„Starcraft 2“, „Dynasty Warriors“ und „Call of Duty“ haben schuld

Facebook-Nutzer lagen mit ihrer Vermutung, dass „Mass Effect“ für die Tat verantwortlich war, bekanntlich falsch. Schließlich hatte der Bruder und nicht der Täter den Titel genutzt. Nunmehr hat sich die Qualitätspresse der Problematik angenommen und sich natürlich von dem eher fernliegenden Gedanken verabschiedet, dass ein Videospiel wie „Mass Effect“ die Ursache für solch eine Tat sein kann: Tatsächlich sind es ganz andere Videospiele, die hier in Betracht kommen.

So weiß die britische „Sun“ von einem Klempner, dass der Täter abhängig von „bloodthirsty computer games such as Call of Duty“ gewesen sei, der „Daily Express“ schreibt dagegen „his favourite video game was said to be a shockingly violent fantasy war game called Dynasty Warriors“ und bei CNN denkt man allen ernstes über die Aussage von Freunden des Täters nach, „[the] shooter played „Starcraft“ at school„. Die Folgen sind natürlich auch klar: „the games break down their impediments to killing„, „which is thought to have given him inspiration to act on his darkest thoughts„, „there is [a connection between violent video games and violence in real life]„.

Nun hat der Demokrat Jay Rockefeller eine Vorlage in den US-Senat eingebracht, wonach die National Academy of Sciences zur Vorbereitung weiterer Vorhaben untersuchen soll, „whether current or emerging characteristics of video games have a unique impact on children, considering in particular video games’ interactive nature and the extraordinarily personal and vivid way violence might be portrayed in such video games„.

Dabei hat er aber auch schon eine genaue Vorstellung davon, wie die Ergebnisse der Studie ausfallen sollen:

Recent court decisions demonstrate that some people still do not get it. […] They believe that violent video games are no more dangerous to young minds than classic literature or Saturday morning cartoons. Parents, pediatricians and psychologists know better. These court decisions show we need to do more and explore ways Congress can lay additional groundwork on this issue. This report will be a critical resource in this process. I call on my colleagues to join me in passing this important legislation quickly.“

Was am Ende drohen könnte wird ebenfalls angedeutet:

Major corporations, including the video game industry, make billions on marketing and selling violent content to children. They have a responsibility to protect our children. […] If they do not, you can count on the Congress to take a more aggressive role.”

eurogamer (Zur „Sun“ und dem „Daily Express“)
TheKoDRoxas bei youtube („CNN“ bzw. Anderson)
politico (Zu Rockefeller)

 

 

5 Gedanken zu “„Starcraft 2“, „Dynasty Warriors“ und „Call of Duty“ haben schuld

  1. Das Problem bleibt vordergründig die Definition von „Gewalt“, wenn Cartoons wieder nicht dazugezählt werden – obwohl doch schon Werner Glogauer wusste wie „gefährlich“ diese sein können…
    Die „Grenze“ aus dem US-Gesetz war bekanntlich jene zwischen Teen- und Mature-Rated-Games. Und das trotz der Tatsache, dass die eben auch anders gesehen wird – wo es etwa in Deutschland schon viele Teen-Titel gab die keine Jugendfreigabe bekamen oder gar indiziert wurden, von „Medal of Honor“ angefangen – welche eigene Kultur soll so wieder nur aufoktruiert werden, oder was unterscheidet amerikanische Jugendliche von Deutschen? Welches Recht soll da gar weiterhelfen können – mit was für Festlegungen? Was für negative Bezugnahmen zu anderen Kulturen sind das eigentlich…
    Wenn selbst in IT-nahen Publikationen wie über die WASD Stimmung gegen diese „Gewalt“ gemacht wird http://derstandard.at/1353209071398/Death-by-Joystick-Der-Hightech-Krieg-der-USA-im-Spiel , wo scheinbar nicht einmal zwischen Drohnen und anderen Waffen unterschieden werden kann, sollte vom Tabloid, Mainstream-„Qualität“ etc. wohl auch nicht mehr Einsicht und/oder Verständnis erwartet werden. Solange „Gewalt“ als Gewalt angesehen wird, zwischen Symbol und Realität nicht geneigt wird mehr zu unterscheiden, sondern dass eine als Vorstufe vom Anderen begriffen. Tugend gegen Schauspiel steht. Obwohl fast jeder Mensch mit dem Finger ständig auf jemand Anderen zeigen kann, in diesem Welttheater, und sagen: peng, Du bist tot. Welche Ergebnisse von Forschung soll es dafür (noch) brauchen? Um Menschen wie (noch mehr) einzuschränken? Übrig bleibt reale ideologische Gewalt und bleiben ebensolche Moralvorstellungen die nicht hinterfragt werden, weder an prominenter Stelle „kritisiert“ noch sonstwo über „Nutzung“ und „Wirkung“ wissenschaftlich angegriffen – doch welche Aggressivität gegen Kreativität ist das. Eigentlich.

  2. „Major corporations, including the video game industry, make billions on marketing and selling violent content to children.“
    Nicht die Firmen sondern Händler tun das und ich weiß nicht wie es in den USA ist aber hier haben wir die USK und wenn die Händler den geltenden Gesetzen entsprechend arbeiten kann ein Spiel welches Kinder in welcher Weise auch immer negativ beeinflussen könnte nicht in die Hände von diesen gelangen (außer durch Diebstahl und das weist ja schon auf bereits vorhandene kriminelle Energie hin).

    „Recent court decisions demonstrate that some people still do not get it. […] They believe that violent video games are no more dangerous to young minds than classic literature or Saturday morning cartoons.“
    Die bösen „Schundromane“ und die „Negermusik“ waren früher der Sündenbock für sowas und jetzt wo die die sich damals gegen diese Anprangerung gewehrt haben alt geworden sind suchen sie ihrer seits Gründe bei Dingen die sie nicht verstehen bzw von denen sie keine Ahnung haben.

  3. Einst die Beggar’s Opera, dann das Fernsehen und Pen&Paper Rollenspiele, heute eben Computerspiele. Irgendwas verdirbt immer die Jugend und macht sie kriminell in den Augen der Gesellschaft. Ein paar Generationen später ist es dann meist fester Bestandteil des kulturellen Erbes der Menschheit und solche Kritik macht die Menschen schmunzeln, wenn sie davon hören, dass sie einst existierte.

    Die Kultur junger Menschen ist für ältere Menschen seit jeher fremd und fördert einen Hang zur Xenophobie und Hysterie ans Licht, der späteren Generationen meist nur lächerlich und bedauernswert erscheint. Solche Kritik ist doch meist nur Ausdruck der menschlichen Unfähigkeit, komplexe gesellschaftliche Veränderungen exakt zu erfassen, objektiv einordnen und in ihr Weltbild aufnhemen zu können. Politik und Medien wiederum profitieren von den Reflexen, die sich darauf bei einem Großteil der Gesellschaft leicht auslösen lassen. Faszination, die nicht geteilt wird, wirkt befremdlich und schnell bedrohlich. Sowohl Politiker, als auch Medien leben in erster Linie von der Angst und der Unwissenheit der Menschen.

    Was wird also passieren? Irgendwann kommt eine neue Mode auf, die die Jungen von Grund auf verdirbt und die westliche Zivilisation in ihren Grundpfeilern gefährdet. Hoffentlich bin ich dann nicht so dumm geworden von all dem Geschwätz, dass ich das glaube und meinem Kind das Hoverboarden verbiete :D

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