Tabea Rößner, grüne Bundestagsabgeordnete:
„Im Zug spiele ich gerne Bubble Shooter.“

Sie sitzt für die Grünen im Deutschen Bundestag und war als Medienpolitikerin für ihre Fraktion auf der gamescom: Tabea Rößner im Gespräch über Gamespolitik und ihre eigenen Präferenzen.
Frage:
Hier auf der Gamescom trifft man auf Informatiker, Softwareentwickler und Geschäftsführer von Branchenverbänden. Was verschlägt ausgerechnet eine Bundestagsabgeordnete hier her?
Tabea Rößner:
Ich finde Computerspiele hochinteressant und habe früher auch selbst viel gespielt, vor allem Strategiespiele. Dafür finde ich heute aber leider kaum mehr Zeit. Außerdem sind Computerspiele ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und auch Kulturgüter.
Auch ist es spannend zu sehen, welche Entwicklungen und neue Technologien es gibt. Manches bringt dann politische Herausforderungen mit sich zum Beispiel im Bereich Verbraucher- und Datenschutz.
Frage:
Sie haben es selbst gesagt: Sie spielen auch selbst Videospiele. Was spielen Sie denn so?
Tabea Rößner:
Ich komme selten zum Spielen, aber ich daddele auch gerne mal ein wenig herum. Zu Hause haben wir aber eine Wii und auch eine PlayStation und da spiele ich gerne mit meinen Kindern.
Frage:
Haben Sie auch ein Lieblingsspiel?
Tabea Rößner:
Toll finde ich Geschicklichkeitsspiele. Das ist besonders bei der Wii spannend zu sehen, wenn man dort, zum Beispiel beim Skifahren, die Balance halten und trotzdem schnell sein muss. Da freue ich mich, wenn ich auch mal besser bin als meine Kinder.
Frage:
Spielen Sie auch mobil, beispielsweise mit Ihrem Smartphone. Herr Schäuble zum Beispiel spielt Sodoku auf dem iPad. Zocken Sie auch während den Plenardebatten?
Tabea Rößner:
Während den Sitzungswochen, wenn ein Termin den nächsten jagt, komme ich selten dazu, etwas zu spielen. Aber nach einem langen Arbeitstag, wenn ich im Zug auf dem Weg nach Hause sitze und keine Lust auf Akten habe, spiele ich gerne mal Bubble Shooter oder auch Sodoku.
Frage:
Wie beurteilen Sie die Killerspiel-Debatte? Diese wird zwar im Moment nicht so stark geführt, wie es früher war, aber das Killerspiel-Argument kommt noch immer als Erstes, wenn es um schreckliche Ereignisse geht.
Tabea Rößner:
Wir haben uns immer sehr kritisch zu dieser Debatte geäußert. Diese wird, gerade von der Union, oft sehr verkürzt geführt. Es gibt viele Gründe, warum jemand zum Amokläufer wird, da sind Shooter nicht Hauptauslöser. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Signale der Täter in dessen Umfeld nicht erkannt oder ernst genommen wurden. Es wird auch die Position vertreten, dass man sich mit Shootern abreagieren kann.
Die Debatte, wie viel Gewalt in Spielen, aber auch in Filmen, sein darf, müssen wir als Gesellschaft aber führen. Diese kam ja auch beim Computerspielpreis auf.
Frage:
Da ging es ja darum, ob ein Spiel wie Crysis 2 einen solchen Preis gewinnen darf.
Tabea Rößner:
Richtig. Man hält hier immer die Fahne hoch, dass die Jury unabhängig sein soll, aber wenn sie dann eine Entscheidung trifft, wird diese kritisiert. Ich finde schon, dass, wenn man auch die technische Umsetzung eines Spiels bewerten will, dann auch ein Spiel wie Crysis 2 einen Computerspielpreis gewinnen darf und auch gewinnen können muss. Wenn man allein Kriterien anlegen will, wie pädagogisch wertvoll beispielsweise ein Spiel ist, dann muss man das ändern. Darüber werden wir im Bundestag diskutieren.
Frage:
Sie schreiben auf Ihrer Webseite, dass Sie ein Qualitätssiegel für Computerspiele gut fänden und damit „gute“ Computerspiele unterstützen wollen. Was sind „gute“ Computerspiele und welche Kriterien würden Sie für ein solches Siegel anlegen?
Tabea Rößner:
Qualitätssiegel sind für Verbraucherinnen und Verbraucher aber auch für Eltern immer eine Orientierung. Ich habe ein Bild davon und kann Spiele einordnen, wenn ich sehe, warum das Spiel zum Beispiel als gut ausgezeichnet wurde. Die Kriterien der USK können durch Kriterien wie die Aufwendigkeit der Produktion oder die Qualität der Animation ergänzt werden.
Frage:
Jugendschutz ist ja auch ein wichtiges Thema. Hier gibt es aber oft das Problem, dass dieser auch Erwachsene einschränkt. Nehmen wir die Indizierung zum Beispiel. Hier gibt es ein Werbeverbot und man darf Spiele nur unter der Ladentheke verkaufen. Auch für uns Journalisten ist es ein Problem: Wir können uns nicht kritisch mit der Indizierung von Spiel X auseinandersetzen, weil dies auch unter das Werbeverbot fällt. Warum reicht ein „Ab 18“-Siegel für solche Spiele nicht aus?
Tabea Rößner:
Diese Debatte ist eine sehr lange Debatte. Als ehemalige Journalistin stehe ich Indizierung naturgemäß generell sehr kritisch gegenüber. Es gibt aber manche Inhalte, die ich eben sehr kritisch finde. Nehmen wir Volksverhetzung oder menschenverachtende Inhalte. Hier haben wir einen gesellschaftlichen Konsens, den wir nicht aufweichen sollten. Es zeigt sich ja auch, dass wir diese Debatte permanent führen müssen. Die Gesellschaft entwickelt sich ja weiter. Früher wurden Spiele und Filme indiziert, über die wir heute lachen. Hier vertraue ich auch den Testern.

Anmerkung: Dieses Interview wurde und freundlicherweise von unserem Mitglied Norbert Hense zur Verfügung gestellt.

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