Kauf von Spielen kann Waffenindustrie sponsern – EA will aussteigen (Korrektur)

Wenn Kritiker zwischen gewaltdarstellenden Videospielen und realer Gewalt Verbindungen sehen, ist hierbei der Einfluss der Spiele auf die Psyche der Spieler gemeint. Andere Perspektiven, wie die von Helmut Preller, sind seltener anzutreffen. Dieser stellte – ähnlich der Aktion „Brot statt Böller“ – dem Kauferlös von „Modern Warfare“ die Anzahl der hungernden Kinder gegenüber, die mit dieser Summe täglich gespeist werden könnten. Tatsächlich braucht es in manchen Fällen jedoch gar nicht solche Verrenkungen, um eine Beziehung zur Realität herzustellen.

Es muss nicht darauf geschaut werden, was Spieler sonst mit ihrem Geld hätten tun können, sondern es reicht der Blick darauf, wohin das gezahlte Geld fließt. So zahlt EA bisher für die Verwendung virtueller Waffen in seinen Titeln Lizenzgebühren an die Hersteller der realen Vorbilder. Mit anderen Worten: Wer Spiele wie „Battlefield 3“ kauft, zahlt Geld an die Rüstungsindustrie.
Interessanterweise ist dieser Zusammenhang bisher meistens allein in anderer Richtung angesprochen worden. Kritiker wie Michael Schulze von Glaßer von militainment.info haben in der Vergangenheit den Herstellern von Waffensystemen vorgeworfen, dass diese nicht ihre Urheberrechte geltend machen und somit nicht die (unlizensierte) Verwendung ihrer Produkte in Videospielen verhindern würden. Die Vermutung: Manchen Herstellern würde die Verwendung ihrer Produkte in Videospielen sogar gelegen kommen.

Dabei beschränkt sich die Verwendung und der damit einhergehende Vorwurf nicht nur auf die Hersteller von Waffensystemen, sondern auch an andere Rechteinhaber. So werden virtuell nicht selten Fahrzeuge als solche der Bundeswehr dargestellt, wogegen die Bundeswehr bisher offenbar noch nicht vorgegangen ist. Auch hier wittert Glaßer eine unausgesprochene Partnerschaft:

So tragen beide Seiten Nutzen davon: Die Unternehmen können den Käufern ein realitätsnahes Kriegsszenario bieten, und die Bundeswehr freut sich über den Werbeeffekt, wird die deutsche Armee in den Spielen doch meist positiv dargestellt.“

doom
Doom II: Das rote Kreuz wurde in der BFG-Edition gegen eine Pille ausgetauscht.

Eine der wenigen Fälle, in der eine Institution konsequent auf seine Rechte hinweist, ist das „Rote Kreuz“. Da in Videospielen nicht selten entsprechend den realen Vorbildern – u.a. auf Militärfahrzeugen oder als Armbinden bei Sanitätern – ein rotes Kreuz abgebildet wird, sieht man hier eine unautorisierte Verwendung des Symbols. Unter anderem in der Neuauflage von „Doom II“ wurden daher alle dargestellten roten Kreuze durch eine Pille ersetzt.

Daneben ist in jüngster Zeit noch der Fall von „Bell Helicopter“ bekannt geworden. Das Unternehmen wehrte sich gegen die nicht lizensierte Verwendung verschiedener Hubschrauber – „V-22 Osprey“, „AH-1Z Viper“ und „UH-1Y“ – in dem Spiel „Battlefield 3“ von EA. EA hat darauf eine Klage eingereicht, mit der festgestellt werden soll, dass das Unternehmen das Gerät auch ohne Lizenz darstellen darf. Die gerichtliche Entscheidung hierüber steht im Juni an.

Die Frage, wer hier durch was seinen Ruf ruinieren könnte, wurde dabei bisher nur in eine Richtung aufgeworfen: Die Hersteller realer Waffensysteme würden bei einer offiziellen Unterstützung von gewaltdarstellenden Videospielen möglicherweise ihren Ruf aufs Spiel setzen, weshalb es bei einer inoffiziellen Duldung bleibe:

Ob dahinter System steckt – die Rüstungsindustrie die Spiele durch ihr Stillschweigen absichtlich, aber eben nur inoffiziell unterstützt, um nicht in Verbindung mit den in weiten Teilen der Gesellschaft kritisch gesehenen „Ballerspielen“ zu geraten – bleibt als Vermutung zurück.“

