52 Gedanken zu “Programmwarnung

  1. Braucht es für eine Diskussion nicht mindestens eine Person, die nicht die Ansicht der Anderen in der Runde teilt? >Aber ja, was gibt es denn schon zu diskutieren, wenn schon von vorne herein klar ist, dass das Internet eine der größten Bedrohungen für Jugendliche überhaupt darstellt. Lasst uns deshalb lieber elitär über alle Einwände hinwegdiskutieren, um so ein Bild einer Diskussion zu entwerfen, dessen Hauptanliegen überhaupt keine Zweifel zulassen kann.< Und dieses Bild der Diskussion wird meiner Meinung von diesen Medien von vornherein gesteuert. Ich gehe einfach fest davon aus, dass dort selbsterannte Sittenwächter im Hintergrund sitzen, den Ausgang einer Diskussion planen und nach diesen Maßstäben ihre Gäste einladen, die dieses Bild erzeugen sollen.

  2. @Tig3r
    Über Spitzer und Hirte brauchen wir nicht zu sprechen, doch bei Yogeshwar halte ich es – auch wenn er zu Spielen viel Mist erzählt – für nicht ausgeschlossen, dass er Spitzers Meinung nicht uneingeschränkt teilt. Wie Jantke hier agieren wird weiß ich nicht, gegen Spitzer ist er in der Vergangenheit aber schon vorgegangen. Und Gerster sagt mir nichts – vielleicht ist sie einfach die Frau in der Diskussion. Interessant ist auch, wer abgesagt hat bzw. Spitzer keine Bühne bieten wollte:
    http://www.qlod.org/weltfrieden/?p=1908
    https://twitter.com/anked/status/241540866014060544

  3. Petra Gerster wird weniger als Frau denn als Mutter eingeladen worden sein, siehe auch die Ankündigung: durch ihre Mutterschaft ist sie sozusagen schon eine Betroffene, und es wird dabei ja vor allem das Bild durch Medien bedrohter Familien bemüht – bei dem Kinderlose schonmal nicht vorkommen. Sie hat auch Bücher dazu zu verkaufen. Außen vor bleibt ebenfalls wie videospielende Eltern ihre Kultur in ein Familienleben integrieren sollten: das heißt als Sohn oder Tochter eines Fußballers wird man auch sehr früh mit Fußball konfrontiert werden – solange die betroffene Kultur als Krankheit, oder in ihren Auswüchsen halt gefährlich, hingestellt wird, braucht sich damit nur nicht auseinander gesetzt werden. So kann sich davon ebenfalls ganz wunderbar abgegrenzt werden: soll heißen dass der Laptop vielleicht als Ergänzung zum Fernsehen akzeptiert wird, aber beim Computern bloß nicht das (öffentlich-rechtliche) Fernsehen abdrehen.
    Das ist die Vorgabe.

  4. Hab den Eindruck Spitzer ist der neue Pfeiffer: Wird regelmäßig eingeladen seine Meinung (mehr ist es ja nicht) zu verbreiten, obwohl er für seine Methoden und Ansichten von Fachkollegen kritisiert wird.

  5. @Crusader
    Man sollte es sich imho nicht zu einfach machen. Wissenschaftliche Schlussfolgerungen sind rechtlich auch nichts anderes als Meinungen. Und auch tatsächlich stellt sich ja die Frage, wie Studien anhand der akzeptierten Maßstäbe interpretiert werden können. Ich selbst kann nicht beurteilen wie viel Substanz hinter Spitzers Äußerungen steckt und ich weiß nicht wie weit man die Medienwirkungsforschung dekonstruieren muss, um Spitzers Thesen als haltlos bezeichnen zu können. Ich kenne leider nicht viele Texte, in denen Wissenschaftler Spitzer diskreditieren und weiß auch nicht, wie viel Rückhalt Spitzer in seiner Proffession hat. Es wird oft gesagt, dass er nicht rezipiert werde, aber „Belege“ dafür habe ich noch wenig gefunden.

  6. … wie will man auch „Belege“ für eine Nichtrezeption finden können, außer halt der Kritik, dass er nicht rezipiert wird? Sofern er mir überhuapt außerhalb von vernichtenden Rezensionen und Kommentaren unterkam, dann (ungeachtet von Laienkommentaren beim AAW u.ä.) nur als Randnotiz, als Paradebeispiel eines fantasisierten Hysterikers, seine Werke als Bsp. von „Traktätchenliteratur“ (bei Kunczik/Zipfel 2006, wenn ich micht recht erinnere).

  7. … und wieder meine Tippfehler. Ich will ’ne Editierfunktion. ;-)
    Vielleicht noch als Ergänzung: Spitzers Meinungsäußerungen sind ja weder wissenschaftliche Schlussfolgerungen (ganz im Gegenteil), noch simple Meinungsäußerungen, sondern insb. Ressentiments, ad verecundiam unter das Volk gebracht.

  8. @Vica
    Bei rechtswissenschaftlichen Themen weiß ich, in welchen Fachzeitschriften ich bei einer ernsthaft vertretenen Ansicht fündig werden würde. In diesem Fachbereich habe ich dagegen keine Ahnung, weshalb mir eine solche Ermittlung nicht möglich ist. Ich weiß nur aus dem Freundeskreis, dass beim Psychologiestudium an der Uni durchaus Publikationen Spitzers Gegenstand der Lehre sind. Und soweit ich das mitbekomme nicht nur als „so sollte man es nicht machen“ Beispiel. Von daher wäre ich hier auf eine Beurteilung anderer angewiesen, die mich aber nicht immer überzeugt. Bei solchen Texten weiß ich z.B. weder pb sie überhaupt den Kern der Thematik treffen, noch ob sie Spitzers Thesen gerecht werden:
    http://www.hdm-stuttgart.de/ifak/medienwissenschaft/medienkritik_medienwirkung/neue_protagonisten_der_medienkritik/medienkritik_lutz

  9. @Rey Alp
    Ich denke es geht hier mehr um einen Disziplinenstreit. So wird Spitzers Zugang in einer Pädagogik, und da vor allem einer Medienpädagogik, negativ gesehen werden, wobei er die Pädagogik in der Vergangenheit teilweise auch offensiv angegriffen hat. Spitzer stellt da gewissermaßen eine wissenschaftliche Bedrohung dar. Damit hat es sich aber schon wieder: er möchte Ergebnisse aus der Hirnforschung darin (auch) verstärkt präsent sehen. Wie er als Politiker überall die Hirnforschung berücksichtigt sehen möchte –
    In Kommentaren über eine Politologie oder Soziologie dasselbe.
    Werden medienpädagogische Grundannahmen nicht geteilt, siehe auch pädagogische Sonderlinge wie die Frau Schiffer aus Erlangen, wird es auch von diesen eine Affinität für Spitzer geben. Womöglich ebenfalls von IT-nahen Personen(gruppen).
    Eine der Psychiatrie und Neurologie wie Spitzer sie verfolgt nahe stehende Psychologie wird Spitzer nie so kritisch gegenüber stehen. Sich womöglich schonmal freuen, dass die Hirnforschung (wieder) im Ersten ist. Und solange ein nautralistisches Menschenbild an den Universitäten (wieder) forciert wird, wird Spitzer auch weiter Boden gewinnen. Es geht hier auch um eine Identität der Anliegen: wissenschaftstheoretisches Grundprogramm.

