Schwarzer: Ego-Shooter waren Vorbild für Amoklauf

(spiegel.de) Alice Schwarzer setzte sich schon in der Vergangenheit mit Amokläufen auseinander – insbesondere als nach dem Amoklauf von Winnenden konstatiert wurde, dass der Täter “sich nicht gezielt an den Mädchen und Lehrerinnen […] rächen wollen” und es “eher Zufall [war], dass im Kugelhagel […] acht Schülerinnen und drei Lehrerinnen, aber nur ein Schüler ums Leben kamen”. Es spreche die “Sitzordnung in den Klassen […] nicht unbedingt dafür, dass der Täter es ganz bewusst ausschließlich auf weibliche Opfer abgesehen [habe]”. Eine Bewertung, mit der sie sich nicht abfinden wollte und auch den Bogen zu “Killerspielen” schlug.

Verantwortlich für die Taten wie Winnenden sei “Frauenhass”, für den das “Männlichkeitskonzept […], das die Gesellschaft diesen Jungen vermittelt”, ein Nährboden sei. Hierzu befragte die Emma 2009 Prof. Dr. Christian Pfeiffer, der Videospiele als Teil des Problems bestätigte:

“Wir haben inzwischen […] nachgewiesen, dass Jungen, die sehr stark Männlichkeitsfantasien anhängen, die mit Dominanz und Heldseinwollen zu tun haben, häufiger Gewalttäter werden. Diese Männlichkeitsfantasien werden sehr stark geprägt von den Helden aus den Computerspielen und den Filmen, die sie schauen.”

So stellte schließlich auch Alice Schwarzer selbst einen Zusammenhang fest:

“Sicher, nicht alle Jungen, die aus normalen Familien kommen und keinen Stich bei Mädchen haben, die Pornos konsumieren und Gewaltspiele, nicht alle werden Amokläufer. Zum Glück. […] Doch all diese Jungen sind gefährdet.”

Von daher überrascht es nicht, dass sie jetzt im Spiegel auch bei der Tat von München Videospiele für die Tat verantwortlich macht:

“Auch bei David Sonboly in München lag, vier Tage nach dem Attentat von Ochsenfurt, zunächst der Verdacht auf einen islamistischen Hintergrund nahe. Doch nach wenigen Stunden war klar: Der Amokläufer war ein Einzeltäter, und sein Vorbild war nicht der “Islamische Staat”, sondern waren sogenannte Ego-Shooter wie “Counter-Strike”; so wie Tim K., der Amokläufer von Winnenden, und Anders Breivik in Oslo.”

Entgegen der Aussage von Frau Schwarzer darf jedoch bezweifelt werden, dass auch bei den Taten vom Tim K. und Breivik “Ego-Shooter” Vorbild der Taten waren: Tim K.’s Interesse an Videospielen war für einen Jugendlichen nicht außergewöhnlich und Breivik verbrachte an meisten Zeit nicht mit First-Person-Shootern, sondern mit dem MMORPG “World of Warcraft”.

Zum Artikel (Paywall)

(Dank an Vicarocha.)

9 Gedanken zu “Schwarzer: Ego-Shooter waren Vorbild für Amoklauf

  1. Was ist denn das eigentlich für eine Logik der Frau Schwarzer, den Namen des Amokläufers von München auszuschreiben, aber dann “Tim K.” abzukürzen. Muss man nicht verstehen, oder? Kurioserweise gibt selbst die deutsche Wikipedia den Namen des Täters von Winnenden ganz an, nutzt aber für den Münchner Täter “David S.”. Wundert mich auch, dass der Spiegel den Namen voll abgedruckt hat, bei ihren Artikeln “zensieren” sie ihn ja immer.

  2. Möglicherweise weil er noch kein Erwachsener war – dass er bei Wikipedia ausgeschrieben wird überascht mich jetzt gerade auch, normalerweise sehe ich da schon immer direkt bei der englischen Fassung nach.

