Videomanipulation: NDR uneinsichtig

Wir hatten bereits berichtet, dass auf Druck des NDR ein Youtube-Video vom Netz genommen wurde, weil dies dem Tatort unzutreffender Weise ein bezahltes Product Placement unterstellte. Ohne diesen Schritt hätten nach Einschätzung des NDR “Internetnutzer sehr leicht zu der Auffassung kommen können, dass die Behauptung des Zusammenschnittes […] wahr ist” bzw. das Video die fragliche Behauptung “weiterhin unwidersprochen […] aufstellen können”.

Das vom NDR produzierte Politmagazin Panorama strahlte am 22.02.2007 mit dem Beitrag “Killerspiele im Internet” jedoch ebenfalls einen “manipulativen Zusammenschnitt” aus, der nach wie vor – ohne einordnende Ergänzung – auf der Webseite von Panorama online als Stream abrufbar ist.

Wir waren verwirrt, warum es allein dem NDR gestattet sein soll, einen “manipulativen Zusammenschnitt […] weiterhin unwidersprochen” zeigen zu dürfen, wodurch ebenfalls die Rechte “einer ganzen Reihe von Menschen […] verletzt” werden. Eine Anfrage von uns, ob man uns diesen scheinbaren Widerspruch erklären könne, wurde nun erwartungsgemäß unbefriedigend beantwortet:

“Wir haben zu Ihrer Kritik im Jahr 2007 ausführlich geantwortet und haben unseren Ausführungen von damals nichts hinzuzufügen.”

Das NDR ist demnach weiterhin der Ansicht, dass:

– die Aussage richtig sei, wonach der Spieler in Call of Duty “möglichst viele Menschen töten” müsse, “je blutiger desto besser“. Es gibt im Mehrspielermodus zwar auch die Spielvariante Deathmatch, in der tatsächlich derjenige mit den meisten Abschüssen gewinnt, doch hinsichtlich der Brutalität bleibt der NDR einen Beleg schuldig.

– die Formulierung, dass einer Tätigkeit gleichermaßen durch “Familienväter, Schüler, Nazis” nachgegangen werde, eine vortreffliche Wahl sei um wertungsfrei “zum Ausdruck bringen, das es ein breites Spektrum von Spielern gibt“. Man meint hiermit nicht – ich betone nicht – “Spieler von Call of Duty als „Nazis“ verunglimpft zu haben“.

– man eine Szene nicht manipuliert habe, in dem man das einem Scherz geltende Lachen eines Spielers hinter den Beschuss einer Leiche schnitt. Es gibt zwar selbst der Intendant zu, dass “diese „Freude“ nach einem Treffer[…] eingeschnitten” wurde, aber man ist in dem Glauben, dass dieser Vorgang “dem […] Spielverlauf” entsprechen würde. Auch die Redaktion betont, dass Spieler sich freuen würden, wenn sie, “Treffer landen”. Das mag – bei “lebenden” Gegnern – stimmen, doch bei Panorama wurde gezeigt, wie der Inhalt des angebrochenen und des nachgeladenen Magazins in eine Leiche verschossen wurde. Das ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch spielerisch sinnbefreit. Offenbar haben Spielinhalte schlicht den Vorstellungen des NDR zu entsprechen so dass es auch unerheblich ist, wenn sich mit Ingolf Wichmann der gezeigte Spieler von der Szene distanziert.

– die GTA: San Andreas durch die “Hot Coffee”- Mod hinzugefügten konsensualen sexuellen Handlung “möglicherweise auch als Vergewaltigung” gewertet werden könnten, wobei auch nach dem Verständnis des NDR die Formulierung des angeblichen Spielziels, dass der Spieler “möglichst viele Frauen vergewaltigen” müsse, “etwas verkürzt” ist. Die Behauptung ist natürlich nicht “verkürzt” sondern schlicht Banane, aber ohne VW gibt’s beim NDR offenbar keine Korrekturen.

Ich habe keine Ahnung von Öffentlichkeitsarbeit, aber stärkt dieses Verhalten wirklich das Vertrauen in die Kompetenz des NDR?

Zum Stream

16 Gedanken zu “Videomanipulation: NDR uneinsichtig

  1. Warum hat Rockstar den NDR eigentlich nicht wegen den Vergewaltigungsvorwürfen angeklagt? Sowas ist doch klar geschäftsschädigend, wer kauft schon einen Vergewaltigungssimulator.

  2. Ich denke mal, dass das Pochen auf eine wahrheitsgemäße Berichterstattung schnell als Medienschelte aufgefasst werden wird. Und es würde natürlich typische Kommentare wie “getroffene Hunde bellen” nach sie bringen. Und solch eine Kritik wird natürlich auch ihrerseits gerne aus den Zusammenhang gerissen. So hat ja auch Panorama die Kritik an der Sendung dahingehend umgedeutet, dass süchtige Spieler angst davor hätten, dass man ihnen ihre Spiele wegnehmen würde.

