USK: Aufbruch in eine neue Welt

(vdvc) Am Donnerstag hat die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ihr 20 Jähriges Bestehen gefeiert. Ich war für den VDVC vor Ort und habe einen Beitrag über die Veranstaltung verfasst. Schwerpunkt der Podien war insbesondere die Zukunft der Einrichtung, die zunehmend im Onlinebereich gesehen wird. Der Text ist im VDVC-Blog verfügbar:

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15 Gedanken zu “USK: Aufbruch in eine neue Welt

  1. Mich hätte aus gegebenem Anlass vor allem interessiert, wie der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens USK nach all den Jahren eigentlich aussieht. Aber scheinbar passt der nicht so gut zur allgemeinen Vorstellung von „Jugendschutz“, weshalb der lieber in kein aufmerksames Zentrum gerückt wird.
    Die Position von Zimmermann ist zwar erfreulich, doch soweit ich weiß hat sich der BIU dem Kulturrat nie angenähert, oder annähern dürfen: der BIU gilt in Deutschland mittlerweile klar als „Publisherverband“, während GAME der „Entwicklerverband“ wäre. Auch hier zeigt sich wieder das überaus enseitige, Adornosche Kulturverständnis in Deutschland, wonach kulturell kreativ vor allem jene wären die authentisch sind. Und in erster Linie kommerziell orientierte Verlage können da, wie man an der harmonisierenden Kompetenzverlagerung doppeldeutig sieht, sogar schon eher mit dem Bau von (jedenfalls Daten-)Autobahnen was zu tun haben (man verzeihe mir das Modewort aus den Neunzigern, ich bin schon so alt).
    Alles Ergebnisse einer Situation, in der sich zwar eine „Selbstkontrolle“ gehalten wird, diese sich aber dennoch nicht selbst regulieren darf. Facebook ein gutes Beispiel: man kann viel schlechtes über die Datenkrake sagen, aber seine zentrale Führung erlaubt nicht viele Möglichkeiten für Zensur in einzelnen Staaten. Entweder ein Staat, wie China oder die Türkei, erlauben es, aber sonst blocken sie es gleich komplett oder sperren es halt zeitweise. Da gibt es nicht viele lukrative Möglichkeiten dennoch in einen potentiellen Markt vorzudringen, anders als mit Videospielkonsolen.
    Also sollen die Kennzeichnungen deshalb überhaupt freiwillig bleiben/werden? Und falls nicht, wie sollen Restriktionen (tagsüber) aussehen. Werden nicht-kommerzielle Angebote ebenfalls verpflichtet, wie im modifizierten Spielebereich etwa angefangen bei Total Conversions. Wie isoliert muss eine Videospielveröffentlichung dazu etwa sein, und welche Interessen braucht sie zu verfolgen? Kann da für Privatpersonen eine Einschränkung vielleicht mal vom Tisch, damit sich diese wirklich nicht mehr vor einer endgültigen Neufassung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages fürchten brauchen? Wenn schon die Kosten für USK-Prüfungen, auch stichprobenartig, nicht thematisiert werden.
    Vieles was in anderen Medienbereichen relativ einfach ist, ist bei Videospielen – vor allem im offenen PC-Bereich – eindeutig nicht der Fall. Konzerne wie Microsoft, Sony oder Nintendo sind mit ihren jeweils fest angepassten Marktplätzen da schlechte Beispiele.
    Sicher ist Facebook etwa in Asien sowieso nicht populär, dennoch halte ich einen spezifisch deutschen Jugendschutz darauf für nur ziemlich schwer vorstellbar. Aber gerade deshalb werden ja wohl auch internationale Initiativen angestrebt, unter deutscher Hegemonie – wenn schon nicht Schirmherrschaft. Weitgehend unklar bleibt für mich dennoch die Situation um (doch weiterhin angedachte) Sendezeiten von Telemedien. Gibt es in den aktuellen Überlegungen überhaupt eine Alternative zu diesem Konzept?
    Morgen beginnt etwa auch die 20. E3. Noch kann über diese aus Los Angeles selbst tagsüber mehr oder weniger ungehindert nach Deutschland berichtet werden, also zumindest solange kein Spiel mit Hakenkreuzen vorgestellt wird. Ich würde mir wenigstens ein Signal wünschen, dass das auch in Hinkunft so bleiben darf –

  2. @DoktorTrask
    Zensur hat mit der USK nicht direkt viel zu tun: Vor 2003 wurde ebenfalls geschnitten, weil diese wegen der Indizierung etc. nötig waren. Die USK hat nicht großartig etwas verschlimmert, sondern bietet – im Gegenteil – zumindest für die Spiele bis „ab 18“ durch die Kennzeichnung Rechtssicherheit. Für die Indizierung muss du dich beim Gesetzgeber beschweren, der diese im JuSchG geregelt hat und nicht bei der USK.

