Tagesthemen über DCP

(tagesschau) Die Gewinner des Deutschen Computerspielpreises wurden verkündet – und die Tagesthemen wissen „bei Deck 13 geht es blutig und martialisch zu.“ Denn Lords of the Fallen ist „ein echter Action-Blockbuster. Manche würden es Baller- oder Killerspiel nennen.”

2015-04-21_tagesthemen-lord-of-the-fallen-game-overNach dem sehr reißerischen Einstieg folgt aber die Erkenntnis, dass solche Spiele es auch in Deutschland aus der Schmuddelecke heraus geschafft hätten. Mit dem Gedanken an den Einteig möchte man sagen „trotz Sendungen wie dieser“. Doch plötzlich wird der Beitrag überraschend neutral. Man spricht an, dass Videospiele bisher nur ausgezeichnet wurden, wenn sie pädagogisch wertvoll waren. Ein Maßstab, den man an kein Medium anlegen würde, wenn man ihm zusteht, sich auch an Erwachsene zu richten. Die Ursachenanalyse für das Umdenken der Politik ist aber abwertend wie vermutlich wahr: Man habe das wirtschaftliche Potenzial erkannt. Eine echte Anerkennung des (kulturellen) Werts bedeutet das nicht. Zudem seien Fördergelder an wirtschaftlichen Erfolg geknüpft. Und den Branchenverbänden ist es eh nicht genügend Geld, weil die weniger umsatzstarken Filmproduktionen mehr Fördergelder bekommen.

Die Folge der geringen Förderquote sei – da sind sich Industriesprecher und Kulturexperte einig – Kulturimport. Spiele, oder gar Ideen – für die man erfolgsunabhängig fördern müsse – stammen immer weniger aus Deutschland. Und so endet auch der Beitrag fast wie er angefangen hat: „Und auch Lords of the Fallen – so erste kritische Stimmen – sei nur die Kopie eines japanischen Spiels.“

Ein Gedanke zu “Tagesthemen über DCP

  1. Dass Förderungen an wirtschaftlichen Erfolg geknüpft sind, glaube ich nicht. Es wird schließlich auch Möglichkeiten für Titel geben, die in keiner breiten Öffentlichkeit stehen.
    Andererseits ist es sicher fraglich, weshalb ein “The Witcher” oder “Game of Thrones” schon EU-Gelder bekamen: es ist nur so, dass sicher dieser Hauptpreis des DCP zusehends in Richtung einer unausgesprochenen “Erwachsenenkategorie” entwickelt hat, während die Unterscheidung zwischen “Kinder-” und “Jugendspiel” vemutlich immer unklarer wurde. Unter anderem.

    Denn auch wenn es in anderen Medien abseits eigener Preise wie “Kinder- und Jugendbuchpreise” keine dezidierten Ansagen gibt, didaktische Überlegungen spielen bei fast allen renommierten Medienpreisen eine mehr oder weniger große Rolle. Es gibt schließlich auch Erwachsenenpädagogik.
    Diese Überlegungen sind auch mit einem gewissen Ruf verbunden, der zur Differenzierung und Abgrenzung zu anderen Preisen dient. Man denke nur an die Berlinale unter Dieter Kosslick.
    Nur beim Medium Computerspiel meint man das noch zusätzlich betonen zu müssen. Und diese Überlegungen bestimmen auch, wer längerfristig dort Erfolg hat, das heißt wer eher marginalisiert wird. So hatte im Filmbereich ein Jean-Luc Godard, der einen sehr didaktischen, teilweise auch “realistischen” Zugang zum Medium Film hat – gegenüber anderen wie Jean-Claude Brisseau oder Alain Robbe-Grillet, bei denen Themen wie Gewalt und Sexualität immer andere Funktionen einnahmen (wodurch sie das moralische Stigma erhielten davon “besessen” zu sein usw.) – immer mehr Ansehen und Anerkennung, bekam den Vorzug bei Chancenvergaben etc. War und ist letztlich auch bekannter, respräsentativer, herzeig- und vertretbarer für (etablierte) Politik und Öffentlichkeit geworden.
    Die Existenz dieses Preises sollte aber auch einmal gelobt werden: so tu ich mir etwa äußerst schwer damit einen zweiten zu finden, der damit auch nur annähernd vergleichbar wäre. Ein anderes Land außer Deutschland, wo Videospiele auf Regierungsebene noch dermaßen gefeiert werden.

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