  3. tja und genau deswegen bin ich dafür, dass die pressefreiheit so wie sie jetzt ist abgeschafft gehört.
    man sieht ja was dabei heraus kommt, wenn man diesen leuten total freie hand lässt.
    und diese “hand” sollte durch neue mediengesetze ein wenig an die kette genommen werden.
    ein beispiel: wer einen bericht verfasst und veröffentlichen will, muss diesen bericht auch wahre und richtige fakten / handfeste beweise vorlegen können.

  4. @Boomboy: Und dann erklärt man kurzerhand die Beweise für gefälscht und schwupp-di-wupp, ist der Journalismus dahin…

    Und die Pressefreiheit ist ein sehr hohes Gut. Sie einfach abschaffen zu wollen, weil einem die negativen Auswüchse nicht passen, das ist sehr – hmm – “konservativ”?

    Was wir brauchen ist einfach ein Presserat, der vernünftig sanktionieren kann. Nicht mehr, nicht weniger.

  5. @ Rey: Natürlich muss man sich auf solche Kommentare wie: “getroffene Hunde bellen” einstellen, da das Floskeln sind, die von der breiten Masse der Zuschauer fälschlicherweise als “intelligent” bzw. “schlagfertig” gewertet werden.

    @ Booomboy: Soweit ich weis sollte es ein Grundprinzip von WAHREN Journalisten sein ausschließlich “wahre” und “richtige” Fakten zu verwenden. Allerdings sind das bei Panorama und dem NDR für mich keine richtigen Journalisten sondern nur ein quotengeiles Pack

    Ich finde man sollte mal mit den Machern dieses Berichts eine im Fernsehen ausgestrahlte Debatte führen, bei der sachlich die wahren Fakten (ähnlich wie in diversen Youtube Videos) gegen den gefakten Bericht gestellt werden. Selbst dem dümmsten Zuschauer müsste dann wohl auffallen das hier Floskeln wie “getroffene Hunde bellen” auch nicht mehr weiterhelfen.

  6. @Booomboy
    Was wären denn hier leicht die “Fakten”?
    Das sind alles Interpretationen: ich kann auch behaupten, dass in “Super Mario 64” der möglichst brutalste Vorgang der beste sei, wenn etwa auf einem Goomba genau in der Mitte draufgesprungen wird. Wo es dem Goomba vielleicht am meisten weh tut: falsch wäre das ebenfalls nicht. Im Gegenteil: so wird leichter und schneller durch die Levels gekommen werden. Da braucht es gar keine Deathmatch-Varianten. Und dafür braucht es (auch) kein Manhunt.
    Ähnlich verhält es sich ebenfalls bei Kopfschüssen in Shootern: oder ist ein Headshot noch humaner? In den beiden letzten Harry-Potter-Spielen von EA gab es auch eine Headshot-Mechanik. USK-12
    Ein Fußball kann auch eine Waffe sein – unlängst konnte in deutschen Kinos bei Daniel Brühl (Inglourious Basterds) doch sogar beobachtet werden, wie das Sportgerät dereinst auch für Werteverfall, Sittenwidrigkeiten, stand.
    Wenn schon Empörung, dann bitte überall – und dann käme es zumindest hoffentlich auch zu Erklärungsnotständen. Und vielleicht, aber nur vielleicht, auch zu so etwas wie Einsicht. Viele Fiktionen betreffend. Nicht bloß dem in Deutschland ohnehin schon sehr ungeliebten Call of Duty –

    Der deutsche Jugendschutz macht auch gar keinen Hehl daraus, dass es um Treffervisualisierungen jeweils geht: und das wäre es, was den Leuten vorgehalten werden sollte. Ihnen sollte beigebracht werden worüber sie da eigentlich sprechen.
    Es sollte nichts beschwichtigt werden, dahingehend dass (gegen)behauptet wird: nein nein, in Call of Duty gibt es so etwas doch gar nicht. Solche Geschichten gibt es sehr oft. Fast überall in halbwegs konkreten Action-Spielen. Sogar in abstrakteren Titeln wie Rez werden sich solche Konstellationen unter Umständen finden lassen.
    Sie gehören zu Konflikten dazu – jedenfalls bei Darstellungen die sich nicht davor scheuen diese (Konflikte) mit Gewalt in Verbindung zu bringen, zu konfrontieren, aufzulösen: dem NDR sollte letztlich vorgeworfen, ob sein Handeln als Sendeanstalt, als Rundfunk, letztlich nichts anderes als eine gewaltsame Konfliktlösung auch darstellt – indem er etwa keine andere Interpretationen vermeintlich zuzulassen scheint, oder diese Interpretationen nicht anders bewerten mag. Kritik ist nicht Unterschied, sondern Unterschied ist Diskriminierung.

