Zensur-Jahresrückblick 2016

Der VDVC erfasst jährlich, in welchem Umfang in Deutschland Videospiele, die sich an ein erwachsenes Publikum richten, aufgrund enthaltener Gewaltdarstellungen nicht oder nur nach Änderungen offen verkauft werden dürfen. Auch für das Jahr 2016 haben wir die durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) durchgeführten Entscheidungen, die durch den ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) erfolgten USK-Kennzeichnungen sowie die uns anderweitig bekannt gewordenen Videospiele berücksichtigt. Da es kein allgemeines Register für veröffentlichte Videospiele gibt, sind wir hier auch auf eure Mithilfe angewiesen: Sofern ihr 2016 veröffentlichte Videospiele kennt, die – aufgrund von enthaltenen Gewaltdarstellungen – mindestens eine USK-Kennzeichnung „ab 18“ verdienen würden, würden wir euch bitten, uns auf diese hier in den Kommentaren oder im VDVC-Forum hinzuweisen.

Die Zahlen in der Übersicht. Schwarz steht für bundesweit beschlagnahmte Spiele. Dunkelgrau bezeichnet solche, bei denen die Bundesprüfstelle eine Beschlagnahme für angemessen hält, für die aber (bisher) kein Gericht eine Beschlagnahme angeordnet hat. Als jugendgefährdend indizierte Titel werden rot dargestellt. Hellgrau sind Titel, die in Deutschland nicht offiziell erschienen sind (“ohne Release”). Letztere können noch indiziert oder beschlagnahmt werden. Grün markiert Spiele mit USK-Freigabe, die also in Deutschland frei erhältlich sind. Bei Hellgrünen Titeln mussten hierfür Schnitte vorgenommen werden. (Titel mit Selbstzensur, um eine niedrigere Einstufung zu erhalten, sind nicht aufgeführt.)

2016 veröffentlichten Titel bisher ohne Indizierung

Die BPjM hat 2016 allein zwei Videospiele indiziert: Zum einen das bereits 2015 veröffentlichte „Hatred“, dessen Indizierung wegen der Eintragung in den Listenteil D nicht im Bundesanzeiger bekannt gemacht aber in der BPjM-Aktuell mitgeteilt wurde. Zum anderen die „Playstation 3“-Version von „Call of Duty Black Ops“ (US-Fassung). Bei Letzterem war bereits 2010 die „Xbox 360“-Version (Deutsche Fassung) – zunächst auf Listenteil B – indiziert worden, so dass es mit „Hatred“ 2016 lediglich eine „neue“ Indizierung gab, wobei es noch einen 2015 veröffentlichten Titel traf. Weitere Indizierungen sind jedoch noch möglich, da den Titeln „Carmageddon: Max Damage“ und „Dead Rising 4“ eine USK-Kennzeichnung „ab 18“ verwehrt wurde und auch bei dem Remake „Postal Redux“ wegen der Indizierung der Vorlage eine Kennzeichnung überraschen würde. Für „Dead Rising 4“ ist eine Indizierung zeitlich gesehen bereits überfällig, weshalb bei „for UNCUT!“ gemutmaßt wird, dass die Indizierung abgelehnt worden sein könnte.

Kampf um Listenstreichung

Im letzten Jahr haben sich mehrere Publisher mit unterschiedlichem Erfolg gegen die (drohende) Indizierung ihrer Produktionen gewehrt. So gelang es dem österreichischen Publisher Deep Silver für „Killing Floor 2“ die USK-Kennzeichnung „ab 18“ zu erstreiten. Nachdem die Kennzeichnung im Berufungsverfahren zunächst erteilt worden war, wurde diese nach der Appellation eines nicht genannten Bundeslandes in dritter Instanz (Zur Orientierung hilft ein Blick auf unser Schema) bestätigt. Eine vorzeitige Listenstreichung von bereits indizierten Videospielen erfolgte unter anderem in den Fällen von „Fallout 3“, „Gears of War“ und „Gears of War 2“. Letzteres hat nach Prüfung am 9. Dezember 2016 bereits durch den ständigen Vertreter der OLJB die USK-Kennzeichnung „ab 18“ bekommen. Keinen Erfolg hatte dagegen der Publisher Activision mit seinem Antrag auf vorzeitige Listenstreichung von „Call of Duty: Modern Warfare“. Interessante Einblicke, wie sich das Prozedere im Fall einer Listenstreichung gestaltet, gewährte Turbine im Gespräch mit Pantoffel-TV in der 78. Folge (Achtung, Video mit Sound beginnt direkt zu laufen).

1989 kriegt seine Spiele zurück

Neben den beantragten Listenstreichungen sind andere Indizierungen schlicht ausgelaufen. Darunter befinden sich im Jahr 1989 veröffentlichten Spiele wie „A-10 Tank Killer“, „North Sea Inferno“ und „Dogs of War“. Die Umstände, unter denen es damals zur Indizierung von „Dogs of War“ gekommen ist, sind Kennern aus einem Beitrag des Spiegel TV Magazin aus dem Jahr 1991 bekannt – das Video ist hier abrufbar:

Auch sonst dürfte bei mehreren der Spiele die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Indizierung heutzutage äußerst gering ausfallen.

Veröffentlichungen und Indizierungen rückläufig

Im Jahr 2016 wurden nach unser jetzigen Zählung – wie im Jahr zuvor – lediglich 19 relevante Videospiele veröffentlicht. Die Zahl der Veröffentlichungen bleibt somit auf dem Allzeittief des ab 2003 erfassten Zeitraums. Neben dem Rücklauf an Veröffentlichungen ist auch das niedrige Niveau von Indizierungen stabil. So wurden allein im Jahr 2009 mit 24 Spielen mehr Videospiele als in den letzten 5 Jahren zusammen indiziert. Gänzlich indizierungsfrei war bisher nur der Jahrgang 2014 – sollte die BPjM bei „Carmageddon: Max Damage“, „Dead Rising 4“ und „Postal Redux“ gegen eine Indizierung entscheiden, könnte 2016 aber noch nachziehen. Der Preis für die kreativste Begründung einer (Selbst-) Zensur dürfte 2016 wohl Phosphor Games gebühren. Das Spiel „Gemini: Heroes Reborn“ sei zum Erreichen einer „USK 16“ geschnitten worden, weil eine Kennzeichnung „ab 18“ bei den Spielern für mehr Verwirrung als die Entschärfung der Gewaltdarstellungen gesorgt hätte:

„We had to reduce blood and made minor adjustments to ensure we passed certification standards for Germany. It’s not a prominent part of the game in any way and shouldn’t affect gameplay or your overall experience. […] They were really minor changes. The game isn’t intended to be a mature title for 18+, so that alone would have been more misleading than reducing a small amount of gore to maintain 16+.“

Ein weiterer informativer Jahresrückblick für 2016 sowie ein Ausblick für 2017 findet sich bei „for UNCUT!“.

Hier die Übersicht der für 2016 erfassten Titel. „Total War: Warhammer“ ist erfasst, weil der DLC „Blood for the Blood God“ eine „usk 18“-Kennzeichnung erhalten hat.

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