Newsschwemme #21

Daniel Fiedler: ZDF berichtete “durchaus differenziert über Zusammenhänge zwischen Amokläufen und Ego-Shootern“.
Tobias Greitemeyer: “Der Zusammenhang zwischen aggressivem Verhalten und gewalttätigen Computerspielen ist nicht außergewöhnlich hoch, aber er ist signifikant.”
SB.com: “Sniper: Ghost Warrior 2” offiziell “100% Uncut“, “zusätzliche” Gewaltdarstellungen nach Installation per kostenlosen DLC verfügbar – außer für Deutsche.
Piratenpartei: Antrag gegen Zensur verwaist – Gegner verweisen für “wissenschaftliche Grundlage” auf Manfred Spitzer.
Tim Bray: Spezifiziert einen “additional Hypertext Transfer Protocol (HTTP) status code for use when resource access is denied for legal reasons“. Vorgeschlagene Nummer: “451”.
SPD-Beschluss: “Verbote sind der falsche Weg. […] Richtig ist, Kinder und Jugendliche gegen die Gefahren von Computerspielen durch die Vermittlung von Medienkompetenz und Eröffnung von attraktiven Freizeitangeboten zu wappnen.”

14 Gedanken zu “Newsschwemme #21

  1. @100% Uncut
    O-M-G na das nenne ich mal Verarsche. Da sollen die Entwickler doch bitte mal so ehrlich sein und auf die Verpackung schreiben: “100% Cut, bedankt euch bei der unfähigen Politik”. Das wäre mal ein klares Statement. Aber nein, soviel Eier hat man nicht, man verarscht lieber den Kunden.

    @PP:
    Ich habe bei der PP mehr und mehr das Gefühl, dass sich dort Idioten versammeln, die durch das “jeder ungebildete Hinterwäldler kann mitreden”-System, die Ideale der PP durch den Dreck ziehen.
    Was man dort in den Foren teils lesen kann ist widerwärtig!

    @SPD-Beschluss:
    Die beschließen viel wenn der Tag lang ist. Wichtig ist, was sie machen. Und ich wette es braucht nur 1-2 medial aufgehübschte Gewalttaten jüngerer Menschen und schon würde die SPD wieder das Fähnchen im Wind sein. Und im Falle einer großen Koalition im Jahr 2013 wäre dann wohl dieser Beschluss das erste, was bei der Zusammenarbeit mit der CDU/CSU aufgegeben würde. Machtgeilheit hat eben Vorrang.

    @Heute.at oder Tobias Greitmeyer:
    entweder ist der Artikel schlecht und beschreibt die Studie einfach falsch, oder der Artikel dokumentiert in erschreckender Weise die Idiotie der beteiligten Forscher. Selbst der dümmste Mensch der Welt müsste doch merken, dass sich Tetris von “gewalthaltigen Spielen” in mehr Punkten unterscheidet als nur die Gewalt, weswegen bei einem solchen Kontrollgruppenversuch einfach haufenweise Drittvariablen jede Aussage zunichte machen. Zudem ist die Eintelung in “neutral”(=Tetris), “prosozial” und “gewalthaltig” total willkürlich. Es gibt zudem tonnenweise mögliche Erklärungen dafür, dass die Notsituation anders eingeschätzt oder später bemerkt wurde… ach was rede ich… lasset uns Fische aufschneiden und in ihren Eingeweiden lesen bis der Kaffee fertig ist zum Kaffeesatzlesen!

  2. @maSu:
    Wegen der PP: Die sind halt in der Realität angekommen. Keine Partei ist homogen, das geht nicht und ist auch nicht beabsichtigt.
    Ich finde die PP zeigt aber damit eines der größten Probleme der Basisdemokratie: Wenn die Mehrheit die Entscheidungen trifft und die Mehrheit blöde ist, dann treffen die blöden die Entscheidungen.
    Nicht falsch verstehen, das ist nicht die Schuld der Piraten. Es ist nur so dass deren gutgemeintes, tolerantes, idealistisches System gerade besonders anfällig dagegen ist.

    Genauso gibt es nette freiheitlich demokratische Leute in CDU/CSU und FDP, großindustrielle die über Leichen gehen bei den Grünen, Faschisten bei der SPD etc. (ok das letzte ist evtl. etwas weit hergeholt, aber ich glaube es wird klar was ich damit sagen will).

    Ansonsten Zustimmung.

