Pfeiffer: “Fakten […] auf unverantwortliche Weise verschwiegen”

(Der Spiegel) Der Spiegel hat den Leserbrief des Mediengewalt e.V. nicht abgedruckt, doch mit Prof. Dr. Christian Pfeiffer kam ein anderer namhafter Spielegegner zur Wort. Erwartungsgemäß nimmt er u.a. an der Darstellung anstoß, wonach der Nachweis negativer Effekte problematisch sei:

    “Dieser Artikel ist jedoch tendenziös und damit aus wissenschaftlicher Sicht wertlos. […] Gewalthaltige Spiele erhöhen nachweislich (in Zusammenspiel mit anderen Faktoren) das Risiko für Aggressivität und Gewalttäterschaft . […] Diese Fakten werden auf unverantwortliche Weise verschwiegen. Im Gedächtnis bleibt ein Artikel, der sich wie ein Werbetext für Computerspiele liest.” (Der Spiegel 4/2014, S. 8.)

    (Dank an Pyri.)

24 Gedanken zu “Pfeiffer: “Fakten […] auf unverantwortliche Weise verschwiegen”

  1. Och den Pfeiffer gibts noch? Hat man den noch nicht in der Mottenkiste versenkt? Die selben hohlen Phrasen wie seit Jahren schon, für seine ach so tolle wissenschaftliche Sicht gibt es ebenfalls genausowenig schlüssige Beweise wie auf der Gegenseite.

  2. Also Pfeiffer legt den Maßstab fest, nach dem Artikel in Printmedien nach Wissenschaftlichkeit bewertet werden müssen? Und was passiert mit Artikeln die auf der “Pfeiffen-Skala” durchgefallen sind?
    Es ist doch schon paradox genug, dass Pfeiffer von “Wissenschaftlichem Wert” spricht…

    Pfeiffers Äußerungen zum “MangaKiller” sind auch auf dem Niveau des Wochenhoroskops: Allgemeine Phrasen, die auf die meisten Menschen zutreffen, die ein schweres Verbrechen begehen und sonst platte Mutmaßungen.

  3. Pfeiffer bemängelt den Spiegel in Sachen Wissenschaftlichkeit? Das ist so als ob Kim Jong Ill sich über Guantanamo Bay, wegen der Menschenrechtsverletzungen dort, aufregt.

  4. Ein Spiegel-Artikel soll aus wissenschaftlicher Sicht wertlos sein? Hätte ich mal nicht mein Nature-Abo gekündigt, um Geld für den Spiegel zu haben! Ich dachte immer, der Spiegel sei ein wissenschaftliches Fachmagazin. Und jetzt so etwas!

    Um Skullys Vergleich auszubauen: Das ist so, als würde sich der Rabe beim Pinguin beschweren, dass dieser beim Tauchen(!) nicht gescheit singt.

  5. @Patrik Schönfeldt
    Ich finde es auch äußerst bemerkenswert, dass er offenbar glaubt der Spiegel müsse (!?) “wissenschaftlich” sein. Im Umkehrschluss würde das ja auch bedeuten, dass er Wissenschaftlichkeit transportiert wenn er in Zeitungen spricht. Als Wissenschaft(l)er müsste er aber eigentlich wissen dass auch das nicht möglich ist, weil keine Zeitung die dafür nötigen Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen kann, sondern bestenfalls positive Öffentlichkeitsarbeit für (seine sonstige) Wissenschaft (wie sein Institut) leisten. Höchstens Populär-, Vor- oder Nachwissenschaft vermitteln. Also mir schwant da wirklich Übles in Sachen Wissenschaftstheorie UND Medienkompetenz…

  6. Kann mich ma jemand erleuchten was der “Mangakiller” sein soll?

    @ Pyri Also ich sehe in Patricks Kommentar eine ordentliche Portion Sarkasmus xD

  7. Verschweigen ist zwar schlimm aber nicht so schlimm wie das Verdrehen von Fakten oder das Erfinden so wie es unsere allerliebste Oberpfeiffe jedes Mal macht XD

    “Gewalthaltige Spiele erhöhen nachweislich (in Zusammenspiel mit anderen Faktoren) das Risiko für Aggressivität und Gewalttäterschaft”
    Dazu kann ich mal den Satz etwas umstellen:
    Alkohol erhöht nachweislich (in Zusammenspiel mit anderen Faktoren) das Risiko für Aggressivität und Gewalttäterschaft.

