WASD-Artikel von generationmedien.de umgedeutet

(gm.de) Jüngst hat eine Studie ergeben, dass Erwachsene in Deutschland im internationalen Vergleich Texte nur mittelmäßig lesen und verstehen können. Die Verantwortlichen von generationmedien.de stellen hierbei offenbar keine Ausnahme dar – anders lässt sich der Blogeintrag vom 07.10.2013 kaum erklären, in dem man den (auch) auf Spiegel Online erschienen Artikel „Menschenrechte in Kriegs-Shootern: Wir brauchen einen Skandal“ für sich zu vereinahmen versucht.

Schon der Umstand, wer hier für wen schreibt, wird falsch verstanden. Generationmedien.de spricht davon, dass „jetzt ein […] Autor, der eigentlich für ein Gamer-Magazin tätig ist, […] bei Spiegel-Online“ schreibt. Es wirkt so, als ob es sich bei dem Autor um den Redakteur eines Videospielmagazins handelt, der jetzt „außer der Reihe“ einen Artikel für Spiegel Online verfasst hat.

Hier wäre es hilfreich gewesen, auch den zwei Zeilen unterhalb des Artikels etwas Aufmerksamkeit zu schenken. In diesen wird nämlich unmissverständlich klargestellt, dass der Artikel weder erst „jetzt“ noch für „Spiegel Online“ geschrieben wurde:

    „Dieser Text ist erschienen im Videlospielmagazin „WASD – Texte über Games“, Ausgabe 3, www.wasd-magazin.de.“

Der Autor hat also nicht „bei Spiegel Online“, sondern für die 3. Ausgabe des WASD-Magazin geschrieben. Bei Spiegel Online ist es nicht ungewöhnlich, dass dort auch Artikel aus anderen Formaten (zweit-) veröffentlicht werden. Wahrscheinlich als Win-Win-Situation gedacht, bei der sich die Contentlieferanten mehr Aufmerksamkeit erhoffen. So u.a. in der Vergangenheit in Zusammenhnag mit Videospielen schon bei Beiträgen der GEE geschehen.

Für die WASD wurde der Artikel auch nicht erst „jetzt“, sondern schon im Juli dieses Jahres – also vor etwa 3 Monaten – geschrieben. Nur bei Spiegel Online ist er am 06.10.2013 und damit aktuell veröffentlicht worden.

Weiter ist es auch nicht der Fall, dass der „WASD-Autor Michael Schulze von Glaßer […] eigentlich für ein Gamer-Magazin tätig ist“. Sicherlich ist das WASD ein Gamermagazine (wobei man selbst die Bezeichnung als Bookzine bevorzugt), das jedoch lediglich alle 6 Monate erscheint und von Glaßer nicht als festen Redakteur beschäftigt. Er ist vielmehr, wie es auch bei der WASD angeführt wird, Beschäftigter des „Informationsstelle Militarisierung e.V.„, die aus dem linksalternativen Spektrum hervorgegangen ist und nach ihrer Satzung für Völkerverständigung werben und die Probleme kriegerischer Konflikte aufzeigen möchte. Von Glaßer selbst betreibt auch das Blog militainment.info, in dem er regelmäßig auf problematische Hintergründe und Inhalte von Videospielen hinweist. Von daher dürfte die Einordnung des Autors als Journalist eines Games-Magazin etwas zu eng gefasst sein. Zumindest aus meiner laienhaften Sicht dürfte sich auch die Bezeichnung als Friedensaktivist aufdrängen.

Dieser Hintergrund nimmt der folgenden Aussage von generationmedien.de dann doch etwas von ihrer Überzeugungskraft:

    „Wenn inzwischen sogar selbst erklärte “Gamer” zu der Ansicht kommen dass es reicht mit der Gewaltdarstellung, dass Jugendlichen genug zugemutet worden ist […].“

Im Einzelnen:

    Zum ersten dürfte es nicht überraschen, dass sich ein Friedensaktivist und Beschäftigter der Informationsstelle Militarisierung e.V. kritisch über die Verletzung humanitären Völkerrecht äußert. Mit Verlaub, das ist sein Job!

    Zum zweiten ist das „selbst“ etwas beleidigend: Einerseits überzeugter Pazifist zu sein und andererseits mit BeNeLux die Weltherrschaft zu erringen ist, soweit letzteres bloß virtuell erfolgt, kein Widerspruch.

