsäcke mit LAN-Teilnehmern drin: Die einen hatten es sich unter den besagten Bühnenelementen gemütlich gemacht, die anderen sind auf die beiden oberen Stockwerke ausgewichen. Isomatten sind eine tolle Erfindung. Am Samstag, dem ereignisreichsten Tag der Nacht, traute sich die Spielkultur dann für alle sichtbar aus ihrem Versteck. Was am Vortag vor allem in Gesprächen über Spiele und Co in Erscheinung trat, gesellte sich jetzt mit den Vorträgen und der großen Diskussion zur Spielekritikdebatte offiziell zum Programm. Letztere war ein besonderer Höhepunkt, was man allein schon daran sehen konnte, dass fast alle Rechner aus waren. Etwa 40 Personen hatten sich um die fünf Prominenten geschart und eifrig mit diskutiert. Lustigerweise erschien just in dieser Zeit eine Redakteurin der lokalen Presse, die eigentlich Menschen am Computer interviewen wollte. Sie setzte sich zunächst mit in die Runde, um sich dann zu entscheiden, am Abend einen zweiten Versuch zu starten.

Wir hoffen auf spontane Besucher.
(Lizenz: CC-BY-NC-ND, Autor: Robin Marx)

Insgesamt war die Resonanz auf die verschiedenen Workshops und Vorträge aber eher schwankend. Am Vormittag war das auch auf viele Langschläfer zurückzuführen: Während um 10:00 niemand Interesse an „Browsergames aus Betreibersicht“ zeigte, konnte der Beitrag auf den Nachmittag verschoben mehr Interessenten anziehen als „Klassisches 3D-Leveldesign“. So ließ sich insgesamt zehn Personen über die Serverauslastung bei „Piratenkriege“ aufklären, während sich am Morgen fünf Leute eine fast private Einführung in Optimierungsmöglichkeiten in verschiedenen 3D-Engines sowie in das Layouting von Maps geben lassen konnten.

Für diesen bildenden Teil hatten wir – ganz im Geiste der übrigen Planung – Improvisation ohnehin zu einem Leitmotiv erhoben. Zunächst hatten wir ein Barcamp ersonnen, dieser Ansatz schien den ersten Anmeldern jedoch nichts zu sagen, so erstellten wir ein Programm. Dieses war jedoch sehr offen gestaltet und legte den Augenmerk auf Diskussion und Flexibilität in der Umsetzung. So wurde auch auf die zunächst angedachte Belegung zweier Seminarräume verzichtet – stattdessen trafen sich Diskutanten, Vortragende und Zuhörer zentral im Lichthof. Ebenfalls zum Konzept erklärt wurde die Nicht-Verfügbarkeit von passendem Equipment für Videoaufzeichnung/ -streaming: Da wir ohnehin keine Hardware hatten, nutzten wir die Chance, eine besonders private Stimmung zu erzeugen. Das verhinderte zum einen die üblichen Grabenkämpfe einer typischen Podiumsdiskussion sowie die Frontalunterrichtssituation eines Vortrags und gefiel allen Anwesenden sehr gut. Während der Programmpunkte war das „Publikum“ stets eingebunden und hat sich aktiv beteiligt. Mit Mikrofonzwang und vor laufender Kamera hätte das vermutlich anders ausgesehen. Optimal ist diese Lösung natürlich – vor allem für verhinderte Zuschauer von außen – nicht, jedoch haben wir auf diese Weise hoffentlich das beste aus unseren begrenzten Mitteln gemacht.

Ein Gedanke zu “LNS11 – Resümee

  1. Pingback: Spielekritikdebatte „live on stage“ | VDVC

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