Lasst uns (weiter-) spielen!

Von jedem fünften 2014 gespielten Spiel lag die Veröffentlichung fünf Jahre oder länger zurück: Das ist ein Ergebnis der VDVC-Umfrage 2014. Neben stetig weiterentwickelten Titeln wie „Minecraft“ und „League of Legends“, finden sich hier auch Spiele wie „Lead 4 Dead 2“, „Dragon Age: Origins“ und „Borderlands“. Zu den ältesten genannten Spielen gehören die Klassiker „Ultima IV: Quest of the Avatar“, „Duke Nukem 3D“ und „Sid Meier’s Railroad Tycoon“.

Ein beachtliches Ergebnis, wo allein der Wille ein älteres Spiel zu zocken, oftmals nicht genügt: Viele Spiele werden nicht mehr verkauft und die Installation funktioniert oftmals auch nicht mehr, so dass etwas nachgeholfen werden muss, um das Spiel zum Laufen zu kriegen. Beinahe 20 % der Befragten gaben an, dass sie schon mehrfach mit der Nutzung eines Titels aufhören mussten, weil der Betrieb vom Hersteller eingestellt wurde – ca. 40 % konnten Spiele nicht mehr nutzen, weil sie auf neuen Betriebssystemen oder Plattformen nicht mehr liefen.

Die Gründe, weshalb ein Spiel nicht mehr läuft, sind dabei vielfältig: Nicht immer ist es eine bewusste Entscheidung des Anbieters, das Spiel aus dem Portfolio zu nehmen. So ist beispielsweise der Kopierschutz „Safedisc“ mit allen noch unterstützten Windows-Versionen inkompatibel, so dass betroffene Titel nicht mehr gestartet werden können. Andere Spiele haben ihren Onlinemodus dadurch eingebüßt, dass 2014 „GameSpy“ eingestellt wurde. Der Publisher EA listet transparent[1] alle eingestellten Dienste auf. Dabei ist allerdings nicht immer klar, in welchem Umfang eine Nutzung noch möglich ist und ob (inoffizielle) Patches diese nicht noch weiterhin ermöglichen – z. B. der „Offline-Server“ für „Need for Speed World“.

Selbst ist der Mann!

Um dennoch nicht darauf verzichten zu müssen, ein bestimmtes Spiel (im Mehrspielermodus) zu nutzen, nehmen manche – wie im Fall von „Crysis“ und „Crysis 2“ – die Sache selbst in die Hand und schreiben oder verwenden Programme, die eine Nutzung des Spiels erlauben. Dies läuft dann oftmals auf einen No-CD-Crack hinaus, womit man sich am Rande der Legalität bewegt. So lassen sich „No One Lives Forever (1)“ sowie „Sturmovik 2: Forgotten Battles“ wieder nutzen, wenn der Kopierschutz erst ausgeknockt ist. Die Frage, ob man sich hierbei auf den § 69d UrhG berufen kann, ist unseres Wissens in Deutschland rechtlich noch nicht geklärt. Der Wortlaut der Bestimmung:

„Soweit keine besonderen vertraglichen Bestimmungen vorliegen, bedürfen [die Bearbeitung […] sowie die Vervielfältigung der erzielten Ergebnisse] nicht der Zustimmung des Rechtsinhabers, wenn sie für eine bestimmungsgemäße Benutzung des Computerprogramms einschließlich der Fehlerberichtigung durch jeden zur Verwendung eines Vervielfältigungsstücks des Programms Berechtigten notwendig sind.“

In den USA wurde am 28.10.2015 eine Ausnahmeregelung getroffen, die das Umgehen von DRM-Servern unter bestimmten Umständen erlaubt:

„Among the latest exemptions to the Digital Millennium Copyright Act granted by the Librarian of Congress is one specifically allowing people who purchased games that required online server authentication checks to bypass such security measures once the copyright owner has shut down those servers for good.”

Und die Publisher?

