Newsschwemme #20

14 Gedanken zu “Newsschwemme #20

  1. @ Pfeiffer on Tour
    “Wenn Jungs sich prügeln, gehen Erzieher und Lehrer sofort dazwischen und sprechen übertreibend von Jugendgewalt.” Hinzu komme, dass die Bildungspolitik ausgerechnet den Unterricht kürze, in denen sich Jungs austoben können. Gerade Sport fördere die geistige Leistungsfähigkeit.”

    So etwas habe ich mir schon öfter gedacht :-/

  2. Zum Stanford-Professor: Zimbardo, also von dem diese Aussagen kommen, ist eine nicht ganz unumstrittene, aber auch nicht unwichtige Person. Er ist der Vater des Stanford-Prison-Experiments (das später unter anderem als DAS EXPERIMENT verfilmt wurde) und hat in den Abu-Ghraib-Prozessen als Sachverständiger der Verteidigung ausgesagt, was ihm einiges an negativer Kritik eingebracht. Das ist also nicht einfach nur “irgendein daher gelaufener Professor”, wie der Artikel bei gulli.com suggeriert.

  3. Bezüglich Sabine Schiffer (via Shane_Fenton): Als Teilnehmer der Clash of Realities in den Jahren 2010 und 2012 kann ich die Vorwürfe nur in aller Schärfe zurückweisen. Sie sind albern und entbehren jeglicher Grundlage. Zwar gibt es durchaus ein Sponsoring durch EA, aber daraus lässt sich keine Beeinflussung ableiten. Das zeigen nicht zuletzt unter anderem Tracks wie “Critical Games”, in dem junge Entwickler aus der Künstler- und Indieszene zeigen, wie sich durch Games auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen lässt. Die dort vorgestellten Spiele sind alles andere als kommerziell ausgerichtet, sondern versuchen eine desinteressierte Jugend wieder für den politischen Diskurs zu begeistern. Frau Schiffers Problem mit der Tagung scheint also eher zu sein, dass dort niemand ihre vorurteilsbehaftete Schwarz-Weiß-Sicht teilt, sondern dass dort Industrie und Wissenschaft ganz vorurteilsfrei und differenziert in einen Austausch eintreten.

  4. Ich kann derweil naturgemäß nur vor dieser “Differenzierung” warnen, wie sie der Post über mir für mich auch nur allzu deutlich macht, ja geradezu beweist: “Kritik” einseitig so auszulegen, dass sich darüber noch von “kommerziellen” Games über “Kunst” als scheinbarer Auszeichnung für wenige Alternativen abgegrenzt wird, und offenbar eben nicht als Recht für Viele, kann aus meiner Sicht bloß zu weiterer Ausgrenzung und immer mehr Diskriminierungen führen.
    Leuten wie Frau Schiffer wird in ihrer Sache gegen “Killerspiele” so auch keineswegs kritisch begegnet, sondern offensichtlich lediglich was die gesellschaftlichen Begleitumstände angeht – wie eben dieser unsäglichen Konferenz in Köln.

  5. @Activ[E|H]ate: Naja, Pfeiffer wollte damals auch Rugby für Ganztagsschulen einführen: “Diese Kampfbereitschaft der Jungen kann man dadurch auffangen, dass man ihnen in Ganztagsschulen nachmittags Rugby anbietet. Ein exzessiver Gewalt-Männersport, wunderbar in den Rollen und im Austobepotenzial!” Ich will ihm nichts unterstellen, aber es hört sich so an, als käme er dabei richtig ins Schwärmen. Da ich mich zu meiner Schulzeit auch nicht zu der Gender-Rolle des “tobenden, prügelnden Jungen” gezählt habe stört mich dieses Geschlechterdenken auch zutiefst.

  6. @Activ[E|H]ate
    Worauf deutet es überhaupt hin wenn er dabei einen negativen Bezug zu realer Gewalt offenkundig bereitwillig als “übertrieben” hinstellt, aber vor Videospielen weiter warnt: reale Gewalt “verharmlost” er aus seiner Sicht so ja anscheinend nicht.
    Also wie interpretiert er demnach inkriminierte Videospiele: doch ständig als Ersatzhandlungen und gar nicht als Ausdrucksformen mit Inhalt, als Werke die sich Themen zuwenden, die etwas zu sagen/erzählen hätten – sei es aus Sicht Kreativer oder über die Welt in der sie entstanden sind, meinetwegen auch als Artefakte. Die minderjährigen GTA-Jungen, wie er damals bei Golem gesagt hat, werden dem Vernehmen nach – ob über vermeintliche Ergebnisse aus Statistiken oder sonst wie – so oder so schonmal nicht als Publikum einer “Gesellschaftssatire” vorgestellt, sondern eben (nur) von “Gewalt”: http://www.golem.de/0902/64991.html
    Es gibt auch Menschen für denen eine einzige “Prügelei” bereits tödlich ausgehen kann, aber ein Pfeiffer geht natürlich schonmal auch immer nur von normierten Leuten aus – bei Pfeiffer mit seinen Testosteron-Männerbildern über Gewalt und Sport, wo ich immer das hierzulande bis in die Gegenwart tradierte Klischee von “Rambo” aus den Achtzigern vor mir sehe: und bei Weiß geht das ja noch weiter, bis hin zu heteronormativen Ideen über die “Freundinnen” dieser Jungs – wo Videospielen dann bei “Lebenslügen” endet.

