Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021 fallen aus

Bei der Vereinsauflösung Ende 2019 hatten sich die anwesenden Mitglieder geeinigt, bei Interesse Aktionen als Community fortzuführen. Hierzu zählen Umfragen, die Wahlprüfsteine und Teilnahme an Verbandsbeteiligungen zur Gesetzesvorhaben.

Die Wahlprüfsteine (WPS) im Jahr 2017 hatten wir sogar noch vor dem Vorstellen der Wahlprogramme an die Parteien übersandt, in der Hoffnung, dass Themen, die der Gaming-Community wichtig sind, auch einen Weg in die Diskussionen auf den Parteitagen finden. Wir waren alle sehr positiv überrascht, als beide GroKo-Parteien nach Bestreben des ESBDs, den Anfragen aus mehreren Ortsverbänden und unseren WPS das Thema “Anerkennung des E-Sports als gemeinnützige Zielsetzung” in ihre Wahlprogramme und dann sogar noch in den Koalitionsvertrag aufnahmen. Es schien eine Gezeitenwende zu sein – nie zuvor waren Gaming-Themen, abseits vom Jugendschutz und der Förderung des “Deutschen Computerspielpreises”, als kulturelle Entwicklung dermaßen gewürdigt worden. Entsprechend hoch waren allseits die Hoffnungen, dass sich die Politik nun endlich bewegte. Zu der Zeit waren bereits in anderen Ländern E-Sports-Veranstaltungen von den Nationalen Komitees als olympisch klassifiziert worden und sogar das Internationale Olympische Komitee (IOC) diskutierte nach Berichten intern die Schaffung einer E-Sports-Sparte. Bei den Panasiatischen Spielen 2018 waren sogar u.a. „HearthStone“ und „League of Legends“ als Disziplin vertreten.

Es folgend daraufhin leider nur Enttäuschungen. Im September erteilte der Deutsche IOC-Präsident Thomas Bach, ganz entlang der DOSB-Linie, dass E-Sports nicht teil von Olympia sein könnten wenn sie sich nicht ausschließlich an Kinder richten würden, einer breiten Teilnahme eine deutliche Absage. Vom IOC wurde daraufhin eine Art “Teilnahme light” für digitale Spiele propagiert. Diese Linie vertritt der DOSB heute noch. Nach dem Prinzip “Divide et empera” versuchte dieser eine gutsherrenhafte Aufteilung der Gaming-Community in “eSports” (also digitale Versionen bereits bestehender Olympischer Spiele) und E-Gaming, alles andere “spielzeughafte” und “gefährliche”. Bei Ersterem solle überlegt werden, ob bereits bestehende Vereine diese digitalen Sportsimulationen als Disziplinen aufnehmen sollten, was bereits bei größeren (Fußball-)Vereinen Gang und Gäbe war. Letztere sollten aus den Vereinen verbannt und im besten Fall gesellschaftlich verboten und geächtet werden. Was als E-Sport zu verstehen war, stellte der DOSB klar, entschieden immer noch die älteren Herrschaften, die diese Spiele nicht spielten, die aber die Vorlagen für Sportsimulation managten.

Die Hoffnung der Gamer, die Politik würde zumindest eine zweite Schiene der (nicht-olympischen) Sportautonomie für den gesamten E-Sport ermöglichen, womit Vereinsgründungen, Breitensport, Aufklärung bei Kindern, Jugendlichen und Eltern und ganzheitliche Trainingsprogramme ermöglicht würden, zerschlug sich sehr schnell. Man knickte vor der IOC-Lobby ein und brach so kurzerhand ein Wahlversprechen und den eigenen Koalitionsvertrag. Bis auf Visa-Erleichterungen im professionellen E-Sport wurden keine nennenswerten Verbesserungen erzielt.

In diesem Jahr haben wir intern diskutiert, ob wir noch Wahlprüfsteine stellen. Beteiligen wir uns an der Diskussion und klären wir über die Position der Politik auf? Bieten wir die Hilfestellung zur Bildung einer Wahlentscheidung um Gaming-Themen? Die dargestellten Entwicklungen haben gezeigt, dass es nicht einmal genügt, ein Thema bis in einen Koalitionsvertrag hinein zu verhandeln. Die Erstellung von Wahlprüfsteinen werden wir uns also sparen.

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