    Nein, Spitzer ist kein Pseudowissenschafter wie Erich von Däniken: Spitzer gehört zur anerkannten Normalwissenschaft. Nur ist er, ähnlich wie Pfeiffer, nicht nur Wissenschafter sondern offensichtlich auch (siehe oben) Politiker: er ist zwar kein Däniken, aber er ist nicht unbedingt besser als Däniken wenn er über Sachen spricht von denen er keine Ahnung hat. Wie Däniken rassistisch über die Altertumsforschung: da geht es schließlich auch um Dummheit. Däniken glaubt nicht, dass die Menschen des Altertums zu gewissen Leistungen (allein) imstande gewesen wären, sondern Hilfe von Außerirdischen hatten.
    Darüber hinaus spricht Spitzer über Sachen von dene er eigentlich gar keine Ahnung haben kann – weil a seine Disziplin darüber letztlich nichts aussagen kann, sowie b sie ihm persönlich eindeutig nicht interessieren. Weil er sie nicht lebt und auch nicht leben möchte. Und als solcher Politiker gibt er in erster Linie negative Gefühle wieder, ob gegen Twitter, Western, „Killerspiele“ oder Sendungen der BBC. Nicht nur eigene Gefühle, sondern er bedient als dieser Politiker auch die negativen Gefühle anderer Menschen in einem mehr oder weniger großen Publikum. Er spielt auf der Klaviatur von deren Ängsten.
    Im Übrigen kann ich als Wissenschaftskritiker jedoch nur davor warnen so zu tun als ob das was Spitzer sagen würde keine Wissenschaft wäre – das kann (andere) Wissenschaft auch eklatant verharmlosen.

  10. @Vic: naja, die Problematik was wissenschaftliche Schlussfolgerung ist etc. ist ja noch offen, da fehlen von dir oder den anderen Gamer, die sich hier als Kritiker hervortun noch Antworten (seit Jahren). Aber vielleicht ist auch einfach das Problem dass du hier zwar ab und zu Quellen angibst (was auch selten genug und nur auf Nachfrage normalerweise kommt) und selbst wenn, ich z.B. habe einfach inzwischen da keinen Zugriff mehr (jedes mal Freunde fragen will ich auch nicht, wäre etwas übertrieben irgendwann). Rey kann das zwar vielleicht noch kriegen, aber hier sind doch einige die sicherlich nur mit größter Mühe einen Zugang finden. Natürlich kann man von dir nicht verlangen dass du jedesmal die Stellen zitierst (das ist’n Service von dir, und den schätzen wir auch), aber wenn du es nicht tust musst du einfach damit rechnen dass das nicht jeder nachprüfen kann und deshalb (und hier bewundere ich Rey wirklich, er hat eine bemerkenswert objektive Herangehensweise) deine Meinung nicht einfach übernehmen mag. Und ich hoffe du hast außer Kunczig/Zipfel noch irgendjemand, ein Wissenschaftler gegen Spitzer ist auch nicht viel besser als Spitzer ;-)
    Belege wären z.B. schon einige Äußerungen die sich mal kritisch mit Spitzer beschäftigen, wenn er wissenschaftliche Werke hat dann sollten die wenigstens mal kritisch erwähnt werden in irgendwelchen Publikationen. Solche Sätze würden Rey vermultich helfen.

  11. „naja, die Problematik was wissenschaftliche Schlussfolgerung ist etc. ist ja noch offen, da fehlen von dir oder den anderen Gamer, die sich hier als Kritiker hervortun noch Antworten (seit Jahren).“
    Wie meinen? Wenn du eine konkrete Frage formulierst, wird dir i.d.R. auch konkret geantwortet. Ungeachtet dessen sind Dekonstruktionen fehlsamer Schlussfolgerungen, die Demonstration einer Unwissenschaftlichkeit u.ä. auch legitim, ohne gleichsam einen alle Eventualitäten wissenschaftlichen Arbeitens diskutierenden Artikel zu fabrizieren, insb. wenn ein Minimum wissenschaftlicher Schlussfolgerung, wie z.B. fehlende Quellenbelege und strapazierbares Datenmaterial etc. evident sind.

    „Aber vielleicht ist auch einfach das Problem dass du hier zwar ab und zu Quellen angibst (was auch selten genug und nur auf Nachfrage normalerweise kommt) und selbst wenn, ich z.B. habe einfach inzwischen da keinen Zugriff mehr (jedes mal Freunde fragen will ich auch nicht, wäre etwas übertrieben irgendwann). Rey kann das zwar vielleicht noch kriegen, aber hier sind doch einige die sicherlich nur mit größter Mühe einen Zugang finden. Natürlich kann man von dir nicht verlangen dass du jedesmal die Stellen zitierst (das ist’n Service von dir, und den schätzen wir auch), aber wenn du es nicht tust musst du einfach damit rechnen dass das nicht jeder nachprüfen kann und deshalb (und hier bewundere ich Rey wirklich, er hat eine bemerkenswert objektive Herangehensweise) deine Meinung nicht einfach übernehmen mag. “
    Ich habe mich ja auch nicht moniert, dass Rey Alp meine „Meinung nicht einfach übernehmen mag“ o.ä.. Ich glaube auch nicht, dass meine Beiträge Probleme evoziert hätten, sondern tendenziell das Gegenteil.

