“First Person Shooter”: Entstehungsmythos Vietnam

Durch die Medien geistern regelmäßig Berichte, nach denen ursprünglich das US-Militär “First Person Shooter” erfunden habe um Soldaten die Tötungshemmung abzutrainieren. Als Quelle hierfür wird meistens David Grossman verwendet, obwohl er dieser Darstellung schon widersprochen hat. Es wird in Medien bloß immer so dargestellt, als ob es sich bei den vor dem Vietnamkrieg geschaffen Schießübungen bzw. -simulationen um Videospiele gehandelt habe. Ein weiteres (Negativ-) Beispiel hierfür liefert auch die Doku “The Ground Truth”, in der zu den Aussagen Grossmans “America’s Army: Overmatch” eingeblendet wird: Ein Spiel, das 2006 und nicht 1965 veröffentlicht wurde.

“The Ground Truth – Der Irak-Krieg und seine Soldaten” wurde am 10.07.2012 um 03:30 Uhr auf RTLII gesendet.

(Dank an Thanatos.)

9 Gedanken zu ““First Person Shooter”: Entstehungsmythos Vietnam

  1. Na, gottseidank wird das bei dem Sendeplatz so ziemlich niemand gesehen haben. Wenn das die einzige Ausstrahlungszeit war, sollten wir das Ding von allein eingehen lassen.

  2. Das zweite, aus meiner Sicht historisch äußerst fragwürdige Zitat wonach im Zweiten Weltkrieg nur wenige Menschen zu Töten fähig gewesen wären, wird im Übrigen – wie zum Teil wohl Grossman’s gesamte Popularität – auf SLA Marhsall’s “Men Against Fire” beruhen…

  3. Das ist schon krass… 55 Millionen Tote direkt im Krieg und viele Millionen zusätzlich in den Nachwehen… Dabei davon zu sprechen, dass nur wenige zu töten imstande waren, ist echt krank.

  4. @Ash
    Er spricht davon, dass nach dem von Pyri erwähnten “Men against Fire” US-Soldaten im westlichen Kriegsschauplatz nicht immer das Feuer erwidert bzw. zurückgeschossen haben sollen. Diese Statistik wird kritisiert, doch eine Untersuchung des US-Militärs kam bei Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen: Obwohl die meisten Soldaten mit Karabinern ausgerüstet waren, konnte bei Verletzungen ein überproportionaler Anteil der selteneren schweren Waffen ausgemacht werden: Mit anderen Worten, wer ein schweres MG hatte, hat geschossen, derjenige, der nur einen Karabaniner hatte, hat sich zurückgehalten. Im Vietnamkrieg, in dem die Soldaten dann alle vollautomatische Sturmgewehre hatten, war die Feuerbereitschaft dann auch um einiges höher.

  5. Bzgl. MARSHALL 1947… der ist (spätestens) seit den 1980ern widerlegt, s. “Spiller, Roger J. (1988): S.L.A. Marshall and the Ratio of Fire. In: RUSI Journal; Nr. 4/1988, S.63-71.” Eine Dekonstruktion der Verwendung speziell bei GROSSMAN bietet übrigens “Engen, Robert (2008): Killing for their country: A new look at ‘Killology’. In: Canadian Military Journal; Nr. 2/2008, S.120-128.” Online: http://www.journal.forces.gc.ca/vo9/no2/16-engen-eng.asp.

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  7. @Rey:
    die US-Army und das Britische Militär haben aber nicht die Feuerbereitschaft der eigenen oder gegnerischen Truppen ausgewertet, sondern die Hauptursachen für die Verletzungen der eigenen Soldaten.
    Tatsächlich wurde ein Großteil der Verletzungen ( sieht man einmal von Artillerie ab ) von automatischen Waffen verursacht.
    Das hat aber nichts mit der psychischen Feuerbereitschaft zu tun, sondern mit der taktischen Situation in der diesen Waffen eingesetzt wurden und ihrer höheren Magazinkapazität.
    Man kann nicht sagen das die Soldaten ohne automatische Waffen sich zurückgehalten haben. Wer im Häuserkampf mit einer halbautomatischen Waffe beim ersten Schuß nicht trifft hat kaum Gelegenheit mit einem zweiten Schuß den Gegner zu verwunden oder zu töten…

  8. Ist es nicht selbstverständlich, dass jemand der eine (vermeintlich) schlagkräftigere Waffe führt sich damit auch sicherer fühlt? Das stellen ja auch Videospiele dar und kann von ihnen postiv gelernt werden – etwa die “Total War”-Reihe wenn die Ashigaru sich fürchten und flüchten. Ähnlich wird es übrigens mit einer Überzahl auf einem historischen Schlachtfeld aussehen: die Kriegsszenarien halte ich dabei im Übrigen überhaupt nicht für vergleichbar. Dieser Vietnamkrieg war doch in erster Linie ein Guerilla-Kampf im Dschungel, wobei sich der Zweite Weltkrieg auch schon deutlich von vorangegangenen militärischen Konflikten unterschieden hat. Inklusive dem Ersten Weltkrieg – seit dem Boxeraufstand gab es da das gesamte 20. Jahrhundert technisch laufend starke Veränderungen. Bis hin zur televisionären Optik im Zweiten Golfkrieg – den ich schon selbst medial miterlebt habe: ich erinnere mich auch noch gut wie damals die ersten üblen Analogien zu Videospielen breitgetreten aufkamen, und das ist jetzt über 20 Jahre her.

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