Nintendo hat erkannt, dass Gamer auch noch an alten Spielen interessiert sind. Um dem Gerecht zu werden wurden Wii, Wii U und Nintendo 3DS ein Emulator hinzugefügt, mit dem über das Angebot „Virtual Console“ angebotene Klassiker – Kaufpreis zwischen 5,- und 12,- € – erworben und genutzt werden können. Microsoft geht noch einen Schritt weiter auf die Kunden zu: Auch auf der „Xbox One“ können seit dem 12.11.2015 dank der „Xbox One Backward Compatibility“ ältere Titel neu erworben und genutzt werden können, wobei Besitzer der Vorversionen diese kostenlos herunterladen können. Sony hat bei der PlayStation 4 ein ähnliches System – einen Emulator für PlayStation 2-Titel – implementiert, wobei auch diejenigen, die das Original bereits haben, voll zur Kasse gebeten werden.

Beim PC ist die Lage dagegen unübersichtlich, da jeder Publisher sein eigenes Modell verfolgt oder die Entwicklung schlicht verschlafen hat. Anders als bei Blizzards 15 Jahre altem „Diablo II“, das man im Laden kaufen und dank noch vorhandenen Server für Aktualisierungen und Battlenet noch nutzen kann, ist das vor 13 Jahren veröffentliche „Battlefield 1942“ nicht mehr erhältlich: EA hat den kostenlosen Download für Origin-Nutzer vom Netz genommen, da man das Spiel – nach der erwähnten Einstellung von „GameSpy“ – mit eingeschränktem Multiplayer nicht mehr anbieten möchte.

Allgemein erscheinen sich als größte (kommerzielle) Anbieter Steam und GOG.com etabliert zu haben. Während bei ersterem mittlerweile schlicht auch viele Klassiker angeboten werden, war letzterer anfangs darauf spezialisiert, „Good old Games“ auf aktuellen Computern lauffähig zu machen – u. a. das eingangs erwähnte „Ultima IV: Quest of the Avatar“. Für „Duke Nukem 3D“ kann man sich seit 2014 an das „Internet Archive“ wenden und „Sid Meier’s Railroad Tycoon“ bietet der Publisher 2kgames selbst kostenlos zum Herunterladen an.

Links

  1. [1]EA nennt das euphemistisch Service-Updates

3 Gedanken zu “Lasst uns (weiter-) spielen!

  1. Diese Informationen über Sony, die leider auch in der Presse so weitergegeben wurden, sind ziemlich dubios: PS2-Emulation bietet Sony wie beschrieben seit Jahren eigentlich nur für die PS3 (!) an. Seltsamer Weise hat sich darüber bislang nur niemand aufgeregt – warum auch…
    Momentan sind acht PS2-Titel für die PS4 verfügbar, auf der PS3 waren es insgesamt etwa zwei Dutzend die im Laufe mehrerer Jahre dort veröffentlicht wurden. Und alle auf der PS4 sind, nachdem ich das für diesen Kommentar extra verifiziert habe, dahingehend neu: dachte zwar dass einer davon, „Dark Cloud“, bereits für PS3 veröffentlicht wurde, aber offenbar habe ich mich da geirrt – die auf der PS3 kürzlich veröffentlichte Version von „San Andreas“ ist der von der 360 her bekannte Mobilport.
    Wie dem auch sei sind diese PS4-Veröffentlichungen von der PS2, anders als eben auf der PS3, jedoch nicht nur einfache Emulationen, sondern technisch an die PS4 und das PSN angepasst worden, hochauflösend oder bieten Trophy-Unterstützung. Und darüber wie Sony dieses neue Service in Zukunft versorgen wird, oder das Angebot weiter entwickelt, kann des Weiteren gegenwärtig nur spekuliert werden: etwa ob es auf der PS4 einmal überhaupt mehr PS2-Spiele sein werden als auf der PS3.

