Lesehinweis

In den letzten Tagen haben sich einige Autoren mit der kulturellen Bedeutung von Videospielen bzw. den von ihnen transportierten Inhalten auseinandergesetzt.

„Rockstar“-Titel werfen nach dem Standard – angeregt durch Jon Hochschartner – „die Frage auf, wie politisch Videospiele sein können„, und fragen letztendlich, „ob Videospiele nicht tendenziell anti-liberale Positionen einnehmen„, wobei offen bleibt, ob dies auf eine dahingehende Einstellung der Entwickler oder den Eigenheiten der Spielmechanik beruht.

Ebenfalls im Standard setzt man sich mit der neuen WASD auseinander, in der Herausgeber Christian Schiffer eine mutigere Auseinandersetzung mit politischen Inhalten wünscht: „Computerspiele sollten öfter den Finger in die Wunde jener Dinge legen, die die Gesellschaft nicht sehen möchte. […] Computerspieldesigner sollten den Skandal suchen, sich aber später auch der Debatte stellen.“

Thomas Lindemann schreibt bei der Zeit über das „das Warten auf das kulturell wertvolle Spiel„, wobei er sich schlicht (mehr) Spiele wie „Bioshock Infinite“ wünscht, „die den Intellekt nicht beleidigen„. Anders, als bei Filmen, würde es selten vorkommen, dass man „hinterher […] in heißen Diskussionsrunden darüber“ rede, denn es gebe „meist […] nichts zu diskutieren„.

„Passend“ zum kulturellen Wert von Videospielen und Autoren, die sich polarisierende Inhalte, mehr Mut zum Skandal und „Sex, Drugs & Rock’n‘ Roll“ wünschen, hat sich übrigens die Verabschiedung des „Gesetzes über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften“ am 09.06.1953 zum 60. mal gejährt. Die Mitglieder vom Mediengewalt e.V. nehmen diesen runden Geburtstag zum Anlass, um der BPjM zu gratulieren und „wünschen noch mehr Biss für die Zukunft!„.

(Dank an Pyri, Shane_Fenton und hecterspecter.)

3 Gedanken zu “Lesehinweis

  1. Nun, da Saints Row IV gerade von der USK ungekürzt „Ab 18“ bekommen hat, dürfte die BPjM wohl eher nur in die Tischplatte beissen. :D

  2. es gibt doch Skandale genug:
    Man muß sich doch nur an GTA: San Andreas erinnern, einen Spiel bei dem es nur darum geht möglichst viele Frauen zu vergewaltigen.
    Oder Call of Duty, einem Spiel das vor allem von Familienvätern und Nazis gespielt wird.

    Und tatsächlich ist Rockstar anti-liberal, weil sie in Red Dead Redemption gewagt haben einen Revolutionär ambivalent darzustellen statt ihn zu einer reinen Lichtgestalt zu machen, welche die meisten Revolutionäre nun mal gewesen sind.
    Schließlich starb Che für unsere Sünden, damit wir sein Anlitz auf Brieftaschen und T-Shirts drucken können.

  3. Die ganze Definition von Liberalität schreit dabei ja zum Himmel. Das ist aber auch ähnlich wie jener positivistisch-kommunitaristische Politikbegriff damals bei Herrn Christian Schmidt. Dort wurde es ja schon als Problem und Negativität ausgelegt, wird in Games Korruption thematisiert. Das scheinbar nicht als „Kritik“ akzeptiert. Zumindest beim Standard wird in der Bildunterschrift neben dem angeblichen „Rechts(radikal?)“-Sein-Artikel der Videospiele ja aber noch eingestanden (!?), dass damit keine europäischen Begrifflichkeiten gemeint wären. Als ein Zugeständnis will ich das jedoch noch nicht gelten lassen, erwähnt sollte der Disclaimer (?) hier aber schon werden mein ich. Ursprünglich wird sich der Text vor allem zwischen dem Begriffspaar „libertär“ und „liberal“ bewegt haben, aber die libertäre Ideologie in Europa mitteilen zu wollen ist halt noch immer schwierig. Und dann wird halt auch lieber gleich der linksliberalen Propaganda aus dem Originalartikel gefolgt, wonach es linke Libertäre nicht geben könne. Eine kritische Beziehung zum Staat als illiberal aufzufassen ist natürlich kompletter Unsinn, da der Staat in dem Fall immer die Autorität ausmacht. Also nicht unbedingt ernst zu nehmen, aber eine gefährliche Schlagseite in Hinblick auf eine Diktatur weist das Ganze nebenbei schon auch auf…

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