Lesehinweis

(Mediengewalt.eu)

In einer Presseerklärung des Vereins “Mediengewalt” empört man sich über Martin Geisler, Professor für Kultur- und Medienpädagogik, welcher kürzlich von der Süddeutschen Zeitung interviewt wurde (wir berichteten).


Geisler damals:

“Aufgrund vieler Studien, die uns vorliegen, ist es nicht haltbar zu sagen: Wer spielt wird gewalttätig.”

“Mediengewalt” meinen dies anhand “tausender Studien” widerlegen zu können. Unter anderem bedient man sich wieder (vgl. Spitzer) dem Lungenkrebs-Vergleich (“Jeder weiß, dass nicht jeder Lungenkrebs bekommt, der raucht.”), unterstellt Lobbyismus, schreibt “Crysis 2″ falsch, beruft sich auf Aussagen des Massenmörders von Oslo und zu guter Letzt darf auch das Schlagwort “US-Armee” nicht fehlen. Außerdem werden unzählige Anführungszeichen verwendet, nur dort wo sie Sinn machen würden, z.B. bei “Gewaltspiele”, wird darauf verzichtet.

8 Gedanken zu “Lesehinweis

  1. Ich finde diesen Satz interessant:
    “Wie soll aber auch ein Fachhochschulprofessor die Komplexität und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in der quantitativen empirischen Forschung verstehen? Der Verdacht liegt nahe, dass manche „Experten“ des Faches Medienpädagogik mit statistischen Analysen überfordert sind.”
    Größenwahn…?

  2. Stelle angesichts dieser wieder mal kruden Aussagen die Theorie auf, dass hinter dem Verein ein Computerprogramm steht, dass willkürlich Erklärungen abgibt, wenn in den Medien bestimmte Namen oder Schlagworte fallen. Dumm nur, dass die Datenbank mit den Satzbausteinen für die besagten Erklärungen offenbar höllisch veraltet ist.
    .
    Sollten wider erwarten doch Menschen dahinter stecken, so sollten sich diese mal fragen, ob es nicht ein ganz klein wenig widersprüchlich ist, wenn Forschern Unkenntnis unterstellt wird, obwohl sie selbst jegliche Offenheit gegenüber neuen (auch von der eigenen Meinung abweichenden!) Erkenntnissen vermissen lässt. ;)

  3. O-M-G
    Mediengewalt.eu ist schon ein toller Haufen. Breivik hätte schreiben sollen, er hätte sich mit dem Verzehr von Erdbeertorte das Schießen beigebracht, dann wäre ich sehr interessiert, was Mediengewalt.eu von Erdbeertorten halten würde. Dieses wirre “Manifest”, dieser gesellschaftliche Rundumschlag eines Irren wird aber von Mediengewalt.eu scheinbar für eine vernünftige Quelle gehalten, die natürlich jedem Zweifel erhaben ist. Fantastisch.
    Und wenn 60-70% der unter 18 jährigen Videospiele spielen, die erst ab18 sind, dann sollte Mediengewalt.eu mal einen “Onlineshop für Gewaltspiele” betreiben, dann würden die Heinis da mal merken, dass die “Kinder” so gut wie nie auf legalem Wege an die Spiele kommen oder die Eltern kaufen ihnen die Spiele (was durchaus legitim ist).
    Evt. sollte Mediengewalt.eu wirklich mal einfach den Selbstversuch machen.

    Außerdem: Wenn Mediengewalt.eu dann mit dem Todsicheren Geschäftsmodell “Onlineshop für Gewaltspiele”(TM) in die Insolvenz geht, dann haben wir evt. mal Ruhe (weil die dann andere Sorgen haben) und werden von diesem Verbaldurchfall verschont.

  4. Nun was haben Spinner wie Breihirn und Mediengewalt.eu gemein? Sie schreiben wirre Pamphlete, haben mehr oder weniger gefährliche Ideen, eine gewisse Presse- bzw. Aufmerksamkeitssucht und einen gravierenden Mangel an Demokratieverständnis.

  5. Wobei ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass dergleichen Texte mehr und mehr ungehört verhallen. Aus Richtung der Politik habe ich schon eine ganze Weile keine oder kaum Verbotsforderungen gehört, was mich insbesondere nach Norwegen gewundert hat.
    Am Ende bleibt wohl ein Haufen Besorgter Pädagogen und Eltern.

  6. @buzzti
    Ja, was soll überhaupt Gewalt sein: sobald eine Kraft auf etwas einwirkt kann man schon von Gewalt sprechen. Das betrifft etwa auch Umweltphänomene oder Biologisches wie ein Unwetter oder eine Geburt. Das Bemerkenswerte an diesen Leuten ist aus meiner Sicht, dass sie zwar immer gern auf Statistiken als Grundlagen ihrer Arbeit, und für ihre Anliegen, verweisen, am Ende aber doch immer wieder nur auf moralische Definitionen oder Forderungen zurückkommen.
    Nur wird die Sache mit dieser Stellungnahme wieder gegessen sein, soll heißen: die Leute um Geisler werden darauf vermutlich nicht reagieren, weil es mir in dessen Kreisen üblich erscheint das beflissentlich zu ignorieren, wenn sie es überhaupt schonmal registriert haben. Vielleicht wird sich mal, hier oder sonst wo, kurz über diese Mediengewalt-Stellungnahme empört, aber ein Aufschrei ist da in den letzten Jahren praktisch nie gekommen – selbst nach dem “Kölner Aufruf” gab es nur ein, zwei Gegen-Stellungnahmen von angegriffenen MedienpädagogInnen, wobei die Taktik der Radikalsten, also von “Mediengewalt” oder “Sichtwechsel”, dabei ja ebenso über- wie durchschaubar ist: sobald jemand wie der Geisler von Studien mit anderen Ergebnissen spricht, wird eben diesen Studien der Vorwurf gemacht werden manipuliert worden zu sein, von der Industrie gekauft.
    Und wenn es da jetzt wirklich mal zu einem offenen “Wissenschaftsstreit” kommen würde, hätten die – ich sage jetzt mal – Liberaleren auch personell keine guten Karten. Man braucht ja nur zu schauen WER, ganz aktuell wieder im Jahr – soweit ist 2012 schon vorgeschritten -, “Clash of Realities” zum Beispiel bezahlt: das könnte dann schnell in eine Schlammschlacht ausarten, die im Einzelfall durchaus vor Gericht enden könnte. Aber Namen werden meistens – vorsorglich – gar nicht genannt: nur ein Sprechen gestaltet sich so auch als überaus schwierig für mich.