Anlässlich von Massakern in den USA haben sich jedoch die Beziehungen zwischen Videospielherstellern und der Waffenindustrie verschlechtert. EA, das in den USA bisher sogar auf die Angebote der Waffenhersteller verlinkt hat, möchte mit diesen nicht mehr in Verbindung gebracht werden und zukünftig keine Lizenzgebühren mehr wegen der Nutzung von Waffen zahlen. Um dies zu verhindern wurden in der Vergangenheit, wie u.a. bei dem 64-Spiels „GoldenEye“ und bei dem Verkaufsversion von „CounterStrike“ (Lt. Wikipedia: Statt „SIG 552“ die „Krieg 552“ und anstatt „Steyr Scout“ das „Schmidt Scout“) fiktive Namen zur Bezeichnung der Waffen verwendet. EA hat nun angekündigt einen anderen Weg zu gehen. Man werde auch zukünftig die Bezeichnung der realen Waffen verwenden, aber hierfür schlicht keine Lizenzgebühren bezahlen. Hierbei beruft man sich auf das Zitatrecht bzw. die „Fair Use“-Regelung. Frank Gibeau von EA zieht einen Vergleich zu Büchern:

A book doesn’t pay for saying the word ‚Colt,‘ for example.”

Wenn man näher darüber nachdenkt, könnte es vielleicht auch dem einen oder anderen Spieler nicht gleichgültig sein, ob der mit dem Kauf eines Videospiels die Hersteller echter Waffen fördert oder nicht. Ob dies der Fall ist, ist dabei schwer in Erfahrung zu bringen. Activision hat beispielsweise gegenüber Reuters jede Stellungnahme verweigert:

Activision, the industry leader, declined to comment on whether it licenses gun designs from gun manufacturers or if it would stop doing so.“

Von der Waffenindustrie lässt sich mehr In Erfahrung bringen. Nach Ralph Vaughn von Barrett Rifles könne ein Pauschalbetrag oder ein Prozentsatz vom Verkaufserlös vereinbart werden:

Typischerweise führt ein Lizenznehmer 5 bis 10 Prozent des Verkaufspreises im Rahmen der Verträge ab. Aber das kann verhandelt werden.“

g36c
Bild: Die „G 36c“ als „X9 tactical“ in „Army of Two: The Devil’s Cartel”.

Speziell im Fall des EA-Titels „Army of Two: The Devil’s Cartel” kann dies makaber werden: Der Spieler kämpft hier unter anderem in Mexiko gegen Drogenbarone, wobei zu seinem Arsenal mit dem „G 36c“ (Als „X9 tactical“ bezeichnet) auch eine Waffe aus dem Sortiment des Waffenherstellers „Heckler und Koch“ gehört. Eben dieser steht seit mehreren Jahren im Verdacht das reale „G 36“ illegal in die mexikanischen Regionen geliefert zu haben, in der die Bandenkriegen stattfinden. Sollte EA auch hier Lizenzgebühren an den Hersteller entrichtet haben hieße das, dass die Käufer indirekt den illegalen Versand genau in den Konflikt unterstützt hätten, indem sie am Bildschirm kämpfen. Ähnlich absurd würde es werden, wenn der Schaffer des Mauer-Shooters „1378 (km)“ vor der Wahl stünde, die tatsächlich von den Grenzern verwendeten Sturmgewehre vom Typ „AK 47“ nicht darzustellen, oder dem Hersteller dieser Waffe, mit der real auf Flüchtlinge geschossen wurde, Tantiemen zu entrichten. Insoweit wäre auf Videospielen der Hinweis – mit dem Kauf dieses Produktes unterstützen sie (nicht) Waffenhersteller – vielleicht gar keine so schlechte Idee. Ähnliche Hinweise gibt es bisher vereinzelt bzgl. einer Kooperation mit dem Militär. So heißt es im Fall von „Ghost Recon Future Soldier“:

„The US Military does not promote or endorse this product.”

Korrektur:

EA hat nach eigenen Angaben auch bisher keine Lizenzgebühren für die Darstellung virtueller Waffen an die jeweiligen Hersteller gezahlt. „arstechnica“ fasst eine Stellungnahme wie folgt zusammen:

EA has never paid a licensing fee to a gun maker to include their weapons in a game, nor has it been paid by a gun maker to feature its particular weapons.

