10-jähriges Jubiläum und Prioritäten

Diesen Monat hat der VDVC sein 10-jähriges Jubiläum “gefeiert”. Nunja, gefeiert eben nicht. Auf der Mitgliederversammlung 2018 hatten wir noch vor, unseren runden Geburtstag mit einer LAN-Party zu begehen. Das ist aufgrund sich verändernder Prioritäten nun nicht passiert.

Da man von außen hier im Blog aktuell nur Inaktivität sieht, habe ich mich entschlossen, ein Wenig zu den Hintergründen zu schreiben. Von verschiedenen Leuten habe ich folgende Gründe für sinkende Motivation gehört:

  • Ziel erreicht: Die Killerspieldebatte ist am Ende. Mehr Verbote fordert niemand mehr. Die eigentliche Gesetzeslage hat sich zwar nicht verändert, doch wurde sie auch nicht schlechter. Zudem hat sich die Anwendung der Gesetze deutlich verbessert. Seit dem letzten Jahr wird die Freiheit der Kunst bei Videospielen beachtet — so wie schon zuvor auch Filmen. Das ist auch unser Verdienst.
  • Krise der Menschlichkeit: Andere gesellschaftliche Themen haben die Aufmerksamkeit einiger unserer engagiertesten Mitglieder auf sich gezogen. Da wäre die Krise der Menschlichkeit. Seit 2015 wünschen Menschen ohne Scheu anderen den Tod, sprechen gar Morddrohungen aus. Selbst Ertrinken-Lassen wird als politisches Werkzeug propagiert.
  • Klimakrise: Die Menschheit fährt ihre Lebensgrundlagen gegen die Wand. In 10 Jahren könnte es zu spät sein. Nur verständlich, dass dieses Thema alles andere in den Schatten stellen kann.
  • Veränderte Lebensumstände: 10 Jahre sind eine lange Zeit. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich auch private Interessen stark verändern können.

In diesem Umfeld fokussieren wir uns nun auf das, was wir als VDVC für das wichtigste halten. Am Blog merkt man, dass Öffentlichkeitsarbeit nicht die höchste Priorität hat. Die Strukturen werden nur betriebsbereit gehalten, nicht verbessert. Beispielsweise ist im Forum wegen Spam die Registrierung ausgesetzt. Das ist nicht die beste Lösung, doch ein lange anvisiertes Update der Forensoftware steht weiter aus. Nicht einmal Wahlprüfsteine zur Europawahl haben wir verfasst — auch wenn wir das eigentlich vor hatten. Ganz inaktiv sind wir jedoch nicht, auch wenn der Fokus kleiner geworden ist. Aktuell verfassen wir eine Stellungnahme zur Reform des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV).

9 Gedanken zu “10-jähriges Jubiläum und Prioritäten

  1. Da habe ich mich im Browser in den Favoriten verklickt und lande mal wieder auf dieser Seite… direkt passend zu diesem Beitrag. Manchmal gibt es schon tolle Zufälle. :D

    Die oben genannten Gründe sind alle richtig, deshalb habe ich auch schon lange nicht mehr rein geschaut. Als die Debatte noch heiß war, war ich jeden Tag einmal auf der Seite und habe nach Neuigkeiten gesucht.
    Ich persönlich finde aber, dass nun auch die Prüfung der Computerspiele immer lockerer wird. Das neue Wolfenstein z.B. kommt in 2 Versionen offiziell auf den deutschen Markt. Die internationale ist dabei komplett ungeschnitten.
    (Dass es trotzdem noch eine deutsche Version, ohne Symbolik gibt, liegt wohl daran, dass die schon in Produktion war. ¯\_(ツ)_/¯ )
    Selbst Fallout 4 kam in einem Gewaltgrad ungeschnitten, bei dem Fallout 3 noch zensiert wurde.
    Andererseits werden einige Spiele nun schon “ab Werk” an den deutschen Markt angepasst und haben von vornherein weniger Gewalt.
    Traurig ist für mich irgendwie nur, dass beim Thema Symbolik das Bohemian Browser Ballett, mit seinem Satire Spiel “Bundestagsfighter 2 Turbo”, den letzten Anstoß zu einem Umdenken in Sachen Symbolik gegeben hat.