    Zum dritten unterstellt generationmedien.de dem Artikel eine Aussage, die dieser gar nicht beinhaltet. Es stimmt nicht, dass dort der Autor zu der Überzeugung komme, dass es „mit der Gewaltdarstellung“ reiche. Auch wenn – etwas missglückt – über „Menschenrechte“ in Kriegshootern geschrieben wird, ist es mitnichten der Fall, dass er sich an Gewaltdarstellungen im allgemeinen oder dem Umstand stört, dass auch beim in virtuellen Räumen gespielten Kriegen Soldaten fallen. Ihn stört allein, wenn dabei unkommentiert humanitäres Völkerrecht gebrochen wird. In solchen Fällen fordert er auch kein Verbot, sondern nur eine Thematisierung durch die Medien, um die vom Spiel „vergessene“ Kommentierung nachzuholen und zu einer kritischen Selbstreflektion zu veranlassen:

    „Natürlich thematisieren die Shooter kriegerische Auseinandersetzungen, in denen natürlich auch in der Realität immer Menschen sterben. Doch selbst im Krieg gibt es Handlungen, die geächtet und unzulässig sind. […] Es geht nicht um ein – vor allem in der Diskussion um „Killerspiele“ oft gehörtes – Verbot bestimmter Videospiele. Aber die in vielen Spielen zur Schau gestellten klaren Verbrechen gegen die Menschheit müssen als solche benannt und aufgezeigt werden.“

Diese Haltung mag etwas bigott wirken, wird aber vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) geteilt. Einerseits wünscht man sich Humanitäres Völkerrecht in Videospielen („[…] There is a place for international humanitarian law (the law of armed conflict) in video games.“), anderseits stellt man klar, dass man nicht an der Diskussion über Gewaltdarstellungen interessiert ist („The ICRC is not involved in the debate about the level of violence in video games.“). Ziel soll es nicht sein gewaltdarstellende Videospiele zu verbieten, sondern diese durch die Integration des humanitären Völkerrechts noch realistischer zu machen:

    „We would like to see the law of armed conflict integrated into the games so that players have a realistic experience and deal first hand with the dilemmas facing real combatants on real battlefields.“

Zum vierten ist von Glaßer ist weder zu der Ansicht gekommen, dass Jugendlichen genug zugemutet worden ist, noch hat er sich überhaupt mit dem Thema Jugendschutz befasst. In dem Artikel werden Jugendliche bzw. Minderjährige nicht einmal erwähnt. Auch nicht weiter verwunderlich, wo die erwähnten Videospiele („Call of Duty: Modern Warfare“, „Call of Duty: Modern Warfare 2“, „Call of Duty: Modern Warfare 3“ und „Call of Duty: Black Ops 2“) ausnahmslos – teils auch erst nach Zensuren – „ab 18“ freigegeben sind.

Die Freude von medienverantwortung.de darüber, dass „Spiegel Online […] in letzter Zeit hin und wieder kritisch über Spieletrends im Allgemeinen und Besonderen“ berichte, ist somit übereilt: Der Artikel mag gewaltdarstellende Videospiele kritisieren, doch nicht um sie zu verdammen, sondern um sie – im Sinne des Autors – zu verbessern. Alles andere ist Wunschdenken und hat mit dem Artikel nichts zu tun.

