10 Gedanken zu “WD: FPS ignorieren sportethische Werte

  1. Ich nehme an, dass der wissenschaftliche Dienst die Begriffe hier „Umgangssprachlich“ und nicht im juristischen zutreffenden Sinne verwendet, letzteres wäre aber in der Tat Unsinn. In der Poltik ist man so etwas aber ja schon gewohnt. Besonders schön sind auch solche Artikel:
    http://www.sueddeutsche.de/digital/debatte-um-gewalt-spiele-counter-strike-ist-nicht-realitaetsnah-1.118780
    Es werden Verbote für gewaltverherrlichende Videospiele wie Counter-Strike gefordert: 1. Gewaltverherrlichende Videospiele sind schon verboten (§ 131 StGB) und 2. ist Counter-Strike nach der BPjM nicht gewaltverherrlichend. Beim Wort genommen sind viele Aussagen über Videospiele herrlich grotesk.

    • Echt zauberhaft. Erstens: was wird hier unter „umgangssprachlich“ verstanden? Zweitens: weshalb sollte ein „juristischer Sinn“ auch zutreffender sein?

      Ist es nicht vielmehr so, dass eigentlich gerade die wegen dem Vergehen der „Gewaltdarstellung“ verbotenen/beschlagnahmten/inkriminierten Spiele umgangssprachlich als „gewaltverherrlichend“ gelten? Das meine ich gar nicht zynisch.

      Oder wer bestimmt letztlich etwa „vor Gericht“ – überall sind (und bleiben hoffentlich!) Menschen am Werk. Und gewissermaßen betrifft damit jede Definition auch einen (zwischen)menschlichen Umgang: schließlich wird es keinem Positivismus in der Sache dabei gelingen, solchen Begriffen den Charakter eines Werturteils zu nehmen.
      In jedem kulturellen Bereich sind grundsätzlich immer verschiedene Dimensionen relevant – etwa medizinische, wirtschaftliche oder religiöse – und aus historischer Sicht gehörten die Rechtssysteme (zumindest bis vor kurzem – sarkastisch gesprochen) auch immer voll dazu. Die gute Jurisprudenz, seit wann auch immer hier daraus so etwas wie eine (technische) Naturgewalt hergestellt werden sollte…

      Grotesk finde ich vielmehr den für mich beschämenden Glauben, dass jemand der etwas – aus welchen Gründen auch immer – für „gewaltverherrlichend“ hält, überzeugen soll, dass es dieses doch nicht sein soll – nur weil es woanders auf bestimmte (andere) Sachen eingegrenzt wurde. Oder was bezwecken diese Hinweise sonst – warum seien diese anderen Sichtweisen dann „grotesk“? Ganz unvoreingenommen mal gefragt.

      Welches Rechtsverständnis agiert da im Hintergrund? Wenn die BPjM sagt CS sei das (alles) nicht, dann liegt sie aus Sicht dieser Leute nunmal falsch. Das ist doch ganz klar – wo liegt da dann noch ein Problem?
      Selbiges kann auch über die LEGO-Videospiele gesagt werden, wo es spielerisch praktisch nur um Gewalt geht und darum Körper zu zerstören – neben ein paar wenigen, mehr oder weniger (pseudo)kreativen Elementen.
      Mag sein, dass das ein sprechender Journalismus in dem Moment wo solche Meinungen geäußert werden, ich sage mal, nicht berücksichtigt hat oder nicht weiß (also die Gesetze nicht kennt), aber das ist doch auch überhaupt nicht relevant (zu dem Zeitpunkt an dem so eine Äußerung getätigt wurde). Das ist doch gerade der springende Punkt bei Meinungen, dass keine Meinung immer über alles (gut) informiert sein kann.

      Wenn jemand etwas gewaltverherrlichend findet, wird kein Verweis auf anderes „gewaltverherrlichendes Zeug“ noch daran doch etwas ändern können. Das ist doch naiv (zu glauben).

      Und grotesk ist dabei wohl eher dieses Reiten auf Paragrafen und deren Jurisdiktion, so als ob in diesen mehr „Wahrheit“ (oder Wirklichkeit!) vorhanden wäre, schlummern würde – als in anderen Meinungen. Schließlich wird sich in diesen Bereichen ohnehin schon mehr als genug auf nichts anderes als sogenannte „Kommentare“ verlassen. So what?
      Oder worauf sollen diese Feststellungen/Hinweise sonst hinauslaufen? Das ist doch nichts anderes als Unsachlichkeit/“Trollerei“, die in der „K-Wort“-Debatte sonst ja auch kritisiert wurde: eine schlichte Falschdarstellung in sich selbst. Nichts anderes als eine Polemik zu behaupten, dass diese Form der Feststellung einer „Gewaltverherrlichung“ gewissermaßen nicht oder weniger „gelten“ würde, weil sie nur „umgangssprachlich“ erfolgt (und nicht in Form von – im Fall dieser Beurteilung sonst vorhandenen – Rechtsprechung).