    Die Lage hat sich meiner Meinung nach also deutlich entspannt. Mal sehen ab wann ich dann wieder ruhig in Deutschland Computerspiele kaufen kann und nicht mehr zur Vorsicht doch importiere… :)
    Ich finde es gut, dass ihr euch trotzdem noch bereit haltet.
    Aber schon allein, dass ihr weniger zu tun habt, zeigt doch euren Erfolg. Gute Arbeit.

  2. Glückwunsch!

    Persönlich schaue ich hier (bzw. im Forum) nach wie vor regelmäßig vorbei, um mich auf dem Laufenden zu halten. Ja, bei mir sind es insb. die veränderten Lebensumstände, die zu weniger einschlägiger Aktivität geführt haben. Zur Zeit der sog. “Killerspiel”-Debatte, genauer zwischen 2007 und 2013, war das ja mein lebens- und arbeitsbestimmendes Thema, einfach auch schon deshalb, weil sich meine Doktorarbeit diesem Phänomen gewidmet hat. Da konnte und musste ich meine ganze Energie in dieses Thema stecken… mit einem “richtigen” Job danach hat man einfach nicht mehr die Zeit und Lust, außerdem fand ich es doch etwas frustrierend, dass ich die ganzen Fehler und Probleme der Computerspielgewaltwirkungsforschung und des dt. Jugendmedienschutzsystems so akribisch dargelegt habe, es aber (wie zu erwarten) keinerlei Effekt zeigte.

    Dabei sehe ich allerdings nicht, dass wir am Ziel wären; ja, “die Anwendung der Gesetze” hat sich “verbessert”, u.U. gar “deutlich”, aber ich wäre bei der Beurteilung der Situation deutlich vorsichtiger. Der Problematik widme ich mich auch im überarbeiteten Fazit der 2. Auflage meiner Dissertation (hier ein kleiner Teaser), denn so sehr es mich auch freut, dass immer mehr Beschlagnahmen nach § 131 StGB aufgehoben werden, dass indizierte Medien deindiziert werden und z.T. Medien, die früher wahrscheinl. keine Freigabe erhalten hätten, heute gekennzeichnet werden, erscheinen mir Lobgesänge auf eine allg. Trendwende oder gar die vmtl. evidente unumkehrbare Liberalisierung im Umgang mit (fiktionale) Gewalt darstellenden Computerspielen aus folgenden Gründen verfrüht:

    “1. Die Aufhebung der Beschlagnahme gem. § 131 StGB oder die der Indizierung minimiert das mit der ursprgl. Verhängung der jeweiligen Maßnahme oftmals einhergehende Straf- und Existenzrisiko sowie den evtl. Reputationsschaden für die Betroffenen nicht. Zudem erfolgt eine solche Aufhebung i. d. R. erst nach Jahren […]. Derweil wird auch den Rezipienten der Bezug der inkriminierten Medien erschwert […]. Der Klageweg setzt darüber hinaus natürlich voraus, dass überhaupt noch ein klageberechtigter und -interessierter Betroffener existiert […].

    2. Ob etwas indizierungs- und ggf. auch beschlagnahmewürdig ist, ist […] eine von einer Maßnahme der Kulturhygiene faktisch nicht unterscheidbare Willkürentscheidung, was die Grundprinzipien unseres demokratischen Rechtsstaats unterminiert.

    3. Aufgrund des mit ihnen einhergehenden Straf- und Existenzrisikos i. V. m. diesem Willkürcharakter sorgt die pure Existenz beider Maßnahmen nach wie vor […] für eine Schere im Kopf der Betroffenen […], [sie] lähmen […] das Geistesleben und nötigen zu vorauseilendem Gehorsam, sie schaden einer liberalen, pluralistisch-demokratischen Gesellschaft einerseits und gleichermaßen der produktiven und rezeptiven Kunst- und Kulturlandschaft der Bundesrepublik, ihrem Ansehen und ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit andererseits. […]

    4. Das dt. Jugendmedienschutzsystem und Strafrecht geben sich der Ridikülisierung preis und nehmen infolge dessen Schaden.

