Gamescom? Ohne uns.

Aktuell schaut die komplette Gamesbranche nach Köln. Dort veranstaltet der Verband der großen Publisher (BIU) die gamescom. Für viele Gamer ist es das Paradies, doch wir gehen dieses Jahr gar nicht hin[1]. Nachdem wir die letzten Jahre sogar unseren Platz im Rahmenprogramm des Events gefunden haben, wird dieses Jahr niemand für den VDVC am Start sein.

Warum wir uns zu diesem Schritt entschieden haben? Eines vorweg: An Solidarität mir Microsoft, Nintendo und Sega liegt es nicht. Alle glänzen durch Abwesenheit. Die gamescom wird dadurch auch nicht unbedingt langweiliger als die letzten Jahre. Auch zu den ausgesperrten Bloggern gehören wir nicht, das Problem ist ein anderes. Und zwar hat die Messe zwei Fokuspunkte: Zum einen ist sie Leistungsschau der Industrie, sie zeigt die auf Hochglanz polierten Werke professioneller Spieleentwickler. Zweitens widmet sie sich (zugegeben eher am Rand) der Jugendarbeit und dem Jugendmedienschutz. Während die gamescom für Besucher ein traumhafter Ort sein mag, hat sie uns in den letzten Jahren vor allem schlaflose Nächte bereitet. Immer haben wir es irgendwie geschafft – aber eben nur irgendwie.

Das Standardprozedere richtet sich vor allem an die Activisions und EAs dieser Welt: Man legt einen Haufen Kohle auf den Tisch und bekommt eine Standfläche zugewiesen. Für diesen „normalen Weg“ fehlt uns das Geld. Messeboden ist so teuer, als würde eine vergoldete Ölquelle direkt unter der Oberfläche liegen. Die Alternative für gemeinnützige Institutionen setzt voraus, dass man in der Jugendarbeit tätig ist. Das mag irritieren, wo doch die Branche seit Jahren versucht, von einem Image los zu kommen. Man wehrt sich gegen Unterstellungen, Crysis sei für das Kinderzimmer konzipiert und folglich schwer unmoralisch. Man möchte Videospiele nicht mehr als Kinderkram verstanden wissen, sondern als Kulturgut. Nichtsdestotrotz: Keine Jugendhilfe, keine Förderung.

Die letzten Jahre haben wir uns hier irgendwie durchgemogelt: Wir als „erfahrene Gamer“ haben z.B. Teilnehmer des gamescom congress betreut, die dort über Jugendschutz debattieren. Das war zwar ganz nett, hat aber mit unseren Schwerpunkten Politik, Kultur und Verbraucherschutz wenig zu tun. Alle drei sind auf der gamescom nicht vorgesehen – und so bleiben wir dieses Jahr zuhause.

  1. [1]Ich war sogar in Köln, bin aber am Abend vor Eröffnung der Messe wieder weg.

2 Gedanken zu “Gamescom? Ohne uns.

  1. Es geht halt leider nur noch um Kohle. Wenn jemand nicht genug Geriebenes einfließen lassen kann, dann ist das Image auf einmal nicht mehr so wichtig.

  2. Viel schlimmer als unseren Fall finde ich, dass die Industrie breitere Anerkennung des Kulturguts möchte, man auf der Messe dann aber nur Auftragsarbeiten von (zugegeben sehr guten) Kunsthandwerkern sehen kann während die (meist kleinen) Künstler draußen bleiben müssen.

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