  3. Die Pseudofeministin und Steuerhinterzieherin Schwarzer die schon Leute wie Herrn Kachelmann ohne Prozess einsperren wollte? Kaum der Rede wert, was soll man schon einer selbsternannten Feministin die ihre Kolumnen in dem Käseblatt Bildzeitung zwischen dem Mädchen von Seite 3 und den Erotik Anzeigen der Bild Zeitung schreibt? Was für Spielen gibt diese hochgradig korrupte Pseudointellektuelle eigenlich für ihre eigene Steuerhinterziehungen die Schuld? Monopoly? Diese Ignoranz ist angesichts des Videobeweises wo der Täter von München seine Motivation selbst erklärt komplett falsch.

  4. Ich denke das ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass mediale Vorbilder verwendet werden. Darüber könnte auch wunderbar diskutiert werden, das heißt abseits von “Nutzen” und “Wirkungen”.
    Gerade daran, an einem solchen Gespräch, scheint jedoch kein Interesse zu bestehen, und so wird das alles wieder einfach so im Raum stehen gelassen bleiben – bis zum nächsten Gewaltverbrechen das dann erneut darauf bezogen wird. Genau so entwickelt sich ein Diskurs über Inhalte aber eben nicht weiter. Die Frage ist darum eher auch weshalb ein rechtsextremer Hintergrund in dem Fall eher ausgeblendet wird – wie das über Befindlichkeiten informiert…

  5. Ich habe allgemein Schwierigkeiten, bei derartigen Gewalttaten Videospiele als “Vorbild” zu identifizieren: Abgesehen von Titeln wie das betagtere “Postal (2)” oder das neue “Hatred” forcieren kaum Videospiele eine Handlungsweise des Spielers, die mit den realen Abläufen eines “Amoklaufs” vergleichbar wäre. Manche Open-World-Titel bieten zwar auch Raum dafür, doch Sinn des Spieles im eigentlichen Sinn ist dies weniger. Speziell auch in diesem Fall, bei dem der Täter Nutzer von “CounterStrike”-Titeln war, wüsste ich nicht, was hier der Tat als Vorbild dienen hätte können: Das wahllose Töten unbewaffneter Menschen ist nicht Spielinhalt – vielmehr der sportliche Wettkampf, wobei – siehe Bobby Fischer – jeder Teilnehmer ein höchst eigene und subjektive Sichtweise auf solche Konzepte haben kann. Tatsächlich war der Täter ja nicht einmal mit “CounterStrike” kompatibel – er schoss auf Teammitglieder und war offenbar ein Cheater, “akzeptierte” also nicht einmal das angebliche Vorbild, dass er versucht haben soll umzusetzen. Das, was am Ende übrig bliebe, sind sehr allgemeine Färbungen und Ideen: Eine Ikonographie der Macht(-ausübung), die mit Schusswaffen in Verbindung gebracht wird, des sich Erhebens über andere durch die Ausübung von Gewalt sowie des Erntens von Ruhm und Anerkennung eben hierdurch. Gedanken, die ich eher bei nicht-Gamern als bei Gamern vermute: Sicherlich stark spielabhängig sehe ich (vorwiegend als Nutzer von Mehrspielerspielen) andere Motive im Vordergrund und verbinde mit den Symbolen ganz andere Dinge als ein ohne Videospiele sozialisierter Mensch. Ich sehe keine verbissenen verfeindeten Fraktionen, die sich bis aufs Messer bekämpfen, sondern einen fairen Wettstreit, weshalb ich auch kein Problem damit habe, das Team zu wechseln, wenn sich die andere Seite als zu unterlegen herausstellt. Anerkennung gewinnt man weiter nicht (nur) durch sinnloses Fraggen – “Spawncamping” ist teilweise sogar von den eigenen Teammates verschrien, da sich diese Leute zu weit vorgerückt nicht ums Objective kümmern – sondern durch gelungene Aktionen, die dem Team weiterhelfen. Das kann sein sich unbemerkt zum Objetive zu schleichen und einen dort angebrachten Sprengsatz zu entschärfen, als Sanitäter die eigenen Leute durchgehend zu heilen oder “nur” jemanden abzulenken oder das Feuer auf sich zu ziehen. Allgemein passt auch das ganze militärische Vokabular nicht. Sicherlicherlich auch abhängig von dem Umgangston der jeweiligen Spielergemeinde beglücktwünscht man sich gegenseitig zu gelungen Aktionen und Abschüssen, auch wenn es für Außenstehende skurill sein mag, wenn ein gerade gefraggter dem Gegenspieler seine Hochachtung für den Frag ausspricht. Für mich ist diese Vorbildargumentation das ein (weiteres) von der Presse verbreiteses Missverständnis: Während es allgemein keiner Erläuterung bedarf, reale Waffen und reales Töten mit Gewalt in Verbindung zu bringen, haben diese Symbole in Videospielen andere Bedeutungen, da es dort – vorrangig beim eSport – eben nicht um Gewalt geht. Was für mich bleibt ist hier einfach die Überzeugung, dass die Ikonographie, wie sich auch in Videospielen und Filmen zu finden ist, auf denselben Prinzipien beruht wie Bilder, die Gewalt und Macht in Szene setzen sollen. Ob es nun Leni Riefenstahls Triumph des Willens, ein Werbefilm für das Militär oder anderes Propagandamaterial ist. Solche Bilder können wirken und ggf. ein dahingehendes Verlangen bedienen, doch als den weitaus mächtigeren Faktor sehe ich hier die Art und Weise, wie die Medien real Gewalttaten und -Täter in Szene setzen. Der Tempel der Artemis wurde nicht niedergebrannt, weil der Täter zuviel Videospiele gespielt hatte, sondern weil er unsterblich werden wollte. Ich weiß nicht, welcher attischer Epos hierfür verantwortlich gemacht worden sein könnte, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass man solchen Leuten nicht damit bekommen kann, indem man ihnen tatsächliche oder vermeintliche “Vorbilder” entzieht: Die werden Stimmen und Bilder finden, die sie zu ihren Taten inspierieren, wofür diese nicht einmal existent zu sein brauchen. Es genügt völlig, wenn diese allein in der Welt und in den Sinnen der Täter existieren.