    5. Beim Gros der einschlägigen Aufhebungsbeschlüsse und -entscheide wird seitens der Gerichte und der BPjM tatsächlich nicht eingeräumt, dass es sich bereits bei den ursprgl. Beschlagnahmebeschlüssen und Indizierungsenscheiden um evidente Fehlurteile gehandelt hat […]. Vielmehr rabulisiert man i. d. R., dass die Aufhebung deshalb erfolgen konnte, weil die vormals inkriminierten Darstellungen z. B. “nach heutigen Maßstäben mangels gewaltverherrlichenden Inhalts nicht gegen § 131 StGB” verstießen oder weil bspw. “Gewaltszenen nach heutigen Maßstäben weder als detailliert noch als realistisch/realitätsnah einzustufen” seien u. ä., obwohl sich einerseits die Maßstäbe des § 131 StGB im Wesentlichen nicht geändert haben und jeder einschlägigen Beschlagnahme inhärent ist, dass diese Aufgrund eines vmtl. objektiven und damit allzeitigen Erklärungswerts der Medieninhalte erfolgt sei […] und obwohl andererseits bspw. Gewaltszenen im konkreten Kontext entweder zeitunabhängig realistisch/realitätsnah sind oder aber nicht. […]

    6. Als Willkürmaßnahmen sind Beschlagnahmen nach § 131 StGB und Indizierung i. V. m. der Subjektivität des Rezeptionsprozesses per se […] vielmehr vom Zeitgeist und insb. von den Idiosynkrasien der jeweiligen Entscheider in den Gerichten und in den Gremien der BPjM abhängig, als von objektiven Inhalten der betroffenen Medien selbst; dgl. gilt natürlich für die Alterskennzeichnungsverfahren der OLJB. Entsprechende Wechsel bei den Entscheidern resp. eine Reihe entsprechender Gremienzusammensetzungen vorausgesetzt, sind Beschlagnahme- bzw. Indizierungswellen wie in der Vergangenheit nicht ausschließbar, sondern eine Personalfrage.”

    Ich sah mich zu dieser Aktualisierung auch genötigt, weil mir ab und an inzwischen gesagt wurde, meine Diss. sei ja nicht mehr aktuell, eben weil sich die Lage gebessert habe. Sehe ich anders.

    Stichwort 2. Auflage der Diss.: Ich arbeite immer noch daran, aber ich habe nicht wirklich viel Zeit dafür, dabei bin ich fast fertig. Insb. der 1. Teil, der Blick auf die Computerspielgewaltwirkungsforschung, wurde stark aktualisiert… da sind in den letzten 5 Jahren einige Studien dazugekommen, die ich einarbeiten musste. [spoiler]Die Studien kranken allesamt an den damals von mir festgestellten endemischen Defiziten und bestätigen auch all das, was ich damals festgestellt habe. Aber es ist immer wieder shcön, neue Absurditäten zu zerpflücken.[/spoiler] In den 2. Teil, den konkreten Blick auf das dt. Jugendmedienschutzsystem, musste ich natürlich auch den Umstand einarbeiten, dass viele meiner Bsp. für Indizierungen und Beschlagnahmen jetzt nicht mehr indiziert und beschlagnahmt sind, wobei ich das als Bestätigung meiner These sehe, dass die Urpsrungsmaßnahmen nicht ganz rechtskonform waren und die Maßnahmen der Indizierung und Beschlagnahme an sich unverhältnismäßig sind.

    Die Diss. ist damit von 314 Seiten bei der 1. Auflage mittlerweile auf über 500 Seiten gewachsen… dafür gibt es auch Bilder. Ich glaube es nicht, aber vielleicht bekomme ich die Überarbeitung noch in den Sommerferien fertig, wetten würde ich darauf aber nicht. ;-)