    „Und ich hoffe du hast außer Kunczig/Zipfel noch irgendjemand, ein Wissenschaftler gegen Spitzer ist auch nicht viel besser als Spitzer
    Belege wären z.B. schon einige Äußerungen die sich mal kritisch mit Spitzer beschäftigen, wenn er wissenschaftliche Werke hat dann sollten die wenigstens mal kritisch erwähnt werden in irgendwelchen Publikationen. Solche Sätze würden Rey vermultich helfen.“
    Das ist ja exakt das Problem, dass ich im Rahmen meines Ausgangsbeitrags artikuliert habe: Wenn ungeachtet der z.B. Rezensionen u.ä. niemand seine Pamphlete („Vorsicht Bildschirm!“; „Digitale Demenz“) im Rahmen diverser Fachartikel u.ä. direkt dekonstruiert (seine Fachartikel sind ja nicht das Thema), kann man auch auf niemanden diesbzgl. rekurrieren (Dekonstruktionen anderorts sind keine Mangelware, s. google.de… ;-)); was in Psychologievorlesungen und -seminaren in der BRD in ihrer Gesamtheit gerühmt oder diskreditiert wird kann ich natürlich genau so wenig beurteilen (ungeachtet eines nicht repräsentativen Hörensagens), wie auch was denn der Literaturkorpus in seiner Gesamtheit präsentiert. ;-) Persönlich habe ich mich (thematisch keine Überraschung) primär mit „Vorsicht Bildschirm!“ befasst und kann verstehen, dass das ich in der deutschsprachigen Fachliteratur quasi nicht eine Erwähnung von Spitzer gefunden habe… die Dekonstruktion solcher Publikationen ist aber auch gar nicht das Thema dieser Artikel. KUNCZIK/ZIPFEL 2006 waren übrigens auch kein Bsp. für eine Dekonstruktion von Spitzer (in diesem Fall seines Werkes „Vorsicht Bildschirm!“), sondern ein Beispiel für die Nichtbefassung mit, resp die Nichtrezeption von Spitzer. Das sich das dort auf einen Einzeiler begrenzt hat, dürfte angesichts des Inhalts von „Vorsicht Bildschirm!“ eigentlich auch niemanden wundern. Wie er außerhalb seiner Pamphlete mit seinen tatsächlichen Fachartikeln dasteht, kann übrigens auch ich nicht beurteilen, ist aber auch nicht das Thema.

    Sooo… und nun gucke ich das TV-Highlight des Tages auf RTL.

  12. In der Steuer-News war zumindest einer der Kommentare auf die gegen Spitzer hingewiesen wurde auch keineswegs unproblematisch: bei der „Positivprädikatisierung“ http://bupp.at/uploads/media/Positivpraedikatisierung_als_Strategie.pdf wie sie hier in Österreich gepflegt wird, Rosenstingl leitet die afaik noch immer, geht es nicht darum für gewöhnlich inkriminierte Videospiele auszuzeichnen, sondern im Gegenteil „Gutes“ – während das „Schlechte“ nicht hinterfragt wird. Es geht auch nicht darum Akzeptanz für dieses „Schlechte“ zu schaffen. Das „Schlechte“ bleibt schlecht, es soll nur nicht „verboten“ oder besteuert werden, sondern halt eher ignoriert, eben von der „Positivprädikatisierung“, wobei diese Zugänge auch alle jugendpädagogisch sind. An keiner Stelle hinterfragen sie ebenfalls das Medium als Kindermedium.
    Das einzige was gesagt wird ist, dass „der Nachweis für konkrete und allgemeine Schädigungen nicht schlüssig geführt werden könnte“ (165): sorry, aber das ist eine Nulläußerung. Da steht wirklich nur Aussage gegen Aussage. Darauf würde ich mich nie im Leben stützen wollen.

    Ich möchte mal vehement behaupten, dass es in der deutschsprachigen Medienwissenschaft kaum Leute gibt die Spitzers Ansichten kulturell nicht teilen würden: ansonsten würde die „Debatte“ auch ganz anders ausschauen. Dann gäbe es nämlich wirklich eine Debatte.
    Die Unterschiede liegen eher bei einzelnen Begriffen, wie „Medienkompetenz“ etc.

  13. @ Pyri:
    Man kann natürlich diskutieren, ob es Sinn und Zweck einer Bundesstelle für Positivprädikatisierungen oder einer USK ist, auch für kulturelle Akzeptanz von Computerspielen zu werben oder nicht, bzw. ob es (ungeachtet eines rechtlichen Rahmens) hinreichend „legitim“ (i.w.S.) ist, nur Personensorgeberechtigten Orientierungspunkte einer Wahl der Lektüre der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu bieten (m.E. ist es das), ungeachtet dessen, dass die Orientierungspunkte, wie ihre Ausgangspunkte i.d.R. so opak, wie dubios und regelmäßig extrem kritikwürdig sind (die Prämissen der USK, selbst wenn die Alterskennzeichen nur Empfehlungen wären, habe ich ja selbst mehrmals i.d.S. kritisiert). Wünschenswert wäre es natürlich m.M.n. und leider formulieren z.B. die aktuellen USK-Grs eine diesbzgl. werbende Aufgabe nicht mehr so konkret, wie zu Teiten der a.F. der USK-Grs, wie der USK-Pro. Gleichermaßen halte ich auch eine pädagogische Prädikatisierung prinzipiell für absolut legitim, auch sollte man Spiele (nicht nur im skizzierten Rahmen) nicht per se oder primär etc. als jugendkulturelles Phänomen kommunizieren, keine Frage. Aber ich habe Probleme, einen Themenbezug zur „Programmwarnung“, resp. der Kritik an Manfred Spitzer zu realisieren…
    Ungeachtet dessen war mein Verweis auf Herbert Rosenstigl auch keine Replik speziell auf Manfred Spitzer, sondern auf das Konzept der Besteuerung von Gewaltdarstellungen per se; m.M.n. ist das Argument von Rosenstigl nämlich recht adäquat: Der Nachweis einer konkreten, schädigenden Wirkung kann ja nicht nur nicht schlüssig geführt werden, sondern hat im Lichte des Wirkungsforschungsstandes keinen Bestand, ist nicht plausibel; das ist m.M.n. ein hinreichendes Argument gegen die Besteuerung. Wir wollen ja auch letztlich keine Beweislastumkehr (auch wenn hierzulande regelmäßig laviert wird, eine Nichtwirkung lasse sich nicht belegen und i.S.e. Restrisikos müsse man Maßnahmen ergreifen…).