    Wollen wir jetzt Alkohol verbieten?^^

  8. @El Konsolero; Nun ja, vor einem Monat etwa tötete ein Junge ein Mädchen (weil seine Liebe nicht erwiedert wurde meines Wissen nach). Beide lernten sich über das Internet (glaube war Facebook) kennen. Die Presse erfuhr das beide interrese an Mangas/Animes hatte (japanische Comics/Zeichentrickserien) und nun ja, den Rest kannst du dir auch irgendwie denken wenn du Killerspiel mit Manga austauscht, und Bild musste mal wieder den Pfeiffer um rat fragen/ zu Wort kommen zu lassen

  9. Aso den Mord meint ihr, ja das hatte ich mitbekommen, aber nicht weiter verfolg. Mangaleser gelten doch sowieso schon als Witzfiguren im öffentlichen Bild. Das Pfeiffer neuerdings nun auch noch “Mangaexperte” is war mich noch nicht klar xD

  10. Die Manga-Geschichte hab ich auch nur nebenher mitbekommen, weil sich ein paar meiner FB-Freunde drüber aufgeregt haben. Ich konnte nur den Kopf schütteln, weil mir das inzwischen so egal ist, wenn eine Sau durchs Dorf gejagt wird. :(

  11. In Ergänzung vielleicht noch die angesprochene “Analyse” Pfeiffers bei der Bildzeitung: http://www.bild.de/regional/berlin/kriminologie/kriminologe-erklaert-den-mutmasslichen-maedchen-killer-33504686.bild.html Die “Wissenschaftlichkeit” dessen würde mich persönlich demnach schon auch interessieren… In einem anderen Artikel dort, Link spar ich mir weil der extra freigeschaltet werden müsste, wurde zudem nichts davon gesagt, dass auch das Opfer Interesse an japanischer Populärkultur gehabt hätte. Im Gegenteil sollte mit dem Hinweis, dass sie “eher Mitleid” mit dem späteren Täter hatte wohl weit eher das glatte Gegenteil davon ausgedrückt werden –

  12. Mit Mangas wird aber eine gewaltige Sau durchs Dorf getrieben. Animes wären noch fast in Ordnung aber mit Mangas überspannt man die Bogen doch sehr weit. Das ist ja im Grunde eine Beleidigung der japanischen Gesellschaft.

  13. @ Frank Jäger

    Ich kenne es anders, Anime werden fast noch mehr runtergemacht, weil Zeichentrick im Allgemeinen mit Kinderunterhaltung gleich gesetzt wird. Dass Anime dann auch ma an ein jugendliches bis gar erwachsenes Publikum gerichtet sind, verstehen dann viele nicht. Die Zensurscheiße die jahrelang bei RTL2 lief war auch nicht gerade sehr hilfreich dabei.

  14. @El Konsolero
    Das traurige dabei ist ja auch wie offensichtlich die Ignoranz bei solchen Themen ist.
    Vor knapp 15 Jahren hat Vox teils am Wochenende im Abendprogramm richtige Anime-Klassiker der Sorte NGE, unzensiert gesendet. Da hat man erkannt wer das Publikum für solche Sachen sind.

    Das Gegenbeispiel dafür dann auf RTL2: Da kauft man dann Serien ein die für ein “deutsche Jugendliches Publikum” eindeutig ungeeignet sind, wir erinnern uns: Deutsche Jugendliche sind besonders anfällig! Um diese Serien trotzdem zeigen zu können wird dann geschnitten was das Zeug hält und was man per Schnitt nicht “Kindgerecht” bekommt wird halt einfach per grottig schlechter Übersetzung zweckentfremdet.

    Es ist ja nun auch nicht so als ob Anime/Manga da die ersten ihrer Art wären. Selbst die US Comic Klassiker aus dem Hause Marvel oder DC hatten mit solchen Kampagnen zu kämpfen, als Reaktion darauf wurde dann ja auch der “Comics Code” geschaffen, sozusagen die “Selbstregulation” für die Comic-Branche.

    Auch “westliche Zeichentrickserien” haben diesen Spaß schon durch, der ewige Klassiker sind in der Hinsicht wohl die Teenage Mutant Hero (Ninja?) Turtles: http://en.wikipedia.org/wiki/Teenage_Mutant_Ninja_Turtles#Controversies