  3. @Vicarocha
    Zu Punkt 5 – sehe ich das richtig, dass Du da eine mangelhafte Änderung in der Beurteilung einer “Bedeutung” von Gewaltdarstellungen kritisierst?
    BPjM etc. behaupten damit ja nur eine gewisse Änderung in der Wahrnehmung und somit auch Wirkung, aber die Annahme einer Spekulation mit niederen Instinkten bei Gewaltdarstellungen hat sich dafür meiner Auffassung nach überhaupt nicht geändert. Das einzige was sich eindeutig geändert hat ist aus meiner Sicht der prinzipielle Zugang zum “Kampf”: früher wurde auch das “Vernichten” eines Gegners darin als sozialethisch desorientierend (oder halt dem jeweils vorherrschenden und akzeptierten Sprachgebrauch nach) bis hin zur Pönalisierung “kritisiert”, heute eher nur mehr wenn Gewalt außerhalb dessen stattfindet, also außerhalb von einem Wettbewerb und “post-mortal” wie das jemand hier mal nannte, “sinnlos”, “überflüssig”, oder wenn Unbeteiligte zu Schaden kommen (so wie 2017 bei “Carmageddon – Max Damage”). Vorgänge wie ein “Zerstückeln” von Gegnern in diveren Kampfspielen, bei FPS und TPS, sind nicht mehr das Problem, diese vermeintlich neue Wahrnehmung weist jedoch auch ihrerseits eine Vorgeschichte auf: so wurden schon in den 90ern isometrische Titel wie “Baldur’s Gate” davon ausgenommen und kaum je indiziert, obwohl das im Sinne einer Gleichbehandlung eigentlich nur zu erwarten war. Einzige Ausnahme die mir spontan einfällt: “Crusader” von Electronic Arts, aber vermutlich vor allem wegen dessen Nähe zu “Judge Dredd” und einer damit verbundenen, faschistoiden Ästhetik.

    Im Grunde ist es graduell ähnlich zu “River Raid” 2002-04. Das wurde zum Höhepunkt der Rede von “Killerspielen” auch vom Index genommen und sogar für jugendfrei erklärt, weil die Darstellungen nicht mehr entsprechend wahrgenommen werden könnten (wie Anfang der 80er, obwohl ich ja stark bezweifle dass die Darstelllungen ohne Deskription selbst damals irgendwer erkannt hätte).

    Allerdings bezweifle ich sehr, dass hier in Bezug auf Deutschland noch eine “Schere im Kopf” im größeren Umfang vorliegt. Die internationale Videospielindustrie will solche Inhalte heutzutage vielmehr grundsätzlich vermeiden, weil sie viel PR-getriebener ist als früher und schlechte Presse vermeiden will. Das betrifft nicht nur die Vermeidung einer potentiell problematisierten Repräsentation von Menschengruppen, sondern auch Gewaltdarstellungen die nicht so einfach akzeptiert werden würden. Hinzu kommt eine Tendenz zu entschärften Ästhetiken im Massenbetrieb sozusagen, sodass populäre “Gewaltspiele” heutzutage auch niedrigere Freigaben bekommen – wie seit 2014 “Destiny”, “Fortnite”, oder der Extremfall “Splatoon”. Bis hin zum Umstand, dass ihre Inhalte unter Umständen deshalb gar nicht mehr so sehr als “Gewalt” gesehen werden, sondern vielleicht nur mehr als “Sucht”, obwohl sich ihr Spielprinzip nicht grundlegend von anderen “Gewaltspielen” unterscheidet.

  4. “(…)post-mortal” wie das jemand hier mal nannte(…)” Wo sind meine Tantieme?

    Im Ernst, Glückwunsch auch von mir. Ich denke, der VDVC hat durchaus etwas beigetragen in den letzten 10 Jahren zu einer „Verbesserung“, aus unserer Sicht jedenfalls.

    Und na ja, muss auch sagen, mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher, wie viel „besser“ es wirklich geworden. Realistisch gesagt glaube ich ja, dass man Index und § 131 StGB in absehbarer Zeit nicht mehr wegkriegt bzw. auch schon geringfügige Liberalisierungen ohnehin nicht durchkriegen wird, so dass es mehr oder wenig sinnfrei ist, dafür groß Lobbyarbeit zu leisten, da es eben derart weg vom Konsens ist; auf der Overton-Skala geht’s Richtung unthinkable, glaub ich, immer noch. ;) Da ist’s auch egal, wenn faktisch kaum noch was indiziert oder beschlagnahmt wird, die Leute finden immer noch irgendwas, was sie verboten haben wollen. In dem Sinne würde ich aber ebenso nicht ausschließen wollen, dass wir auch mal wieder eine Verschärfung in Bezug auf die Spruchpraxis bei fiktiver (Videospiel-)Gewalt erleben, auch da eine neue Moralpanik. Pyri meinte mal irgendwie, dass so etwas wohl im System nicht vorgehen war, und vermutlich stimmt das auch, aber möglich ist es ja sicherlich, wurde in letzter Zeit bei je nach Gusto mehr oder weniger „grenzwertigen“ Sexualdarstellungen eigentlich bewiesen.

