Indizierung wegen sexuellem Inhalt (Criminal Girls 2)

Falschdarstellungen und Vorurteile
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Patrik
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Re: Indizierung wegen sexuellem Inhalt (Criminal Girls 2)

Beitragvon Patrik » Di 23. Aug 2016, 16:50

Habe übrigens die Info bekommen, dass eine der Figuren bettelt, wieder zur Schule oder ihrer Oma zu dürfen. Das begründet wohl hinreichend die Einschätzung als Minderjährige, womit das Verbot greift. Die eigentliche sexuelle Darstellung spielt somit wohl nur eine untergeordnete Rolle.
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Rigolax
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Re: Indizierung wegen sexuellem Inhalt (Criminal Girls 2)

Beitragvon Rigolax » Di 23. Aug 2016, 17:18

Vice zitiert ja die USK so:

"The female character 'Mizuki,' for example, is clearly a minor, as evidenced by her childlike figure and her facial expressions. The story (school girl) and the voice are child-like and give the realistic impression of a very young schoolgirl. The other characters in the game are distorted with overlarge breasts, as is typical for Manga, but still the overall impression is that these are minors. In other words, it is not obvious that they can be seen as adults."

http://www.vice.com/read/why-germany-re ... -to-minors

Interessant finde ich, wenn man sich die USK 16 Freigabe für MeiQ: Labyrinth of Death vor Augen führt.
Dort hat das australische Ratingboard die Freigabe verweigert:

"The fifth main character, Connie, is depicted as child-like in comparison. She is flat-chested, under-developed physically (such as the hips), is significantly shorter than the other characters and wears her hair in pigtails. She also has a child-like voice, wears colourful child-like clothing and appears naive in her outlook on life. She is also referred to as a “girl” by the other main characters. In the Board’s opinion, the character of Connie depicts a person who is, or appears to be, a child under 18."

http://www.kotaku.com.au/2016/06/why-th ... australia/

Klingt echt, als ob sie das auswürfeln...

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Re: Indizierung wegen sexuellem Inhalt (Criminal Girls 2)

Beitragvon Rigolax » Mo 7. Aug 2017, 15:20

https://twitter.com/USK_de/status/894521057247461378

Senran Kagura Peach Beach Splash. Vorgänger hatten USK 16er Freigaben (ein DS-Teil sogar 12er).

Im Regelverfahren gab's keine Kennzeichnung. (Verdacht auf schwer jugendgefährdende Posendarstellungen Minderjähriger + jugendgefährdende 'Unsittlichkeit').

Berufungsverfahren durch Antragssteller: USK 16 wie beantragt.

Dann die Appellation durch eine OLJB: Keine Jugendfreigabe.

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Re: Indizierung wegen sexuellem Inhalt (Criminal Girls 2)

Beitragvon Pyri » Mo 7. Aug 2017, 16:33

Im jüngsten Censored Gaming-Video wird von einem Marketing-Repräsentanten ausnahmsweise mehr oder weniger detailliert geschildert wie im Fall der "Wasserschlacht" jetzt da von Seiten dieses Publishers vorgegangen wurde - leider werden nur (wieder) keine Namen der Jugendschutz-Verantwortlichen genannt: https://www.youtube.com/watch?v=IU9uepYAo3U&t=4s
Woher das eingeblendete Zitat stammt habe ich noch nicht überprüft - vielleicht war es ja auch schon vorher bekannt.

Jedenfalls im krassen Gegensatz zum wohl kleinen deutschen Distributor Flashpoint gaben die nicht auf - mit dem Ergebnis, dass sie zwischenzeitig auch wieder ein USK-16 fast in der Tasche hatten. Dann kam es jedoch zu einer neuerlichen Anfechtung - die figurative Sprache meint letztlich eine Körperschaft ODER ein einzelnes Individuum.
Und USK-18 war dann offenkundig ein Kompromiss.