    Gruß
    Aginor

  3. … “Selbst der dümmste Mensch der Welt müsste doch merken, dass sich Tetris von “gewalthaltigen Spielen” in mehr Punkten unterscheidet als nur die Gewalt, weswegen bei einem solchen Kontrollgruppenversuch einfach haufenweise Drittvariablen jede Aussage zunichte machen.”
    Ein Kardinalfehler der Mediengewaltwirkungsforschung… findest du so bei geschätzten 99,99 % aller Studien zum Thema; ich habe für meine Diss. so ziemlich jede (zumindest in englischer und natürlich dt. Sprache in entsprechenden Fachjournalen) seit den 1980ern publizierte Studie zu dem Themenkomplex bearbeitet und gerade zwei bis drei Studien dabei ausgemacht, die das Thema etwas differenzierter angehen (und davon auch nur eine brauchbare). I.d.R. beschränkt man sich entweder auf das willkürliche Urteil der Experimentatoren, welchess Spiel in welche Kategorie (z.B. “violent” oder “nicht violent”) einzuordnen ist oder man läßt die Probanden selbst oder gar dritte “Experten” die Spiele in einem (Gewaltgrad… meist ohne Definition, selten in einer – ebenfalls nicht hinreichenden – Differenzierung in visuelle und kontextuelle Faktoren) bis fünf Merkmalen einordnen: Da wird dann mit einem z.B. fünfstufigen, Likert-skalierten Fragebogen erfragt, wie schwierig, wie spaßig, wie frustrierend (von “gar nicht” bis “sehr”) etc. das Stimulusmaterial sei… und da kommt dann schon mal bei raus, dass sich ein “Wolfenstein 3D” und ein “Myst” nur in Punkto Gewaltgradeinschätzung unterscheiden. Dass das Unsinn ist, ist offenbar (ohne meine bekannte Kritik hier wiederholen zu wollen).

    Um ein paar Bsp. zu nennen, was für Spiele schon verglichen wurden, wobei man dann die entsprechenden Ergebnisse einfach auf den Faktor “Gewalt” reduzieren wollte (und ungeachtet dessen, dass die Experimente noch etliche andere gravierende Defizite haben, abgesehen von der dämlichen Stimuluswahl, wobei jedes einzelne dieser Defizite die Ergebnisse nichtig macht):
    – “Wolfenstein 3D” vs. “Myst” (ANDERSON/DILL 2001)
    – “Unreal Tournament” vs. “Tetris”(FRINDTE/GEYER 2004)
    – “The House of the Dead 2” vs. “Kayak Extreme” (KIRSH/MOUNTS 2007)
    – “Tiger Woods PGA Tour 08” vs. “Manhunt 2” (MARKEY/SCHERER 2009)
    Und ja, i.d.R. ist das Stimulusmaterial auch noch total vealtet und reflektiert nicht den aktuellen Markt.

    Ein weiteres Problem bei solchen Studien ist aber der Primat statistischer Signifikanz… eine absolute Seuche ist das. Da werden Experimente und Korrelationsstudien angestellt, einzig mit dem Ziel eine statistische Signifikanz nachzuweisen, die rein gar nichts(!) über eventuelle Effekte aussagen kann (zwar bedeutet die Suche nach Effekstärken eine Verbesserung der Situation, aber es sollte auch tunlichst ein Primat der Effektstärken – insb. auch bei der Ergebnisinterpretation – vermieden werden, wie ich in meiner Diss. umfangreich diskutiere); zu dem Thema empfehle ich jüngst: “Simmons, Joseph Nr. / Nelson, Leif D. / Simonsohn, Uri (2011): False-Positive Psychology. Undisclosed flexibility in data collection and analysis allows presenting anything as significant. In: Psychological Science; Nr. 11/2011, S.1359-1366.” Vielleicht noch gleich “Ioannidis, John P. A. (2005): Why Most Published Research Findings Are False. Online: . Stand: 20.06.2012.” Aber wenn renomierte US-amerikanische Fachjournale nach wie vor einzig statistische Signifikanzen fokussieren, da wundert mans cih nicht.

    Da fragt man sich, wie solche Personen an eine Professur gekommen sind… und die Personen wudnern sich über das abnehmende Renommee ihrer Disziplin.

  4. @ Aginor:
    Auch… ja: Ich habe mich ja bereits vor geraumer Zeit dagegen ausgesprochen, hier – statt auf die entsprechenden Studien selbst – auf Presseberichte zu den Studien zu verweisen, insb. wenn sich dann noch nicht mal der tatsächliche Name des entsprechenden Fachartikels o.ä. in diesen Berichten wiederfindet.

