NDR: Monopol auf Manipulation?

(stefan-niggemeier) Beim Honnoveraner „Tatort“ ist dem NDR des Öfteren das Fabrikat eines großen Wolfsburger Automobilherstellers ins Bild gerutscht, so dass der eine oder andere ein „Product Placement“ vermutete. Veranschaulicht wurde dies durch ein Youtube-Video, in dem sich die fraglichen Szenen aneinandergereiht auf mehr als sechs Minuten Sendezeit summierten. Der NDR wies den Verdacht des (bezahlten) „Product Placements“ zurück – man habe die genutzten Fahrzeuge zu „marktüblichen Mietpreisen angemietet“ – und ließ das Video bei Youtube entfernen.

Auch wenn man sich bei der Löschung vordergründig auf „die Urheberrechte einer ganzen Reihe von Menschen“ beruft, stößt man sich tatsächlich am Inhalt des Videos.

Mit Thomas Schreiber führt der Unterhaltungschef des NDR in einer Stellungnahme bei www.stefan-niggemeier.de aus, dass er die Entfernung des nach Ansicht des NDR „manipulativen Zusammenschnitt[es]“ für nötig erachte, weil ansonsten „Internetnutzer sehr leicht zu der Auffassung kommen können, dass die Behauptung des Zusammenschnittes […] wahr ist“ bzw. das Video die fragliche Behauptung „weiterhin unwidersprochen […] aufstellen können“ würde. Er zeigt sich insbesondere darüber besorgt, dass das Video in „Internetforen […], bei Journalisten etc ein Eigenleben entwickeln“ und ohne die einordnende Stellungnahme des NDR verbreiten werden könnte.

Die Kollegen von Herrn Schreiber scheinen jedoch dann, wenn es die eigenen Videobeiträge betrifft, eine andere Ansicht zu vertreten:

Das vom NDR produzierte Politmagazin „Panorama“ strahlte am 22.02.2007 den Beitrag „Killerspiele im Internet“ aus, in dessen Rahmen der Wahrheit zuwider behauptet wurde, dass in dem Videospiel „GTA: San Andreas“ derjenige gewinne, der „möglichst viele Frauen vergewaltigt„. Darüber hinaus wurde in dem Beitrag das Lachen, das einem Scherz galt, hinter eine virtuelle Leichenschändung geschnitten, um zu suggerieren, dass sich der gezeigte Spieler an der zuvor eingeblendeten Szene erfreuen würde. Des Weiteren wurden Spieler mir Nazis in Verbindung gebracht sowie in Bezug auf den Ego-Shooter „Call of Duty“, bei dem die Brutalität der Tötungen irrelevant ist, angeführt, dass der Spieler „möglichst viele Menschen töten“ müsse, „je blutiger desto besser„.

Der Beitrag „Killerspiele im Internet“ ist nach wie vor – ohne einordnende Ergänzung – in der dargestellten Form auf der Webseite von Panorama online als Stream abrufbar.

Warum soll es dem NDR gestattet sein, einen „manipulativen Zusammenschnitt […] weiterhin unwidersprochen“ zeigen zu dürfen, so dass „Internetnutzer sehr leicht zu der Auffassung kommen können, dass die Behauptung des Zusammenschnittes […] wahr ist“ – anderen aber nicht? Durch den Panorama-Beitrag werden ebenfalls die Rechte „einer ganzen Reihe von Menschen […] verletzt„, die sich nunmehr pauschal seit mehr als drei Jahren den unwahren Vorwürfen ausgesetzt sehen. Oder kommt es eigentlich darauf an, dass nur der NDR „der Denunziation […] Tür und Tor“ öffnen dürfen sollte?

Auf eine Nachfrage hin teilte uns Herr Schreiber mit, dass die Sendung „Panorama“ nicht in seinen Verantwortungsbereich falle und verwies uns an seine Kollegen, von denen wir bisher aber noch keine Stellungnahme erhalten haben.

Beitrag von Stefan Niggemeier
Stellungnahme von Thomas Schreiber
Beitrag „Killerspiele im Internet“

5 Gedanken zu “NDR: Monopol auf Manipulation?

  1. gewollte Verbreitung von Falschinformation steht fuer den Normalbuergern zumeißt unter Strafe. Das dies nicht fuer Journalismus und Politik gilt ist ein Unding welches sich durch die Deutsche Nahgeschichte zieht.

  2. @Kuemmel
    Für den Printjournalismus gelten die Wahrheit betreffend ziemlich exakt die selben Gesetze wie für jede Privatperson – vielleicht ist das das Problem^^.

  3. Pingback: PL (12) | Peter Goldman

  4. Schöner Vergleich! Danke! Schade nur, dass der Herr Schreiber den Schwarzen Peter direkt an die nicht erreichbaren Kollegen weiterleiten konnte…

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