    „Ich möchte mal vehement behaupten, dass es in der deutschsprachigen Medienwissenschaft kaum Leute gibt die Spitzers Ansichten kulturell nicht teilen würden: ansonsten würde die “Debatte” auch ganz anders ausschauen. Dann gäbe es nämlich wirklich eine Debatte.
    Die Unterschiede liegen eher bei einzelnen Begriffen, wie “Medienkompetenz” etc.“
    Würde ich nicht behaupten, ist prinzipiell auch ein Ressentiment. Mutatis mutandis müsste man ja behaupten, dass die englischsprachigen Evolutionswissenschaftler die Ansichten der Kreationisten teilen würden. ;-)

  14. @Rey Alp
    „Man sollte es sich imho nicht zu einfach machen. Wissenschaftliche Schlussfolgerungen sind rechtlich auch nichts anderes als Meinungen. Und auch tatsächlich stellt sich ja die Frage, wie Studien anhand der akzeptierten Maßstäbe interpretiert werden können.“
    .
    Zum Glück ist wissenschaft mehr als die rechtliche Stellung von Aussagen, sondern kann sich im Idealfall auf fundierte Begründung und sinnvolle Methodik stützen. ;) Gerade was die angesprochene Interpretation von Studien angeht, habe ich den Eindruck (also auch irgendwie Meinung), dass Spitzer nicht entsprechend breit / offen rangeht, wie es die von ihm behandelten Themen eigentlich notwendig wäre. Stattdessen scheint er ein bereits bestimmtes Ergebnis im Kopf zu erwarten, dass er mit seinen Studien nur noch bestätigen möchte. Auch der von Pyri geschilderte Disziplinenstreit ist da sicherlich ein Faktor, der bei der Interpretation eine Rolle spielt.

  15. Jauch war immer schon für eine populistische Machweise bekannt er ist bei der ARD für seine Sendung bereits getadelt worden und Stern TV ist wohl kaum besser gewesen. Die Zusammensetzung sehe ich als vier „Antigamer“ (Manfred Spitzer, Ranga Yogeshwar, Petra Gerster, und Christoph Hirte) und einen Kratzbaum (Klaus Peter Jantke). Jauch stellt wiedereinmal unter Beweis das er nur niveaulose einseitige Diskussionen machen kann. Eine Diskussion ohne Gamer, ohne Entwickler oder Publisher, von und mit Leuten von Vorgestern. Ich kann verstehen das sich keine richtigen Wissenschaftler auf so eine Show einlassen, die würden Spitzer allein durch eine Debatte adeln.

  16. @Vicarocha
    Die österreichische Positivprädikatisierung ist eher ein Gegenmodell zur Bundesprüfstelle als zum Aufgabenbereich der USK. Hierfür gibt es ja auch die PEGI-Kennzeichen. Wenn dann ist das eine Jugendschutz-Fleißaufgabe –
    In der Realität wird die Positivprädikatisierung zwar schon Werbung für das Medium machen wollen und Auszeichnungen vergeben ählich der Brett-„Spiele des Jahres“ oder von Pädagogikpreisen wie sie auch aus Deutschland bekannt sind (Pädi http://www.kindernewsletter.de/dezember10/thema_2.html ), aber da eben nur für ganz bestimmte Spiele. Der unliebsame Rest bleibt nicht nur bestehen, sondern soll über diese Vorgangsweise doch ganz klar ausgegrenzt bleiben.
    Das ist doch nicht zu leugnen: Einladungen oder Ausstellungen für potentiell Marginalisierte(s) gibt es nur in kommerziellen Rahmen wie der Gamescom, und werden dann dort wiederum „kritisiert“. Bei „Unabhängigem“ werden möglicherweise auch unangenehme Inhalte zwar manchmal wohl nobel übersehen oder ausnahmsweise vielleicht noch goutiert, Titel wie „Call of Duty“ oder „Manhunt“ betrifft das aber nicht.
    Höchstens für den Standort Frankfurt wird sich nicht gegen Crytek gestellt und alibihalber deren Werk noch prämiert. Die Großtat verteidigen wollte man dann aber irgendwie auch nicht: dann war man lieber wieder still und ruhig als es in der Presse „Kritik“ regnete.

    „Mutatis mutandis müsste man ja behaupten, dass die englischsprachigen Evolutionswissenschaftler die Ansichten der Kreationisten teilen würden.“
    Wo soll es da überhaupt eine „Evolutionswissenschaft“ geben, oder wo setzte sich denn eine Medienwissenschaft in Deutschland mal konkret für inkriminierte Videospiele im Land ein, etwa gegen Indizierungen oder Beschlagnahmen? Da scheint sich an Sachen festgeklammert zu werden die überhaupt nicht da sind. Ich wüsste kein einziges Beispiel dafür. Bloß wenn die Medienpädagogik als solches mal in Frage gestellt wurde, die Legitimität von Instituten wie dem Industrie-geförderten „Spielraum“ angegriffen, oder die Berechtigung anderer Expertisen angezweifelt wurde gab es mal Gegenstimmen. Und warum? Doch weil dann finanzielle Einbußen oder ein Image-Verlust befürchtet werden.
    Da tat ironischerweise die Bundesprüfstelle selbst noch mehr, als sie auf Antrag wenigstens ein paar – teilweise schon musealisierte – Klassiker vom Index wieder runter nahm, oder dass sie in Kooperation mit der Industrie (als USK) die Kriterien jetzt vielleicht doch etwas liberaler gestaltet hat – mit Petra Meier.
    Das einzige was von dieser Wissenschaftsseite getan wird ist sich mit entsprechenden Werturteilen verhältnimäßig zurückzuhalten weil sonst „indifferente Positionen“ enstehen würden (O-Ton Müller-Lietzkow). Ich bleib dabei: die Einstellung zu Kriegs- und zumindest expliziteren Gewaltspielen ist vielfach keine andere. Dass sich zu den sehr politischen Texten eines Spitzers, die als Pamphlete teilweise schon Traktatcharakter mit bestimmten Iterationen aufweisen, häufig nicht geäußert wird kann für mich auch noch lange kein Hinweis auf eine andere Meinung sein wenn es um bestimmte unliebsame Inhalte geht. Dafür kenne ich keinen einzigen Hinweis und da komme ich in meiner Dissertation jedenfalls zu gänzlich anderen Ergebnissen – mit regelrechten Schutzwällen und Bannzentren. Über Presse und öffentlich artikulierter Wissenschaft, den Kulturrat etc. Der Zimmermann wollte bestimmte Games offenbar schonmal nur unter der Prämisse „Schund“ überhaupt diskutiert wissen – da fängt ein problematischer (Nicht-)Diskurs unter Umständen bereits an, wenn die Schande bereits feststünde.

