Gamer protestieren gegen EA,
EULA-Änderung nur Makulatur

Mit dem Erscheinen von Battlefield 3 mussten viele Benutzer feststellen, dass zum Starten des Spiels das Zusatzprogrammm „Orgin“ benötigt wird. Dieses Programm greift gemäß Endbenutzer-Lizenzvertrag (End User License Agreement, EULA) massiv in die Rechte des Verbrauchers ein. Letztenendes holt sich der Benutzer eine Spionagesoftware auf seinen PC, welche die unterschiedlichsten Daten sammelt und an EA zurücksendet. So wird z.B. der komplette Inhalt der Festplatten erfasst und es werden ungefragt Lizenzen von EA-Produkten geprüft. Zudem behält sich EA vor, die gesammelten Daten u.a. „für Marketingzwecke“ an „seine Partner“ weiter zu geben. Die Datensammlung umfasst etwa IP-Adressen, Nutzungsdaten, sämtliche auf dem Computer installierte Software sowie deren Nutzung und vorhandene Hardware inklusive Peripherie wie Drucker. Dies alles geschieht aber auch schon bevor der Benutzer irgend etwas zugestimmt hat, den Orgin spioniert bereits während der Installation den Rechner aus.

Danneben hat das neue Verfahren auch einige Seiteneffekte. Nebst den üblichen Schwieigkeiten sich bei den Aktivierungsservern anzumelden (wie zuletzt bei Ubisoft), melden Spieler, dass ältere EA-Produkte nichtmehr funktionieren, sofern sie online erworden wurden. Dies umfasst alle vor dem September 2009 gekauften Spiele. Sofern man also nicht über einen zuvor erworbenen Datenträger verfügt, sind diese Spiele für den Kunden nichtmehr nutzbar. EA hat das inzwischen bestätigt.

Als diese umfassenden Eingriffe seitens EA bekannt wurden, berichteten unter anderem Spiegel-Online über den Sachverhalt. Das Thema schlug schnell größere Wellen. Dies veranlasste EA laut Informationen des Magazins Gamestar letztendlich die Orgin-EULA abzuändern. Dieses Manöver scheint allerdings vor allem Makulatur zu sein, denn die wirklich brisanten Stellen sind auch weiterhin noch enthalten. So wurde der Text insgesamt freundlicher formuliert und die Anrede des Nutzers von „du“ auf „Sie“ korrigiert. Zudem findet der Kunde nun eine detaillierte Anleitung, wie er sich im Falle eines Streits nach Auffassung des Publisher zu verhalten hat. Einzig die Anmaßung die Kommunikation des Nutzers zu überwachen und jegliche Information zu veröffentlichen, wenn es „EA für nötig hält“, um die eigenen Interessen zu schützen, wurde fallen gelassen. Überwacht wird aber weiterhin.

Datenschützer und Verbraucher laufen gegen diese Eingriffe in das Nutzungsverhalten und die Privatsspähre der Spieler Sturm. So häufen sich negative Bewertungen beim Onlineshop Amazon, eine Petition fordert gar das komplette Verkaufsverbot des Spiels – und zwar so lange bis sich der Publisher an geltendes Recht hält. Namenhafte Akteure des eSport arbeiten zur Zeit zusammen mit uns an einem offenen Brief, der die Meinung der Spieler auf den Punkt bringt, und EA endlich zu einer Stellungnahme bewegen soll. Da viele Nutzer nach dem Kauf eine negative Überraschung erleben mussten, sieht der VDVC zudem seine schon länger bestehende Forderung nach mehr Transparenz in Vertragstexten bestätigt und wird nun mit neuem Elan für dessen Umsetzung arbeiten. Um auch denen zu helfen, die bereits von der Spionage-Offensive betroffen sind, haben wir ein Musterschrieben vorbereitet. Dieses lässt sich nutzen, um von EA Auskunft (gemäß Bundesdatenschutzgesetz) verlangen, welche Daten sie über einen gespeichert haben.

