Sonstige Videospielkultur-Links

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Pyri
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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

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buzzti wrote:http://jungle-world.com/artikel/2013/24/47905.html

"In einem Spielabschnitt tritt Booker gegen den an den Ku-Klux-Klan erinnernden »Rabenorden« an, der für den »Schutz der Rasse« zuständig ist. Ein Legitimationsproblem stellt sich für den Spieler hier nicht. Innerhalb der Videospielergemeinschaft ist die Gewaltanwendung gegen Faschisten und Rassisten Konsens."
Ich finde (auch) das einigermaßen absurd: da wird so getan als ob Booker ganz bewusst nach Columbia gekommen wäre um Unruhe zu stiften. Nein: Booker ist kein primär politischer Akteur, der sich Gewalthandlungen vielleicht einmal vorher als gerechtfertigte Mittel für seine Zwecke ausgesucht hätte, kein fiktiver Andreas Baader, sondern vielmehr eher so was wie ein Kopfgeldjäger, also wie Dr. King Schultz. Und, ganz analog zum jüngsten Tarantino-Film, Elizabeth seine Django - im Gegenteil ist, weit eher wie das Stereotyp des Wilden Westens selbst, die Welt in die er geworfen wurde primär gewalttätig - nicht die politische Motivation oder derlei Handlungen eine Frage von "gut", "gerecht" oder nicht - sondern diese Frage stellt sich gar nicht. Sie stellte sich nur dann wenn derlei Filme oder Spiele moralische Anstalten wären in denen eine empörende Schwarzblende eintritt, dazwischen schreitet - also etwa im Sinne des Schweizer Aktionsduos "interveniert" -, sobald eine Entscheidung getroffen wurde welche nicht der moralischen Vorgabe, welche nahegelegt wird, entspricht. Da kommt dann vielleicht nur, wie in "Funny Games", eine Fernbedienung zum Einsatz die zurückspult um dem Publikum so seine eigene Verwerflichkeit zu beweisen - während sie gleichzeitig eine Gefühlskälte beklagt, einen Mangel an "Liebe", das heißt Lieblosigkeit die sie aber letzten Endes womöglich nur selbst (wieder) nicht einlöst: der Tarantino-Kopfgeldjäger handelt im Einklang mit einem perfiden Rechtssystem, Marshall und Sheriff - sein Leben als solcher, und in dem Fall nicht als bürgerlicher Zahnarzt, funktioniert auch nur so. Und ganz ähnlich bei Booker: das Recht des Stärkeren gegen das bigott-rassistische Columbia in der "Revolution" wäre auch ohne ihn vorhanden. Doch da scheinen immer nur irgendwelche Idealismen, wenn schon nicht Realismen, ausgemacht werden zu wollen: egal ob das jetzt der Spiegel, die Jungle World, oder jüngst auch die New York Times ist. Nur Idealismen und Realismen scheinen da zu gelten - angewendet auf die deutsche Kulturgeschichte also weder der "Sturm und Drang" welcher davor kam, noch die Romantik welche dazwischen stand. Bloß die eigene ideologische Gewalt scheint für diese Leute infamer Weise zu zählen, nur darüber reden sie nicht als "Gewalt": und da stellt sich für mich halt leider schon die Frage welch Geistes Kind diese alle eigentlich sind, hüben wie drüben des Atlantiks.
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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

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http://www.youtube.com/watch?feature=pl ... RxkBVrJWuQ

In amerik. Late-Night Sendung wird zusammen mit Aisha Tyler Watch Dogs vorgeführt und sogar Jimmy Fallon darf es ausprobieren.

Man stelle sich vor, Stefan Raab würde etwas ähnliches machen (Anstelle sich nur über SC2 lustig zu machen
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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

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buzzti wrote:http://www.youtube.com/watch?feature=pl ... RxkBVrJWuQ

In amerik. Late-Night Sendung wird zusammen mit Aisha Tyler Watch Dogs vorgeführt und sogar Jimmy Fallon darf es ausprobieren.