    Das Medium als solches ja, Freizeitverhalten ja. Keine Frage – doch darüber schrieb ich kein Wort. Die schreiben für gewöhnlich doch auch über ganz was anderes.
    Wenn sich in öffentlich weniger artikulierten Schriften so leidenschaftlich für inkriminierte Videospiele ins Zeug gelegt wird, für die „Condemned“, „Scarface“ und „Dead Rising“ dieser Welt aus Deutschland geradezu in die Schale geworfen – mit Verlaub -, ich glaube dann wüsste ich auch davon :-)
    Und im Gegenteil denke ich wird sich so viel zu unkritisch mit der (dem Medium auch aufgeschlossener gegenüber stehenden) Medienwissenschaft beschäftigt. Schließlich könnte ich da auch Ressentiments gegen Spitzer vorwerfen – denn die Ressentiments werden, mit Ausnahme vielleicht von Mars, wohl von allen hier geteilt werden. Nicht einmal Rey Alp würde ich als Moderator davon ausnehmen.
    Wie hier überhaupt niemand glauben braucht, dass er oder sie frei von negativen Gefühlen wäre. Die hat jeder Mensch –

  17. So viel so viel… soviel mist. Dass sollte alles mitgeschrieben werden.
    So viel tut aber nur im Kopf weh!

    Aber ich mag den Typ am Rand und den Ranga die geben Spitzer kontra.
    Der Auftritt vom Kind vom Spitzer war hat: Ich hatte eine XBox -> wurde weggenommen. Ich hatte … -> wurde weggenommen. Wieso hat er nicht gleich nein gesagt bevor Spitzer es wieder wegnehmen musste?

    Mir gefällt der Whiteboard-Rektor auch sehr ^^

    Happy Coding

  18. Habs grade gesehen…war eigentlich weniger schlimm, als ich erwartet hatte. Das ganze wird zwar an bestehenden Meinungen nichts ändern, aber Spitzer hat ausreichend kontra bekommen und beispielsweise Jantkes Beispiel mit den nicht existierenden Spielen aus Spitzers Buch haben vllt. manchen gezeigt, mit wem man es hier zu tun hat. Die Bezeichnung „Digitaler Sarrazin“ hat mir gefallen :D

  19. Ich finde „Erich von Däniken“ unserer Zeit ganz passend. Aber der war wenigstens noch gut unterhaltsam und lieferte ne Vorlage zur Verfilmung :-)

  20. Ich frage mich noch immer was Petra Gerster da zu suchen hatte. Alleine schon die ständige Rede davon das ihr Sohn eine Zeit lang immer „Ballerspiele gemacht“ hat. War der etwa Programmierer? Wohl kaum! Zu sagen er würde Shooter spielen wäre ihr wohl zu euphemistisch. Und dann noch das man bei Super Mario „Killerpilze“ umbringen muss. Hauptsache alles in Bezug auf Videospiele klingt schlecht.

  21. @Vicarocha
    Ja, dass die Positivprädikatisierung ein Gegenmodell einer Indizierung ist, ist keine Frage, m.M.n. ist die Prädikatisierung aber auch bzgl. Altersfreigaben ein Gegenmodell, ein Modell des nicht Exponierens, resp. des Gegenexponierens (und ich würde Auszeichnungen oder Pädagogikpreise i.d.S. interpretieren); dass das natürlich auch die von dir (und mir, um Missverständnissen vorzubeugen) Politik des Totschweigens (bestenfalls) ist, will ich gar nicht dementieren, aber ich würde die erwünschte Thematisierung und Diskussion auch nicht unbedingt im Aufgabenbereich einer Institution zur pädagogischen Pradikatisierung von Computerspielen lokalisieren… und i.d.S. muss ich mich dir ja auch anschließen, weil die Pradikatisierungen der BuPP gem. Selbstdarstellung ja (gem. Selbstdarstellung, wie ich vor ein paar Minuten nachgelesen habe) eine „umfassend[e]“ sein will und keine rein pädagogische. Mir ging es aber ausgänglich gar nicht um die BuPP, wie sie realiter ist und agiert, sondern um das theoretische Konzept der Positivprädikatisierung als Maßnahme eines (prinzipiell auch dann noch bewahpädagogischen) Jugendmedienschutzes (mit der BuPP selbst habe ich mich nur peripher beschäftigt). Ich bitte um Nachsicht, zumal ja bekannt sein sollte, dass auch mir viel an der kultutrellen Akzeptanz des Mediums liegt und ich einer der ersten bin, der z.B. ein „Manhunt“ o.ä. verteidigt. ;-)

    Ich schrieb „Evolutionswissenschaftler“, weil ich nicht sämtliche an der Konstituierung einer Evolutionstheorie beteiligten Professionen einzeln und in extremis aufzählen wollte. ;-) Ungeachtet dessen teile ich ja deine Kritik an einer „Medienwissenschaft“, bzw. an ihrem Schweigen (und wenn sie sich doch diesbzgl. artikuliert, dann regelmäßig nicht ohne einem tu quoque zu erliegen, nicht ohne eigene Ressentiments etc.), ich habe mich nur gegen die Pauschalisierung und die Interpretation eines Schweigens als Zustimmung gewandt; ich kann mit der Formulierung „vielfach“ u.ä. aber letztlich auch wesentlich besser leben, als mit „kaum Leute“, eben weil ich nicht wüsste, wie man ein Mengenverhältnis dort belegt wissen will… aber ich bin auch ein Pedant, wenn es um Semantik geht. ;-)

    „Über Presse und öffentlich artikulierter Wissenschaft, den Kulturrat etc. Der Zimmermann wollte bestimmte Games offenbar schonmal nur unter der Prämisse “Schund” überhaupt diskutiert wissen – da fängt ein problematischer (Nicht-)Diskurs unter Umständen bereits an, wenn die Schande bereits feststünde.“
    Falls du seine Rede von „Es gibt ein Recht auf Schund “ meinst: Ich kann mich nicht in Gänze an den Artikel erinnern, aber an einen Einwurf (ich glaube gar hier), dass das u.U. auch als ein taktisches Manöver (auch gegen die eigenen Reihen des Kulturrats) interpretiert werden konnte; sich erst auf ein niedrigeres Niveau hinab begeben, einen vermeintlichen Angriffspunkt weniger bieten… dgl.; ohne mein Gedächtnis bzgl. des Inhalts des Artikels aufzufrischen, kann ich dazu aber nichts sagen.