  15. Es gab vor dreißig Jahren nunmal auch einen kulturellen Wandel in dem was hiesige Fernsehanstalten etwa überhaupt aus Japan einkaufen konnten (!). Gab es früher noch “Heidi”, wurde das irgendwann zu “Sailor Moon” und damit erstmal zu einem eklatanten Schock. Während in den Siebzigern diese Welt noch in Ordnung war.
    Und zum Teil geht es dabei sicher auch um koloniale Überlegungen, da früher in japanischen Serien oft europäische Mythen verarbeitet wurden (neben “Heidi” etwa in “Niklaas”, “Perrine” usw.). Selbst sämtliche Zensurbestrebungen die es gegenwärtig in Japan gibt laufen aus meiner Sicht auf eine Appeasement-Politik hinaus, um westliche Empfindungen zu beruhigen. Das ist dort prinzipiell Außenpolitik, wird ab einem bestimmten Punkt durch Ideologien aus dem Ausland bestimmt – seien diese nun “christlich” oder geben sie vor einen egalitären Fortschritt zu vertreten. Ausschlaggebend sind eigene Ideen Erwachsener, eine Vermittlung kindlicher Unschuld betreffend, welche das Kinderfernsehen (dann fremdbestimmt) reflektieren soll, wobei ich diesbezüglich immer noch Heather Hendershot’s Analyse “Saturday Morning Censors” empfehlen möchte.

    Häufig wird von den “Fans” hierzulande dazu gesagt, dass es sich dabei ja um Sachen “für Erwachsene” handeln würde die im Kinderprogramm ohnehin Fehl am Platze wären. Das ist bei Videospielen ähnlich, dort auch von Industrieseite.
    Aber das ist oft eigentlich nicht richtig – gerade was Japan angeht. Vieles das in Japan produziert wird und hierzulande aufregt oder dies zumindest würde, täte es auf breiter Basis gesendet werden, mag zwar kein Vorschulprogramm à la der “Sesamstraße” sein, ist aber sehr wohl schon für ältere Kinder und junge Jugendliche bestimmt.

  16. @Freeflight Wobei der Code seit den 2000er Jahren keine Rolle mehr spielt. Er wurde schon in 60ern unterlaufen und ist inzwischen irrelevant. Comics in den USA haben sich mit der Zeit den Status eines “Grafic Novels” erarbeitet, mit all dem Sex und der Gewalt wie sie in dem Kontext der gezeigten Handlung passt. Comics sind inzwischen respektierte Unterhaltung für Erwachsene genauso wie für Kinder. Der Code selbst entstammt der McCarthy Ära die geprägt war von Paranoia und Angst. Nur Deutschland hat man wieder Angst muss das Volk wieder dumm halten.

  17. @Freeflight

    Ja die Vox-Animenächte waren super. Ich müsste auf VHS immernoch DNA und Samurai Champloo rumliegen ham. Schade, dass Vox nicht mehr sendet, die Animenächte waren immer Highlights für mich. MTV und Viva waren früher SA Abends ab 22 Uhr auch ganz gut dabei. X, Escaflone, Golden Boy etc.

    @Green Ninja

    Problem ist nach wie vor, dass das Shounengenre den Markt dominiert und sich dieses Genre vorzugsweise an 12-20 jährige Japaner richtet. In D hingegen darf vor 20 Uhr nur Sendungen mit einer Freigabe von max. 12 Jahren laufen, also müssen die Serien “verstümmelt” werden um gezeigt werden zu dürfen. Natürlich sind manche Sachen hanebüchen oder gar kontraproduktiv beispielsweise die Vermeidung des Wortes “Tod/töten”

    Ein geschnittenes Naruto hat doch eine wesentlich andere Stimmung als die japanische Originalversion mit Untertiteln.

    Auch das außerhalb von Kinderprogrammen kaum Anime zu sehen sind (außer ma die Ghibli Filme) trägt auch zum traurigen Bild bei.

  18. Auch RTL II hat im Jahr 2002 zur besten Vorabendzeit eine komplette Anime-Serie ungeschnitten gezeigt: “Dragon Ball Z”. Damals habe ich mich dann ein bisschen mehr in die Materie vertieft und herausgefunden, dass Animes/Mangas in Japan eine eigene Kunstform darstellen, gesellschaftlich vollkommen akzeptiert sind und sich eindeutig an ein heranwachsendes bzw. erwachsenes Publikum richten.
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    Leider war das ganze nur ein kurzer Hype und RTL II hat sich nach einbrechenden Zuschauerzahlen dazu entschlossen, dass “Zeichentrickfilme” nur eine Kindersache seien (a la Pokemon)und somit ins Mittags-/Nachmittagsprogramm gehören. Das Ergebnis kann man sich ausrechnen (ja, ich habe es mir in müßiger Stunde tatsächlich angetan): Alles wurde so zurechtgeschnippelt, um den 6-8 jährigen Kiddies gerecht zu werden, dass von Story oder Kunst keine Rede mehr sein konnte.
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    Auch mehr als 10 Jahre später tendiert das Wissen zu dieser Kunstform bei manchen Personengruppen gegen Null. Man muss sich nur die Aussage von Herrn Pfeiffer anschauen.

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