Zwar stützt diese Information meine Vermutung, dass da jemand eine politische Mission hat und sozusagen dazwischenfunkt, allerdings habe ich mittlerweile etwas mehr Verständnis für die OLJB-Position: erstens dürften bei "Criminal Girls" die BDSM-Elemente letztlich zu viel geworden sein (Überhand genommen haben), zweitens bei "Valkyrie Drive" die zentrale Orgasmus-Mechanik abgelehnt/problematisiert werden, und drittens dürfte nun bei "Peach Beach Splash" das Wasser als Sperma interpretiert worden sein - was zweifellos ja auch so beabsichtigt ist - zumal die "Senran Kagura"-Charaktere kaum jünger wurden...
Alles zusammen könnte es sich also weiterhin um besonders streng gehandhabte Ausnahmen handeln.
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Re: Indizierung wegen sexuellem Inhalt (Criminal Girls 2)

Beitragvon Rigolax » Mo 7. Aug 2017, 19:28

Persönlich glaube ich, dass mit der Verschärfung von § 184b und c Anfang 2015 bei der USK eine kleine Panik ausgebrochen ist (deutet ja auch der Marketing-Repräsentant an). Die waren schlicht gefühlt nicht mehr in der Lage, die Spiele richtig zu bewerten und haben daher lieber ganz dicht gemacht. Da brauchte es erst enweder a) eine Entscheidung der BPjM, b) eines Gerichts, oder c) ein Appellationsverfahren, das ja unter Vorsitz einer zum Richteramt befähigten Person geschieht, um wieder irgendwie Ruhe einkehren zu lassen.

Das ganze erinnert an die Thematik rund um Hakenkreuze bei Computerspielen. Die USK scheint mir schlicht oftmals inkompetent zu sein, d.h. nicht in der Lage, die Spiele richtig zu prüfen, vor allem wenn es um strafrechtlich vielleicht relevante Inhalte geht. In dem Sinne wäre es sinniger, die Titel gleich von einer Juristenkommission prüfen zu lassen. Selbiger Non-Sense ohnehin auch bei der BPjM mit ihren verfassungsrechtlich fragwürdigen Liste B-Indizierungen durch "pluralistische Gremien", die Gutachten von Volljuristen der Spio/Jk mal eben aushebeln können.

Bei Criminal Girls 2 haben vermutlich BIU/GAME nicht die Appellation unterstützt oder der Antragssteller hat nach 2. Instanz aufgegeben. Sonst wäre das Thema vermutlich direkt geklärt worden.

Kurios die E-Mail des Ständigen Vertreters an den User, welches auch im CG-Video zitiert wird und die ich ja bei fU! als Quelle hatte. Da wird mit keinem Wort erwähnt, dass in der Berufung die gewünschte Jugendfreigabe erzielt wurde oder das, mal wieder, die Appellation von einer der OLJB ausging. Eher im Gegenteil wird angedeutet, dass erst die Appellation die Freigabe bringen konnte.

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Re: Indizierung wegen sexuellem Inhalt (Criminal Girls 2)

Beitragvon Pyri » Do 10. Aug 2017, 16:59

Rigolax hat geschrieben:Persönlich glaube ich, dass mit der Verschärfung von § 184b und c Anfang 2015 bei der USK eine kleine Panik ausgebrochen ist (deutet ja auch der Marketing-Repräsentant an).


"Estival Versus", auf das sich da explizit berufen wird, erschien hierzulande im März 2016. "GalGun - Double Peace" im Juli 16.
Erst später, also circa ab September letzten Jahres, kam es dann zu diesen empfindlichen Einstufungen/Ablehnungen. Dazwischen aber auch immer wieder und weiterhin zu den üblichen "Durchwinkungen" (Fate/Extella USK-12 usw.) und sogar ausgesprochen niedrigen Etiketten (im Vergleich zur PEGI).
Das USK-6 für einen Visual Novel-Genremix auf der PS4 fällt da etwa ein (thematisierte Censored Gaming ebenfalls in einem eigenen Video), wo eine (zensierte) Züchtigungsszene etc. - im krassen Unterschied zur PEGI - nicht berücksichtigt wurde. Schließlich bekam das erste "Idolmaster" im Westen von der USK sogar eine "0" spendiert (wurde mit "ohne Altersbeschränkung" versehen).
Da irritierte es mich am meisten, warum ausgerechnet dort der Vorwurf der Posendarstellung nicht greifen sollte: die jüngste Figur dort ist im Original gerade einmal elf Jahre alt (!), jede einzelne wird im Menü extra inszeniert. Die Problematik um Glamour mit Kindern etc. wird ausgehend von Schönheitswettbewerben in den USA im Westen seit Jahren (in Literatur und Öffentlichkeit) diskutiert, es existiert sogar ein eigener englischsprachiger Wkipedia-Artikel darüber https://en.wikipedia.org/wiki/Sexualiza ... y_pageants So absurd der Vorwurf der Pädophilie bei den problematisierten Titeln ist, so fragwürdig sind diese positiven Entscheide in Sachen Kinderschutz/Vorbildwirkung wo die nunmehrige Regelung zur Posendarstellung scheinbar überhaupt keine Anwendung findet.