  7. Boomboy:
    Abschaffung der Pressefreiheit und das einführen eines restriktiveren Modells ist nicht zielführend. Man sollte stattdessen dem dt. Presserat (oder ein vergleichbares neues Organ) mal mit umfangreichen Sanktionsmöglichkeiten ausstatten, an die sich die Medien halten müssen.
    D.h. dass eine Rüge bei Berichten, die die Unwahrheit enthalten auch empfindliche Geldstrafen (in Abhängigkeit zur Auflage bzw. dem Umsatz der jeweiligen Verbreiter der Nachricht) nach sich ziehen kann, dass die Medien zum Druck/zur Veröffentlichung einer gleichwertigen Gegendarstellung gezwungen werden können (Gleichwertig: Wenn auf der Titelseite gelogen wird, dann muss die Richtigstellung dort in gleicher Größe und Position erfolgen und in einem TV-Beitrag muss die Richtigstellung zur gleichen Sendezeit und in gleicher Länge, wie der Lügenbeitrag erscheinen).
    Das hätte zur Folge, dass Panorama einfach mal während ihrer Sendung minutenlange Richtigstellungen senden müsste – das würde die Idioten, die den Panorama-Scheiß auch noch glauben, mal aufwecken, wenn da wöchentlich die Entschuldigungen und Richtigstellungen abgedudelt werden müssen.

    Das alles wären Maßnahmen die natürlich nur im Notfall angewandt werden dürfen, aber(!) die Märchenschreiber der Medien müssten plötzlich mal die Wahrheit schreiben und die BILD gäbe es dann vermutlich gar nicht mehr, wenn jede bisher ausgesprochene Rüge in öffentlichen Entschuldigungen, Richtigstellungen und Geldstrafen gemündet hätte…

  8. “Ich habe keine Ahnung von Öffentlichkeitsarbeit, aber stärkt dieses Verhalten wirklich das Vertrauen in die Kompetenz des NDR?”
    .
    Wenn es der Allgemeinheit bekannt wird wohl nicht, wobei ich mal behaupten würde, dass viele Menschen nicht soweit nachforschen und so steht dann in Debatten schnell Aussage gegen Aussage. Allerdings unter der Prämisse, dass ein ÖR-Sender über mehr Re­nom­mee verfügt, als eine lose organisierte Gruppe an Gamern.

  9. bla bla bla bla und schon schreien die hühner wieder.
    auf der einen seite sehen bzw. haben wir alle gesehen, dass die pressefreiheit so wie sie jetzt ist nicht funktioniert.
    niemand prüft die berichte auf ihren wahrheitsgehalt und keiner weiss was nun wirklich richtig geschehen ist.
    ein presserat kann gekauft werden und wenn die mitglieder des presserats zu den sendern und printmedien gehören die gerne geschichten erfinden/verfälschen braucht man die nicht mal kaufen.
    die einzige und wahre lösung für dieses problem ist nun einmal ein radikaler kahlschlag durch die reihen dieses milleus.
    eure ganzen ideen sind zwar nicht schlecht, aber ihr dreht euch damit wiedermal nur im kreis und sitzt in 10 jahren immer noch vor der bild,spiegel,panorama usw. und regt euch über diese lügen auf die sie bringen.
    die medienregierenden personen lernen es leider nicht anders.
    ändert mal die pressefreiheit ab, führt medienkommissare ein die die fakten/beweise für berichte prüfen und den “richtigen” presserat überwachen und lasst das ganze mal 5 jahre laufen.
    nach 5 jahren sind dann sendungen wie panorama verschwunden und zeitschriften wie bild sind nicht mehr so hetzerisch und listig.
    dann kann man sich ja überlegen ob man es so weiter führt oder ob man die kette etwas lockert.
    die pressefreiheit soll jeden wirklichen journalisten erlauben über wichtige dinge berichten zu dürfen.
    jedoch dürfen karrieregeilheit, auflagenquote oder “weil ein mächtiger fisch es oben so will” nicht dazu führen lassen, dass falsche berichte, unwahrheiten und hetzerei veröffentlicht werden.
    da dies aber leider doch geschieht, weil dieser branche niemand auf die finger hauen kann, muss hier etwas geschehen, dass bestimmte regeln wieder eingehalten werden.

  10. Und was, wenn die Herren Kommissare es für die Wahrheit/Fakt halten, dass Computerspiele Amokläufe hervorrufen, und andere Meinungen deshalb nicht mehr zugelassen werden? Ich gehe jede Wette ein, dass uns das Resultat dieses Vorschlags noch weniger gefallen wird als die aktuelle Situation.

  11. Ich möchte mal kurz drauf hinweisen dass ein Problem der Kritiker ist dass ihre Vorschläge mit Artikel 5 GG kollidieren. Die Vorschläge hier könnte man auch mal darauf überprüfen.

  12. Stimme “Boomboy” (hätte seinen Beitrag mal lesen sollen, hätte mir viel Schreibzeit und anschließendes löschen gespart ^^ )

    und damit vielen Dank.

    Dirk

  13. Die Medienkommissare werden garantiert ein politisches Instrument. Die werden wohl eher sicherstellen, dass der “Fakt”, dass Computerspiele gewalttätig machen, in allen Medien auftauchen muss. Das erreicht genau das Gegenteil von dem, was wir wollen.

  14. Der NDR war schon immer ein rechter Lügensender, der die NWO Propaganda der Medien kritiklos nachplappert. So wird z.B. immer noch die offizielle 9/11 Darstellung der US-Regierung kommentarlos wiedergegeben. Über die Bilderberger Treffen hört man auf NDR auch nix!

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