„spiel-gekauft.de“ online

„Spiel gekauft?“ – Wenn diese Frage dem Besitzer einer just ergatterten DVD an der Kasse eines Geschäfts gestellt wird, dürfte ihm eine präzise Antwort aus zweierlei Gründen schwerfallen.

Zum Ersten werden im Handel oftmals nur Clients und keine vollwertigen Spiele angeboten. Die Folge: Der Nutzer hat mit dem Kauf der Scheibe noch nicht Recht zur Nutzung erhalten – das wird erst durch einen weiteren Vertrag eingeräumt. Von daher müsste die Antwort auf die Frage lauten, dass man das Spiel nicht gekauft, sondern die Chance auf Einräumung eines Nutzungsrecht in Bezug auf die Software gemäß des noch unbekannten Nutzungsvertrags erworben habe.

Was sich der Nutzer „gekauft“ hat, weiß also genaugenommen nicht einmal er selbst. Dabei offenbart ein genauer Blick in die EULA durchaus Überraschendes: So wird beispielsweise „Käufern“ von „Fifa 12“ ein Nutzungsrecht „ausschließlich für […] nicht kommerzielle Nutzung“ eingeräumt: „Jegliche kommerzielle Nutzung ist verboten“. Wer also als Journalist eine Kritik zu diesem Titel verfasst oder bei einem Turnier um Preisgelder spielt, steht wegen Urheberrechtsverletzungen schon mit einem Bein im Knast. In manchen Fällen scheint sogar der Publisher den Überblick verloren zu haben: So erhält der „Käufer“ bei „Fifa 12“ bloß eine „persönliche […] Lizenz, diese Software zu […] benutzen […]. Die Unterlizenzierung, der Verleih, Leasing und jegliche andere Form der Verbreitung der Software oder des Rechts, die Software zu nutzen, sind ausdrücklich untersagt“. Mit anderen Worten: Am 2-Spieler-Modus von „Fifa 12“ darf ein zweiter Spieler rechtlich gesehen nicht teilnehmen.

Zum Zweiten sind Spiele heutzutage nicht mehr nur zum Spielen da: Wo schon bei eBooks erfasst wird, welche Seiten der Benutzer wie lange aufruft und nach welchen Worten er sucht, kann es nicht überraschen, dass auch bei Videospielen Daten gesammelt und übermittelt werden. So wird bei dem beliebten „Angry Birds“ der komplette Spielverlauf protokolliert, die Gerätekennung gesendet sowie der Inhalt des Adressbuches, der Nutzername, das Passwort und der aktuelle Aufenthaltsort unverschlüsselt übertragen. Aber nicht nur mobile Spiele sind betroffen. EA nimmt sich bei dem Free2Play-Spiel „Need for Speed: World“ das Recht heraus „von Dir unter Verwendung der Software gesendete oder empfangene Informationen zu überwachen und zu speichern […]“. Das geschieht ausweislich der EULA „um es EA zu ermöglichen, Benutzer besser zu kennen“. Hier bekommt der Begriff „Interaktivität“ eine ganz neue Bedeutung. Auf die eingangs gestellte Frage könnte man durchaus antworten, dass man kein Spiel, sondern eine Spyware mit Spielfunktion „gekauft“ habe. Mit dem Datenschutz tut man sich dagegen schwer: Der „Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler“ (VDVC) hat fünf Anbietern per Mail gefragt, was zur Wahrnehmung des gesetzlich verbrieften Auskunftsrecht notwendig ist. Die einzige Antwort stammt bisher von Microsoft. Mit der über das Webformular „allgemeine Fragen zu den Datenschutzbestimmungen“ verschickten Anfrage weiß man am anderen Ende jedoch aus nachvollziehbaren Gründen wenig anzufangen:

„From the information you have provided in your message, I understand that you are located in Germany. Please be informed that the Customer Service team you have reached is for North America.”

Solche Zustände sind nicht nur manchmal schwer mit dem deutschen Recht zu vereinbaren, sondern könnten auch dem ein oder anderen „Käufer“ missfallen. Spätestens, wenn gegen reales Geld erworbene Spielgegenstände gestrichen oder die für den Mehrspielermodi notwendigen Server aus Kostengründen vom Netz genommen werden, dürfte sich der ein oder andere veräppelt vorkommen. Der VDVC hat nun mit „spiel-gekauft.de“ ein Angebot geschaffen, bei dem sich Nutzer über den Verbraucher- und Datenschutz bei Videospielen informieren können. Übersichtlich wird gezeigt, welche Rechte der Nutzer tatsächlich hat und was – trotz dahingehender Bekundungen der Publisher – überhaupt nicht geht.