Man stelle sich vor, Stefan Raab würde etwas ähnliches machen (Anstelle sich nur über SC2 lustig zu machen
:(
ich wollte irgend was dazu schreiben... bin aber nur traurig.
#Neuland und #Altland

Wie wäre es wenn wir ein Fußballspiel so zusammenschneiden würden? Harte Parodie es würde nichts anders helfen...
http://www.youtube.com/watch?v=hyNQR5reloI
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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

Post by buzzti »

buzzti wrote:In der neuesten GameStar-Ausgabe 07/2013:

Report: Gewalt kann schön sein - Virtuelle Gewalt darf uns aufrütteln, abstoßen - aber gefallen darf sie uns nicht? Wir lehnen dieses Denkverbot ab - und ergründen die Ästhetik von Blut und Brutalität. (Von André Peschke)

Zu Wort kommen der Medienwissenschaftler Jörg von Brincken, Yosuke Hayashi (Ninja Gaiden) und Michael Capps. Der Artikel ist zu großen Teilen eine Neuveröffentlichung des alten Artikels auf Krawall.de (http://www.krawall.de/web/Killerspiele/ ... /id,61172/)

Nun auch online verfügbar: http://www.gamestar.de/specials/reports ... ewalt.html
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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

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buzzti wrote:Nun auch online verfügbar: http://www.gamestar.de/specials/reports ... ewalt.html
Ich finde solche Artikel eigentlich immer überaus mager und enttäuschend: es ist zwar gut wenn mal darauf hingewiesen wird, dass Gewaltdarstellungen auch schön sein können, aber beim "Stigma populäre Medien" und Gewalt geht es für mich überhaupt nicht darum - eher ganz im Gegenteil um ein Zugeständnis von Ekel und Abscheu, also weit eher um Antiästhetik als Ästhetik bei etwa Videospielen. Darum, dass das Potential oder die Realität von Antiästhetik in Videospielen endlich einmal anerkannt wird.
Wenn einer Figur der Kopf blutig weggeschossen wird, dann ist das tendenziell jedenfalls eher Gewalt(darstellung) und für Folgerungen relevant als wenn auf den Kopf einer Figur nur gesprungen wird damit diese aus der Spielwelt verschwindet. Da können dann gleich eine Myriade kultureller Sauberkeitsvorstellungen zum Tragen kommen. Und da spielen unglaublich viele sozioökonomische sowie politisch-historische Verdrängungsmechanismen eine mehr oder weniger große Rolle: "Gewalt" wird erst dann als zum Beispiel ästhetisiert überhaupt moniert, wenn sie sichtbar gemacht wurde. Ansonsten heißt es vielmehr indirekt quasi "aus den Augen aus dem Sinn". Niemand weiß was genau mit den einfach verschwundenen Figuren geschehen ist, Gewalt wurde nicht "konsumierbar" gemacht - und aus - keine Gewalt mehr vorhanden. Da wird dann gar nicht mehr weiter darüber nachgedacht. Und bestehen bleibt so immer nur das Gute und Schöne
Wenn auf eine Figur à la "Sniper Elite V2" in Zeitlupe geschossen wird, so dass per Röntgenaufgnahme sogar zu sehen ist was in deren Körper durch den Schuss alles womöglich geschah, dann wäre das jedoch so eine Ästhetisierung, perfider Weise angeblicher "Selbstzweck", bis hin zu regelrechter "Gewaltpornographie". Anstatt dass sich einmal überlegt werden würde womit so eigentlich konfrontiert wird, und weshalb es besser wäre würden solche Bilder ausgespart werden. Sich gefragt wieso das eigentlich schön sein sollte usw.
Der Betreiber dieser Seite früher meinte einmal, dass er ein altes "Aliens vs. Predator" nicht WEGEN sondern TROTZ des Splatters darin gespielt hätte. Zwar könnte das als Argument gegen Gewaltdarstellungen genutzt werden, aber es ist eben auch in antiästhetischer Hinsicht brauchbar. Ich behaupte: die allermeiste Gewalt die häufig beanstandet wird, wird in Videospielen nicht "wegen Gewalt" integriert, um Gewalt affirmativ zeigen zu können, sondern zu deren Trotz. Sogar um ihr zu widersprechen. Und die Funktionalität von Splatter und Gore, eines unmittelbaren Blicks auf Wunden, wird so für gewöhnlich theoretisch keineswegs thematisiert. Das bleibt dabei völlig offen oder wird weiterhin überaus einseitig betrachtet. Und wieso das so ist kann etwa anhand anderer negativ(isiert)er oder häufig tabuisierter Inhalte gezeigt werden:

