Rüstungsunternehmen vs. EA

(pcgames) In Videospielen tauchen regelmäßig Symbole und Gegenstände auf, die sich auch in der realen Welt wiederfinden. Nicht nur ein Automodell in Rennspielen, sondern auch militärisches Gerät kann realen Vorbildern nachempfunden sein. Ob dies ohne Zustimmung der Rechteinhaber geschehen darf ist nicht abschließend geklärt, so dass beispielsweise in der Verkaufsversion von „Counter-Strike“ die Namen verfremdet wurden: Dort heißt die „SIG 552“ dann „Krieg 552“. 

Während das rote Kreuz gegen die Verwendung des namensgebenden Symbols in Videospielen vorgeht, schienen sich Rüstungsunternehmen an virtuellen Kopien ihrer Produkte nicht zu stören. Mancherorts wurde auch vermutet, dass Rüstungskonzerne und Staaten Markenrechtsverletzungen dulden, da ihnen die Schleichwerbung in Videospielen gelegen käme. Das hat sich nun geändert: Der Konzern Textron verlangt von EA die Hubschraubertypen AH-1Z Viper, UH-1Y und V-22 Osprey aus dem Spiel „Battlefield 3“ zu entfernen.

Eine Einigung war nicht möglich, so dass EA eine Klage erhoben hat um feststellen zu lassen, dass man ohne Lizenzgebühr zur Darstellung der Hubschrauber berechtigt ist. Ein Urteil, das die Darstellung von Militärgerät von der Entscheidung des Rechteinhabers abhängig machen würde, könnte aber auch aus moralischen Grunden fragwürdig sein: So hätte es Textron dann ebenfalls in der Hand darüber zu bestimmen, ob von dem Unternehmen produzierte Streumunition in Videospielen (kritisch) dargestellt werden darf, die international geächtet ist. In „Battlefield 3“ ist aber offenbar auf deren Darstellung verzichtet worden – die Kampfjets sind mit konventioneller Munition bestückt.

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(Dank an amegas.)

13 Gedanken zu “Rüstungsunternehmen vs. EA

  1. Für Autofirmen werden doch auch Lizenzgebühren bezahlt. Weshalb sollte für Kampfhubschrauber das nicht ebenfalls gelten?
    Gerade EA hätte sicher liebend gern ein paar Ferraris in den letzten Need for Speed zumindest gehabt, doch da scheint System 3 und/oder Atari, SEGA (Outrun) jedenfalls mehr Rechte zu haben. Das letzte Need for Speed mit Ferraris war afaik das erste Shift, damals mit eigenem DLC dafür.

  2. @Pyri
    Das Problem ist imho, dass es ja nicht immer „nur“ beim Geld bleibt, sondern noch weitere Bedingungen an die Erlaubnis geknüpft werden. Wie z.B. dass das auf ein Schadensmodell verzichtet werden muss, da der Hersteller sein Auto nur intakt sehen möchte. Deswegen verzichten ja viele Entwickler darauf Originalmarken einzubauen und lassen die Spieler stattdessen Kopien zu Schrott fahren (Siehe GTA IV). Für mich persönlich kommt es daher weniger darauf an, ob bei einer Verwendung Geld gezahlt werden muss, sondern darauf, ob der Hersteller die Verwendung verhindern kann. Wenn das der Fall wäre, ist das für mich ein Eingriff die die Meinungs- und Kunstfreiheit.

  3. Frage mich gerade, ob davon auch Mods betroffen sind. Gibt ja diverse, die eben genau solchen Namensänderungen korrigieren. Nach so mancher anderer für mich als Jura-Laien seltsamen Meldung frage ich mich, ob in dem Kontext auch jemand gegen Modprogrammierer / -nutzer oder ggf. sogar gegen die Entwickler der Spiele vorgehen könnte, die eine solche Möglichkeit der Veränderung zugelassen haben. Kennt sich da jemand aus?

  4. @Pyri:

    Die Frage hier wäre dann dochh, in wie weit diese Firmen denn Lizenzgebühren verlangen können, da Rüstungsaufträge, vor allem für die genannte Hardware, in der Regel von Staatsregierungen erteilt und von Steuergeldern bezahlt werden. Ganz im Gegensatz zu den meisten PKW, welche von privaten Körperschaften größtenteils mit Eigenkapital entwickelt, produziert und vertrieben werden.

    Natürlich ist mir nicht bekannt zu welchem Grad die Firmen ein Eigentum an den Patenten und sog. Geschmacksmustern zusteht, dennoch würde ich meinen, dass zumindest für bestimmte Teile Rechte beim Staate verbleiben (könnten).