    Eintrag bei generationmedien.de
    Artikel bei SPON
    Webseite WASD

5 Gedanken zu “WASD-Artikel von generationmedien.de umgedeutet

  1. Zunächst ist SPON wohl offensichtlich eine engere Kooperation mit der WASD eingegangen. So wie eben früher schon bei der GEE – Dann glaub ich schonmal nicht, dass auch „Generation Medien“ etwas anderes tun möchte als „Videospiele“ zu „verbessern“, schließlich hat auch eine Schiffer andere Videospiele bereits gelobt (Papers, Please). So wie Von Glaßer etwa auch ein „Spec Ops – The Line“. Weiters gibt es bei Von Glaßer auch personelle Verbindungen zum Schiffer-Instiut „für Medienverantwortung“. Über Interviews, oder dass am „Miltiainment“-Blog dorthin verlinkt wird: es ist sogar nur einer von zwei Links dort, der andere geht eben zur „Informationsstelle Militarisierung“ (wer mir nicht glaubt: sicherheitshalber behalte ich schon länger die Belege für meine eigenen Äußerungen auf).
    Schließlich wüsste ich nicht wie eine „Verdammung“ sonst noch stärker ausfallen könnte, als wenn jemand schon schreibt dass es sich um klare „Verbrechen gegen die Menschheit“ handelt. Das „mag“ bei weitem nicht nur „etwas bigott wirken“, sondern deutet vielmehr darauf hin dass „Kritik“ nur das wäre was einem selbst so halt passt. Genehm ist: und die Ablehnung von Gewaltdarstellungen zieht sich beim Spiegel nicht nur in Richtung GTA, wie es bei diesem Blog-Eintrag heißt, sondern ist eine weit längere, den entsprechenden Diskurs verstärkende Linie – wie etwa früher hin zum „BioShock Infinite“-Artikel von Christian Stöcker.
    Die Frage ist vielmehr weshalb „Verbrechen“ dennoch nicht „verboten“ werden sollten. Etwas das eigentlich etymologisch – auch abgesehen von der ganzen Episteme – bereits ein Widerspruch ist, denn „Verbrechen“ geht doch schon davon aus dass etwas Verbotenes gebrochen wurde. Nicht einmal nur ein (gesellschaftliches) Tabu –
    Gewaltdarstellungen werden da allgemein offensichtlich ziemlich ähnlich gesehen – ab- und ausgegrenzt: „Gewalt“ die Freude bereitet wäre demnach prinzipiell schlecht. Es gibt keinen Platz für Ambivalenz oder Ambiguität. Zumindest nicht in spaßigen Actionspielen. Höchstens bei manchen Darstellungen von „Satire“, und selbst da werden eben enge Grenzen gezogen wenn es etwa um die Folter geht. Gewaltdarstellungen seien immer nur dann in Ordnung, wenn sie gewissermaßen nicht „konsumierbar“ wären, so wie etwa bei „The Walking Dead“. Weil sie grundsätzlich affirmativ interpretiert werden. „The Last of Us“ ist dabei schon ein Grenzfall gewesen, weil es einerseits so tut als ob, aber dann wieder doch sehr konventionell ist – und wurde dementsprechend mit einem Pro/Contra „bestraft“. Eine Ausnahme bilden vielleicht höchstens nur manche Überzeichnungen. Und ansonsten wird eine Abstraktion gefordert, wenn schon keine Reflexion die wiederum nur mit eben diesen Vorstellungen in Zusammenhang gebracht wird – wo die inkriminierten Spiele wie „Call of Duty“ nur verachtet zu werden scheinen, wobei die Ablehnung promilitärischer Titel sowieso einhellig und überbordend ist, dahingehend dass diese Titel eben allesamt nicht nur für die Leben(sweisen) von SoldatInnen eintreten sondern auch für alle möglichen „Kriege“ wären. Wenn sie über Komplexe à la Peter Bürger und Co. dafür schon nicht (mit)verantwortlich seien –
    Und wie ich im Forum schon schrieb haben all jene welche von Zeit zu Zeit diesen Artikeln eines etablierten Journalismus dahingehend applaudiert haben – oder einer nicht minder Ressentiment-beladenen, nur vorgeblich aufgeschlossenen Medienwissenschaft -, sich diese Entwicklung ein Stück weit schon ebenfalls sich selbst zuzuschreiben. Ihrer eigenen Naivität, so sie denn wirklich eine andere Meinung und/oder Einstellung dazu (je gehabt) haben. Mich eingeschlossen.
    Der Journalismus bei Spiegel und Co. ist ideologisch im Gegenteil vollständig durchorganisiert. Da braucht überhaupt nichts „vereinnahmt“ werden. Da ist alles schon ziemlich gleich. Nie im Leben würde die WASD doch den Artikel eines tatsächlich Andersdenkenden in der Sache auch nur in Erwägung ziehen zu veröffentlichen, allein schon weil sich so jemand ja nicht ihren sozialen Normen beugen wollen könnte und dabei für diese Leute sowieso gleich unter dem Verdacht steht ein Militarist, Kriegstreiber oder sonst was zu sein. Auch ein „Rassist“ – siehe „Medal of Honor“ und Co. Denn darauf läuft das alles nämlich hinaus. Nicht nur beim unliebsamen (US-)Militär und dem tendenziellen Antiimperialismus dagegen, sondern etwa auch bei heterosexuellen Erotikdarstellungen. Wie patriarchal und heteronormativ, eigentlich nichts anderes als selbst misogyn, diese Zugänge über bestimmte unerwünschte „Frauenbilder“ etwa auch eigentlich sind. Denn man stelle sich vor eine ähnliche Ablehnung, wie sie bei Videospielen mittlerweile bereits üblich ist, würde homoerotische Darstellungen von Männern betreffen. Männern würde ähnlich vorgeschrieben wie sie (nicht) zu kleiden wären: bloß die Houser-Brüder haben da als vermeintliche Satiriker eine gewisse Narrenfreiheit inne, werden mit der menschenverachtenden Gewalt über entsprechende Geschlechterrollen nicht von Vornherein als angebliche „Sexisten“ etc. verurteilt. Und grundsätzlich ist dabei etwa dieser gemeinsamer Kritikbegriff –