    „Das Medium als solches ja, Freizeitverhalten ja. Keine Frage – doch darüber schrieb ich kein Wort.“
    Ich auch nicht. ;-)

  22. Die Sendung war noch schlimmer als befürchtet, über Computerspiele immer noch keinen Deut besser berichtet als 2002. Ein Sammelsurium an Unwahrheiten und Lügen. Es gibt angeblich ein Handbuch in dem steht wie man Computerspiele programmiert, die süchtig machen. Und ein Computerspieler soll seinen Freund umgebracht haben, weil er immer bei einem Spiel gegen ihn verloren haben soll. Die Realität ist etwas komplexer:

    „Als im Juli 2006 ein 19-jähriger einen Obdachlosen ermordete, gab er später als Grund für seine Tat an, durch das Wrestling-Videospiel SmackDown vs. Raw 2006 beeinflusst worden zu sein. Der arbeitslose Jugendliche aus zerrütteten Familienverhältnissen und mit nationalsozialistischer Gesinnung war Alkoholiker und hatte während des Spielens genug Alkohol konsumiert, um vor dem Mord bereits durch Vandalismus in eine Polizeikontrolle zu geraten, wo 1,73 Promille bei ihm festgestellt wurden. Bei der Verhandlung erklärte der Jugendliche, dass er unter Alkoholeinfluss die Kontrolle verlieren und aggressiv werden würde. Ungeachtet dessen behauptete Manfred Spitzer, der für das Verfahren als medizinischer Gutachter hinzugezogen wurde, dass das Spiel ein wesentlicher und auch strafmildernder Faktor wäre.“

    http://?scorpiodorp.wordpress.com/2010/?02/05/?verschworungstheoretiker-der-me?diengewaltforschung-i-manfred-?spitzer/

  23. @Vicarocha
    Ich hätte mir hier auch schon ein paar Mal fast selbst geschrieben :-)
    Vielleicht muss ich meinen Kenntnisstand (von 2010/11) da auffrischen, aber von früher her kenn ich bei der BuPP zum Beispiel keinen empfohlenen Titel mit einer höheren Einstufung als PEGI-12. Ich kann mir vorstellen, dass sie sie (ohne explizite Pädagogik) an den Filmbereich in Österreich angelehnt haben, aber auch da gibt es so manches zu erwähnen. Eine Empfehlung für einen Genre-Film wie den letzten „Conan“ aus Wiesbaden wäre in Österreich nämlich wohl undenkbar. Siehe diese Ablehnung einer Empfehlung für Cronenberg’s „Eastern Promises“ http://www.bmukk.gv.at/schulen/service/jmk/detail.xml?key=14115 „Die angesprochenen Inhalte und auch das Filmende, das unterschiedliche Interpretationen zulässt, ließen die Kommission letztlich gegen eine Positivkennzeichnung entscheiden und für diesen Film die höchstmögliche Altersfreigabe empfehlen: ab 16 Jahren.“ Sobald etwas ambivalenter ist, scheint es aus zu sein mit der österreichischen Positivprädikatisierung. Schon im Filmbereich. Und bei den Games wird deshalb auch ein „Heavy Rain“ dort keine Chancen haben (das hab ich gerade eben noch gecheckt) – also da habe ich sicher noch mehr Vertrauen in die deutsche Filmbewertungsstelle. Für Spiele gibt es da ja nichts.
    Also ich halte von der BuPP denkbarst wenig: die Begründung für das „Tales of Symphonia“-Sequel auf der Wii könnte in meinen Augen fadenscheiniger nicht sein. Das liest sich wie bei der BPjM, nur umgekehrt: „Es wird eine Positivprädikatisierung für das Fantasyrollenspiel Tales of Symphonia: Dawn of the New World ausgesprochen, da der/die Spielende von Anfang an von einer spannenden Story mitgerissen wird in der Gewalt in einer blutfreien Version vorkommt.“ Das kann man doch praktisch von jedem blutleeren japanischen Rollenspiel sagen. Weshalb gerade das nach Jahren auf dem Markt für eine „Positivprädikatisierung“ jetzt ausgewählt wurde bleibt ebenso fraglich.

    Passend zu den „Killerpilzen“ in der Sendung von Herrn Jauch: das bei Zimmermann war mit Grosse-Brockhoff glaub ich. Ich hörte ihn so immer nur über „Schund“ reden, ansonsten ging es eher um das Medium selbst und eben weniger inkriminierte Spiele wie „Super Mario Galaxy“: mit den Worten „das ist Kunst“ hab ich ihn im Ohr. Ob das alles bloß rhetorische Kniffe sein sollten kann ich nicht beurteilen, aber dass so ein kulturpolitischer Exponent zumindest im öffentlichen Gespräch auch keinen offenen Kunstbegriff vortragen wollte schien mir zumindest evident zu sein. Wieso kann er nicht sagen: „jetzt hören Sie mir mal zu, Herr Grosse-Brockhoff. Ihnen und mir mag da vieles nicht gefallen was wir da sehen, wir können das auch abscheulich finden, aber andere Leute dafür nicht. Denen gefällt das sogar. Und die werden auch gute Gründe dafür haben.“
    Du weißt ja, dass im Recht ein offener Kunstbegriff durchaus auch in Deutschland gilt. Wieso kann den eine Politik, ein Journalismus oder eine Medienwissenschaft nicht auch öffentlichkeitswirksam transportieren – wieso müssen die immer ihre eigenen Süppchen kochen, „wertrational“ sein wie mir jüngst jemand geschrieben hat – das wäre meine eigentliche Frage gewesen.
    Noch nie diskutiert wurde meiner Ansicht nach, ob so nicht auch gegen geltendes Recht verstoßen wird – wenn in diesen offenen Begriff eingegriffen wird. Von „Schund“ so zu sprechen halte ich ebenfalls für eine Indiskretion: wenn in der Zeitschrift M-Games bei den Konsolenbesprechungen immer ein „Schund“-Kasten dabei ist, dann ist das witzig, weil die meinen das nicht moralisch sondern wollen etwa sagen dass das „3 Engel für Charlie“-Videospiel qualitativ einfach minderwertig (produziert) ist. Das rafft auch jemand wie ich der die „3 Engel für Charlie“-Kinofilme sehr gern hat. Das nenne ich eine intersubjektiv nachvollziehbare Inhaltsanalyse und keine Beleidigung.
    Ich hatte mit dem Zimmermann auch noch mehr Schwierigkeiten, etwa dass er mal behauptet hat dass „Spielen“ bestimmter Spiele in Deutschland verboten wäre – was natürlich (auch) Unsinn ist, usw.

  24. @Vic/Mars
    Was mir zu Spitzer fehlt ist so etwas, wie wir es bei Grossman haben. Wo man mal kurz auf die Rezension von Prof. Dr. Thomas Hausmanninger, die Ausführungen von Gieselmann und den Blogeintrag von Prof. Dr. Michael Wagner verweisen kann. Sehr reichhaltig ist das auch nicht, aber afaik mehr, als wir zu Spitzer haben. Wobei da eben das Problem sein dürfte, dass es keine wissenschaftliche Rezension zu seinem „populären“ Buch geben wird.