Reuters schrieb in der ursprünglichen Meldung, dass sich EA von der Lizenzgebühren an die Hersteller „lösen“ aber auch zukünftig reale Waffen – jedoch ohne Gebühr – darstellen wolle:

Electronic Arts says it is severing its licensing ties to gun manufacturers – and simultaneously asserting that it has the right, and the intention, to continue to feature branded guns without a license.“

Dieser Satz soll sich allein auf „Medal of Honor: Warfighter“ beziehen. Hier habe EA Waffenhersteller auf der Webseite zum Spiel bzw. deren Produkte im Spiel präsentiert, wenn die Hersteller im Gegenzug Geld an Veteranenorganisationen spendeten. Das Geld sei dabei nicht über EA geflossen und es habe sich um einen Einzelfall gehandelt:

Zero money from the manufacturers ever went to EA—all money went directly to the veterans‘ charity. […] No other EA game or service has used licensed gun images in a game.“

(Dank an Theo Patrits.)

22 Gedanken zu “Kauf von Spielen kann Waffenindustrie sponsern – EA will aussteigen (Korrektur)

  1. Und was soll daran verwerflich sein ?
    Immerhin fällt bei jedem Spiel – und jedem anderen Konsumgut – 19% Mehrwertsteuer an.
    Auf die Gewinne der Spielehersteller werden Steuern fällig.
    Die Löhne und Gehälter welche die Spielehersteller an ihre Beschäftigten zahlen sind ebenfalls steuerpflichtig.
    Teile dieser Steuereinnahmen dienen auch dazu die Rüstungsindustrie zu finanzieren.

    Warum sind also Lizenzgebühren an Waffenherstellern ein Problem, die Steuern mit denen die Waffenindustrie zu überwiegenden Teil finanziert wird aber nicht ?

    Verwerflich wird dieser Zusammenhang erst dann, wenn man aus den Lizenzgebühren ein Zusammenhang zu Militarismus herstellen kann.
    Wobei es natürlich darauf ankommt den richtigen Militarismus zu kritisieren.
    Michael Schulze von Glaßer hat z.B. kein Problem in der Zeitung Junge Welt zu publizieren, einer Zeitung in welcher der Militarismus der DDR auch mal gerne beschönigt wird, etwa als den Grenztruppen der DDR für 40 Jahre Friedenssicherung danke gesagt wurde.

  2. Das Rote Kreuz wurde in Videospielen für gewöhnlich überhaupt durch ein Grünes oder Schwarzes ersetzt. Und ich überlegte deshalb auch schon oft meine Unterstützung für den Verein einzustellen. Die feindseligen Ideologien sind in jedem Fall überaus durchsichtig.
    Ich behaupte mal, dass das Automobil mehr Menschen auf dem Gewissen hat als eine x-beliebige Schusswaffe, die vielleicht auch viele schon retten konnte, während die meisten Schusswaffen in Privatbesitz kaum je andere Menschen verletzt haben werden. Vermutlich nicht einmal beim Militär – in unseren friedlichen Zeiten und Gegenden. Doch mit Unterstützung durch etwa Volkswagen hatten auch schon andere kein Problem – eher im Gegenteil. Und sind keine Schusswaffen mehr zur Verfügung, gibt es vielleicht weniger Todesfälle, aber kommt es wohl – siehe das Verhältnis von GB zu den USA – zu mehr Messerattentaten.
    Eine geladene Schusswaffe ist sicherlich eine sehr gefährliche Sache und ich möchte damit in jedem Fall nie und nimmer hantieren brauchen, aber letztlich töten nicht diese Werkzeuge Menschen, sondern weiterhin immer nur (andere) Menschen –

  3. @Alreech
    Bei „Steuern“ hat man keine Wahl – die muss man zahlen. Bei Spielen kann man es sich aussuchen, ob man ein Spiel kauft, bei denen Waffenhersteller mitverdienen oder nicht – sofern man denn das weis..

  4. Pingback: Linkgebliebenes 19 « kult|prok

  5. Na dann guckt mal Filme in denen Panzer, Helis, Waffen und vieles mehr an Kriegsgerät zu sehen ist… und wenn man die Waffenverkäufer nicht mit harter Währung unterstützt dann zumindest mit kostenloser Werbung. Da geht kein Weg dran vorbei, sofern wir nicht alle den PC/Fernseher/… ausmachen und fortan nur noch Eisbären retten :XX

  6. @maSu
    Afaik ist bei Filmen weniger das Problem sich mit den Herstellern gut zu stellen, sondern es ist schwer sich adhoc die Armee zusammenkaufen (Problem war vor CGI natürlich gravierender). Soweit ich mich erinnere war es z.B. bei „Apocalyspe Now“ schwer das Gerät ohne ein bzw. das US-Militär zusammenzubekommen. Bei anderen Filmen, wie „Windtalkers“ oder „Jagd auf Roter Oktober“ muss dann für die Unterstützung durch das Militär das Drehbuch geändert werden. Dass es nichtsdestotrotz zu einem Werbeeffekt für das gezeigte Gerät bzw. die Truppen kommt, kann man nicht ausschließen, doch das ist imho kein Grund sich denen direkt um den Hals zu werfen.