    Ich finde ja vor allem eines äußerst schwach: mich hat nach der Nominierung die Auszeichnung von “Crysis 2” schon überrascht. Es war doch eine Trotzreaktion, die damit mal erfolgt ist – doch was macht man jetzt: die Zeitungen gehen mit Leuten wie Geisler nicht gerade zimperlich um, “Mediengewalt” gibt eine Gegen-Stellungnahme ab, wenn schon nicht das KFN, doch die universitären Spitzenleute schweigen (weiter).
    Es soll wohl auch alles verhallen, bis wieder etwas Neues skandalisiert wird – ein öffentlich kritischer Umgang mit “Mediengewalt.eu” etc. bleibt ein Wunschtraum von mir, lieber wird zugedeckt, Sand verronnen.
    Bei “Mediengewalt” sind ja auch teilweise habilitierte Erziehungswissenschafter organisiert, doch die meiste Arbeit machen dort außeruniversitäre Sonderlinge, nicht viel mehr als bewahrpädagogische, friedensbewegte AktivistInnen aus dem in Deutschland übermächtigem linksbürgerlichem politischen Spektrum. Mit den zentralen FeindInnenbildern von einem böswilligen, menschenfressenden Kapital und kriegerischem Amerika, wenn schon nicht zusätzlich ausgestattet mit einem latent antisemitischen Unterbau – passend zum etwaig stolz getragenen PalästinenserInnentuch. Traditionell biophil und technophob: man ist dort zwar oft für die Befreiung Unterdrückter, doch unterscheidet – die Gamer und ihr “Call of Duty” als Massenfreude sind bestenfalls Ausdruck verirrter Seelen, aufgekauft von einer malevolenten Industrie, Menschen die nicht so leben wie gelebt werden soll, aus deren Sicht. Die unterdrücken sie selbst wohl nur allzu gern – in ihrer Ablehnung von “Gewalt”, denn das was sie gegen deren Kultur fordern wird, ob offen Verbote oder bloß (anderen) Druck, ja nie als das vorgestellt was es aus meiner Sicht zweifellos immer ist, nämlich strukturelle Gewalt.
    Gamer, Games und Gaming werden so wieder allein gelassen: warum? Meine These lautet ja, vor allem deshalb, weil insgeheim kaum jemand der vermeintlich Aufgeschlosseneren wirklich anders über viele Games denkt als die “Mediengewalt”-Leute. Amerikas “andere (Gewalt-)Kultur” lehnen auch die ab. Selbst wie mir scheint die meisten Gamer in Deutschland. Einen “Crysis” mögen auch die vielleicht über einen gewissen Lokalpatriotismus noch, aber der Hass gegen “Call of Duty” den ich wahrnehme ist teilweise auch von Gamer-Seite immens. Es gibt diesbezüglich gar keine andere Tradition in Deutschland: schon um 1980 wurde diesbezüglich von einer “Arkanhaltung” gegen Fantasien in der damaligen Bundesrepublik gesprochen, dass allein die bloße Vermutung von “Wirkungen” ausreicht um Maßnahmen dagegen politisch erfolgreich zu fordern ist für mich ebenfalls Ausdruck davon –

  7. Tatsächlich fällt es schwer auf solche Artikel, Leserbriefe oder Pressmitteilungen zu reagieren. Und ich finde es auch gar nicht so schlimm, bestimmten Fronten zu meiden. Hier scheint mir Kommunikation kaum mehr möglich. Allein rechtliche Schritte, beispielsweise hinsichtlich “Beleidigung”, kann man sich offen halten. In der Praxis zeigt sich, dass gerade Eltern einen Wandel in der Akzeptanz von Games durchlaufen. Und natürlich trägt auch die Arbeit von Stigma-Videospiele ihren Teil dazu bei. Das ist schön.
    Wie unterschiedlich derartige Interview geführt werden kann man erkennen, wenn man sich mal ein positives Beispiels anschaut: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/impuls/-/id=1853902/sdpgid=656684/nid=1853902/did=9488156/xovt15/index.html

    Wir und ich werden mit Spawnpoint unsere Bemühungen an diesem Thema fortsetzen. Nicht mit dem Ziel jeden Menschen zu erreichen, aber einen Teil dazu beizutragen, das sich Spieler und Nicht-Spieler begegnen können, das Spieler ihr Spielhandeln argumentativ reflektieren und das vielleicht der eine oder andere Kritiker sich doch einmal die Frage stellt, was er mit seiner Form der Gewalt und Destruktivität so anrichtet.
    Ein Beispiel für unsere zukünftige Arbeit ist: http://www.ics-spawnpoint.de/index.php?site=projekt&id=153
    Das wird wieder Gegenwind geben.

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