  25. Weiß einer welche Spiele der Herr neben Ranga Yogeshwar gemeint hat, welche im Büch von Spitzer seien und angeblich gar nicht existieren ? Ich wäre sehr froh wenn das einer wüsste.

  26. Ich würde es sehr begrüßen wenn bei der nächsten Sendung der Hinweis „Dauerwerbesendung“ eingeblendet würde. Nachdem letzte Woche das Buch der Kanzlerkritikerin Gertrud Höhler beworben wurde, war es dies mal das neue Buch von Manfred Spitzer.

    Keiner der eingeladenen Gäste war unter 50 und es wurde über die Jugend gesprochen statt mit ihr. Selbst bei harmlosen und bekannten Spielen wie Super Mario wurde von Killerpilzen gesprochen. Computerspiele wurden mit Zigaretten und anderen Drogen gleichgesetzt und die Tat eines stark alkoholisierten Neo-Nazis wurde den Spielen in die Schuhe geschoben.

    Nur noch lächerlich war der Vorschlag erst nach Erwerb des Abiturs Suchmaschinen wie Google zu benutzen.

  27. Ich hab gestern ein wenig reingezappt. Ich habe es nicht lange ausgehalten. Spitzer Sohn meinte, ihm wurde zuerst der Fernseher weg genommen dann Jahre später die XBOX, woran war die XBOX angeschlossen? Eindeutig einstudierter Unfug. Spitzer warf immer das Klischee „Dumm&Dick“ in die Runde, das Spitzer Leute mit etwas mehr Speck auf den Hüften mit intelektuellen Nieten gleichsetzen möchte mag zwar in Spitzers verdrehter Welt richtig sein, allerdings gab von keiner Seite ein Argument dagegen, ich meine da sitzt dieser Yogeschwar der sollte rassistische Anfeindungen doch zu Genüge kennen, als privates oder gesellschaftliches Problem! Aber bei Spitzers Ausführungen dazu die nicht minder primitiv sind, da ist er einfach still und stumm. Frei nach dem Motto Immigranten ärgern weil sie eine andere Hautfarbe haben tolerieren wir nicht, aber besser beleibte Jugendliche und Erwachsene diskriminieren ist völlig in Ordnung.

  28. In den siebziger Jahren gab es ja nicht viel, Fernsehen ging glaube ich erst nachmittags los, und Donald Duck Hefte waren recht teuer. In dieser Zeit war ganz viel Leerlauf fürs Gehirn. dieses Gefühl unendlicher Langeweile, gegen die kein Mittel zu finden war, stellte vielleicht ein gutes Training für eine spätere Beamtenlaufbahn dar, war ansonsten aber nun wirklich für gar nichts gut. Heute sind die Angebote vielfältiger. Wenn ein Zehnjähriger nach der Schule seine Hausaufgaben gemacht hat, dann eine Stunde Comics liest, danach eine Stunde rumballert, um wiederum danach ein oder zwei Stunden Rad zu fahren, glaube ich, dass sein Gehirn durch die Stunde Rumgeballere nicht allzu sehr geknechtet wird. Und für die meisten Gespräche, die Frauen in Cafés führen, reichen sowieso Restkapazitäten an Denken völlig aus. Von Gesprächen über Fußball unter weltläufigen Managern will ich hier gar nicht erst anfangen.

  29. Was für Medien müssen nach Prof. Spitzer eigenlich die gesammelten Deppen der Weltgeschichte gezockt haben, um sich so etwas vollkommen verblödetes wie den Holocaust oder zwei Weltkriege nicht nur einfallen zu lassen, sondern auch noch ganz „real“ in Szene zu setzen?!
    Weder Computer noch Smartboards und nicht einmal Fernseher können das gewesen sein. Zumindest wirklich wesentlich intelligenter scheinen mir diese „undigitalen“ Zeitalter auch nicht gewesen zu sein.

    Lesen galt übrigens auch ein mal als verpönt:
    http://www.lesen-in-deutschland.de/html/content.php?object=journal&lid=987

  30. Also ich fand die Sendung eigentlich ganz gut. Spitzer hat (wie erwartetet) sehr viel geistigen Dünnschiss verbreitet, aber auch entsprechend viel Gegenwind bekommen, gerade von Ranga Yogeshwar und Klaus Peter Jantke. Besonders amüsant fand ich es, als er dem Rektor der „Smartboard“-Schule einreden wollte, dass diese dumm machen würden…
    Einzig der Sache mit den falsch geschriebenen Spieletiteln in Spitzers Buch hätten Yogeshwar und Jantke mehr nachgehen müssen, schließlich war es abzusehen, dass Spitzer sich sonst völlig ohne Themenbezug herausreden würde. Ich hätte es zu gerne erlebt, wenn er aus seinem eigenen Buch vorlesen und die Fehler hätte eingestehen müssen.

  31. Ich habe mir die Sendung auch gestern angetan, einzig um Manfred Spitzer mal in „quasi natura“ zu erleben. Die meiste Info von ihn hatte ich bisher eher über das Internet :-).
    +
    Was soll ich sagen, er hat die geringe Meinung, die ich von ihm hatte, doch glatt noch unterboten. Trotzdem hat es mich gefreut, wie ihm von Klaus Peter Jantke, Ranga Yogeshwar und dem Schuldirektor kontra gegeben wurde. Mein Höhepunkt, als ihm Klaus Peter Jantke auf den Kopf zugesagt hat, dass er von Computerspielen keine Ahnung hat und sie nie im Leben gespielt hat. Manfred Spitzer hat sich echauffiert und meinte, dass er doch diese Spiele doch bereits „gesehen“ hat.
    Herrlich.
    Das hat mich doch glatt an die Diskussion mit Christian Pfeiffers Schwester hier auf dem Forum vor einigen Jahren erinnnert. Sie hat ja auch immer behauptet, dass sie über Computerspiele Bescheid weiss, obwohl sie sie nicht selbst ausprobiert hat.
    +
    Petra Gerster war ein Ausfall. Man konnte ihren Widerwillen gegen das Medium Internet/Computerspiele für Kinder eindeutig erkennen. Einzig kann ich mich ihrer Meinung anschließen, dass Eltern Kontrolle über das Netz/Computergebrauch ihrer Sprösslinge haben sollten. Das gilt aber auch für das Fernsehen.
    +
    Wer Interesse hat, unter Spiegel-Online war auch ein sehr treffender Artikel, dem ich größtenteils bepflichten kann: http://www.spiegel.de/kultur/tv/talkshow-von-guenther-jauch-debatte-ueber-das-internet-a-853505.html