  5. @Schnittertm
    Ja genau, das ist mir erst nachdem ich den Comment geschrieben habe auch eingefallen. Das stimmt. So kann EA argumentieren. Ferraris sind Privatangelegenheiten –

  6. @Pyri:
    Ich vermute mal, das es bei den Lizenzen für Autos in Rennspielen auch um die Verwendung von Markennamen und Logos geht.
    Ein fiktives Autobahnraser Porsche verkauft sich besser wenn der Hersteller auf der Packung und bei der Werbung die Logos der Hersteller verwenden darf.

    Sieht man aber mal von Flugsimulatoren ab ( Falcon 4.0 ) wird es kaum ein Spiel mit militärischen Szenario geben das einen bestimmten Hersteller so in den Mittelpunkt stellt wie es bei Autorennspielen der Fall ist.

  7. „So hätte es Textron dann ebenfalls in der Hand darüber zu bestimmen, ob von dem Unternehmen produzierte Streumunition in Videospielen (kritisch) dargestellt werden darf, die international geächtet ist.“

    Schon richtig – aber welches Videospiel würde das schon tun? Von ernsthaft Kriegs- und Militärkritischen Werken ist die Spieleindustrie noch Lichtjahre entfernt. Traurig aber wahr…

  8. @ grieg:
    Sehe ich komplett anders, derartige Spiele haben wir schon seit langem… ist schlichtweg eine Frage der Perspektive, nicht erst angefangen bei den Call of Duty-Titeln; ist halt ein spielsemiotisches Phänomen, eine Frage der Perspektive. Wobei sich bei mir immer die Frage nach einer brauchbaren Definition von „Ernsthaftigkeit“ stellt, die dann eben nicht einfach auf persönlichem Gusto u.ä. fußt.

  9. Ähnlich wie bei der „Ernsthaftigkeit“ verhält es sich auch mit „Kritik“: worauf würde „Krtitik“ dabei hinauslaufen?
    Auf welche Zurückhaltung zum Beispiel – auf welche Vermeidung von Handlungen?
    Ich denke das einzige was man so sagen kann ist etwa, dass Videospiele Zivilperspektiven umgehen, oder Integrationen von Zivilbevölkerung vermeiden. Weil dann Situationen noch viel leichter entstehen würden an denen Anstoß genommen wird.
    In „Medal of Honor“ (2010) gibt es zum Beispiel eine ganz bedrückende Szene, wo eine Gruppe Soldaten – alles Männer – auf einem Berghang aufgerieben wird, sich einer absoluten Übermacht die sie vom Berg herunter unvermittelt angreift gegenüber sieht. Völlig chancenlos – bis im letzten Augenblick doch noch die Kavallerie anrückt. Als ich das gespielt habe dachte ich die ganze Zeit: stirbt die Figur jetzt – ausgeschlossen ist das dramaturgisch nicht, da ich schon wusste dass am Ende des Spiels ein Soldat dem man spielt, der letzte, stirbt. Ich hoffte: bitte Gott, rette diese armen Männer doch noch. Und es gab dramaturgisch eben ein Einsehen – ein ganz starker Moment in meinen Augen. Und das ist für mich „Antikrieg“ – kann gar nichts anderes sein. Für mich sind sämtliche Kriegsspiele die Krieg einigermaßen so portraitieren, dass kein Ausweg darin mehr möglich erscheint das. Und das betrifft auch praktisch alle Kriegsspiele die wirklich Kriegsspiele sind. Computer-Kriegsspiele sind für gewöhnlich eben kein Kriegsspielzeug oder Planspiele, oder Re-Enactment, wo Ausgänge unbedingt vorherbestimmt werden können – ideologisch missbracht, etc.
    Gerade „Medal of Honor“ wurde in der deutschen Spielpresse noch äußerst negativ aufgenommen, wohl auch weil eine andere Gruppe von Elitesoldaten in dem Spiel eine äußerst zynische Einstellung an den Tag legt: doch das ist wohl wiederum Realismus. Und ein Zynismus der in „Battlefield 3“ voriges Jahr seltsamer Weise wieder weniger kritisiert wurde, obwohl er in – zugegeben geringeren Dosen – dort auch auftritt: doch weil das Szenario in „Battlefield 3“ eher fiktiv ist und nicht am Hindukusch spielt, berührte es offenbar weniger die eigenen Ressentiments gegen allzu realitätsnahen Militär-Szenarien. Ehrlich kann ich das nicht nennen, sondern da ist schon ein gutes Stück Heuchelei für mich dabei.

  10. „Sehe ich komplett anders, derartige Spiele haben wir schon seit langem“

    Die kennst aber nur Du. ^^
    Oder ist Modern Warfare 3 etwa ein ernsthaftes Kriegs- und Militärkritisches Werk?
    Sowas trau ich derzeit nur dem Genre der Adventures zu.

  11. @Crusader
    Natürlich kann man auch gegen Modder vorgehen denn es ist egal ob es sich um eine Privatperson oder eine Firma handelt, die Frage ist nur ob es sich lohnt gegen „kleine Fische“ vorzugehen, ich denke eher nicht.

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