    Aber: Die diskutierten Studien sind im Gros tatsächlich so schlecht, wie skizziert… ich habe mir ja nicht irgendwelche Presseberichte dazu durchgelesen oder ähnliches (was unwürdigeres für eine Diss. kann ich mir da kaum vorstellen), sondern die Studien selbst und da stimmt vom z.B. eigentlichen Experimentdesign, bis hin zum Diskussionsteil, der regelmäßig vor illegitimen Interpretationen, Extrapolationen und Alarmismus nur so platzt, einfach nichts.

  5. “… ich habe mir ja nicht irgendwelche Presseberichte dazu durchgelesen oder ähnliches (was unwürdigeres für eine Diss. kann ich mir da kaum vorstellen)(…)”
    Na ja: ich arbeite wenn dann genau so – mich interessieren die Studien selbst höchstens peripher, sondern was aus ihnen gegebenenfalls gemacht wird. In meiner Analyse der “Debatte” spielt praktisch ausschließlich das eine Rolle, auch weil ich schon früh festgestellt habe dass es innerhalb der scientific community nicht wirklich viel Streit gibt verlagerte ich mich sozusagen auf den massenmedial-öffentlichen Teil des Ganzen, das heißt wie über Videospielinhalte dort gesprochen wird, welche Rolle Nutzung und Wirkung dort spielen. Ich würde da eben auch unterscheiden: wer arbeitet womit. Wer beruft sich auf wen, usw.
    Und dazu hätte ich eben auch eine Replique für Aginor: Dein Comic-Beispiel stimmt, aber nur teilweise. Man kennt in Deutschland ja die paar Leute die es gibt die eher mit Politik in der Sache gleich aufgetreten. Dann heißt es etwa: “wir haben das und das herausgefunden und deshalb sollte sich etwas so und so ändern”. Da hat sich Wissenschaft aus meiner Sicht eigentlich schon aufgehört

  6. Ich wollte das Vorgehen nicht per se verdammen – bitte nicht falsch verstehen -, hängt halt vom Untersuchungsgegenstand ab und dieser ist bei mir eben (u.a.) die Fehlerhaftigkeit der Mediengewaltwirkungsforschung; ohne Detailanalysen läßt es sich da bei dem Ansatz, den ich gewählt habe schlecht argumentieren, mithin würde ich ein Problem replizieren, das ich explizit moniere: Die offenbar in vielen Fällen rein am Abstract orientierte Wahrnehmung und Zusammenstellunng von Forschungsergebnissen, die dann auch noch unkritisch(-affirmativ) für bare Münze genommen werden, ohne dass kontrolliert würde, ob die Ergebnisse überhaupt haltbar sind etc.. Eben das ist ja auch eines der Probleme der (auch) öffentlichen “Debatte”, die Rede von “Studie XYZ hat dieses und jenes herausgefunden”, ohne zu kontrollieren, ob das überhaupt der Fall ist.

  7. @Vicarocha
    Ja natürlich. Das ist Dein sehr löblicher Ansatz – keine Frage.
    Was ich mit meinen letzten Zeilen oben meinte war, dass man oft nicht genau weiß wer als was spricht – und da sehe ich ein ziemliches Problem: ist jetzt Sabine Schiffer politische Aktivistin oder kommt sie von einem wissenschaftlichen Institut in Erlangen her? Spricht da aus Hannover jemand als ehemaliger Minister oder doch Kriminologe? Warum engagiert sich der eine Mensch aus Ulm da im Frankfurter Zukunftsrat, und nicht nur in der Hirnforschung.
    Das Problem fängt für mich zum Beispiel damit an, dass das Symbol des KFN einem christlichen Kreuz ähnelt, dass auf der Homepage auf eine Predigt verwiesen wird, usw. Aber niemandem scheint das zu stören, die Forschung schonmal gefärbt erscheinen zu lassen – also ganz säkular ist das sicher nicht mehr. Es ist ja auch nicht universitär –
    Eine Frau Zipfel oder auch Frau Möller mein ich nicht, sondern dass es da eben noch (zusätzlich) so Leute gibt die da zusätzlich mit politischem Interesse auftreten. Oft, da hat Aginor sicher Recht, erledigt das auch ein Journalismus – aber teilweise eben auch diese Leute selbst.
    Weil einen Unterschied sehe ich mittlerweile schon ganz deutlich: jetzt wo in Amerika der Jack Thompson (vorerst) weg vom Fenster ist nehme ich auf dieser Seite vom Teich keine groß in Erscheinung tretende Figur gegen Games in den USA mehr wahr. Und, vielleicht bist Du da besser informiert als ich, aber ein Anderson oder Bushman sind das auch nicht.
    Vielleicht mein Unvermögen, aber mir ist es nicht einmal gelungen eine Kontroverse zwischen Ferguson & Company und Anderson & Company griffig zu rekonstruieren. Die haben halt andere Zugänge. Seit “Media Violence and the American Public” 2001 ist mir das bekannt. Anderson verwendete Ferguson. Und dieser kritisiert das was ich auch kritisiere, nämlich eine Politisierung http://www.tamiu.edu/~cferguson/Much%20Ado.pdf 3. Irgendwie schien mir ein großer Disput aber fast nur in dieser partiellen Wahrnehmung der deutschen “Mediengewalt”-Leute der Fall (gewesen) zu sein. Von Korruptionsvorwürfen habe ich im Original beispielsweise gar nie etwas gelesen…

