Dr. Schiffer: Täter würden “sich an […] “GTA V” orientieren”

Die Medienpädagogin Dr. Sabine Schiffer – Leiterin des Instituts für Medienverantwortung (IMV) – äußert sich bei DRadio Wissen zu Parallelen zwischen den jüngsten Amokläufen und Videospielen:

“Wir haben erst einmal gesehen, dass viele Abläufe [bei Würzburg und Nizza] sich an dem Computerspiel “GTA V” orientieren, das ist ein Aspekt der – glaube ich – gar nicht untersucht wird. […] Aber auch diese Art in München, diese Art von Gewalt gegen Mengen, willkürliche Opfer, wo es einfach nur um die Gewalt geht – das Muster passt tatsächlich auch.“

Der Psychologe Dr. Rudolf H. Weiß warnt im Blog des Mediengewalt e.V. davor, dass es “bei uns etwa eine halbe Million suchtartig abhängiger, überwiegend männlicher Jugendlicher Spieler [gebe], die durch das langjährige und ständige Abtauchen in diese virtuellen Tötungsszenarien bereits mit großer Wahrscheinlichkeit eine Persönlichkeitsveränderung erfahren haben, und umso leichteres Spiel haben salafistische Hassprediger, sie für den Jihad zu ködern”. Er schließt mit einem Appell:

“[…] Die Politik muss schärfere Zugangsbegrenzungen für Kinder und Jugendliche im Jugendmedienschutz Staatsvertrag der Länder schaffen und nicht vor der Gewaltvideoindustrie mit Milliarden $ Umsatz pro Mainstream Shooter in die Knie gehen.”

Der Psychiater Reinhard Haller erklärt im ORF zur Rolle von Videospielen bei Amokläufen:

“Es ist Abtötung des Einfühlungsvermögens, es tritt ein Entmenschlichungseffekt ein. Das ist – glaube ich – das wirklich gefährliche in Computerspielen. […] Natürlich wäre [ein Verbot von “Ego-Shooter”-Spielen] ideal […].”

Links:

    Text von Rudolf H. Weiß (pdf)
    Dr. Sabine Schiffer im Interview (Audio)
    Reinhard Haller im Interview (Audio)

    (Dank an Pyri.)

4 Gedanken zu “Dr. Schiffer: Täter würden “sich an […] “GTA V” orientieren”

  1. Natürlich, wir haben den Täter, der selbst bei seiner Tat aufgezeichnet wurde und dabei auch noch selbst erklärt das er in psychologischer Behandlung war. Wir wissen das er selbst Opfer von Mobbing war, aus einem “Hartz 4 Haushalt” stammt und trotzdem ist GTA5 Schuld? Wir kennen auch die Opfer seiner Taten und sein Motiv. Aber wir hören immer die gleichen Lügen und Heucheleien von Leuten aus dem Umfeld von Psychosekten und aufmerksamheitsgeilen Besserwissern, und was noch schlimmer ist das die Medien diesen Idioten ohne viel Recherche eine Plattform bietet.

  2. @skully
    Sie bezog sich bei der hier zitierten Passage ganz explizit nur auf “Würzburg und Nizza”. Zu München sagt sie, dass man es eigentlich noch prüfen müsse, gibt aber vorab dieses Urteil ab:
    “Aber auch diese Art in München, diese Art von Gewalt gegen Mengen, willkürliche Opfer, wo es einfach nur um die Gewalt geht – das Muster passt tatsächlich auch.” Ich habe das im Beitrag mal ergänzt.

  3. Jaja… die Schiffer und der Weiß. Insb. der Letztere ist ja ein besonderer Freund von mir, den ich beiläufig bereits zu Beginn meiner Diss. in einer Fußnote auseimandergenommen habe; Wissenschaft und Weiß vertragen sich eben nicht… man wird auch seine Mühe haben, noch viele andere Akademiker in dem Feld zu finden, die so offen die unhaltbare Imitationsthese vertreten. Aber was der gute Mann so alles bewiesen haben will, in welchen Fällen er Mediengewaltwirkungen erkannt haben will (als Beleg bringt er auch gerne Mal entsprechende Berichte aus der Regenbogenpresse, die entsprechende Zusammenhänge kolportieren… anekdotische Evidenz bestenfalls… sehr redlich), erstaunlich. So erstaunlich, wie die vermeintlichen Parallelen zwischen realweltlichen Taten und fiktionalen Spielinhalten, Parallelen, die außer den besagten Personen wohl niemand sehen kann, weil sie nicht existieren. Wenn der gute Mann und die gute Frau (btw: Beide Unterzeichner eines gewissen Kölner Aufrufs) nicht größtenteils Monologe vor bereits bekehrten halten würden, wären wir wohl angehalten, aktiver auf die wissenschaftlichen “Kompetenzen” dieser Pappenheimer hinzuweisen.

  4. Ach, der Herr Weiß kriecht auch wieder aus seinem Loch? Der möchte wohl auch etwas vom großen Aufmerksamkeitskuchen abhaben und sich nach vielen Jahren wieder ins rechte Licht stellen. Jetzt fehlen nur noch Manfred Spitzer und Regine Pfeiffer, dann haben wir unser 2000er Dreamteam wieder zusammen.

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