Pfeiffer zieht Paintball „Killerspielen“ vor

(landeszeitung) Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat bekanntlich ein Problem mit gewaltdarstellenden Videospielen. Dabei erwecken manche seine Äußerungen den Eindruck, dass für ihn Gewalt nur dann ein Problem ist, wenn sie virtuell dargestellt wird. So ist er durchaus ein Fan von Rugby. Dies sei ein „exzessiver Gewalt-Männersport, wunderbar in den Rollen und im Austobepotenzial„. Der Grund, weshalb Paintball Videospielen vorzuziehen sei, wäre, dass die Wirkungen von Treffern bei Paintball rein fiktiv seien, während man in Videospielen Menschen sterben sehe. Seltsam – blaue Flecken bei Paintball und die „Save“-Funktion bei Videospielen haben bei mir bisher den Eindruck hinterlassen, dass Videospiele der fiktive Part seien.

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6 Gedanken zu “Pfeiffer zieht Paintball „Killerspielen“ vor

  1. Davon abgesehen dass ich irgendwie das Gefühl habe, dass Herr Pfeiffer in einem etwas antiquiierten Geschlechterrollenbild festhängt, möchte ich hier anmerken dass sogar das Wort „Killerspiel“ zunächst für Paintball und Co. verwendet wurde. Paintball vs. „Killerspiele“ beißt sich also ein wenig.

    Zur eigentlichen Sache:
    Ähhh… ich bin nicht sicher was ich da sagen soll. Das ist ja an Absurdität kaum zu überbieten. Mit Paintball kann ich erheblich besser den Umgang mit echten Schusswaffen, Bewegungsabläufe im Häuserkampf etc. trainieren als am PC, also wenn man der Meinung ist mit PC-Spielen für Amokläufe trainieren zu können, dann wundert es mich wenn man Paintball gut findet.
    Zur Gewalt: Naja, in der Tat ist die DARSTELLUNG krasser im PC-Spiel. Und warum? Weil es geht.
    Virtuelle „Killerspiele“ sind aber meines Erachtens nicht weniger oder mehr emotional als Paintball. Man trifft sich mit Gleichgesinnten um sich gegenseitig zu beschießen. Niemand kommt zu Schaden (ok, beim Paintball gabs schon Knochenbrüche, verdrehte Knöchel, Blutergüsse usw, das übliche wenn man sich bewegt, also etwa so viel Gewalt wie beim Fußball, vermutlich sogar weniger wenn ich so an die letzten Spiele denke die ich in der Verbandsliga beobachtet habe).
    Beim Computerspiel hat man aber im Gegensatz zu Paintball die Möglichkeit, nur auf KI-Gegner zu schießen anstatt auf Menschen (CO-OP). Beim Paintball eher nicht.
    Und wie immer gilt: Wer am Rechner sitzt und das für real hält dem ist eh nicht zu helfen.

    Gruß
    Aginor

  2. Wenn man beim Paintball auf die Schutzmaske verzichtet, riskiert man das Augenlicht. Glücklicherweise wird das aber überall strengstens kontrolliert und überall wo ich gespielt habe wurde ein einmaliger Verstoß mit sofortigem Spielabbruch und Ausschluß sanktioniert.
    Von dem was ich da von Pfeiffer lese leite ich ab das er von Paintball genau so wenig Ahnung hat wie von Videospielen. „Wirkungen von Treffern rein fiktiv“? Wenn ein angespannter Muskel getroffen wird spürt man das eine Woche lang.
    Wie Aginor schon schrieb kann man den körperlichen Umgang mit einer Waffe trainieren. Obwohl ich die Markierer beim Paintball jetzt nicht als Waffe bezeichnen würde. Speziell was das trainieren von Angriffs-Taktik mit „Schusswaffen“ betrifft ist Paintball eine exzellente Übung.
    Bei der Darstellung muss ich Aginor widersprechen. Bei Videospielen hat man stets eine Inszenierung die bestimmten ästhetischen Regel und Gernekonventionen folgt.
    Beim Paintball schieße ich auf „echte“ Menschen. Man bringt sich in Stellung, man zielt auf einen Menschen, man schießt auf einen Menschen und wenn man ihn trifft macht sich das auf verschiedene Weise bemerkbar. Sei es ein kurzer Schmerzschrei, eine verbale „Unmutsäußerung“, eine Körperzuckung und manchmal auch eine Beschimpfung gerichtet an den Schützen. Es ist ein Erlebnis das man mit allen Sinnen wahrnimmt. Nicht nur audiovisuell. Nicht inszeniert.
    Bitte nicht missverstehen, ich will hier Videospiele nicht abwerten. Die psychischen Erfahrungen sind mMn vergleichbar. Die Freude über einen Sieg, Ärger bei Niederlage, Frust bei anhaltendem Misserfolg usw…. Im Gegensatz zu Videospielen füge ich beim Paintball aber im Sinne des Spielziels dem (realen menschlichen) Gegner körperliche Schmerzen zu. Und für mich ist das intensiver als jede mediale Gewaltdarstellung.