  7. Ich bin mir nicht ganz im Klaren darüber warum die Waffenindustrie in letzter Zeit ein Problem darzustellen scheint. Deutschland ist wenn mich nicht alles täuscht die Nummer 3 oder 4 weltweit was den Waffenexport angeht. Wir sind eine waffenhandelnde Nation, eine DER waffenhandelnden Nationen überhaupt.

    Die Vergleiche wieviele Menschen man ernähren könnte wenn man Nahrung statt Games gekauft hätte riecht für mich nach Vorwurf. „Schau nur was sein könnte wenn du was sinnvolles mit deinem Geld tätest“.

    Das Problem ist das man das mit allem machen kann das nicht zum unmittelbaren Überleben nötig ist, von Schuhen über Computer bis hin zu Dildos.

  8. @Rey:
    Dann ist die Frage ob Lizenzgebühren an die Hersteller der dargestellten Waffen fließen für dich ein Kriterium ob die Spiele kaufst die einen militärischen Konflikt als Hintergrund haben ?
    Du hast also kein Problem damit das in Battlefield 3 Russland und Iran als Konfliktgegner gezeigt werden, die im Irak und Frankreich bekämpft werden, solange EA keine Lizenzgebühren an die Hersteller der gezeigten Waffensysteme zahlt ?

    IMHO kann man auch den Käufer von Spielen wie Army of Two keinen Vorwurf machen sie würden den Illegalen Export von Sturmgewehren an die Polizei bestimmter mexikanischer Bundesstaaten unterstützen.
    Verantwortlich sind dafür die Verantwortlichen bei Heckler und Koch, nicht der Käufer von Army of Two.
    Solche Argumente dienen auch dazu die Verantwortlichkeiten zu verwischen oder soweit auszuweiten das man damit selber moralisch fragwürdige Handlungen rechtfertigen kann.
    Ein Beispiel dafür: Der Brandanschlag auf das Auto der Freundin von Til Schweiger, weil dieser „den neuen Deutschen Imperialismus und Militarismus“ unterstützt.

  9. @Alreech
    Ich meine das jeder selbst damit zurecht kommen muss, was er mit seinem Konsumverhalten unterstützt. Ich selbst kaufe schon kein „Battlefield 3“ wegen dem DRM/Origin. Dass dort nur Iran/Russland (Bzw. Teile davon?) etc. als Gegner gezeigt wird ist sicherlich nicht feierlich, aber vor dem Hintergrund zu erwarten. Ich selbst finde da die auf mich abzielende Propaganda als zweitrangig gegenüber dem Fakt, wen ich mit dem Kauf sponsere. Und wenn ich mir ansehe, dass mit der „F 35“ in „Battlefield 3“ „Lockheed Martin“ und damit ein Hersteller geächteter Streumunition Geld bekommt, ist das etwas, was ich nicht sehr prickelnd finde. Wenn im „Media markt“ eine „Spendenglas“ für die Hersteller von Streubomben stehen würde, würdest du da bei jeden Kauf 3 € reinschmeissen? Ich nicht.