    Na ja, entweder gibt’s in 20 Jahren die 14er-/Kinder-Maximalfreigabe bei gängigen Unterhaltungsmedien oder wir haben die große Jugendschutzfirewall hochgezogen. Kann mir im Grunde beides vorstellen.

    P.S.: Dass die Bewertungsstellen/Gerichte generell nicht eingestehen, dass es Fehlurteile gab, wenn es ums “verjähren” von Medien geht, nervt mich irgendwie mit am meisten. Gibt dazu einen Film, der wurde nach 26 Monaten oder so schon vom Index gestrichen, weiß den Titel nicht mehr, würde mich mal interessieren, was das BPjM-Gremium sich da ausgedacht hat.

    P.P.S: Die kuriose Listenstreichung von Dead Island…würde echt gerne mal wissen, was für ne Version die BPjM da vorliegen hatte. Das nur am Rande.

    • Im Forum klang zuletzt ja wieder mal “der Tod der Fiktion” an. Das wäre bereits ein Hinweis.
      Ich denke wir leben schon länger in schwer postfiktionalen Zeiten, vor allem in der sogenannten “Hochkultur”: anders als der “Ego-Shooter” in Bezug auf “Gewalt” und “Egoismus” ist der postfiktionale Ich-Roman in erster Linie durch Ereignislosigkeit gekennzeichnet. Und ein Konstrukt wie Identität wird darin dadurch gewissermaßen unabhängig von Konstanten wie Zeit und Ort gemacht.
      Wobei genau dieses Schicksal auch dem Medium Videospiel blühen könnte – vorzeitige Experimente wie “Undertale” wären dafür erst der Anfang gewesen. Wir hatten jetzt bei der Fantasie vom europäischen Mittelalter ja offenbar schon das Problem, dass dementsprechend inspirierte Spiele (und das betrifft slawische Fantasy genauso wie “historische Korrektheit”) angegriffen werden zu wenig Diversität darzustellen, aber was wäre wenn derselbe Vorwurf noch wesentlich isolierteren Epochen und Zeitaltern gemacht werden würde – etwa dem feudalen Japan.
      Es würde so zunehmend schwieriger werden noch konkrete Darstellungen zu finden die selbst in der Videospielpresse breitere Akzeptanz finden könnten. Gleichzeitig wird (momentan noch) natürlich mehr Fiktion denn je produziert: seit Netflix etwa nicht mehr nur zu Hause produzieren lässt, hat sich deren Angebot an Eigenproduktionen deutlich verändert. Nicht in Richtung Narrenfreiheit, aber es existiert anscheinend ein gewisser Vertrauensvorschuss – ein Bonus: wer US-amerikanische, kanadische oder britische Filme und Serien auf Netflix meidet ist in der Lage ein deutlich anderes Netflix zu erleben. Das liegt anscheinend an der Tradition unterschiedlicher Film- und Fernsehindustrien auf der Welt, auf die auch Netflix so angewiesen ist (diese von heute auf morgen nicht verändern, nicht vereinnahmen konnte). Videospiele sehe ich hier deutlich im Nachteil: zwar existieren auch hier unterschiedliche Tradition, diese resultieren aber eher nur in ökonomischen Unterschieden – wie etwa dass “Gothic” oder “Die Siedler” international keine großen Marken wurden. Eine globale Dorfgemeinschaft gab es in den Communities deutscher Entwicklungen wohl trotzdem sehr früh, etwa als Guido Henkel damals nach Amerika ging… Noch relativ unvorstellbar, dass einem Samuraispiel vorgeworfen werden würde es täte Gesellschaft zu wenig abbilden, also abgesehen vom notorischen “Afro Samurai”, aber selbst das wäre (als nächster Schritt) denkbar.