Zu “spiel-gekauft.de”

11 Gedanken zu “„spiel-gekauft.de“ online

  1. Musste am PC, und wohl auch am Mac, nicht schon bei Einführung der ersten (Windows-)Installer (um 1992 muss das gewesen sein) immer auf zusätzliche Geschäftsbedienungen eingegangen werden bevor Software auf einen Rechner gelangen konnte, damit sie dann dort später sozusagen “genutzt” werden konnte? Sogar unter MS-DOS gab es in meiner Erinnerung umfangreiche Programme die ebensolche Procedere erforderten – etwa von Spectrum Holobyte.
    Was soll diese individuelle Software-Praxis von der supraindividuellen Clients die viele Spiele verwalten können und eigenständig installieren (wie etwa Steam) besser machen? Das erste DRM war am PC ja noch individuell, hat Discs überpruft, aber wurde nicht angenommen – verursachte Fehler etc. Oder wie viele dereinst unter 3.1 “gekaufte” Titel können heutzutage noch unter 7 überhaupt installiert werden, geschweige denn dass sie bei der ganzen Treiber- und Rest-Software-Situation (wie DirectX) auch tatsächlich laufen würden. Ohne Emulation, Wrapper oder was weiß ich alles an Firlefanz noch –
    Noch krasser das historische Problem bei Apple: ich stieg zum Beispiel erst lange nach Einführung von OS X auf den Mac um: zunächst dachte ich mir – toll! Jetzt kann ich all meine Macromedia-Epen aus den 90ern erstmals endlich so spielen wie sie ursprünglich wohl auch mal angedacht waren, nämlich auf einem Mac. Denkste! Mac OS X ist überhaupt nicht kompatibel zu Mac OS 9.x

  2. also das mit Angry Birds ist so nicht richtig.Das war einmal ist aber imho nicht mehr der Fall und zum Teil auch nicht mehr möglich da vom OS unterbunden.
    Die aktuellen EULAs sind schon schlimm genug…

  3. Ist bei “Angry Birds” denn nicht die PC-Version gemeint, sondern die iOS?
    Man kann sich demnach ueberall auch dazudenken welche Plattform Ihr meint: “FIFA” gab es eine Zeit lang nur im PS2-Port fuer Windows – Beat’em Ups werden mit Arcade-Stick auch haeufig bevorzugt, also mit Controller fuer Sportspiele vor einem nahen PC-Monitor zu sitzen ist sicher nicht jedes Menschen Sache. Und fuer meine sehr wohl “gekaufte” “FIFA 12”-Version habe ich auch ohne Online-Pass im Fruehjahr immerhin noch 25 Euro bekommen.
    Mit meinem Auto plane ich schliesslich auch keine ausgedehnten Rundfluege.

  4. @goTAN
    Danke für den Hinweis. Hast du da auch mehr Details? Ich weiß nur, dass Apple Anfang 2012 angekündigt hatte, dass sich beim Adressbuch was ändern soll. Was da genau passiert ist und wie es bei anderen Plattformen – z.B. android aussieht – weiß ich nicht. Das mit dem unverschlüsselt Senden von Gerätekennung etc. wurde noch in der vorletzten StiftungWarentest geschrieben.

  5. Du hast recht, tatsächlich gibt es die Möglichkeit in IOS noch nicht, sie wird aber sicherlich kommen ob erst mit IOS 6 oder vorher ist noch unklar. Demnach muss der User explizit für eine App den Zugriff auf sein Adressbuch erlauben.
    Über Androide kann ich auch nichts sagen, bin falscher Weise nur von IOS ausgegangen.

  6. @Patrik
    was meinst du mit “bekommt keinen Zugriff”?
    Wer soll es Angry Birds denn verbieten?
    Wenn Angry Birds kein Zugriff auf das Adressbuch unter Android macht, nehme ich jetzt einfach mal an das diese Entscheidung Platform unabhängig ist.

  7. Mir ist das seit einiger Zeit relativ egal, was mir welcher Spieleverkäufer gestatten möchte, und was nicht. Ich kauf einfach keine Spiele mehr. Geht auch. Sollen sie doch alle verrecken, dies EAs und Ubisofts und Blizzards und wie sie alle heißen. Ich werde mit Freuden auf deren Gräbern tanzen!

  8. @pepsodent

    Ich hab das Kaufen auch weitgehend eingestellt und verbringe meine Zeit mit “W:ET”. Habe allerings gerade entdeckt, dass “Arma 2” offenbar ohne DRM auskommt und allein auf einen Key setzt, so dass ich es mir wegen dem Dayz-Mod wohl anschaffen werden – als mein echtes Eigentum^^.

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