  3. Das weiß ich alles schon aber sie sind dennoch ein Teil des Problems. Wozu die USK wenn es bereits einen Europaweiten Standard gibt? Sonst machen wir doch auch alles das was die EU vorgibt.

  4. Ich bin auch eher für den europaweiten Standard und nicht den deutschen Alleingang. Die USK hat in meinen Augen einfach keine Daseinsberechtigung. Wenn sie ein Rollenspiel ab sechs Jahre frei geben, das aber komplett in englische Sprache gefasst ist, dann erschließt sich mir nicht der Sinn der Entscheidungshilfe beim Kauf. Sie urteilen nach Zensurvorgaben, nichts anderes. Und wenn die USK jetzt im Onlinebereich tätig werden will, dann frage ich mich schon, wie das ohne Restriktionen funktionieren soll. Mit einem Aufkleber allein ist es da wohl nicht getan.

  5. Was ich nur nicht verstehe ist, wieso ist Zensur schlecht, wenn sie von der USK kommt, aber i.O., wenn sie von der PEGI kommt? Und falls jetzt jemand sagt: Die PEGI ist unverbindlicher, ist das nicht eine Frage der rechtlichen Umsetzung und keine Frage der Einstufungen vergebenden Institution?

  6. @purchaser
    Ich meine dass man nicht annehmen kann, dass alles, was eine USK-Kennzeichnung hat, erlaubt ist. Wenn die „ausversehen“ erteilt wurde, da das Spiel eigentlich nach § 131 StGB verboten ist, wird das Spiel durch die Kennzeichnung nicht „legalisiert“. Es bleibt verboten. Für die PEGI, sollte sie die USK ersetzen, würde dasselbe gelten: Die Altersfreigabe ist kein Persilschein – wenn das einen verbotenen Inhalt hat, kann es unbeschadet der Kennzeichnung verboten werden. Durch die USK wird also (allgemein) keine Zensur erzwungen, die nicht auch ohne USK für das Angebot nötig wäre.
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    Beim Onlinebereich ist es ähnlich: Es gibt schon JETZT Restriktionen im Onlinebereich (da hält sich nur niemand dran). Die (geplante) Einführung von USK-Kennzeichnungen im Onlinebereich bzw. das Lebeln im Rahmen von Jugendschutzprogrammen ist neben Sendezeiten und geschlossenen Benutzergruppen/Verifizierungen nur eine weitere Möglichkeit, um den schon bestehenden Anforderungen zu entsprechen.
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    @Mars
    Ich habe keine Ahnung, ob die PEGI in manchen Ländern verbindlich ist. Bzw. da wird offenbar unterschieden, ob eine Kennzeichnung erfolgen muss (nach Wiki u.a. im Österreich) und ob diese auch eingehalten werden muss (afaik Empfehlung).

  7. @Mars
    Von der PEGI kommt keine „Zensur“. Die PEGI hat wohl nachweislich noch keine Kennzeichnung abgelehnt, denn allein darum geht es dabei. Von der USK im Übrigen auch nicht, aber das hat Rey ja schon dargelegt.
    @Rey
    In Österreich gibt es noch immer keinen einheitlichen Jugendschutz. Jüngste Verhandlungen diesbezüglich sind offenbar erneut gescheitert.
    Es sind mittlerweile anscheinend zwar mehr Länder als wovon die Wikipedia spricht, also Wien und Kärnten, und auch meine Steiermark ist mittlerweile vielleicht dazu zu zählen – ganz blicke ich bei dem Gesetz nicht durch -, aber flächendeckend ist hier noch lange nichts.

    Das Problem ist nicht, dass die USK „Zensur“ ausübt, sondern dass die USK insofern mit Zensur zu tun hat, dass sie davon mehr oder weniger, mutmaßlich massiv, profitiert. Und Deutschland gehört so mit ihr zu jenen Staaten, die Videospielzensur begünstigen sowie zumindest indirekt fördern.
    Allerdings betrifft das im Verhältnis auch andere, solche an die dabei für gewöhnlich überhaupt nicht gedacht wird, wie vor allem die USA. Die Videospielindustrie wird zumindest im AAA-Bereich international von Grenzen bestimmt, zum Teil auch einer ästhetischen Norm, wie sie die ESRB beschlossen hat, erlaubt usw. Sogar die allermeiste Videospielzensur wird dabei von den USA ausgehen, da etwa ein M-Rating für den dortigen Markt vielfach eine Notwendigkeit darstellt – eine zwar mehr ökonomische als politische Notwendigkeit, aber auch eine die Gesellschaft(en) durchdringt. Da dort etwa durch die Bank (freiwillig) beschlossen wurde, dass sie diese Ratings einfordern. Also ganz ohne staatliche Gewalt –