  8. Nur eine kurze Anmerkung (bin noch nicht so lange wach, könnte was unstrukturiert werden ^^): Die Korruptionsvorwürfe gibt es in der US-amerikanischen Debatte durchaus auch, von relativ konkretem, wie es ein Huesmann und Taylor einem Freedman vorwirft, bis zu Suggestionen über vermeintliche systematische Verfälschungen seitens der Opposition, wie sie die “Tabakindustrie” betrieb. Die Schlammschlacht gehört da zum natürlichen Repertoire, wenn (ebenfalls von einem Huesmann und Taylor, die ja zum Umfeld von Anderson et al. gehören) die Opposition (hier insb. auch Ferguson) diffamiert, als Diskussionspartner ausgeschlossen werden soll, weil sie selbst u.U. Computerspiele rezipiert u.ä.; eine Hermetisierung des Diskurses ist da ein Interesse, dass nicht erst in den 1960ern aufgetaucht ist. Ein Ferguson nimmt da auch kein Blatt vor den Mund, wenn er (korrekt) feststellt, dass es sich bei diesen “Kritikern” und deren Methodik regelmäßig um “Pseudoscience” handelt. Aber ja, das unterscheided sich doch schon von der Laiendiskussion, wie sie hierzulande immer noch vernehmbar ist (und zu den Laien kann man da ohne Bedenken Personen wie eben PFeiffer, Weiß, Hopf und Co. rechnen).

    Eine Kontroverse gibt es auch dort durchaus, allerdings muss man hier auch bemerken, dass das vor allem auch externe Kritik ist, eben an der Medien(gewalt)wirkungsforschung, an der Disziplin selbst… im Großen und Ganzen scheint mir die Disziplin selsbt nämlich nicht sehr von Reflexionsvermögen geprägt zu sein, nötigte wohl zur Revidierung oder gar Aufgabe eines Großteils des eigenen Engagements. Von diesen Wissenschaftsstreits, wie ihn die “‘“Mediengewalt’-Leute” herbeifantasieren, ist natürlich auch das entfernt. Wobei: Auch seitens der US-amerikansichen Wirkungsforscher um Anderson et al. wird ja die Expertise der Opposition massiv (und mit unhaltbaren “Argumenten”) in Zweifel gezogen, was dann doch wieder so etwas wie der Versuch einer Inszenierung eines Wissenschaftsstreits (mit unlauteren mitteln) ist; ich erinnere da insb. jüngst an SACKS/BUSHMAN/ANDERSON 2011. So negiert man einfach die Haltbarkeit oppositioneller Perspektiven, über Diskreditierung im eigentlichen Sinne; ad rem sind solche “Argumentationen” aber ohnehin nicht und richten sich – so meine in meiner Diss. artikulierte Meinung – eben auch wieder an die Laien, da versucht man über die Zustimmung einer Mehrheit außerhalb der scientific community “Recht” zu bekommen.

  9. Kann mir da einer mit dem Link zu PP Wiki helfen irgendwie blick ich da nicht
    durch. Wo genau findet da die Diskussion stat ? Ich finde da nur einen Link
    zu nem Blog und nem Link zu nem Googlevideo..

    Für mich waers wichtig die Entscheidungsfindung hier nachzuvollziehen.
    Wenn die PP sich nicht mehr dafür einsetzt den deutschen Jugendschutz in eine
    Form zu bringen die nicht mehr zur erzwungenen selbst Zensur von sich
    an Erwachsene richtende Medien führt ist das schon ein grosser Punkt für mich.

