Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

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Patrik
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Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Patrik » Mi 16. Aug 2017, 21:15

Liste der Themenbereiche (ggf. unvollständig):
„What we became convinced of, is that Linux really is the future of gaming“ – Gabe Newell (Valve)

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Pyri
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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Pyri » Do 17. Aug 2017, 23:57

- War eine Änderung der Indizierungskriterien in Hinblick auf sexualisierte Gewalt/Darstellung von Minderjährigen ausschlaggebend dafür, dass "Senran Kagura - Peach Beach Splash" gegenüber seinen Vorgängern bei der USK von den OLJB strenger bewertet wird, dem Titel am Ende des Jugendschutz-Kennzeichnungsprozesses eine Jugendfreigabe verweigert wurde (Jugendbeeinträchtigung festgestellt worden ist)?

Oder waren dafür eher spielimmanente, das heißt besondere Gründe verantwortlich, die unabhängig (von der BPjM) in den dafür zuständigen Gremien gesehen wurden?
Und wird es in Zukunft womöglich eine Politikänderung in Sachen Transparenz (bei der Entscheidungsfindung) geben können, sodass die Öffentlichkeit unter Umständen auch erfährt wer in solchen Fällen appelliert hat (und letztlich berücksichtigt wurde)? -
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Rey Alp
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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Rey Alp » Sa 19. Aug 2017, 14:51

@Pyri

Die Frage fidne ich interessant, das ist aber glaube ich die falsche Adresse. Die Indizierungskriterien wurdne ja nicht direkt geändert, sonder nur indirekt, in dem die StGB-Normen (§§ 184c ff. StGB) verschärft wurden, auf die diese (§ 18 JuSchG) verweisen. Und die Frage, warum ein USK-Prüfgremium bzw. der ständige Vertreter der OLJB ein Spiel nicht kennzeichnet, müsste man der USK bzw. der OLJB stellen. Allein sofern entsprechende Titel schon von der BPjM auf den Listenteil B oder D gesetzt worden sein sollten, könnte man fragen, warum das mit diesen Titeln aber fürher nicht mit vergleichbaren Titeln bzw. den Vorgängern erfolgt ist.

Rey Alp
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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Rey Alp » Sa 19. Aug 2017, 15:24

- Verfügbarkeit indizierter Titel - Nach unserem Verständnis ist das Mittel der Indizierung nicht als Verbot konzipiert, sondern als Mittel, betroffene Spiele und dahingehende Werbung aus der Öffentlichkeit zu verbannen. (Erwachsene) Spieler haben das Problem, dass viele (bloß) indizierte Videospiele dennoch von Deutschland aus nicht bezogen oder genutzt werden können, weil die für den Erwerb und die Nutzung erforderlichen Onlinedienste Nutzer mit deutscher IP-Adresse blockieren und die jeweiligen Anbieter das Verschleiern der eigenen IP-Adresse utersagen. Dass die Indizierung damit faktisch wie ein Verbot wirken kann, hatte die BPjM in einem Interview 2010 wenig interessiert:

    "Indizierte Medien dürfen Erwachsenen zugänglich gemacht werden. Dies erfolgt entweder auf Anfrage unter der Ladentheke oder in Geschäften, zu denen Kinder und Jugendliche keinen Zugang haben. Aus welchen Gründen, Videofilme oder DVD’s in so genannten Erwachsenenvideotheken Erwachsenen zugänglich sind und Computerspiele nicht, entzieht sich der Kenntnis der BPjM."

  • Hat die BPjM mittlerweile erfasst, dass Videospiele 2017 (und auch schon 2010) online verkauft werden und selbst im Laden verkaufte Spiele meistens noch eine Onlineaktivierung benötigen, so dass die Indizierung Folgen von weitaus mehr Tragweite haben, als dies ursprünglich geplant war? Macht man sich bei der BPjM Gedanken, ob die Indizierung vor diesem Hintergrund - insbesondere für die verhinderten Nutzer - noch verhältnismäßig ist?

- Eingriffe in die Meinungsfreiheit: Ausschnitte von indizierten Spielen und Texte, die als Werbung gewertet werden können, dürfen online nur in geschlossenen Benutzergruppen zugänglich gemacht werden. Ich kenne kein einziges (deutsches) Gaming-Forum oder einen Publisher, der einem einen solchen Raum bieten würde. Damit ist es einer Privatperson unmöglich, sich im Internet legal auf diese Weise über indizierte Videospiele auszutauschen. Insbesondere dürfte es für eine Community auch nicht finanzierbar sein, sich für einen Austausch über Videospiele ohne einen kommerziellen Hintergrund ein Forum einzurichten, in das Nutzer erst nach der erforderlichen Prüfung für eine geschlossene Benutzergruppe gelangen. Es herrscht quasi ein Redeverbot. Die Folge davon ist aber natürlich nicht, dass entsprechende Inhalte nicht im Internet zu finden sind, sondern dass auf Seiten mit einer .com-Endung (auch wenn das rechtlich nicht unbedingt den Unterschied macht) ausweichen oder schlicht auf Angeboten wie youtube.deohne Zugangsbeschränkungen indizierte Inhalte einstellen.