Der Marketing-Repräsentant deutet vielmehr an, dass bei "Peach Beach Splash" zum Schluss lediglich ein Charakter (und nicht etwa die gesamte Figurendarstellung) problematisiert worden seien.
Vielmehr bleibt weiterhin unklar welche "strafbewährten" Inhalte bei der Posendarstellung da überhaupt gemeint sein könnten (!). Und bislang kam es ja auch zu keiner Entsprechung (Indizierung, Feststellung tatsächlich strafrechtlicher Relevanz durch die Behörde etc.)
Wahrscheinlicher ist, dass die USK damit darauf reagiert (und unverhältnismäßig abwiegt) dass - was das Alter angeht - wesentlich mehr Titel mit (zumindest im Original) teilweise minderjährigen Figuren auf den hiesigen Markt drängen (nicht zuletzt wegen der zunehmenden Digitalisierung und partiellen Ausdünnung des physischen Retail).
Mich wundert eher wieso in diesen Zusammenhängen nicht über Gewalt gesprochen wird, aber etwa "Unsittlichkeit": normalerweise gehören als Begriffspaar "Sexualisierung" und "Gewalt" zusammen - und das hat fast ausschließlich mit Vorstellungen erwünschter Gesundheit zu tun, um diese (Gewalt - Missbrauch, Ausbeutung oder Übergriffe) etwa von gesunder Sexualität zu unterscheiden. Tatsächlich wird da stattdessen aber "nur" von "Unsittlichkeit" gesprochen, wobei die im medialen Diskurs verwendeten Begriffe wie "Objektifizierung" nicht zur Anwendung kommen weil sie ganz einfach keine rechtliche Grundlage haben.
Und "Unsittlichkeit" weist in der heutigen Zeit, im krassen Unterschied zum Vorwurf der "Gewalt", eine eigentlich äußerst schwache Bedeutung auf.

Die ideellen Vorbehalte im Hintergrund scheinen zwar klar zu sein, doch auch ich arbeite beruflich mittlerweile an der Erschließung von Medien (vor allem populärer Kultur): empirische Arbeit mit kulturellen Erzeugnissen kann nur das beurteilen was vorhanden ist und gegebenenfalls auf dieser Basis Bezüge herstellen (das unterscheidet sie nicht von technischer oder naturwissenschaftlicher Arbeit) - ich kann nicht mit zweierlei Maß messen, das Misstrauen nicht zu meinem Lehrmeister machen.
Möglicherweise liegt es ja an der USK-Arbeit selbst: dass dort Leuten wenn dann immer nur etwas selektiv Vorbereitetes vorgeführt wird, eine eigene Beschäftigung der EntscheidungsträgerInnen mit ihrem Gegenstand aber ausbleibt.
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Re: Indizierung wegen sexuellem Inhalt (Criminal Girls 2)

Beitragvon Rigolax » Do 10. Aug 2017, 23:27

Estival Versus wurde am 12.11.2015 geprüft, Gal*Gun: Double Peace am 28.04.2016. So zumindest laut USK.de. Das Prüfdatum dürfte wohl eher relevant sein als das eigentliche Veröffentlichungsdatum.

Bei Double Peace hatte ich damals auch sogar auf die Absurdität hingewiesen, dass es in Neuseeland verboten wurde, und in Deutschland für Jugendliche freigegeben ist. Wirklich Sinn ergibt das jedenfalls alles nicht. Im Grunde kann es auch nur an den Würfelgremien liegen. Senran Kagura: Peach Beach Splash hatte zuletzt in jeder Instanz ein anderes Ergebnis: Keine Kennzeichnung, ab 16, und dann final als Kompromiss ab 18 (wobei je eine Stimme in der Appellation auf die 3 Ergebnisse entfiel). Offensichtlich herrscht selbst bei der USK bzw. den Jugendschutzsachverständigen eine enorme Unklarheit wie diese Titel einzustufen sind, die für Titel mit bloßer Gewalt-Darstellung kaum denkbar ist. Diese Unsicherheit gab es tendenziell früher allerdings nicht. Im Grunde kann ja nur diese StGB-Änderung der Grund sein, sonst ist mir jedenfalls nichts bekannt, was "offiziell" als Erklärung dienen kann. Die Behauptung der OLJB, dass die Vorgänger-Titel nicht vergleichbar seien, erschließt sich mir jedenfalls nicht wirklich. Außerdem wird die Spruchpraxis normalerweise immer liberaler, wann hatte sie sich schon einmal deutlich verschärft? Fällt mir spontan nicht viel ein.


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