    Evtl kann einer der PP Mitglieder die ab und an hier in den Comments sind was
    dazu schreiben.

  10. @Vic:
    Es ist aber auch tierisch verlockend, Umkehrwissenschaft zu betreiben (also die “Wahrheit” bereits zu kennen und nur noch zu versuchen einigermaßen wissenschaftlich zu wirken beim Beweis. Natürlich lässt man das was nicht passt einfach weg.)
    Es ist ein kurzer Weg vom tatsächlichen Denkprozess beim wissenschaftlichen Arbeiten zu “Die Realität passt nicht zu meiner Threorie, muss also ein Messfehler vorliegen”. Denn man versucht ja seine Theorie zu beweisen (bzw. zu widerlegen). Das bringt oft eine gewisse Betriebsblindheit mit sich, und die ist kaum von böser Absicht zu unterscheiden zuweilen.

    Aber zum Glück gibt es dafür ja peer reviews.
    Wie schlagen sich eigentlich “unsere” Studien dabei? Ich habe manchmal das Gefühl dass die Presse nichtmal die peer reviews abwartet bevor sie das Ergebnis für bare Münze nimmt.
    …und natürlich könnte man – vorausgesetzt man kennt ganze Fakultäten die die gleiche Grundmeinung zum Thema haben – selbst dabei tricksen….

    Abschließend mal wieder eines meiner Lieblingszitate:
    “You don’t use science to show that you are right, you use science to become right” -XKCD 701

    Gruß
    Aginor

  11. @ Aginor:
    Die in der Presse rezitierten Studien, die Studien, die ich seit Jahren kritisiere, die seit Jahrzehnten kritisiert werden, weil sie exakt dieselben evidenten Fehler reproduzieren, sind i.d.R. in peer-reviewed journals u.ä. publiziert worden; das peer review (vor der Publikation) hat sich i.d.S. nicht als adäquates Korrektiv bewährt (ungeachtet dessen, dass nach der Publikation Kritik artikuliert wird). Das so ein Unsinn, wie die Mediengewaltwirkungsstudien per se, wie z.B. die Studien des Zitationszirkels Anderson, Bushman, Gentile et al., gleichermaßen wie unzählige gleichartige Studien diverser Autoren problemlos ein peer review passieren, demonstriert gleichermaßen die Limitationen des Instruments (z.B. opake Kriterien i.V.m. der Willkür des reviewer), wie auch m.E. eine generelle Unfähigkeit der gesamten Disziplin (und vielleicht auch nicht nur der Mediengewaltwirkungsforschung, sondern z.B. großer Teile der Psychologie, resp. Medienpsychologie insg… ich wäre nicht der erste, der warnt, dass die Psychologie insg. Schaden nimmt, wenn sie so eine Pseudowissenschaft weiter toleriert), sich selbst objektiv zu evaluieren (so übrigens auch schon Ferguson)…

    ungeachtet dessen halte ich auch die Vertreter der Presse für i.d.R., trotz u.U. vielfach auch akademischer Bildung, nicht in der Lage, Forschungsergebnisse, Studiendesigns etc. hinsichtlich ihrer Aussagekraft und -reichweite(n) richtig einzuschätzen u.ä., von einer generellen Kritiklosigkeit, die da regelmäßig an den Tag gelegt wird, ganz zu schweigen. Ich persönlich glaube aber, dass da alleine eine Pressemitteilung eines Instituts bzgl. einer neuen Publikation als Ausgangspunkt für einen Artikel reichen dürfte, die eigentliche Studie wird dann gar nicht mehr richtig angeguckt, da liest man maximal das abstract (den Eindruck habe ich aber auch in der Forschungsdisziplin selbst) oder führt ein interview, damit hat sich das.

    “Es ist aber auch tierisch verlockend, Umkehrwissenschaft zu betreiben (also die “Wahrheit” bereits zu kennen und nur noch zu versuchen einigermaßen wissenschaftlich zu wirken beim Beweis. Natürlich lässt man das was nicht passt einfach weg.)”
    Neben den beiden bereits genannten Publikationen empfehle ich dir zu dem Thema übrigens auch ganz aktuell: “Ferguson, Christopher J. / Dyck, Dominic (2012): Paradigm change in Aggression Research: The time has come to retire the General Aggression Model. In: Aggression and Violent Behavior; Nr. 3/2012, S.220-228.” Stichwort: “Advocacy Effect”.

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