  5. Glückwunsch zum Jubiläum!

    Ich schaue auch immer wieder mal rein, aber mehr um der alten Zeiten bei “Stigma-Videospiele.de” willen, denn das Thema Killerspiele hat sich in der Mainstream-Diskussion zum Glück größtenteils erledigt.

    Gruß
    Aginor

  6. Von mir auch Glückwunsch!

    Ich sehe “uns” bei der Gewaltdarstellung “faktisch” auch am Ziel: Mir wäre es lieber, wenn explizit die Verfassungswidrigkeit von Verbot und Indizierung festgestellt werden würden, aber es spielt durch die restriktivere Anwendung praktisch einfach kaum eine Rolle mehr.

    Dass “nebenbei” Hakenkreuze in Videospielen auch durch die OLJB als legal akzeptiert und gekennzeichnet werden, ist ein Erfolg – aber einer, den ich gar nicht brauchte. Formal ist die Gleichberechtigung zwischen Videospielen und anderen Kunstformen begrüßenswert, aber als Spieler wird hier die Nutzung verantwortungsvoller. Ich ballere mich nicht mehr nur durch irgendwelche an Nazis angelehnte Szenarien, sondern ich muss mich mit einem Hakenkreuz auseinandersetzen. Für mich ist das jetzt nicht mehr ein unbeschwerter Shooter, sondern etwas, womit ich mich gezwungen sehe tiefergehend auseinanderzusetzen. Kann ich auch ab und an vertragen, aber ich bin auch ein Fan von stumpfer Action.

    Bei dem Punkt Verbraucherschutz habe ich mittlerweile einfach die Segel gestrichten: Während ich mich früher bei 60,- € Vollpreistiteln über Installationslimits aufgeregt habe, ist es mir bei Humble Bundle etc. und Preisen von weniger als 10,- € mittlerweile egal, dass ich keine Sicherheitskopie erstellen kann etc. Ich habe mir jetzt auch ein Gaming Notebook ohne CD-Laufwerk angegeschafft und komme mit Steam und gog (FTL) aus. Hier bin ich leider auch ein Opfer der Usability geworden. Ich möchte nicht mehr ein Wochenende verbringen, um mein Originalspiel von 1998 auf Windows 10 zum Laufen zu kriegen.

    Was ich noch als Problem sehe ist der Datenschutz, was aber nicht nur bei Spielen ein Thema ist.

    Und die Reglementierung von Anbietern von Webseiten und Streams sehe ich auch als ein Problem an, soweit es private/nicht kommerzielle Angebote betrifft. Das hat mit dem VDVC aber auch nur noch wenig direkt zu tun.

    Viele Grüße
    Matthias

    PS:

    das pdf zu stigma-videospiele kann ich ja nicht kommerziell als Buch vertreiben, weil ich da nicht die Zustimmung von allen Rechteinhabern von verwendeten Bilden für ab. Ich bin gerade dabei die pdf vom Layout her zu überarbeiten, um mir für mich bei epubli “meine” Version als Buch zu bestellen. Wenn möglich, werde ich das “Buch” da dann auch kostenlos veröffentlichen. Nicht als eBook, sondern als druckbares. Ich setzte gerade Anführungspunkte einheitlich. Wenn wer die deutsche Sprache besser als ich beherrscht und Zeit für ein (weiteres) Korrekturlesen hat, wäre ich froh, wenn er sich bei mir meldet. Wenn ich fertig bin, werde ich das auch noch im Forum schreiben.

    Meine E-Mailadresse: matthias@dittmayer.com

  7. Happy anniversary ! Congratulations and deepest thanks to VDVC for all the hard work. Being alive 10 years later is an achievement in itself, and I’m grateful for everything you gave us. I perfectly understand why you don’t have the same energy, time and motivation as before : after all, the awful “killerspieldebatte” is dead, or at least agonizing (good riddance !), and more generally time changes, priorities change, life evolves for all of us.

    Thanks again, and happy 10th anniversary !

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