  2. @Pyri
    – Was ich mit dem „verdammen“/“verbessern“ „gewaltdarstellender Videospiele“ meine, ist, dass nach meinem Eindruck Ego-Shooter nach der Vorstellung von Schiffer nur noch wenig mit aktuellen Produktionen gemein haben würden (so dass man sie nicht mehr als solche erkennen würde), wohingegen die nach von Glaßer keine so gravierenden Änderungen nach sich ziehen würden.
    – Seine Ktitik ist imho ja nicht, dass die Videospiele Verbrechen gegen die Menschlichkeit zeigen würden, sondern dass diese nicht als solche benannt werden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er ein Spiel, in dem Kriegsverbrechen der Amerikaner in Vietnam gezeigt werden, ihn auch politisch ansprechen würden, wenn denn irgendwie klar gemacht wird, dass das falsch ist und hätte bestraft werden müssen.
    – Bei dem Punkt, weshalb nach SPON Verbrechen/Gewaltdarstellungen ok sein können, bin ich wohl wieder bei dir: Dort geht es dann um einen Subtext im Sinne des Autors, der die Gewalt auf irgendeine Art in einen letztendlich dann doch „begrüßenswerten“ und positiven Denkprozess einbindet bzw. bloß davon absieht, es „nur“ als Unterhaltung darzustellen.
    – Die Entwicklung, dass – z.B. bei der WASD – nicht nur gefordert wird, dass Videospiele sich mit politischen Themen auseinandersetzen sollen, sondern welches Ergebnis am Ende stehen soll, finde ich immer noch beängstigend und formal lässt sch dann kein großer Unterschied mehr zwischen SPON- und KFN-Artikeln festmachen. Beide begreifen das Spiel als Medium um Botschaften in ihrem Sinne zu verbreiten.
    – Ich finde schon, dass die von Schiffer dem Artikel unterstellte Aussage eine andere ist, als sie sich ihm entnehmen lässt. Es gibt sicherlich vielen Problemfelder, doch diese ändern nichts daran, dass von Glaßer weder über den Jugendschutz gesprochen noch (in diesem Artikel) profane Gewalt verurteilt hat. Es ging hier schlicht um humanitäres Völkerrecht, auch wenn er stellenweise von Menschenrechten spricht.