  3. Pfeiffer hasst Computerspiele generell mehr, daher versucht er nun Painball und Computerspieler auseinander zu dividieren. Pfeiffer ist nie für die Verteidigung des Painballsports aufgetreten, und wir kennen die Medienhetze die von einen Painballverbot sprach, genau so wie bei Computerspielen, wie z.B. Counter Strike. http://www.spiegel.de/video/paintball-funsport-soll-verboten-werden-video-1001589.html
    http://www.rp-online.de/politik/deutschland/psychologe-paintball-senkt-hemmschwelle-1.2131183 Pfeiffer unterstreicht damit nur seinen Ruf als Pseudoweissenschaftler und Heuchler.

  4. Abgesehen von dem zugrunde liegenden „Männer“bild zeugt das für mich in erster Linie nur wieder davon, wie ungenau oder gleich gar nicht da zwischen Fiktion und Realität, sowie Realität und Virtualität unterschieden wird oder werden mag.
    Die Fiktion beim Paintball wäre doch eher nur eine Geschichte wie eine Rahmenhandlung welche gegebenenfalls um das Spiel herum gesponnen wird. Und das könnte dann auch eine Geschichte von einem Krieg etwa sein. Paintball könnte so auch als Wehrsportübung missbraucht werden, hier in Österreich hatten wir das sogar schonmal…
    Eine andere Realität als jemanden mit Farbe zu beschiessen gibt es beim Paintball doch gar nicht. Höchstens eben in der Imagination: die Farbe ist immer real und kann so oder so, siehe die Anmerkung von Action Jackson oben, auch sehr gefährlich sein.
    Ein Fußball kann das als Projektil jedoch ebenfalls und die Fiktion sterbender Menschen bleibt so offensichtlich etwas mit dem da jemand nicht konfrontiert werden soll, wobei die Gefahr von Videospielen über entsprechende Fragestellungen aus der Wirkungsforschung immer eine Frage nach der Gefährlichkeit von Kunst für eine Realität ist. Und wie schädlich so eine Gefährlichkeit eigentlich wäre, aber genau diese Frage wird sich so eben nicht gestellt. Nur die Gewalt soll dabei nach Möglichkeit nicht gesehen werden. Bedenklicher Weise sogar so weit, dass reale Verletzungen über eine Vorstellung entsprechender Wirkung dieser anderen Gewalt, ob diese nun fiktiv oder virtuell ist, anscheinend zumindest eher in Kauf genommen werden.

  5. Wie schon von euch anderen gesagt, ist der Vergleich reichlich absurd. Bin dafür Pfeiffer künftig nicht länger als Worms-Gegner einzubauen, sondern ihn einfach freundlich anzulachen. Mal sehen wie er darauf reagiert. ;)

  6. man kann auch parallelen zu den Killerspielen Boxen und Fechten ziehen.
    Beim Fechten geht es darum einen anderen Menschen aufzuschlitzen oder abzustechen. Beim Florettfechten zählen sogar nur potentiell tödliche Treffer auf dem Brustkorb oder Unterleib.

    Beim Boxen wird reale Gewalt gegen echte Menschen verübt. Besonders Brutale Kopftreffer werden sogar mit der höchsten Punktzahl belohnt.
    Komischerweise gilt das Boxen sogar als besonders gut geeignet um gewalttätige Jugendliche auf den rechten Weg zu führen.
    Dabei darf man nicht unterschätzen das ein Boxer immer in die Rolle eins Kämpfers schlüpft – etwas das ja als besonders gefährlich gilt.

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