Strobl: Verbotsfrage stellt sich selbstverständlich nicht

(abgeordnetenwatch) Nach dem Amoklauf in Winnenden wurde dem CDU-Abgeordneten Strobl unterstellt ein Verbot von „Killerspielen“ zu fordern, obwohl nach seinen Worten die Schaffung von Internetsperren für „Killerspielen“ tatsächlich nur „neu diskutiert werden“ sollte. Später bemühte er sich dies zu unterstreichen und gab an, dass er kein Verbot fordert, sondern „ergebnisoffen […] prüfen“ wolle, wie Amokläufe künftig verhindert werden könnten.

Herrn Strobl wurde bei Abgewordnetenwatch am 12.12.2011 die Frage gestellt, ob sich seine Einstellung zu „Killerspielen“ geändert habe beziehungsweise, wie diese denn aussehen würde. Seine Stellungnahme zu den damaligen Äußerungen: 

Dabei hatte ich mich […] auch (aber keineswegs nur) mit der Überlegung beschäftigt, ob und inwieweit die sog. „Killerspiele“ […] Einfluss auf die Bluttaten des Winnendener Amokläufers gehabt haben könnten, der nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden solche Spiele in hoher Zahl in seinem PC-Arsenal hatte. […] Aufmerksam verfolgte ich daher die wissenschaftlichen Diskussionen und bildete mir eine Meinung auf der Basis von Fakten, nicht Mutmaßungen, Wunschvorstellungen oder Vorurteilen. Ich kann deshalb, Stand heute, feststellen: Ein positiver Beweis für die Verursacherrolle bei Amoktaten konnte für die Killerspiele bisher nicht erbracht werden. Damit aber stellt sich die Verbotsfrage selbstverständlich nicht, die unter diesen Voraussetzungen auch keinerlei Sinn machte.“

Auch wenn es Herrn Strobl positiv angerechnet werden kann, dass er gesetzliche Restriktionen nur verlange, wenn es „nachweislich zur Abwehr von Gefahren notwendig ist„, erscheint es noch gewisse Defizite zu geben: So meint er einerseits eine „sachlich-nüchterne Auseinandersetzung […] auf der Basis von Fakten, nicht […] Vorurteilen“ betrieben zu haben, bezeichnet aber andererseits gewaltdarstellende Videospiele als „sog. „Killerspiele“ (von Nutzern lieber als „Ego-Shooter“ bezeichnet)“. Hier wird – wie schon durch die Darmstädter Staatsanwaltschaft – der reale Sachverhalt umgekehrt: Nicht „Killerspiel“ ist die korrekte Bezeichnung, sondern Ego- bzw. First-Person-Shooter. Wenigstens hat Strobl keinen Anstoß daran genommen, dass ihm die Frage in der Kategorie Kultur gestellt wurde.

Zur Stellungnahme

3 Gedanken zu “Strobl: Verbotsfrage stellt sich selbstverständlich nicht

  1. „…nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden solche Spiele in hoher Zahl in seinem PC-Arsenal hatte…“
    Fehler: der Typ hatte laut eben jenen genannten Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden nur 2 Shooter besessen, Far Cry2 und CS (glaub ich).
    Es sei denn, es gibt einen neuen Bericht von den ich noch nichts weiss, in dem drin steht, dass die Ermittlungsbehörden auf dem Grundstück der Eltern einen geheimen Bunker, auch Vault genannt, gefunden haben

  2. Auch wenn ein Gebrauch andere Wörter wünschenswert wäre, finde ich, dass man man ihm die Bezeichnung „sog. “Killerspiele”“ als in der Debatte von anderen Spielegegnern favorisierten Begriff nicht übel nehmen sollte. Das drückt m.E. das „sog.“ aus. Es verstehen auch mehr Leute „Hartz IV“ als „ALG II“ (auch wenn der Vergleich hinkt, da beides zulässige Begriffe sind!)
    Gruß,
    Sebi

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