Der Komiker Kyle Bosman, den ich ziemlich einsichtig finde, rezensierte kürzlich zum Beispiel einen selbst mir nicht bekannten Wii-Titel, ein vermeintliches "Kinderspiel" in dem sich die allermeiste Zeit übergeben werden kann. Das Erbrochene ist dabei mit einiger Begründung sogar die Hauptattraktion des Spiels für den Rezensenten gewesen. Hier der Link, für alle welche die Werbung dort ertragen: http://www.gametrailers.com/videos/3etz ... as-its-day
Die Frage ob der Rezensent nun das Erbrochene schön findet wird sich da gleich viel weniger als bei der "Gewalt" stellen, auch etwa ob er einen Erbrochenenfetisch hat usw. Es ist da vielmehr klar, dass das mit (angloamerikanischem) Humor zusammenhängt, der häufig auf Körperveränderungen und -ausscheidungen hinausläuft. Schließlich gab es schon bei den "Rittern der Kokosnuss" von Monty Python Splatter. Während die englischsprachigen Schimpfwörter meist sexuell sind. Dass das natürlich inkompatibel mit einem stereotyp biederen deutschen Humor ist, obwohl ich mir bei dessen Biederkeit angesichts historisch-volkstümlicher Filmwerke wie "Klein Erna auf dem Jungfernstieg" (1969) gar nicht mehr so sicher bin, ist keine Frage. Hierzulande im deutschsprachigen Raum ist es ja eher umgekehrt: sind die Schimpfwörter auf Fäkalien bezogen und der Humor ist, siehe die unzähligen sexistischen Herrenwitze, sexuell konnotiert.

Ich fasse kurz zusammen: das Potential zur Antiästhetik wird dabei weitgehend ausgeblendet, etwa weil es sich bei Videospielen um kommerzielle Unterhaltungsprodukte handeln würde welche dieses diskriminierender Weise normiert nunmal nicht hätten, sondern vorgeblich immer nur gefallen wollen würden, Spaß machen etc. Doch wie sehr schränkt dieses Denken ein, wirkt unterdrückend oder zurückdrängend?
Mehr noch: leistet sogar (weiterhin) vor allem Pathologisierungen Vorschub, auch wenn eine Schönheit von Gewalt manchmal halt doch mit eingeräumt wird. Was wäre nämlich wenn die explizite Gewalt, falls vorhanden, wirklich immer nur - wenn dann - "schön" sein könnte, ein ästhetisches Moment hätte: Gewalt könnte gar nie mehr negativ verwendet werden, sondern wäre nach dieser interpretativen Umkehr zumindest in Medien wie Videospielen, denen sowieso schon ein anderer Unterhaltungswert nur zugestanden wird als einer Plastik oder einem Libretto, höchstens "schön" (schlecht). Wie, siehe den Spiegel von zuletzt, "brutal gut". Mich interessiert es dabei jedenfalls eigentlich gar nicht, ob jemand Gewalt oder Erbrochenes schön findet. Ich kann das sowieso nicht ändern, also auch nicht wenn ich es dabei etwa "pervers", "das Letzte" oder sonst was finden würde. Und ich kann gedankenpolizeilich eigentlich auch nicht in die Köpfe Fremder blicken, um herauszufinden wie "krankhaft" diese wären. Geschweige denn dass ich das wollte oder etwas (dadurch) ändern -
Mir geht es vielmehr darum, dass Ekelhaftes ekelhaft bleiben darf und nicht künstlich und brutal schön geredet wird - mein Werturteil und meine Interpretationen oder das und die diejenigen Anderer erhalten bleiben können. Dass einem "Manhunt" in dem sich übergeben wird genau so wenig üble Dinge und Absichten unterstellt werden wie einem "Salò", also etwa dass das Üble doch nicht als Übel gemeint wäre, nur weil das eine Werk ein kommerzielles Videospiel, und das andere ein Autorenfilm ist.
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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

