Deutscher Computerspielpreis 2012: Auf dem richtigen Weg?

Nachdem das Gewalttabu beim Deutscher Computerspielpreis im Jahr 2010 von vielen Seiten kritisiert wurde, kam man im letzten Jahr um einen erneuten Skandal herum. Stattdessen arbeitete man daran, möglichst keine Angriffsfläche zu bieten und den Preis somit in der Bedeutungslosigkeit zu versenken. Schon damals war klar: Spätestens, Crysis 2 würde die Verantwortlichen dazu zwingen, Farbe zu bekennen. Sollte erneut ein weiter Bogen um alle Computerspiele gemacht werden, die nicht unbedingt für Kinder geeignet sind, müsste der Preis wohl endgültig ins Kinderparadies abgeschoben werden.

Deutscher Computerspielpreis

Und so ist es auch nicht all zu erstaunlich, dass Crysis 2 nun wirklich nominiert wurde. Eine klare Favoritenrolle als Bestes deutsches Spiel kommt dem Titel jedoch nicht zu: Dass sich Anno 2070 nicht zu verstecken braucht, steht wohl außer Frage. Und Daedelic, das Studio hinter Harveys neue Augen, wird als legitimer Nachfolger der geradezu legendären Point-and-Click-Entwickler von Lucasarts gehandelt. Ernstzunehmende Konkurrenz also.

So befindet sich der Preis in einem Dilemma: Gewinnt Crysis 2, so könnte man annehmen, es handele sich (nur) um den benötigten Befreiungsschlag. Die Auszeichnung könnte den Beigeschmack bekommen, man wollte durch sie das Image des Preises aufwerten. Im anderen Fall könnte der Verdacht aufkommen, man hätte wieder einfach zum Kinderspiel gegriffen, ohne die Qualität ernsthaft zu bewerten. Nicht aufgekommen wäre das Problem, hätte es mehrere Kategorien „für Erwachsene“ gegeben. Dass Nominierungen wie L.A. Noire, Battlefield 3, The Witcher 2 und Skyrim in den LARA-Award ausgelagert wurden, entspricht hoffentlich nur noch dem Geist des letzten Jahres. Dieses Konstrukt führt jedoch dazu, dass der Verleihung weiterhin ein Makel anhaftet. Unterm Strich wird sich also dieses Jahr vermutlich noch nicht klären lassen, wie ernst man den Deutschen Computerspielpreis in Zukunft nehmen kann.

5 Gedanken zu “Deutscher Computerspielpreis 2012: Auf dem richtigen Weg?

  1. Crysis 2 war ein technisch wirklich gut gemachtes Spiel aber ansonsten absoluter Durchschnitt in fast allen anderen Belangen (Story, Gameplay, Waffen, etc.). Ich empfände es also nicht als „Kinderparadies-Signal“, wenn beispielsweise „Harvey neue Augen“ gewinnt, das mir wirklich gut gefallen hat (Anno 2070 habe ich nie gespielt). Was fehlt wäre ein klarer Katalog, was den Preisträger auszeichnen muss. Der ist nicht zufällig verfügbar?

  2. Um ehrlich zu sein, entsteht das in meinem Kommentar beschriebene Problem so erst: Hätte Crysis 2 den Preis eindeutig verdient, wäre klar gewesen, dass er auch an Crysis 2 gehen muss. So ergibt sich aber das Problem, dass man am Ende nicht weiß, ob die Jury durch eine Preisverleihung nur ihr Image verbessern will oder ob sie weiterhin aus Prinzip nur Kinderspiele auszeichnet. Der „Katalog“ hat in den letzten Jahren noch gesagt, dass ein Spiel kulturell und pädagogisch wertvoll sein soll, um zu gewinnen. Letzteres geht ja eindeutig in Richtung Kinderspielpreis und wird hoffentlich abgeschafft.

    PS: Ich persönlich steh total auf Daedelic-Spiele und halte Crysis 2 auch eher für Mittelmaß. Crytek war halt noch nie ein Studio für gute Storys. Von da her habe ich auch gemischte Gefühle bei der Frage, ob es die Trendwende einleiten kann.

  3. Ich halte es ja schon für bemerkenswert, dass Crysis direkt „als“ bestes deutsches Spiel nominiert werden kann. Die Regeln hatten sowas ja ursprünglich nicht zugelassen. Die neuen Regeln werden auf der Webseite aber leider nicht abschließend erklärt. Es wird auf ein Dokument mit den Nominierungskategorienbeschriebungen verwiesen, dass ich online leider nicht finde,

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