“Wolfenstein” als Titel, bei dem “rechtsgerichteter Hintergrund nahe liegt”

(Stern) Auf Stern.de findet sich ein Artikel, der sich auf Informationen des Bundesamts für Verfassungsschutz, des Bundeskriminalamt (BKA) und des Militärische Abschirmdienstes (MAD) stützt. Der Redaktion liege ein “geheimer Newsletter” vor, in dem vor rechter Propaganda bzw. “braunen Apps” gewarnt werde. In dem Text werden neben Weckern mit Hitlerrede und digitalen Ausgaben von “Mein Kampf” auch das Videospiel “Wolfenstein” und Apps genannt, die den “Menühintergrund mit “Nazi Zombies” dekorieren“*. Diese Angebote, bei denen “ein rechtsgerichteter Hintergrund nahe liegt“, seien im “Google Play”-Store erhältlich.

Den Ego-Shooter “Wolfenstein” – es wird wohl “Wolfenstein 3D” gemeint sein – als “Nazi-App” oder “rechte Propaganda” einzuordnen, wirkt etwas befremdlich. Schließlich ist der Protagonist hier ein amerikanischer Soldat. Der aus Polen stammende William Blazkowicz wird in der Burg “Wolfenstein” festgehalten und muss sich nun seine Freiheit erkämpfen. Dabei beseitigt der Spieler Horden von Nazis und selbst Hitler wird als Endgegner vom Spieler eigenhändig erschossen. Wer es sehen möchte – bei Youtube gibt es die entsprechende Szene zum ansehen. Bei einem Spiel mit diesem Inhalt einen rechtsgerichteten Hintergrund zu vermutet ist doch etwas grotesk.

Womöglich ist man einfach davon ausgegangen, dass “Wolfenstein 3D” nach § 86 StGB verboten ist. Diese Norm erfasst aber nur Propagandamittel und nicht Titel, die ohne eine rechte Gesinnung zu propagieren Hakenkreuze “nur” darstellen. Eine “wertneutrale” Verwendung ist nach § 86a StGB untersagt, wobei es eine Ausnahme gibt, “wenn […] die Handlung […] der Kunst […] oder ähnlichen Zwecken dient“. Wegen dieser Regelung dürfen Filme wie “Indiana Jones”-Reihe verfassungsfeindliche Kennzeichnen zeigen. Bei Videospielen wird die Anwendung der Ausnahmevorschrift aber willkürlich abgelehnt, weshalb diese auch wenn sie gegen Nazis sind verboten werden können. Das OLG Frankfurt hat dazu in einer Entscheidung ausgeführt:

Der Schutzzweck des § 86a StGB gebietet es, dass in Computerspielen keine Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gezeigt werden. Insoweit kommt es nicht darauf an, dass sich die verbotenen Kennzeichen und Symbole bei dem Spiel „Wolfenstein 3D” in den Spielräumen befanden, die dem Feind zuzuordnen sind.”

Auch wenn der Stern nur bei dem Geheimdiensten abgeschrieben haben wird, hätte hier eine eigene Recherche nicht geschadet. Im Rahmen der publizistischen Sorgfaltspflicht kann zwar überlicherweise auf die Korrektheit amtlicher Auskünfte vertraut werden, doch Aufgabe der Presse ist es im Grunde ja gerade nicht als Sprachrohr des Staates zu fungieren, sondern diesen kritisch zu begleiten. Kleines Detail: Der Artikel ist in der Kategorie “investigativ” erschienen.

Zum Artikel

(Dank an amegas.)

*Inwieweit Fans von (Nazi-) Zombiefilmen pauschal ein rechter Hintergrund unterstellt werden kann, weiß ich nicht zu beurteilen. Doch sofern auf dieses App angespielt wird, halte ich “Død snø” nicht für strafrechtlich bedenklich. Nicht zuletzt deswegen, weil es eine “FSK 18”-Freigabe erhalten hat.

6 Gedanken zu ““Wolfenstein” als Titel, bei dem “rechtsgerichteter Hintergrund nahe liegt”

  1. Dead Snow wollte ich noch gesehen haben, danke für die Erinnerung Rey. ;)
    .
    @Topic:
    Mir graut immer mehr, wenn ich im Zusammenhang mit Spielen (oder auch vielen anderen Themen) von “investigativem Journalismus” lese. In diesem Fall liest es sich wie eine Bestätigung der Vermutung, dass bloß auf Unterlagen aus einer nicht öffentlich zugänglichen Quelle zurückgegriffen wird, deren Inhalt dann in der Mittagspause schnell via Google abgeglichen wird. Lässt sich’s zumindest in Teilen bestätigen, kann man einen Text dazu veröffentlichen. Bei “Wolfenstein” könnte es sich dank unsauberer Zitierweise um jedes der vielen gleichnamigen Spiele handeln, selbst theoretisch um die 1981er Version für den Apple II (“Castle Wolfenstein”), die noch kein FPS war. Die Jahresangabe legt jedoch die Vermutung nahe, dass W3D gemeint ist.
    .
    Was die Verfügbarkeit via Google Play angeht, ist die rechtlich afaik nicht zu beanstanden, sofern Nutzern keine Inhalte angeboten werden, die in deren Heimat verboten sind. Doch für Rechtsfragen bin ich kein Experte.

  2. Moment !
    Nur weil man Nazis im Videospiel abknallt bedeutet das noch lange nicht das man kein Nazi ist.
    Durchgestrichene Hakenkreuze wurde ja auch schon dazu verwendet, Punks wegen dem verwenden von Verfassungsfeindlichen Symbolen den Prozeß zu machen…
    Was sicherlich der Absicht des Gesetzgebers entsprach, als er nach der Gründung der Bundesrepublik den entsprechenden Straftatbestand schuf, oder ? ;-)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Verwenden_von_Kennzeichen_verfassungswidriger_Organisationen#Durchgestrichenes_Hakenkreuz

  3. Muss ich mir jetzt Sorgen machen weil ich auch Bloodrayne und BF1942 gespielt habe? XD

    Was auch immer die nehmen um auf solche dämlichen Aussagen zu kommen: sie sollten es lassen sonst machen sie sich nur lächerlich.

    Oder vielleicht sollten sie weniger BILD lesen…ich sag nur “rechtsradikale Übergriffe von Punks nehmen zu” XD

  4. Im Zweifel kann man ja auch mit § 131 StGB gegen Wolfenstein 3D argumentieren.
    Denn die einzige Möglichkeit zu gewinnen ist es Mecha-Hitler mit Gewalt zu töten. Das ist doch eindeutig gewaltverherrlichend (da keine gewaltfreie alternative Lösung möglich) und gehört verboten!!1

    Von daher keine Sorge, unsere Moral und Sitten bleiben auch weiterhin “geschützt”.

  5. Nun ja, Gewalt trifft immer nur die Unschuldigen und hat noch nie etwas gebracht.
    Mecha-Hitler hätte ja man wie den Orginal-Hitler mit Lichterketten und Sitzblockaden stoppen können. ;-)

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