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"Indie"-Entwickler machen sich im Netz mit Äusserungen über japanische Spiele unbeliebt:

http://www.youtube.com/watch?v=qYpMxMPZ-Mk
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buzzti wrote:"Indie"-Entwickler machen sich im Netz mit Äusserungen über japanische Spiele unbeliebt:

http://www.youtube.com/watch?v=qYpMxMPZ-Mk
Ich denke die Verbreiterung des Videospielpublikums, also das Videospielen für alle, wird gerade bei diesen Unabhängigen jenseits üblichen Kommerzes noch zunehmend dazu führen, dass immer verächtlicher auf andere aktuelle Entwicklungen (herab)geblickt wird. Denn zwischen all dem verlegenen Gelächter in dem Video vermag ich nämlich doch vor allem nur eines zu vernehmen: bloße Verachtung. Dafür brauch ich kein Godard sein.
Um zu wissen dass gerade das mitunter schon deren "Kritik" (jetzt) ausmacht, denn auch die Exposés eines "Star Trek" oder "Star Wars" sind nunmal keine Salzburger Festspiele, kein Bayreuth und kein Bernd Neumann auf einer gewissen Lola. Sondern eine Sache für "Nerds", "Geeks" oder wie die alle zu nennen sind welche zu dem und allem anderen, womöglich eben gar japanischen Gedöns sich dieser Tage auf meiner deutschen Lieblingsmesse sogar noch kostümiert in Bonn versammelt haben http://www.general-anzeiger-bonn.de/bon ... 07562.html

Dazu passt wohl, dass der Kolumnist Marcus Beer, über den ich schon öfters gebloggt habe, quasi im Handstreich die Entwicklung von "Fez II" unabsichtlich gestoppt haben soll http://www.gamefront.com/did-phil-fish- ... a-twitter/ Über das beliebte Twitter http://www.theverge.com/2013/7/27/45637 ... es-in-rage Nachdem dieser sich in einem Podcast abfällig über den Entwickler geäußert hatte http://www.gametrailers.com/full-episod ... tchen-sink (ab der dritten Minute)

Dabei soll der Entwickler anscheinend dermaßen "unabhängig" gewesen sein, dass er als Beleidigter gleich wirklich dazu imstande gewesen wäre, das heißt "Fez II" gilt nun (vorerst) offiziell tatsächlich als eingestellt http://www.gamers.at/newsmeldung/beitra ... en-zu.html
Nun kann sich sicher die Frage gestellt werden, wieso eine solche Koryphäe überhaupt auf einen Viacom-Kommerziellen hört.
Das Ergebnis dürfte jedoch gleich sein: es will sich in der Videospielindustrie von ihr abgegrenzt werden, weil viele ihrer Eigenschaften nicht mit den erwünschten öffentlichen Repräsentationen, einem forcierten Selbstverständnis, in Einklang zu bringen sind. Soll heißen: wo Brian Moriarty's Rede über "röhrende Hirsche" noch applaudiert wurde, kann sich bei manchen JRPG-FreundInnen damit halt (glücklicher Weise) immer noch auch verplappert werden. Auch wenn das, wie im Falle von Anita Sarkessian, der vermeintlich aggressiv-ignorante Videospielpöbel wäre, dem da am besten sowieso gleich die Abstimmungsmöglichkeit verwehrt werden sollte. Und auch ein Beer fordert in seinen erhitzten Reden schließlich stets "Normalität" ein, so auch im verlinkten Podcast wieder.