  7. Ich denke, die Intention Pfeiffers ist hier mal wieder zweifelhaft.
    Dennoch hat er ja nicht ganz unrecht. Ich will hier nicht auf der angeblichen Normalität der Gewalt rumreiten, versteht mich nicht falsch. Aber junge Menschen finden so in der Regel raus, wo ihre Grenzen, die Grenzen der Anderen und schließlich die Grenzen der Akzeptanz liegen. Dass Kinder sich kloppen ist glaube ich tatsächlich völlig normal, wird aber oft ausgeblendet bzw mit dem Prädikat Verhaltensauffällig / ADHS versehen.

  8. Nachtrag:
    Mir geht es an dieser Stelle ausdrücklich nur um den Punkt hier:
    “Wenn Jungs sich prügeln, gehen Erzieher und Lehrer sofort dazwischen und sprechen übertreibend von Jugendgewalt.”
    Natürlich gibt es genug Leute, für die das ganze in bitteren Ernst ausartet, und natürlich scheint hier ein atavistisch anmutendes Geschlechterbild durch. Aber so zu tun, als wäre jede Form der Gewalt nahezu widernatürlich zielt doch an der Realität vorbei.

  9. @Pfeiffer dieser Idiot verbreitet wiedereinmal seinen chauvinistischen aus den späten fünfzigern herausgesogenen Blödsinn, der heute keinen Bestand hat. Prügeleien kann fast immer mit “Bullying” gleichsetzen, Pfeiffer kapiert nicht das auch Jungen Opfer sein können. Dieser Mensch glaub das sich dabei immer faire Kämpfe handelt, das ist kompletter Unsinn. Er versucht das “Bulling” zu verherrlichen und dem ganzen einen harmlosen Anstrich zu verpassen. Seine Intention ist klar wenn er “Bulling” durch diese Fehlinformationen als Tatmotiv für Amokläufe schwächt kann wieder wie immer umgehemmt auf die pöhsen Videospiele einhauen.

  10. @ Ben
    Gerade wenn man sich einmal mit dem Stanford Prison Experiment genauer beschäftigt, kann man feststellen, dass Zimbardo allgemein dazu zu neigen scheint, mehr auf die Medienwirksamkeit seiner Untersuchungen aus zu sein, als irgendetwas wissenschaftlich nachvollziehbares zu schaffen.
    Brian Dunning liefert hier eine gute Zusammenfassung der Kritik: http://skeptoid.com/episodes/4102
    Seine Hauptpunkte sind vor allem die aktive Teilnahme Zimbardos an der Simulation, das Ziehen von Schlüssen aus dem Verhalten einiger weniger, auch noch schlecht ausgewählter Probanden und schließlich das Problem, dass Zimbardo eigentlich schon vorher genau wusste, welches Ergebnis er haben wollte.
    Insofern ist die Aussage Zimbardos überhaupt nicht verwunderlich, denn sie passt genau in sein Menschenbild, dass wir alle nur böse gemacht werden, wenn die Umstände stimmen. Ich bin selbst kein Psychologe, aber nachdem was ich zu seinem Experiment gelesen habe, glaube ich nicht, dass es heute noch ernst genommen wird.

  11. @Pic: Danke für den Link. Habe nicht alles gelesen, aber hier ein Gaming-relevanter Absatz:

    “Because of the new difficulties facing guys in this changing, uncertain world, many are choosing to isolate themselves in a safer place, a place where they have control over outcomes, where there is no fear of rejection, and they are praised for their abilities. Video games are this safer place for many of these guys. They become increasingly adept and skilled at gaming, refining their skills, and they can achieve high status and respect within the game. This is not something you see women doing, they don’t need to get respect that way. We (my co-author Nikita Duncan and I) have nothing against playing video games, they have many good features and benefits, it is the big HOWEVER, that when played to excess they can hinder a guys ability and interest in developing his face-to-face social skills (games are designed to get everyone to play to excess, we call this the enchantment factor). In addition, the variety and intensity of video game action makes other parts of life, like school, comparatively boring, and that creates a problem with academic performance which in turn requires medication to deal with ADHD, which then leads to other problems down the road. “

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