      Denn richtig ist (und bleibt hoffentlich), dass es da viele unterschiedliche Meinungen gibt – verschiedene Meinungen/Ansichten vorhanden sind.
      Zumal (in den Fällen) ja nicht einmal versucht wird dagegen zu argumentieren, zu erklären warum diese Inhalte wirklich nicht „gewaltverherrlichend“ seien – sie seien es nur nicht, so heißt es, weil „Gewaltverherrlichung“ woanders anders festgelegt wurde. Na toll :augenroll:

      Letztlich wird sich damit nicht einmal für irgendwelche beanstandeten Spiele eingesetzt, sondern immer nur auf auf andere (noch) verwiesen – gewissermaßen nur neue Schuldige gesucht (und gefunden), vermutlich um den Eindruck von Skepsis/Objektivität/Unparteilichkeit zu wahren.

      • Ich glaube das wesentliche Problem ist, dass du (mir) eine Einheitlichkeit bei der Verwendung des Begriffs unterstellst bzw. anstrebst, die ich nie herzustellen versuchen würde.

        Wenn jemand im Zusammenhang mit der rechtlichen Bewertung von Videospielen von „Gewaltverherrlichung“ spricht, dann sollte davon ausgegangen werden dürfen, dass er solche Titel meint, die dem § 131 StGB nach verfassungsgemäßer Auslegung oder zumindest nach dem Verständnis der für die Bewertung zuständigen Institutionen dieser Norm unterfallen. Und wenn schon selbst di Institutionen wie im Fall von CS selbst nicht annehmen, dass es nicht dem § 131 StGB unterfällt, dann braucht man nach meinem Verständnis auch nicht das Faß aufzumachen, dass bei verfassunsgemäßer Auslegung wohl kaum ein Videospiel dem § 131 StGB unterfallen würde.

        Diese juristische Auslegung der § 131 StGB, bei dem es nun auch eine Variante der „Gewaltverherrlichung“ gibt, hat für mich aber absolut nichts damit zu tun, ob eine Darstellung ethisch, phliosophisch, soziologisch oder unter sonst einem Gesichtspunkt als gewaltverherrlichend bezeichnet werden könnte. Ich glaube, dass ich viele Gewaltdarstellungen, die juristisch wegen der § 131 StGB Variante der Gewaltverherrlichung verboten sind, nicht als gewaltverherrlichend empfinden würde, dafür aber viele Dinge, die dem § 131 StGB nicht unterfallen. Der Umstand, dass eine bestimmte Summe von Tatbestandsmerkmalen beim § 131 StGB unter dem Begriff der „Gewaltverherrlichung“ zusammengefasst ist, ist für mich bzgl. des allgemeinen Verständnisses bei der Bewertung von Gewalt bedeutungslos.

        Ich käme auch nie auf die Idee zu versuchen, dies irgendwie „in Einklang“ zu bringen oder Leuten das Recht absprechen zu wollen, etwas als gewaltverherrlichend zu bezeichnen, das nicht dem § 131 StgB unterfällt, sofern sie eben nur von ihrem persönlichen moralischen Werteverständnis sprechen und nicht von der Erfüllung des Tatbestandsmerkmale des § 131 StGB.

      • Ich verstehe nicht was dann noch der „Unsinn“ wäre: der WD kann doch – genauso wie die BPjM – eine rechtliche Meinung äußern? Diese Feststellungen sind doch nicht unveränderlich?
        Ich gebe zu bedenken, dass das (diese rechtliche Dimension der Meinung) sogar wahrscheinlich ist, da hier keine soziologische Wirkung im Sinne einer sozialen Folgenabschätzung gemeint sein wird, sondern die Feststellung worum es sich bei den Spielen inhaltlich so handeln würde.
        Wir sahen da etwas aber schon früher verschieden: so bin ich immer noch der Auffassung, dass die Meinung der BPjM zur strafrechtlichen Relevanz nicht rechtlich verbindlich sein kann – da gibt es sogar bei Games schließlich auch ein Beispiel wo das wieder zurückgenommen wurde (im Falle des ersten „Dead Island“). Den Rest habe ich im Forum schon ab hier ausgeführt: https://vdvc.de/forum/viewtopic.php?f=80&p=18223#p18217

