“Modern Warfare 2”: Statement by mistake

(SB.com, SB.com) Bei Videospielen wird nicht selten moniert, dass sie bloße Unterhaltung seien. Es fehle an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen und der Spieler werde nicht zu einer kritischen Reflexion des Erlebten angeregt. Neben absichtlich eingefügten Botschaften – wie beispielsweise dem Plaket in “Deus Ex: Human Revolution”, das George W. Bush als Massenmörder brandmarkt – kann das aber offenbar auch versehentlich passieren.

So soll es zumindest bei “Tekken Tag Tournament 2” und “Modern Warfare 2” geschehen sein. Im ersten Fall konnte als (kostenloser) DLC eine neue Kampfarena heruntergeladen werden, deren Boden mit orientalischen Ornamenten übersäht war. iSymbiox hatte ein Problem damit, dass die Spielfiguren in ihren Schuhen – in der islamischen Welt nicht ohne Bedeutung – über diese Boden trampeln, was im Grunde nicht überrascht. Die Bodenplatten waren nämlich mit dem arabischen Schriftzug für Allah beschrieben, so dass er hier seinen Glauben wortwörtlich mit Füssen getreten sah. Auf eine Twitter-Nachricht hin gelobte der verantwortliche Game Director Katsuhiro Harada Besserung:

We didn’t know that. We will change stage design data as soon as possible. We couldn’t read that.

Bei “Modern Warfare 2” sieht es noch eine Ecke düsterer aus: In der Map Favela finden sich auf einem ziemlich versifften Klo zwei Bilder an der Wand, die dort mit ihren malerischen Landschaften etwas deplatziert wirken. Darüberhinaus sind die Biderrahmen mit einer arabischen Kalligraphie verziert, die nicht weniger als ein Zitat des propheten Mohammed wiedergibt:

Wahrlich, Allah ist schön und er liebt Schönheit.”

Unverfängliche Erklärungen dafür, warum “Infinity Ward” als us-amerikanisches Unternehmen ein Level erstellt, bei dem Bilderrahmen mit einem Zitat Mohammeds über Schönheit in einer heruntergekommen Toilette aufgehängt werden, erscheinen dann doch schwierig. Offiziell ist es aber auch hier ein Irrtum, der mittlerweile durch das Entfernen der Schriftzüge korrigiert wurde:

We apologize to anyone who found this image offensive. Please be assured we were unaware of this issue and that there was no intent to offend. We are working as quickly as possible to remove this image and any other similar ones we may find from our various game libraries.

We are urgently working to release a Title Update to remove the texture from Modern Warfare 3. We are also working to remove the texture from Modern Warfare 2 through a separate Title Update. Until the TU is ready, we have removed the Favella multiplayer map from online rotation.

Activision and our development studios are respectful of diverse cultures and religious beliefs, and sensitive to concerns raised by its loyal game players. We thank our fans for bringing this to our attention.”

Diese Ausrutscher zeichnen dann aber doch ein unschönes Bild der Verantwortlichen. Während man beim Beat ’em up “Tekken Tag Tournament 2” auf Bezüge zur Realität wohl nicht unbedingt viel Wert legt, sieht es bei scheinbar realitätsnahen Ego-Shootern wie “Modern Warfare 2” anders aus. Hier ist man penibel auf eine glaubwürdige Spielwelt bedacht, was sich auch bei den militärischen Komponenten erkennen lässt. So wird von Infinity Ward unter anderem der Oberstleutnant a.D. Hank Keirsey, der Militärgeschichte in West Point lehrte, regelmäßig zu Rate gezogen, um sicher zu gehen, dass dargestellte Taktiken, Vorgehensweisen und Waffen der Realität möglichst nahe kommen.

Eine Akribie, die abseits des Ballerns offenbar nicht für nötig erachtet wird. So zeigt die hier an den Tag gelegte Gedankenlosigkeit weniger, welchen Respekt die Entwickler gegenüber der arabischen Kultur aufbringen, sondern vielemehr die Geringschätzung des eigenen Genres.

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9 Gedanken zu ““Modern Warfare 2”: Statement by mistake

  1. “welchen Respekt die Entwickler gegenüber der arabischen Kultur aufbringen, sondern vielemehr die Geringschätzung des eigenen Genres.”
    Eine Einschätzung, die ich nicht nachvollziehen kann. Fehler passieren, so ist das nun mal. Und es geht hier wirklich nur um Marginalien. Gut, oder es sind tatsächlich einfach nur gut ausgedachte gesellschaftskritische Aspekte…

  2. Ich sehe das eigentlich nicht so extrem.
    Möglicher Dialog:
    – “Wir brauchen da noch irgendwas mit arabischer Schrift, man soll doch sehen dass das im nahen Osten ist”
    – “mom, ich google mal…”
    (5 min später)
    – “Ich hab da mal bissl was draufgemacht”
    – “ja, die zeichen sehen gut aus, was bedeuten die?”
    – “keine Ahnung, aber sieht gut aus. Liest eh keiner”
    .
    Das ist wie die Leute die sich gut aussehende chinesische Schriftzeichen tätowieren lassen, die dann “Hundekuchen” bedeuten oder so.
    Und andere machen das auch so, es gibt genügend Beispiele dafür in Asien z.B (Engrish und so)
    .
    Ich würde das nicht Geringschätzung nennen, das ist ein zu starkes Wort dafür. Es ist einfach Faulheit und/oder Dummheit.