  10. Mich wundert nur weshalb beim Waffenhandel immer das Negative so weit vorangestellt wird. So stattet der österreichische Hersteller Glock glaub ich die amerikanische Polizei aus, also das Gewaltmonopol wird ja auch nicht in Frage gestellt und so eine Pistole hat dann sicherlich schon vielen Menschen auch geholfen, wobei auf der Ebene von Schaden und Verbrechen sicherlich auch Lebensmittelkonzernen wie Mondelez oder Danone viel vorgeworfen werden kann. Und deren Produkte sind noch deutlich näher am Menschen dran als derlei Flugzeuge – Auf der anderen Seite habe ich mich auch schon oft gegen Polizeigewalt geäußert.
    Also ich halte das weder für rational, noch für aufklärerisch oder eine Verantwortung welche tatsächlich übernommen werden könnte. Man stelle sich nämlich vor was basieren würde wenn die Unterstützung für derlei Konzerne wirklich alle fallen lassen würden: mir gefällt auch nicht was das Rote Kreuz gegen Videospiele hat, dennoch wäge ich da ab. Dass Lockheed Martin Streubomben herstellt kann mir natürlich auch nicht gefallen, dennoch freut es mich natürlich dass deren andere Produkte halt vielleicht auch zur Luftraumüberwachung dienen. Die USA und andere wie China tun bei der Ächtung davon auch schon nicht mit: das erinnert mich wieder an hiesige Politik welche das Grazer Fußballstation in einer Nacht-und-Nebel-Aktion umbenannte, nur weil sich Arnold Schwarzenegger weigerte einen Mörder zu begnadigen. Ja ich bin als eingebildet-zivlisierter(er) Europäer selbstverständlich auch gegen die Todesstrafe, halte das schlicht für eine Barbarei, genauso wie ich gegen die Scharia bin, aber das gibt mir noch lange nicht das Recht das so weit zu bekämpfen. Ich kann das verurteilen und mich politisch dagegen äußern, versuchen zu intervenieren, aber als Demokrat akzeptiere ich auch die Spielregeln in fernen Ländern. Das heißt ich kritisiere auch die Zivilisation und stelle etwa den Humanismus in Frage –
    Ich halte auch das deutsche Gewaltdarstellungsverbot für menschenrechtswidrig, dennoch rufe ich deshalb etwa nicht zum Boykott deutscher Waren auf – Ich könnte das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Wenn ich in Deutschland zu Gast bin benehme ich vielleicht nur ordentlich(er) und nehme halt kein Videospielgerät mehr mit, genau so wie ich als Nudist auch nicht nackt in eine Moschee gehe.

  11. @Pyri
    Jeden bleibt unbenommen seine Sympathien nach eigenem Gutdünken zu verteilen. Die Rüstungsindustrie hat meine – ist natürlich eine subjektive Entscheidung – nicht.

  12. Gibt es eigentlich offizielle Statistiken welche Hersteller für welches Spiel wie viel Lizenzgebühren entrichten? Ich finde das Thema durchaus diskussionswürdig. Keine Ahnung, ob Ubisoft für die Verwendung von Waffen in Far Cry 3 bezahlt hat – was ich verwunderlich fände, da auf dem Tropenparadies dort sämtliche bekannte modernen und klassische Waffen den Piraten und Drogendealern in die Hände fallen.

    Habe ich früher als ich als ich an der Uni mit meinen linken Kumpels bei Demos mitgelaufen bin, die deutsche Waffenindustrie und die Ausgaben für innere Sicherheit unterstützt? Unterstütze ich Rüstungsausgaben, wenn ich bei Großveranstaltungen teilnehme, welche ein gewisses Sicherheitsrisiko in sich bergen? Je mehr Personen an solchen Veranstaltungen teilnehmen, desto größer und besser ausgerüstet ist auch in der Regel die Polizei.

  13. Bisher habe ich immer gedacht die Waffenhersteller wären schon mit der einfachen Präsens ihrer Systeme in den Spielen zufrieden, aber dass die daraus Profit schlagen finde ich nicht richtig. Letztendlich verfolgen diese Unternehmen immer noch sehr ernste Angelegenheiten und da passt es für mich nicht ins Bild, wenn man sich noch ein Standbein in der Freizeitbeschäftigung der Videospiele aufbaut. Man sollte sich hier aufs Kerngeschäft konzentrieren, schon aus Respekt vor der eigenen Materie.

  14. @Rey
    Nein, ich würde nichts in den Spendentopf werfen. Weil ich dafür keine Gegenleistung erhalte.
    Auch EA zahlt keine Lizenzgebühren weil sie Streubomben toll finden (die Bomber aus BF2 wurden übrigens in BF3 deutlich abgeschwächt) sondern weil sie damit das Recht erhalten die Produkte von Lockheed Martin im Spiel darzustellen.
    Wegen den Lizenzgebühren wird keine einzige Streubombe mehr oder weniger hergestellt, egal ob EA nun zahlt oder nicht.
    Im Kontext von Rüstungsindustrie und Politik sind Lizenzgebühren für Spiele ein Nebenaspekt der IMHO irrelevant ist.
    Allerdings werde ich deinen Beispiel folgen und das nächste FIFA boykottieren weil ich nicht indirekt durch die Lizenzgebühren die Steuerhinterziehung von Uli Honeß unterstützen will… fällt mir leicht, da ich solche Spiele eh nicht spiele ;-)

    @Pyri
    Sieh’s positiv, immerhin haben sich deine Landsleute durch die traurige Geschichte um Jack Unterweger nicht davon abhalten lassen weiterhin für Menschen zu kämpfen die Opfer einer fiesen Justiz wurden ;-)