Und vor einiger Zeit stieß Tom Bissell in ein ähnliches Rohr zu (wie hier japanischen) Exposés. Bissell, der "Gears of War" offenbar intellektuell verbessern sollte: ich habe dabei in diesen letzten Sommertagen und -nächten versucht, nach dreieinhalb Jahren und in über 90 Stunden, "Final Fantasy XIII" zu einem für mich glücklichen Ende zu bringen. Momentan stehe ich seit gestern im letzten Kapitel beim dritten Papst Barthandelus und bin kurz davor endgültig das Handtuch zu werfen. Wie dem auch sei: jedenfalls ist das ein Titel der selbst mir Familienwerte, Zuversicht und Vertrauen näher bringen kann. Und so ein Videospiel wie ich es aus dem Westen immer noch selten vorfinde. Soll heißen: eines voller narrativ-emotionaler Imaginationskraft, geprägt von Schönheit und einer für mich geradezu erotisierenden Ausstrahlung. Nur wird das auch eines sein wo für mich die "schlechten Dialoge" eigentlich die richtig guten sind. Wo es nicht um Unterwürfigkeit, Kleingeistigkeit und soziale Normen geht.
Nicht um richtig oder falsch, während gerade bei den westlichen "Indies" genau diese Titel, wie jene von Tale of Tales, weiterhin nicht die Oberhand gewinnen, oder auch nur goutiert werden. Siehe heuer etwa der schon wieder vergessen worden zu seiende Spiegel "Cart Life", dem ich mich demnächst widmen will.
Manche Spiele wie "Thief" oder "Deus Ex" erlauben aus dem Westen zwar mehr Freiheit und geben auch keine eindeutigen Wahrheiten preis, keine einzigen Denkrichtungen, aber selbst ein "Mass Effect" und "Dragon Age" tut sich in meinen Augen noch häufig schwer, jene mitunter auch sehr komplexe Stringenz an den Tag zu legen, die in vielen japanischen Spielen - von "Nier" bis "BlazBlue" - mit Leichtigkeit geschieht.
Gerade Titel wie "Fez" oder "Braid", der prätentiöse Zeitpuzzler, sind für mich in erster Linie technizistische "Logikübungen für die Leistungsgesellschaft", die auch in einen gewöhnlichen Physik- oder Mathematikunterricht passen würden. Ihre Humanität und/oder Story ist/sind, falls überhaupt vorhanden, aufgesetzt. Doch ich fürchte bekommen sie gerade deshalb auch ihre Vielzahl an Auszeichnungen, Preisregen, weil genau diese vorgebliche Liebe, aber tatsächliche Lieblosigkeit im Herzen in den Zeitgeist passt. So wie in der Filmwelt der letzte Haneke-Film die Liebe bloß im Titel trug.

Auch wenn sie technisch noch so beeindruckend oder objektiv ergiebig sein mögen. Bezeichnender Weise scheint mir auch Alexander Bruce mit seinem Spiel früher im Jahr, ähnlich wie das deutsche "Trauma", nicht "richtig" angekommen zu sein, weil er damit zu sehr verwirrt oder irritiert hat, weil auch dieses Spiel, ich spreche von "Antichamber", nicht in das Konzept einer intuitiven Funktionalität passte, das heißt trotz seiner technischen Natur relativ schlimm war.
Vielfalt als Vorgabe und Einbildung. Und so meine ich zu einem "Hitman", den ich früher (mit) als gewaltverherrlichend verachtet hätte, wo ich vorurteilsmäßig wie Blow etwa auch nur einen Typ mit Schusswaffen gesehen hätte, schon mehr zur Human Condition lernen zu können, als in seinem Puzzlespiel. Ganz einfach weil dort wirklich etwas auf dem Spiel steht.
Denn gerade etwa ein "Journey" halte ich auch inhaltlich für überaus rückwärtsgewandt, referiert nicht einmal die oft nur bitter-erbaulichen Grundlagen der europäischen Moderne, wie Proust oder Joyce, sondern ist vielmehr eine bildungsbürgerliche Entwicklungsgeschichte zum vermeintlich Besseren hin. Einem Besseren das für viele vielleicht gar nicht vorgesehen ist. Videospiele als Beschönigungen von Leben und Welt, gegenüber die mir ein "Halo" geradezu wesentlich spiritueller erscheint. Sogar ein "Medal of Honor" oder "Sniper Elite". (Dieser Beitrag ist die vollständige Neufassung eines älteren.) -
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Re: Sonstige Videospielkultur-Links

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Ist das Video fake/extra inszeniert http://www.youtube.com/watch?v=j-mEnMMmSrQ Oder sieht es wirklich so aus wenn Menschen laufen (können)?
Also genau wie in "Mirror's Edge" :-)
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