20 Gedanken zu “Gamer protestieren gegen EA,
EULA-Änderung nur Makulatur

  1. Richtig so, stimme dem allem voll zu. Man kann nicht auf China mit dem Finger zeigen und Menschen überwachen als ob es noch die Mauer gäbe. Weiter so!

  2. Ich kaufe Battlefield 3 nicht! Auch kein anderes Spiel mit „Orgin“!
    EA LMAA!
    Wo sind die Annos, Politiker, Datenschützer wenn man mal gegen sowas vorgehen will? Wieso gibt es nicht einstweilige Verfügungen gegen den Verkauf?

    Ich hoffe für die Gamer, dass BF3 genauso endet wie Spore!

    Happy Coding

    PS: an alle die BF3 unbedingt spielen wollen… nehmt eine VM, damit EA keine Sinvollen daten bekommt!

  3. Wenn man dieses Musterschreiben ausgefüllt hat, wie soll man es denn EA zukommen lassen ? Per E-Mail oder Post ? Mich würde nämlich wirklich interessieren wieviel EA schon von mir weiß.

    • Das muss (leider) per Post passieren, da es nur so wirklich rechtsverbindlich ist. Daher haben wir auch kein Texteingabefeld auf die untere Linie platziert: Damit man auch dran denkt, dass man es ausdrucken und von Hand unterschreiben muss.

  4. Die Origin-EULA wurde nicht geändert. Das ist eine Falschinformation und ich bin verwundert darüber, daß sich offenbar niemand die Mühe macht, diese Informationen zu prüfen. Die EULA wurde bereits mit der Beta von BF3 ausgeliefert und besteht in dieser Form seit dem 24.09., wie man hier sehen kann: http://eula.dm.origin.com/

    de_DE.html

    2011-09-24T04:39:21.000Z

    „cab199b5462fdfcfa0def9a434418e2b“

    61349

    STANDARD

    • Die EULA wurde sehr wohl umformuliert, allerdings betrifft das nur die Version, die einem das Programm selber (z.B. bei der Installation) anzeigt. Somit hast du schon Recht – online sieht man davon nichts. Daran erkennt man auch, dass offenbar sehr überhastet etwas neues aus dem Hut gezaubert werden sollte, das zumindest etwas moderater klingt.

    • Danke für das Video. Vor allem der Einwurf, dass gesundheitliche Informationen gesammelt werden, ist sehr brisant.

      Lass mich aber auch kurz erklären, warum wir uns (auch) auf die EULA beziehen: Die EULA lässt Aufschluss darauf zu, was EA gerne machen würde – und offenbar auch macht. An Dritte werden die Daten übrigens womöglich auch weitergegeben, ganz klar sind die Bestimmungen nicht.

  5. Pingback: Origin – VDVC geht gegen rechtswidrige Nutzungsbedingungen vor | youngFuture Germany

  6. Danke. Auch gleich mal meine Daten angefordert. Das hat man davon, wenn man die EULAs nur überfliegt und nicht ganz genau durchliest !
    Ich lass mal Origin in ner Sandbox laufen und schau mir das auch mal an, was er so wissen will… Natürlich offline :-)

  7. Pingback: EA ändert Origin-EULA–Nutzer werden nun gesiezt | VDVC

  8. Pingback: Stigma Videospiele » Blog Archive » EA scannt Festplatten von Origin-Nutzern

  9. Pingback: Massiver Diebstahl von Konten bei Microsoft und Electronic Arts? | Der Almrausch

  10. ich kaufe mir keine produkte mehr von ea, meine daten gehötren mir und sollten von niemanden gescannt werden. wann erhebt endlich einer mal ne anzeige gegen diese firma

  11. wunderbar!
    Beste Möglichkeit der Industrie aufzuzeigen wo deren Grenzen liegen: solche Produkte zu boykottieren und die Entwickler auf den Kosten sitzen zu lassen!
    Insbesondere im Fall von EA wird aller voraussicht nach niemand auf den Gedanken kommen großes Mitgefühl aufkeimen zu lassen.

    mfg

  12. Pingback: Origin: Setup analysiert | VDVC

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