  3. Ich halte es für Ressourcenabwägung: Es wäre verschwendete Zeit, auf Details zu achten, die niemandem auffallen. In jedem Medium wird zu einem gewissen Anteil Unsinn verbreitet, weil die Autoren sich nur bis zu einem gewissen Grad in die Materie einarbeiten. Wirklich einer größeren Öffentlichkeit aufgefallen ist das jetzt auch nur, weil sich jemand daran gestört hat. Bei Religion geht es eben um Gefühle, die verletzt werden können. Wenn dagegen z.B. jemand naturwissenschaftlichen Unsinn verbreitet, gibt es meist nur ein Augenrollen. Die Reaktoren aus Anno 2070 sind hier vermutlich eine der wenigen Ausnahmen, weil hier politische Relevanz besteht. Hätten die Entwickler nur von „radioaktiver Gammastrahlung“ statt von einer Kernschmelze im Fusionsreaktor gesprochen, hätte sich wohl niemand aufgeregt. Auch wenn beides Unsinn ist.

    Problematisch wird das erst, wenn mit Authentizität geworben wird. Dann sollte inhaltlich alles korrekt sein – ob es nun religiös, historisch oder naturwissenschaftlich.

  4. @Patrick:
    1. Ich finde es ziemlich krass zu erwarten dass ein Spiel in jeder Hinsicht perfekt ist, das wäre so wie als würdest du von einem Premium-Auto verlangen dass der ADAC keine Kritikpunkte findet.
    2. Naja, die beschriebene Szene klingt doch eigentlich ziemlich authentisch. Kriegsgebiet = unschön, aber vorher wars schön, also können so Bilder schon mal an “unpassenden” Orten hängen…

  5. Ich finde es ja etwas lächerlich, dass sich über noch so kleine anti-Islam-Inhalte gleich derart aufgeregt wird, während anti-christliche Inhalte Gang und Gebe sind. Christen dürften religionsverachtende Inhalte auch nicht gefallen, aber über ein paar kritische Worte gehen die Reaktionen selten hinaus. Dagegen gibt es in der muslimischen Welt gleich große Protestaktionen und gerade auf Onlineportalen oft wüste Beschimpfungen (z.T. Morddrohungen) gegen die Entwickler.
    Um unnötige Aufregung zu vermeiden ist es ja nachvollziehbar, dass man auf die leichte Reizbarkeit vieler Muslime hinsichtlich ihres Glaubens etwas Rücksicht nimmt, doch diese übermäßige Vorsicht und das sofortige Entfernen aller auch nur möglichen Andeutungen halte ich für übertrieben. Und es ist nicht so, dass aus dem islamischen Raum keine Anfeindungen und Provokationen anderer Religionen stammen (der z.T. öffentlich ausgesprochene Hass auf das Judentum (Iran) nur als Beispiel). Daher würde ich mir etwas mehr Toleranz auf allen Seiten wünschen…

    Wenn es nach mir ginge, bräuchte man Religionen eh nicht. So viel Leid, so viele Kriege sind alleine aus religiösen Gründen geführt worden (und werden es immernoch), dass ich es als Atheist unverständlich finde, wie man derart blind einer Religon verschreiben kann… Aber das ist eine andere Geschichte ;)

  6. Ich denke es gibt keinen Hinweis darauf, dass diese Inhalte antiislamisch sind. Und sie sind deshalb auch allein schon vermeidbar, eben weil sie gar keine Islamkritik darstellen sollen –
    Und ich glaube da gibt es leider ebenfalls schon ein kulturelles Missverständnis was die Orte dieser Inhalte angeht, welches so in bedenklicher, aber vielleicht auch nur naiv-niedlicher Weise tradiert wird: es geht nicht um Toiletten oder Böden, wohl westliche Locations wo traditionell ein Zuhause für den Schmutz vermutet wird, sondern überhaupt um deren Existenz in einem Videospiel. Soll heißen: auch in einem schönen Garten würde auf die Schriftzeichen so reagiert werden.

  7. Oh man, tun die dann die handbücher anzünden? Die Titanik darf selbstbewusst einen vollgepissten papst drucken, während im westen der regisseur des “mohammed-schmäh-videos” (killerspiele) ins gefängnis kommt und die westlichen medien gegenüber den kravallmachern auch noch vollstes verständnis zeigen.
    War bei COD 4 MW auch schon so, dass da irgendwelche schriftzüge in falscher sprache waren. von geringschetzung der arabischen kultur zu sprechen ist einfach nur lächerlich.

  8. @killzoneliberation
    Na nun mal bitte nicht so schwarz-weiß Malerisch, die Titanik durfte diese Ausgabe zeitweise nicht einmal offen verkaufen, geschweige denn neu drucken.

    Übel der Art gibt es bei allen extremistischen Vereinen, da ist weder der Islam noch das Christentum eine strahlende Ausnahme.

  9. Die FIFA hatte dieses Problem AFIAK auch schon, mit einem Ball der die Flaggen aller Nationen beim Weltcup zeigte.
    Unter anderem war da die Flagge Saudi Arabiens drauf, die fanden das nicht lustig.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Flag_of_Saudi_Arabia

    Aber was solls, im schlimmsten Fall werden wieder ein paar Amerikanische Flaggen in nahen Osten verbrannt.
    Das zeigt nur das der nahe Osten inzwischen genauso demokratisch ist wie die USA, denn auch in den USA kann man eine US Flagge als Ausdruck seiner Meinung verbrennen, ohne zu befürchten dafür bestraft zu werden ;-)

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