    So zu tun als wäre es eine (weitere) kostenpflichtige Abwärtskompatibilität empfände ich jedoch in jedem Fall als populistisch und unseriös, sowie verhindert eher neue Angebote, als dass es sie fördern würde: die zwei Dutzend PS2-Titel waren auch auf der PS3 nicht sonderlich viel – ich hätte mir schon da wesentlich mehr gewünscht. Hinzu kommt, dass die Herkunft von Veröffentlichungen aufgrund der zum PC homogeneren Technik beider Konsolen von Sony und Microsoft auf PS4 und One undurchsichtiger geworden ist: so handelt es sich bei der kürzlich erfolgten Veröffentlichung von „Final Fantasy VII“ auf der PS4 auch um keine PS1-Umsetzung, wie noch auf der PS3, sondern einen PC-Port – die Portierung eines Re-Releases, der aus wiederum ganz anderen Gründen erfolgte: zur Erinnerung – die ursprüngliche PC-Version von „Final Fantasy VII“ (1997) aus dem Sommer 1998 erschien mit Glide-Unterstützung, das heißt basierte in vollem Umfang auf einer Technik die heutzutage so oder so völlig obsolet ist.
    Und ob Sony, anders als Microsoft, dafür „nochmal“ bezahlen lässt, lässt sich darum gar nicht erst sagen – die einzigen Spiele welche bislang dafür in Frage kämen sind an das „Star Wars“-Konsolen-Bundle gebunden und werden vorerst nicht (einzeln) verkauft. Alle bis auf „Super Star Wars“, da liest man dann sogar öfter dass das (auch) ein PS2-Spiel wäre – was völlig inkorrekt ist: „Super Star Wars“ war bislang nur ein SNES-Titel.

    Also ich würde sämtliche dieser Veröffentlichungen deshalb eher mit diversen Spielhallen-Umsetzungen vergleichen, wo etwa ein „Metal Slug 3“ auf der PS4 als (noch) viel größere Abzocke wahrgenommen werden könnte, und sie garantiert nicht in die Reihe einer PC/Mac-Debatte stellen, dahingehend ob alte Spiele auf neuen Systemen noch lauffähig sind, oder weiterhin unterstützt werden: diese Re-Releases sind auf der PS4 weder eine Frage von Abwärtskompatiblität, noch von DRM-Maßnahmen – sondern einfach alte Spiele in neuem Gewand die mitunter eine andere Erfahrung bieten sollen (!). Sie bieten, auf relativ einfachem Wege, ältere Inhalte neuen Generationen an – nicht Konsolen oder Computern, sondern Menschen (!).
    Anders bei Microsoft, doch auch dort zeigt die Situation dass es nicht wirklich Sinn macht Angebote zu vergleichen: Die Emulation der 360 auf der One kommt einem technischen Wunder der Microsoft-Ingenieurskunst gleich – nicht nur meine Meinung als Nicht-Techniker, sondern dem Vernehmen nach sieht das auch ein ausgewiesener Experte im Technik-Journalismus wie Richard Leadbetter ähnlich: nur waren manche 360-Spiele auf der 360 durchaus schon in der Lage 1080p auszugeben. Die 360-Emulation auf der One kann jedoch nur 720p darstellen und kommt demnach, etwa bei der 360-Umsetzung von „Perfect Dark“, einem technischen Rückschritt gleich, wenn ansonsten alles eine tatsächliche Emulation ist – also eine 1:1-Umsetzung sein soll (!).