  2. Besonders erschreckend, wenn der wissenschaftliche Dienst diesen Begriff nicht richtig benutzt oder einordnet. Gerade dieser sollte doch den Anspruch haben, korrekt zu informieren. Und entsprechende Terminologie ist nun mal auch so zu verwenden. Counter-Strike und co. als „gewaltverherrlichend“ zu verunglimpfen, unterstellt ja eigentlich schon, dass eine strafbare Handlung von Seitens der Anbieter/Vertreiber erfolgt, wenn sie die Titel in Deutschland verbreiten. Sicherlich, die USK-Freigabe würde im konkreten Fall eine Schutzwirkung haben, aber so kann ja dennoch — theoretisch — § 131 StGB durch den Spieleinhalt erfüllt sein, und „gewaltverherrlichend“ impliziert genau diese Annahme. Bei einem Mortal Kombat X oder Dead Rising 4 würde ich das vielleicht sogar noch durchgehen lassen, als Privatmeinung, da hier die sehr ähnlichen Vorgängertitel vor nicht langer Zeit noch beschlagnahmt oder B indiziert worden sind, bei einem Counter-Strike wäre es grotesk.

  3. Also das einzige wohl gewaltverherrlichende Spiel, das im eSport eine nennenswerte Rolle gespielt haben, ist nach meiner Erinnerung „Painkiller“ mit der „World Tour“ (Sofern dort das auf den Listenteil B gesetzte „Painkiller – Battle out of Hell“ genutzt wurde).

  4. Das Vernichten von virtuellen Avataren egal wie realistisch es dargestellt wird, kann man nicht als Verletzung der Unverletzlichkeit der Person geltend machen. Da es sich um keine Personen handelt, ethische Belange treffen daher gar nicht erst zu. Obendrein ist es heuchlerisch von der Unverletzlichkeit der Person zu sprechen, wenn man bei fast allen anderen Sportarten Abnutzung und Verletzlichkeit des Körpers in Kauf nimmt, Leute werden ständig durch Sport permanent Verstümmelt und tragen Verletzungen davon.

  5. Dazu könnte natürlich (auch wieder) gesagt werden, dass der Dienst nicht zwischen Realität und Spiel unterscheiden kann, aber ich hoffe „wir“ sind da doch weiter: ich komme da immer wieder sehr gern auf das Schachspiel zurück (das ich übrigens überhaupt nicht beherrsche), doch auch dieses ist auf einer eher abstrakten Ebene eine (sogar feudale) Fiktion von (!) Militär. Ohne untersucht zu haben ob das ähnlich beurteilt wird, kann ich zwar nicht sagen ob dazwischen diskriminiert wird – falls es ähnlich gesehen wird stimme ich dem Dienst jedoch ausdrücklich zu: der E-Sport hat das Problem (Dilemma) der Fiktion nicht nur nicht gelöst, sondern nicht einmal angegangen. So wurde und wird immer nur auf angebliche „Herausforderungen“, oder „Fähigkeiten“ und „Leistungen“ der TeilnehmerInnen, abgestellt, beziehungsweise eine Sozialität betont (der Teamgeist, das Gemeinschaftsgefühl usw.), aber überhaupt nicht danach gefragt was die alle dort inhaltlich eigentlich so machen.
    Der E-Sport hat damit ein ähnliches Problem wie das Wrestling (im Sinne der WWE): auch das kann kein Sport sein weil es Fiktion ist, und nicht nur nicht – wie in der Öffentlichkeit für gewöhnlich einzig und allein behauptet – weil Ergebnisse unter Umständen vorher abgesprochen wurden, sondern weil es Narrativen folgt die nichts mit der Realität zu tun haben, sondern vielmehr Scheinwelten sind (mit unechten Figuren, Gefühlen etc.). Also sofern Sport „real“ sein muss, kann das alles keiner sein.
    Leider.

  6. @Pyri
    Ich vermag dir nicht ganz zu folgen: Sicher, Wrestling ist „abgesprochen“, choreographiert bzw. beinahe „inszeniert“. Ich würde es beinahe als Theaterstück bezeichnen, weshalb ich – auch wenn es körperlich sicherlich fordernd ist und die Akteuere „fit“ sein müssen – nicht als Sportart ansehen würde. Da bin ich komplett bei dir. Videospiele wie „Counter-Strike“ aber auf dieser Ebene in eine Nähe mit „Wrestling“ zu rücken, finde ich auf den ersten Blick nicht ganz überzeugend. Insbesondere wenn du dies von der inhaltichen Deutung abhängig machen möchtest oder zumindest ein Selbst- bzw. Eigenverständnis dahingehend forderst. Das klassische Speerwerfen ist für mich z. B. unabhängig davon ein Sport, ob das nun symbolisch als kriegerisch, der Jagd entnommen, pures Kräftemessen oder Fruchtbarkeitsritus angesehen werden sollte.

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