  8. Nachtrag @Rey
    So einen Fall hätte es ja eigentlich beim „Wolfenstein“ von vor fünf Jahren auch gegeben. Eigentlich hätten die OLJB ihr Kennzeichen damals müssen zurückziehen. Doch es kam nichts, keine Stellungnahme, überhaupt nichts.
    Die Industrie hat eigenmächtig gehandelt und die Spiele, bei denen wahrscheinlich – so eindeutig erklärt wurde das eigentlich ja auch nie – ein Hakenkreuz übersehen wurde, einfach aus den Regalen genommen. Also das ergibt diese schwierige Optik, dass die USK (und mit ihr die OLJB) keine Fehler macht (machen).
    Jetzt gibt es schon über zehn Jahre diese verbindlichen Kennzeichnungen und es gab scheinbar noch keinen einzigen Fehler. Da stimmt doch irgendetwas ganz gewaltig nicht. So fehlerlos kann doch niemand, nicht einmal die USK, sein –

  9. Ganz unverbindlich nochmal der Verweis auf die Seiten 157 bis 160 meiner Dissertation:
    http://d-nb.info/1047325306/34; dort wird m.E. nachvollziehbar dargestellt, was das Problem mit der USK ist und warum PEGI dieser prinzipiell vorzuziehen ist. :-)

    @ Pyri:
    Ich sehe das nicht so, dass die OLJB damals bei „Wolfenstein“ ihr kennzeichen hätten zurückziehen müssen, die dt. Version war ja nicht inhaltsgleich mit der ROW-Version (auch der Fall findet ja in meiner Diss. noch Erwähnung).

  10. @Vicarocha
    Die Frage ist was ist ein „Inhalt“ und was ein „Symbol“. Dann Namen usw. Letztere werden wohl eher auf Propagandamittel hindeuten, obwohl die (Frankfurter) Vorgabe lautet Kennzeichen (allein?) zu entfernen.
    Nicht mehr „inhaltsgleich“ zum Rest of World ist ein Spiel auch dann, wenn sie eine Blume herausnehmen – nur hier geht es halt explizit um so Sachen wie Hakenkreuze und das haben sie anscheinend nicht erfüllt, wenn die Industrie wie bekannt reagierte. Außer Du meinst, dass sie sowieso keine Hakenkreuze entfernen brauchten und es nur gut war wenn von offizieller Seite auf das Missgeschick nicht reagiert wurde. Wegen Ungleichbehandlung zu Film und so. Da stimme ich natürlich zu. Wobei allgemein anzumerken ist, dass die USK erstens den privaten Branchenverbänden gehört und zweitens Gutachten anfertigt, welche sie dann im Rahmen von etwa Präsentationen der staatlichen Vertretung vorstellt. Wer bei diesem „Wolfenstein“ wie draufgekommen ist, dass da was nicht stimmt, ist afaik auch unbekannt, wahrscheinlich gab es die Information eines Außenstehenden, der nach Veröffentlichung da etwas zufällig im Spiel entdeckte und informierte.

  11. So gesehen wäre es wohl besser wenn TTIP im EU Parlament durchkommt, jedesmal wenn eine der Deutschenzensurbehörden die Schere ansetzt, gibt es fleißig Sammelklagen aus den USA.

  12. @skully: Naja, ich hoffe es! Wenigstens einen Vorteil muss das Ding ja haben. Ansonsten ist es ja eine einzige Katastrophe. :(

    Gruß
    Aginor

  13. Warum nicht? Es ist für die europäische Einigung schließlich auch kaum förderlich, wenn etwa im Jugendschutzbereich zwischen Deutschland und dem Rest Europas unterschieden werden muss. Da gibt es also eine klar europafeindliche Linie innerhalb Deutschlands, oder halt eine die ihre „Werte“ dem Rest des Kontinents aufdrücken will und deshalb (bevor das nicht gelungen ist) nur zögerhaft bei PEGI und Co., wie dem Verzicht auf Indices à la dem katholischen Rom, mitmacht, aber wenn es um transatlantische Beziehungen geht wäre eine gemeinsame Linie plötzlich wieder erwünscht. Das ist doch widersprüchlich.

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