    Videospiele sind digitales Erbe und der Umgang damit erfordert erhöhte Aufmerksamkeit: Videospiele sind nicht wie die meiste (nicht-elektronische) Musik analogen Ursprungs, da kann sich in der Rezeption nicht darauf ausgeredet werden, dass es auf Vinyl sowieso besser klingen würde und deshalb auf Digitalität mitunter bewusst verzichtet werden – nicht nur in der Verbreitung oder dem Marketing, sondern bei praktisch jeder Form ihrer Wahrnehmung: und deshalb wünsche ich mir nicht, dass es auch auf Handhelds und Konsolen, oder im abgesicherten Mobilbereich, zu einer vereinheitlichten Beliebigkeit und unsozialen Relativierung wie am PC kommt, wo alles überall ständig verfügbar ist – zumindest wenn sich jemand mal darum „gekümmert“ hat und legale Dienste vermieden werden: im Rahmen von Piraterie kursieren schließlich auch die GOG-Pakete erfahrungsgemäß besonders häufig, nicht zuletzt weil sie so handlich sind und in gewisser Hinsicht perfider Weise dem ähneln was die Piraten nach ihren Raubzügen für gewöhnlich zur Verfügung stellen. Doch genau dem laufen Nintendo und neuerdings Sony mit ihren Angeboten an wiederaufbereiteten Spielen entgegen: sie bieten unverwechselbare Erfahrungen, welche neue Hardware mitunter berücksichtigen und im besten Fall trotzdem in der Lage sind ein altes Spielgefühl wiederherzustellen – ohne Inhalte technisch oder ästhetisch zu sehr zu verändern, wegen neuer Technik Gefahr laufen, dass Inhalte und Spielweisen verfälscht oder auf andere Weise manipuliert werden.
    Auch ist ein Vergleich zwischen den beiden Angeboten von Sony und Microsoft diesbezüglich nicht unbedingt plausibel und erinnert eher an Äpfel mit Birnen: die PS2 entstammt noch einer Zeit vor dem digitalen Handel, das heißt während Microsoft auf der One nichts anbietet das sie nicht schon für die 360 verkaufen würden, sind sämtliche Veröffentlichungen bei Sony prinzipiell neu, denn Sony ist – abgesehen von ihrem Streaming-Dienst PlayStation Now – technisch überhaupt nicht in der Lage PS3-Titel auf die PS4 zu bringen. Die Verkäufe (samt Werbung) von Microsoft kommen für das Sony-Marketing deshalb nicht einmal in Frage.

  2. Vielen Dank für den informativen Beitrag. Speziell im Fall von Sony hört sich die Emulation ja beinahe nur noch nach einem Publicity Stunt an. Auch gebe ich dir recht, dass es befremdlich erscheint, wenn von Emulatoren die Rede ist, obwohl bzgl. der Datenträger eine tatsächliche „Abwärtskompatibilität“ nicht gegeben ist – mithin seitens der Plattform „nur“ der Code mehr oder weniger unverändert im Rahmen eines Emulators ausgeführt wird. Insoweit sehe ich als Laie aber die Möglichkeit, dass dies aus technischen Gründen auch in Hinblick auf mögliche Koste nicht zu leisten ist. Die Originale dann als Gutscheine für Emulatoren-Lizenzen zu verwenden, halte ich für einen „fairen“ Weg. Auch befürchte ich, dass – das Streaming von Spielen hat ja schon begonnen – eine Emulation von Spielen unter Berücksichtigung des Datenträgers schon daran scheitern dürfte, dass Spiele möglicherweise bald nur noch „in der Cloud“ ausgeführt werden und sich bei den Nutzern nur noch Hardware zur Ein- und Ausgabe befindet.

    • Zumindest könnten die wiederaufbereiteten Spiele besser gekennzeichnet werden: firmierten die PS2-Titel auf der PS3 noch als „PS2-Classics“, sind sie auf der PS4 jetzt nicht mehr so einfach erkennbar – zumal es für die PS4 keine „PS1-Classics“ geben wird. Wer von der PS2 her nicht alles kennt und zu wenig schaut, könnte durchaus glauben dass manche Neuveröffentlichungen auch neue Spiele wären: bei „PaRappa the Rapper 2“ wäre ich zuletzt auch fast darauf reingefallen.
      Meinem Beitrag sind übrigens „GTA III“ und „Twisted Metal – Black“ entgangen: beide PS2-Spiele sind mittlerweile sowohl für PS3 als auch PS4 einzeln erhältlich. Und für beide dürfte Sony den jeweils vollen Betrag verlangen – also lässt sich Sonys Preispolitik schon abschätzen.

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