    Das Thema Rechtsextremismus wird nach meinem Eindruck wenig diskutiert, da es allgemein in der Presse eine gewisse Zurückhaltung gibt “Amokläufe” mit politischen Ideologien in Verbindung zu bringen. Ansonsten wäre es ja Terrorismus. Das ist aber wiederum eine Diskussion, die auch hier den Rahmen sprengen würde.

  6. Es reicht schon dass jemand eine Waffe in die Hand nimmt, damit herum läuft, auf Leute zielt und abdrückt. Sicher können diese Vorbilder auch von ganz woanders her stammen, aber das ist es was die Öffentlichkeit letzten Endes in den “Killerspielen” sieht. Nichts anderes.
    Das ist grundsätzlich wohl genug an “Imitation” und zumindest ein Grund um derlei Bilder zu verachten, oder dass Ego-Shooter dann alle über einen Kamm geschoren werden: die Lerntheorien, das vielzitierte “Training”, die negativen Fähigkeiten welche sich dadurch gedanklich angeeignet werden würden, sind eher nur noch Zusätze für diese Vorstellung. Im Grunde war ja selbst die Narration eines “Postal” ursprünglich viel komplizierter und inhaltlich eigentlich eine Farce. Da verlässt jemand sein Haus – eben der “Postal Dude” – und findet nur Chaos und Zerstörung vor, solche Bedrohungsszenarien sind in den Welten derjenigen die “Killerspiele” ablehnen aber schonmal etwa überhaupt nicht vorgesehen!