  15. @Pyri:
    „Und ich überlegte deshalb auch schon oft meine Unterstützung für den Verein [Anm.: Das rote Kreuz] einzustellen. Die feindseligen Ideologien sind in jedem Fall überaus durchsichtig.“

    Ich bin kein Mitglied des Roten Kreuzes, aber soweit ich weiß verlangt man von den Mitgliedern absolute Neutralität. Weder dürfen sie sich politisch, noch religiös, noch persönlich äußern. Das ist so, damit man nicht durch die „Eigene Meinung“ anderen Leuten auf den Schlips tritt, denen man eigentlich helfen will. Also z.B. keine Äußerungen aller „Ich finde Christentum toll“ weil man es sich dadurch bei islamistischen (oder anderen) Fundamentalisten verscherzen könnte. Bei einer Ideologie der (beinahe) absoluten Neutralität von feindselig zu sprechen finde ich daher äußerst witzig. Fast genauso witzig wie die Unterstützung einzustellen, weil die Kreuze in Videospielen Grün statt rot sind. Aber hey, toll das du bisher überhaupt geholfen hast.

    MfG
    Thomas

  16. @Thomas
    „Witzig“ finde ich es jedenfalls nicht wenn eine einfache Google-Suche zu „red cross video game“ mir als ersten Treffer gleich das hier als Ergebnis liefert: http://www.geek.com/games/red-cross-violent-video-games-violate-international-law-1448029/
    Mehr als einen Link kann ich ohne Freischaltung hier leider nicht bringen –
    Ich bin im Übrigen auch kein Mitglied bei dem Verein – so weit würde meine Unterstützung dann nämlich doch nicht gehen, auch wüsste ich nicht wie derlei „violente“ Autorität – um mit deren Worten zu sprechen – sich noch mit „Neutralität“ vereinbaren ließe. Das kann dann aus meiner Sicht als betroffener, andersdenkender Videospieler nämlich nur eine Verhöhnung davon sein – geschweige denn von „Hilfe“…

  17. Dabei handelte es sich um Gespräche innerhalb der Organisation. Es wurde dahingehend keine Aktion oder ein Plan beschlossen. (siehe Link, ist aber von 2011)

    http://www.icrc.org/eng/resources/documents/faq/ihl-video-games-faq-2011-12-08.htm

    Bestes Statement des roten Kreuzes (frei übersetzt von mir): „Verletzten Gamer Menschenrechte? – Nein. Die kann man nur in der Realität verletzten.“
    Oder auch die Hauptaussage um die es hier wohl geht: Das Rote Kreuz will wohl nur, dass in Videospielen die gleichen Gesetze gelten wie in der realen Welt – Als Werbung für diese Rechte! Wenn diese Rechte nicht gelten, dann ist das eben Pech (für sie/ihre Sache). Aber sie begrüßen es, wenn sie gelten.

    Beim überfliegen musste ich jedoch auch feststellen, dass sie behaupten, Videospiele und Militärsimulationen würden von den gleichen Leuten entwickelt werden. Ich hab keine Ahnung ob das stimmt. Und wenn, wäre es mir auch egal. Für Schießkinos wurden sicherlich auch schon „stink-normale“ Filmemacher eingestellt.

    Also noch mal zurück zum Anfang: Wo ist das Problem wenn eine Friedensorganisation nicht durch Videospiele mit Kriegsszenarien beworben werden will und die Kreuze in Spielen stattdessen grün, rosa oder bunt-gestreift sind?

