Deutscher Computerspielpreis: Veto bei Spielen “ab 18” eingeführt

(youtube:gamestar) Der Deutsche Computerspielpreis wurde vom Bundestag initiierte, um “Killerspiele” zu verdrängen: Durch die Förderung “kulturell und pädagogisch wertvoller” Projekte sollen gesellschaftlich erwünschte Spiele anerkannt und unerwünschte ins Abseits gedrängt werden. Rein praktisch geht das Konzept aber nicht auf, weil einzelne Jurymitglieder nicht müde werden, Ego-Shooter zu nominieren.

Einerseits ist dieses Vorgehen verständlich, wenn man den Deutschen Computerspielpreis als Äquivalent zum Deutschen Filmpreis versteht, der – soweit mir bekannt – die Nominierung von “FSK 18” Filmen beinahe uneingeschränkt zulässt, nur als bester Kinderfilm können sie nicht nominiert werden. Andererseits dürfte man die Verärgerung von Politikern verstehen, wenn manche Jurymitglieder durch die Nominierung Titel wie “Crysis 2” indirekt als “pädagogisch wertvoll” bezeichnen, obwohl sie mit der USK-Kennzeichnung “ab 18” für Minderjährige als potentiell entwicklungsbeeinträchtigend gelten.

Seit 2009 ringen die Verantwortlichen darum, “ab 18” gekennzeichnete Videospiele (nicht) auszuzeichnen. Auch wenn “GTA: IV” in der Kategorie “Besten internationales Spiel” verhindert werden konnte, wurde diese Kategorie als “Einfallstor” erkannt und deswegen – nachdem man 2010 “Anno 1404” als bestes nationales und internationales Spiel ausgezeichnet hatte – 2011 abgeschafft. 2012 setzten sich jedoch die Querulanten durch, so dass “Crysis 2” als bestes deutsches Spiel ausgezeichnet wurde.

Um die erneute Auszeichnung von “Killerspielen” zu verhindern, wurde deshalb schon 2013 ein “Vetorecht” eingeführt: Bei Videospielen “ab 18” kann eine Auszeichnung verhindert werden, wenn mindestens 3 Mitglieder Zweifel daran äußern, dass der Titel “pädagogisch wertvoll” ist. In diesem Fall wird der Titel nicht das “Beste Deutsche Spiel”, sondern gewinnt einen Sonderpreis der Jury. Dieser wird “nur” von einem Vetreter der Industrie verliehen und auch das Preisgeld wird ausschließlich von der Industrie finanziert: Mit anderen Worten, die Politik will mit diesem Titel nichts zu tun haben.

Diese Regelung wurde den Mitgliedern 2013 erst während der Beratungen als einmalige Regelung mitgeteilt, so dass hierauf nicht mehr reagiert werden konnte. Entgegen der Ankündigungen gilt sie aber auch 2014, weshalb sich Heiko Klinge und Andre Peschke aus Protest aus der Jury zurückgezogen haben.

    Zum Video

    (Dank an Dante.)

7 Gedanken zu “Deutscher Computerspielpreis: Veto bei Spielen “ab 18” eingeführt

  1. Solange es keinen neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag gibt kann die USK bei Browserspielen doch eigentlich auch keine Rolle spielen, oder? Von den Studierendenprojekten ganz zu schweigen. Oder schließlich den Games aus und für Bildungswerkstätten, wo oft vielleicht nicht einmal ein Interesse besteht sie dementsprechend zu vermarkten –

  2. @Pyri
    Leider sind die Regularien nicht mehr so öffentlich einsehbar wie in der Vergangenheit. Ich meine, dass man sich Formulierungen bedient hat wie “nur Spiele bis USK 18 bzw. bei denen eine höhere Kennezichnung nicht zu erwarten ist”. Angesehen davon geht es hier ja auch weniger um Brwoserspiele, sondern um Titel wie “Crysis 3”, die ja eine Kennzeichnung haben.

  3. Den DCP kann man sowieso nicht ernst nehmen, zuviel politische Einflussnahme wie überall. Wäre dafür daß die deutschsprachige Spielepresse den Preis komplett ignoriert, jede Kooperation verweigert und nicht mehr darüber berichtet, BIU und GAME sollten sich auch komplett zurückziehen.

  4. Man stelle sich ein derartiges Vorgehen mal bei der Oscarverleihung vor. Alle Actionfilme, die Krimis,SF-Filme, Kriegsfilme, alles würde fliegen. Gibt es überhaupt Kinderfilme bei der Oscarverleihung? Ich muss jetzt doch lachen….Ojemine, Deutschland ist der reinste Kindergarten…..

  5. Bezüglich Kinderfilme und Oscar, also Disney hatte doch mit seinen Animationsfilmen (König der Löwen, Dschungelbuch, etc.) schon einige Oscars gewonnen. Und “Chihiros Reise ins Zauberland” gewann mal in der Kategorie “Bester Film Ausland”. Wobei man streiten kann, ob es bei den genannten um reine Kinderfilme handelt.

  6. Dann soll man das Ganze doch von vornherein deutscher Lernspielpreis nennen.
    Denn nur in dem Fall sehe ich eine Notwendigkeit einer pädagogisch wertvoll Klausel.

    Deutscher Kinder- und Jugenspiel Preis wäre auch ne Möglichkeit 18er Titel komplett auszuschließen.

    Man sollte das Kind aber auch beim Namen nennen, sonst wirkt das Ganze einfach nur lächerlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.