    Betroffene werden weder Regeln noch sonstige Verhaltensweisen als plausibel anerkennen, wenn bei dieser Wahrnehmung nicht angesetzt wird. Keine anderen Begriffe als diese von Töten und Gewalt werden näher gebracht werden können, solange die Sichtweise dominiert – alles andere potentiell Positive überschattet.
    Und selbst der Vergleich mit Räuber- und Gendarmspielen kann da durchaus kontraproduktiv sein denke ich, denn zu behaupten Töten und Gewalt sei ein “sportlicher Wettkampf” könnte alles noch viel schlimmer machen, das als grandiose Verharmlosung und Ungeheuerlichkeit der “Killerspieler” empfunden werden.

    Die dafür grundlegende Idee ist, dass das was die vernünftige Politik, Nachrichten etc. vermeiden wollen, in den “Killerspielen” gesucht werden würde – und daraus resultiert auch dieser Kulturkonflikt. Aus meiner Sicht ist gerade das ja absurd und die Position entlarvend, da so alles Negative als positiv gemeint interpretiert wird, aber solange dieser grundlegende Widerspruch nicht aufgelöst wird, bin ich in Hinblick auf weitere Debatten überaus skeptisch, denn so wird das Dilemma der Wahrnehmung libertiner Sadisten und potentieller Massenmörder, welche im virtuellen Blutrausch sich ihren “Spielen” widmen würden (im schlimmsten Fall sich Millionen junger Männer auf reale Gewaltverbrechen vorbereiten und eine milliardenschwere Industrie damit nebenbei am Leben erhalten).
    Die Branche spricht diese Emotionen gegen “Killerspiele” mit ihren mechanistischen Gegenbehauptungen und ihrer Kompetenzrhetorik keineswegs an: im schlimmsten Fall werden sie sich deshalb noch weiter anpassen, in Richtung “chinesisches Modell”, werden eher nur mehr abstrakte Shooter wie “Overwatch” erfolgreich produziert und in der Verbreiterung des Mediums die traditionellen zunehmend zu Schmuddelkindern. Beim Thema Rechtsextremismus stimme ich jedoch zu.

  7. Bei Breivik sollte man noch ergänzen, dass dieser selbst gesagt hat, das sein Hauptgrund für die Tat Angst vor kommenden Bolschiwismus und Islamierung war. Zugleich hat er aber auch erwähnt, dass er CoD: Modern Warfare 2 als eine Art geistige Vorbereitung verwendete. Sprich, nur WoW hat er nicht gespielt.

  8. @TheRealWinston
    Ich habe Passagen von Breivik im Kopf, dass er sagte, dass CoD für ihn eine Möglichkeit gewesen sei “Taktiken” zu üben. Leuten, die anders als er nicht an einem echten Schießstand trainieren können, empfiehlt er CoD ebenfalls zum Training an der Waffe. Allgemein ergibt das nicht sonderlich viel Sinn und er hat es auch nur 130 Stunden gespielt. Zum Vergleich: Er hat WoW 2 Jahre gespielt, wo sein Wochenpensum teilweise 50 Stunden betragen haben soll. Weiter steht oben auch nicht, dass er “nur” WoW genutzt habe, sondern “an meisten Zeit” damit verbracht habe.

  9. @Rey
    Was TheRealWinston mit “nur WoW hat er nicht gespielt” wohl meinte war, dass Breivik zumindest im relevanten Zeitraum vor seinen Verbrechen lediglich vorgegeben hat sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Ich erinnere mich jedenfalls gelesen zu haben, dass er sich für sein soziales Umfeld, oder eine Öffentlichkeit, als “Süchtiger” tarnen wollte – ob glaubhaft/erfolgreich oder nicht – in Wirklichkeit bereitete er sich aber auf seine schrecklichen Taten vor. Also das Spiel vor allem dafür, als Vorwand und Vortäuschung – zur Irreführung, missbrauchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.