  18. Die Probleme mit den Emblemen beziehen sich afaik in erster Linie auf diese Stellungnahme des Kanadischen Roten Kreuzes: http://www.redcross.ca/article.asp?id=016637&tid=001
    Ähnliche Äußerungen gibt es von Michael Meyer, seines Zeichen ein Repräsentant (oder sogar der einstige Chef) des Britischen Roten Kreuzes. Alles in Hinblick auf Illegalität. Ansonsten kenne ich glaub ich nur einen Beitrag vom US-Juristen Dave Glazier noch näher, vielleicht finden sich hier im Archiv aber auch noch weitere Stellungnahmen – das Thema kam wohl schonmal zur Sprache als „Stigma Videospiele“ seinen Betrieb gerade erst aufgenommen hatte.
    Ob es daraufhin zu Klagen in Hinblick auf eine tatsächliche Prohibition, oder auch nur bloß deren Androhungen, kam, kann ich als Außenstehender naturgemäß nicht sagen – Firmen in der Branche sind, gerade wenn es um solche Sachen geht, erfahrungsgemäß keineswegs transparent und erscheinen mir insgesamt schon weitgehend eingeschüchtert aufgrund der öffentlichen Wahrnehmung von Themen wie Krieg oder Gewalt. Aber auch wegen deren Selbstverständnis als UnterhalterInnen versus (Volks-)BildnerInnen, das mir eine etablierte Medienwissenschaft unsäglicher Weise nur zu fördern statt endlich aufzuheben scheint. Und dahingehend wende ich mich auch traditionell gegen Begriffe wie „Spielspaß“ etc.
    Plötzlich waren rote Kreuze aus neuveröffentlichten Videospielen jedenfalls verschwunden. Und ich lege Wert darauf festzustellen, dass ihre Bedeutung darin KEINE andere gewesen ist als in einer „realen“ Welt – sie waren auch in Videospielen auf nichts anderes als Gesundheit bezogen (!). Und insofern stellte sich das RK da eindeutig dagegen, zumal dieser Text sich ganz klar gegen andere Leben und Welten ausspricht. Da gibt es aus meiner Sicht überhaupt nichts daran zu deuteln. Ich habe mich seit gestern Nachmittag zu dem Thema auch schon mit tatsächlichen RK-MitgliederInnen unterhalten und dort konnte ich zusätzlich kein Verständnis für die hier getätigte Behauptung ernten, wonach das IRK schon etwas gegen politische oder persönliche Äußerungen (an sich) hätte, wegen Neutralität und so – also sich bereits gedankenpolizeilich festgelegt. Ich finde das schon allein gegenüber dem IRK einigermaßen dreist und möchte mich deshalb dazu jetzt auch nicht mehr äußern – Also ich kann nur raten das noch einmal zu überprüfen: da scheint etwas gründlich missverstanden worden zu sein.
    Das RK hegt offensichtlich (die üblichen) Bestimmungen gegenüber Videospiele, interpretiert Kriegsspiele anscheinend nur als „Prokriegsspiele“, zumal mir keine entsprechenden Stellungnahmen oder (Wert-)Urteile gegen Filme oder Comics bekannt sind
    Aber damit hat sichs auch – das IRK ist demnach höchstens Opfer ihrer eigenen „Welt“. Wie andere ebenfalls –

    Aus meiner Sicht gibt es viel zu wenig Darstellungen von Kriegsverbrechen in Videospielen. Ich würde deren Mangel sogar als eines ihrer größten und eklatantesten Probleme beschreiben. Und wenn selbst das RK diese Ausdrucksform (auch) so auffassen möchte, dass darin über kulturelle Sauberkeitsvorstellungen nur eine Beschönigung von Leben und Welt stattfinden sollte, dann finde ich das nur umso bedenklicher. Ich kann es mit meinem Gewissen jedenfalls nicht vereinbaren mich an diesen Normen, wie autoritär diese im konkreten Fall auch immer durchgesetzt werden möchten, zu beteiligen.
    Die Verbindungen zwischen Videospielen und Militär sind dabei sicherlich vielfältig, aber eben womöglich auch nicht anders als in anderen Medienformen. Ich bin kein (amerikanischer) General. Und ich wüsste auch nicht welche Relevanz das haben sollte: am Ende soll diese verschwörungstheoretische Bemerkung vielleicht noch darauf hinaus laufen, dass Militärangehörige vom RK nichts zu erwarten hätten. Ich hoffe zumindest das NICHT, denn so ungeheuerlich es auch klingen mag, aber selbst SoldatInnen sind Menschen für mich. Punkt.

  19. „Und ich lege Wert darauf festzustellen, dass ihre Bedeutung darin KEINE andere gewesen ist als in einer “realen” Welt – sie waren auch in Videospielen auf nichts anderes als Gesundheit bezogen (!).“

    Ich gehe jetzt mal von dem Beispiel im stigma-Artikel aus, indem das Symbol auf Healthpacks geändert wurde: In dem von dir verlinkten Artikel steht gleich als Einleitung, dass das Rote Kreuz auch gegen den Missbrauch ihres Symbols bei real existierenden Erstehilfe-Anbietern ist.
    Da ist es doch nur Konsequent, wenn sie auch dagegen sind, dass Erste Hilfe-Kästen in Spielen auch kein rotes Kreuz tragen dürfen. (Übrigens steht ebenfalls in der Einleitung, dass sie selbst bei „realem“ Spielzeug kein Auge zudrücken.)
    Ich will auch festhalten, dass in dem von dir verlinkten Artikel auch steht, dass sie gegen den missbräuchlichen Einsatz dieses Symbols vorgehen werden und zwar UNTER ANDEREM bei der Videospielindustrie und nicht AUSSCHLIESSLICH bei der Videospielindustrie.
    Und ich will festhalten, dass das Rote Kreuz, welches „im Besitz“ dieses Symbols ist (neben Krankenhäusern und Sanitätern beim Militär) und das schon seit 1949 (Genfer Konvention) und früher, (laut dem von dir verlinkten Artikel) auch lieber außerhalb des Gerichts und friedlich zu einer Einigung gelangen möchte.