  32. Bin mit der Diskussion sehr zufrieden. Spitzer hat zwar alles überspizt und nur dünnpfiff von sich gegeben, aber er hat ja unglaublich viel gegenwind bekommen!! Hat mir sehr gefallen :-D

  33. Habe die Sendung leider nicht gesehen, aber Spitzer’s Buch schlägt auch so große Wellen:

    Ein paar echt gute Links dazu gibt es hier: http://www.darktiger.org/home/content/lesestoff-vorbereitung-spitzer-digitale-demenz-heute-abend-bei-guenther-jauch

    Das Problem mit der Spitzerischen Argumentation ist auch recht einfach zu erklären: Entgegen seiner Behauptungen haben wir auch heute kaum einen Dunst wie unser Gehirn wirklich funktioniert. Bildgebende Verfahren die neuronale Aktivitäten anzeigen sind zwar ein Schritt zu mehr Aufklärung, so lange wir aber nicht wissen wie diese Aktivitäten zu interpretieren sind bzw. wie das Gehirn wirklich funktioniert, kann man genauso gut aus dem Kaffeesatz lesen und kommt zu ähnlich aussagekräftigen Ergebnissen.

    Von daher verkörpert Spitzer für viele eine Art „neuen aufgeklärten Mediziner“ der ihnen endlich erklärt was in ihren Köpfen vorgeht. Das die Forschungen in diesen Bereichen aber alles andere als eindeutig oder offensichtlich sind unterschlägt er bzw. wird gerne ignoriert, damit man weiter im Glauben bleiben kann der Mensch wüsste endlich alles über sich selbst.

    Der Herr verkauft ja in erster Linie sich selbst und dadurch erst seine Ideen. Das kann man auch schön an der Aufmachung einiger seiner Bücher erkennen. Das „Manfred Spitzer“ muss gut erkennbar sein, meist selbe Größe wie der Titel selbst. Bei der digitalen Demenz schafft er es sogar seinen Namen so sehr in den Vordergrund zu rücken das der eigentliche Titel des Buchs wie ein Untertitel wirkt.

  34. Ich schau mir die Sendung auch gerade in der Mediathek an und bei dem was der Spitzer da sagt, fäll mir echt nichts mehr ein. Er vergleicht Internet und Computer mit dem ‚Missbrauch‘ von Röntgenstrahlen im 20. Jahrhundert, Zigaretten, Alkohol und der Atombombe…
    Dass unser Gesundheitsminister empfiehlt, eine PlayStation zu kaufen, halte ich spontan für eine einfach in den Raum gestellte Behauptung. Wenn dem so wäre, hätten wir da einen handfesten Skandal mit erstklassiger Lobbyarbeit für Sony und die Spieleindustrie.

    Ich hab mir auch mal das Buch angeschaut, was Jantke bei Minute 43 erwähnt. Von den Spielen die er da erwähnt, findet man zwar nichts, aber beim Stöbern ist mir schon aufgefallen, dass das Ganze eher wie eine Meta-Studie wirkt. Die Bezeichnung „Digitaler Sarrazin“ ist als durchaus gerechtfertigt. Außerdem wirkt er, wie alle, die sich mit dem Thema digitale Medien auseinandersetzen, sehr realitätsfern und leichtgläubig. Er zitiert da eine Untersuchung von 1998 (das Buch selbst ist von 2003), in der man herausgefunden haben will, dass von 33 Sega- und Nintendo-Spielen 80% Gewalt und 20% Gewalt gegen Frauen enthalten haben sollen. Kritischer Punkt ist hier natürlich die Klassifikation von Gewalt. Wenn darunter Entführung einer Prinzessin aus ihrem Königreich und das Töten von Schildkröten und laufenden Pilzen fällt, ist klar woher die Zahlen kommen. Auch ist nicht ganz klar, warum nur 33 Spiele untersucht wurden. Vor allem sind Nintendo und Sega ja nicht gerade für ihre brutalen Spiele bekannt, was den Schluss zulässt, dass da ein wenig bei der Auswahl der Spiele ergebnisorientiert nachgeholfen wurde.

    Spitzer ist einfach ein technophober, realitätsferner, geltungssüchtiger Pseudo-Wissenschaftler.

    Achtung! Dieser Beitrag könnte Polemik beinhalten.

    P.S.: Yogeshwar und Jantke haben mir übrigens sehr gut gefallen. Besonders Yogeshwar; ihn hätte ich irgendwie ganz anders eingeschätzt

  35. In Bezug auf die „Killerspiele“ habe ich von Yogeshwar aber auch schon ganz andere Töne gehört. Da kamen auch die üblichen Panik-Plattitüden die schon seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholt werden inklusive sämtlicher Falschbehauptungen die so gängig sind.

  36. Was hat euch am Spitzer so gestört? Ich musste im Bachelor einiges vom Herrn Spitzer lesen und anschauen (zum Thema frühkindliche Sprachentwicklung) und da machte er immer einen sehr vernünftigen Eindruck, deshalb bin ich etwas verwundert, wieso er jetzt so verzweifelt und ohne großartig zu differenzieren an seinen Thesen festhält. Ich glaube zwar schon, dass zuviel „Bildschrim“-Konsum für (kleine) Kinder schädlich sein KANN, aber da kommt es sicherlich auf das Maß an und darauf, welche anderen Reize noch geboten werden, also ob die Eltern das Kind anderweitig „auffangen“. Aber das haben ja immerhin, soweit ich das mitbekommen habe, andere DiskussionsteilnehmerInnen auch gesagt …

  37. @killzoneliberation
    Das ist in meinen Augen mit das Dümmste was gesagt werden kann: nicht nur dass es das Medium als Kindermedium zementiert, sondern auch dessen öffentlichen Eindruck als Transportmittel von Gewaltfantasien. Im Gegenteil gelte es eher darum die Industrie zu ermutigen auch Gewalt an Kindern in Videospielen zu thematisieren, anstatt Kinder noch „ballern“ lassen zu wollen – worauf so wohl nie gekommen werden würde: doch erst dann kann von einer Emanzipation zu anderen Ausdrucksformen gesprochen werden, wenn ein Nimbus von Spielzeug oder von „Räuber und Gendarm“ erst überwunden worden ist. „Call of Duty“ kann auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, sondern ist bestenfalls ein unterhaltsamer Anfang: moralische Entscheidungen werden traditionell auch eher in Rollenspielen als Shootern getroffen, Shooter geben oft eine Moral vor welche ihrerseits erstmal zu hinterfragen wäre, brechen diese (siehe „No Russian“) nur eher selten und werden dann womöglich auch wieder nur skandalisiert (ebendort).

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