  3. Ich denke schon, dass das Massaker in „Modern Warfare 2“ eindeutig als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ ausgewiesen wird. Es wird sogar angeboten es zu überspringen, weil es für manche vielleicht zu heftig (gewesen) wäre. In „Medal of Honor – Warfighter“ gibt es eine ähnliche Szene, nur als „Probe“ in einem zivilen Flugzeug. Die Szenen sind vorhanden um zu zeigen wogegen in den Spielen eigentlich „gekämpft“ werden soll.
    Ebenso wird etwa die Folter in anderen Spielen nicht als Konvention integriert, sondern explizit als Ausnahmehandlung (in Zwischensequenzen) und damit Grenzüberschreitung. Die Szenen sind kein „Kriegsalltag“ und das Problem oft vielmehr, dass es gar keine Gelegenheit für Kriegsverbrechen in Spielen sonst gibt – weil es in den Spielen meist ein nur marginales ziviles Leben gibt und selbst bei den „Kombatanten“ am Schlachtfeld keine KI-Möglichkeit für längerfristige Verletzungen oder Gefangennahmen. Wobei ich bezweifle, dass die möglichen Kriegsverbrechen in einem älteren Ausnahmespiel wie „Men of Valor“ auch als solche erkannt werden würden, weil da schon der Titel dieser Erkenntnis von „Kritik“ entgegen steht. Denn es geht nicht um die Kriegsverbrechen, sondern die Stellung der Kriegsverbrechenden und welche gedankliche Eigenleistung dem Spieler, der Spielerin, dabei zugetraut wird. Also letztlich was für eine Form der „Kritik“: so wird auch in einem „Deus Ex – Human Revolution“ nicht gesagt ob nun biopolitische Nanoimplementierungen eine gute oder schlechte Sache (für menschliche Körper) wären. Obwohl diese eigene Möglichkeit der Urteilsfindung vielleicht sogar der Kern dieser „interaktiven“ Ausdrucksform ist beziehungsweise sein sollte.
    Auch in einem FSK-12-Film wie „Fast & Furious 6“ kommt etwa, mit einiger Begründung brutale, Polizeigewalt vor. Das kann entweder in Richtung Komödie ironisiert erscheinen (wie beim Film „Fast & Furios“), oder – wie bei „Call of Duty“ wo Humor praktisch nicht vorhanden ist – als Teil eines (Gewalt-)Melodrams wirken. Bis zu dem Punkt in dem ganze Figuren aufgrund angespannter Innenleben halluziniert werden (Black Ops).
    Das beste Beispiel ist für mich immer noch der Unterschied zwischen „Medal of Honor“ (2010) und „Spec Ops – The Line“ (2012), oder weshalb das eine als propagandistische Kriegsverherrlichung galt – während das andere als sogar vom Von Glaßer doch eher „kritisch“ eingeschätzt wurde. Und der Unterschied liegt in der letzten Konsequenz einer Beurteilung militärischer Handlungen und Leben: anders als in „Spec Ops – The Line“ kommt es in „Medal of Honor“ am Ende sogar zu direkter Befehlsverweigerung, weil ein General in der Ferne aus Kostengründen für das eigene nicht-menschliche Gerät lieber seine Leute in Afghanistan verrecken lässt, bevor er ihnen hilft. Dennoch wurde das Spiel nicht als „Kritik“ an Sicherheitspolitik und Militär bewertet, obwohl es das auf ihren Stützpunkten bis auf eine Selbstzensur-Einigung von Seiten Electronic Arts sogar verhindern wollte, weil das Spiel bis zum Schluss auf der Seite der einfachen Leute an der Front blieb und am Ende die Fahne wehte. Denn die wehende Fahne wird dabei praktisch immer als „Hurra-Patriotismus“ interpretiert, auch wenn sie letztlich nur bedeutet, dass sich gegen die Befehlshaberei aus dem eigenen Land gestellt wurde. Während in „Spec Ops – The Line“ es gerade die einfachen Trooper waren, welche als kaputt oder sonst was imaginiert wurden, und die Fahne gleich von Vornherein verkehrt herum aufgehängt wurde. Denn das ist genehm und das was diese „Kritik“ tut, egal ob nun bei Schiffer, SPON, Von Glaßer oder sonst wen, ist, ihre eigenen Vorwürfe von „Feind“bilder mittels Umkehrung selbst zu verwenden: so soll etwa die Bedrohung eines „Terrorismus“ nicht vorhanden sein oder viktimisiert werden (egal ob Russen oder Araber) und die genehmen Täter wären wenn dann nur die eigenen Männer. Alle anderen praktisch unfähig für Bedrohungen. Das allein wäre „Kritik“ oder noch dazu „Selbstkritik“, auch wenn es ausschließlich Fremdzuschreibungen sind. So wie ein „1378 (km)“ etwa auch nicht fragte, ob es überhaupt zu Strafverfolgungen kommen würde – nein, denn da hört die „Kritik“ auch schon wieder auf. Ebenfalls beim Roten Kreuz – und zieht sich ein roter Faden hin zu etwa dem positivistischen Politikbegriff bei Christian Schmidt und Co. Denn in deren heiler Welt ist zum Beispiel auch kein Platz für Korruption oder andere dysfunktionale Störungen einer idealisierten Kommunität.
    Zugegebenermaßen betrifft diese „Kritik“ aber nicht nur Videospiele, sondern ebenfalls die restliche populäre Kultur und lässt sich in groben Zeugen etwa auch bei den Vorwürfen beobachten welche sich die israelisch-amerikanische Fernsehserie „Homeland“ in den USA gegenüber sah, selbst dann wenn sich – wie diese Serie – eher mit Ängsten als mit realen Bedrohungen beschäftigt wird.

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