    Ich kann daher leider immer noch nicht erkennen, wo das Problem ist. Weder gehen sie gegen angebliche Menschenrechtsverletzungen in Spielen vor, noch wollen sie dies in Spielen verhindern, noch gehen sie sonderlich aggressiv gegen den Gebrauch ihres Symbols vor.
    So wie man ein „Kriegsspiel“ auch als „Kontra-Kriegsspiel“ deuten kann und öffentlich äußern darf, so darf man auch das Gegenteil äußern, weil man „Kriegsspiele“ als „Pro-Krieg“ betrachten könnte (solange man nicht versucht, diese Spiele dann rechtlich zu zensieren – was das Rote Kreuz, so wie ich es verstanden habe, nicht plant – ist doch alles in Ordnung und befindet sich im Rahmen der freien Meinungsäußerung). Was soll das überhaupt heißen „Pro-Kriegsspiel“? Ich glaube nicht, dass irgendjemand der Spielindustrie unterstellt, sie wäre für realen Krieg. Wenn dann wird wohl eher unterstellt (und ich möchte annehmen zum Teil zurecht), dass diese Industrie nicht viel Wert auf eine künstlerische, großartig zu deutende Aussage legt im Sinne von „Wir zeigen jetzt die Schrecken des Krieges, weil wir gegen Krieg sind.“ Ich sehe da eher ein „Wir zeigen die Schrecken des Krieges, weil es viel Geld einbringt.“

    Noch mal zur Neutralität: Zu sagen „Ich finde es nicht gut, wenn Amerikaner oder Araber sich abschlachten“ mag zwar als politische Aussage gelten, aber zieht dennoch keine Seite der anderen vor und kann somit als neutral gelten.
    Siehe dazu auch: http://www.drk.de/pressemeldungen/meldung/6112-150-jahre-rotes-kreuz-am-24-juni-neutralitat-bleibt-oberstes-prinzip.html

    MfG
    Thomas

  20. *EDIT*
    „Da ist es doch nur Konsequent, wenn sie auch dagegen sind, dass Erste Hilfe-Kästen in Spielen auch kein rotes Kreuz tragen dürfen.“

    Doppelte Negation…
    Mache aus „kein -> ein“ oder aus „dagegen -> dafür“. ;)

  21. @Theo Patrits
    Bei „Warfighter“ war das auch mit ein Grund weshalb ich das Spiel sehr gegen die Anfeindungen in der Presse unterstützt hatte
    Activision verfügt sogar über eine eigene HIlfsorganisation für VeteranInnen http://www.callofdutyendowment.org
    Da geht es um das große Problem arbeitsloser VeteranInnen, damit diese nach ihrem Militärdienst wieder (zurück) in ein ziviles Leben finden
    Und bei der in meinen Augen schieren Menschenverachtung von Leuten wie Schulze von Glaßer kommen solches Bemühen und derlei Anstrengungen eben leider nicht vor –
    Quellen wie dieser Ralph Vaughn oben sind gerade für die deutsche Presse dabei natürlich ein gefundenes Fressen, obwohl ich deren Glaubwürdigkeit auch unbedingt in Frage stellen möchte.
    Dennoch werden vermutlich irgendwann mal Gelder für die Lizenzierung von Waffen geflossen sein – allein wie intransparent sich die Branche dabei gibt. Die Verbindungen sind zweifellos vielfältig, es ist unverständlich weshalb für Autos offenbar Unsummen ausgegeben werden – aber für ein aufwendiges Gewehr nicht, und wie ich oben schon schrieb könnte die Gesprächsverweigerung von Activision aber auch an Einschüchterung wegen der öffentlichen Wahrnehmung von Krieg und Gewalt in Videospielen liegen, in dem Fall dahingehend dass sie dann fürchten künftig vielleicht (noch mehr) zahlen zu müssen, oder dass – zusammen mit dem Lobbyismus gegen Videospiele, siehe den NRA-Stance gegen Games – am Ende gar keine realen (Schuss-)Waffen mehr verwendet werden dürfen (!) …

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