  • Ist auch hier für die BPjM auf dem Papier alles in ordnung, oder stört man sich - wenn nicht an dem Maulkorb der Gamer - zumindest an den Inhalten im Netz? Wäre es hier nicht eine Win-Win-Situation, wenn der Staat für die Verifizierung einer geschlossenen Benutzergruppe erforderlichen Programme (z. B. für den elektronischen Personalausweis) kostenlos nicht kommerziellen Angeboten zur Verfügung stellen würde, die weder Waren noch Dienstleistungen verkaufen und höchstens durch Werbeeinblendung einen Teil ihrer Serverkosten gegenfinanzieren?

- Unterschiedliche Behandlung Online/Offline - Wer auf CD ein nach § 131 StGB "verbotenes" Videospiel für die eigene heimliche Nutzung im Laden kauft, macht nichts verbotenes, und der Verkäufer auch nicht. Nach dem BGH wäre dies nur bei einer beabsichtigten "Kettenweitergabe" strafbar, wenn der Käufer das Spiel auch an weitere Personen weitergeben möchte. Dies hatte der Zoll gegenüber dem VDVC bestätigt, nach dem für ein strafrechtlich relevantes Handeln "Anhaltspunkte [dafür] vorliegen [müssen], dass der Beteiligte die Schriften in irgendeiner Form öffentlich zugänglich machen oder deren Verwendung durch andere ermöglichen will". Im Internet ist das anders: Dort ist nach § 4 JMStV allgemein das Angebot von Inhalten unzulässig, die auf dem Listenteil B oder D stehen.

  • Warum ist es also Händlern verboten, z. B. das Spiel "Left for Dead 2" online zum Verkauf anzubieten, aber in einem Laden nicht (Die Frage, ob der Publisher eine Onlineaktivierung des Spiels über eine deutsche IP-Adresse gestatten darf, mal ausgeklammert)?

- Weniger indizierte Spiele - Nach der jährlichen VDVC-Zensurübersicht geht die Anzahl der indizierten Spielen seit Jahren erheblich zurück.

  • Wird diese Entwicklung von der BPjM beobachtet und evaluiert? Wissen Sie, was die Ursache hierfür ist? Programmieren die Anbieter zunehmend unproblematischere Inhalte, sind Ihre Prüfer abgestumpft oder ist die Gesellschaft allgemein toleranter geworden? Was glauben Sie?

- Sind Computerspiele Filme? - Weil es versehentlich Szenen der verbotenen Fassung von "Left 4 Dead 2" gezeigt hat, hatte „Rocket Beans TV“ Probleme bekommen. Die Entscheidung hat unter Spielern wegen verschiedenen Aspekten zu Diskussionen geführt.

  • Zum einen war man sich unsicher, ab wann die öffentliche Wiedergabe eines indizierten Spiels strafbar ist: Bereits dann, wenn irgendein Element des Spiels gestreamt wird (also bereits der Ladebalken oder beim Hauptmenü), oder erst dann, wenn (Gewalt-) Szenen, aufgrund derer das Spiel indiziert wurde, vorkommen? Manche Let's Player sollen schon in dem Glauben, dass sie auf diese Art nicht gegen das Gesetz verstoßen würden, indizierte Videospiele gestreamt haben, bei denen sei bei Gewaltszenen einfach immer weggeschaut haben, so dass nichts zu sehen war. Funktioniert das?
  • Die Entscheidung der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein hatte auch verwirrt, weil sie nicht auf die öffentliche Wiedergabe eines indizierten Spiels abgestellt haben, sondern darauf, dass das Let's Play im Wesentlichen inhaltsgleich mit dem Spiel gewesen sei. Für jemanden, der das Let's Play gesehen hat, wirkt das mehr als abstrus, da dieses bei weitem nicht einen typischen Spielverlauf gezeigt hat: Es kam sehr spontan zustande und die eher Gamepads gewohnten Moderatoren haben gefühlt die meiste Zeit damit verbracht, die Tastaturbelegung zu konfigurieren. Auch im Spiel selbst hatten sie mehr mit der Steuerung, als mit den Zombies zu kämpfen. Und darüber hinaus meint man als Spieler, dass ein Film und ein Videospiel eigentlich so grundlegend unterschiedlich sind - z. B. diese Sache mit der Interaktivität - dass allein die Annahme, dass ein Videospiel und ein Film im wesentlichen inhaltsgleich sein könnten, grotesk erscheint. Auch wenn es Juristen gibt, die das so sehen, dabei im wesentlich aber nicht mehr auf eine Inhalts- sondern auf eine Wirkungsgleichheit abstellen, was für die Spieler natürlich nicht sonderlich transparent ist. Nachdem die BPjM dies dem VDVC bestätigte:

      „Grundsätzlich können auch Filmsequenzen von indizierten Videospielen mit diesen inhaltsgleich sein. Bezüglich der Frage der Inhaltsgleichheit ist nicht auf die Art des Mediums, sondern auf den Inhalt abzustellen. Ist der jugendgefährdende Inhalt eines Videospiels in einem Film vorhanden, so kann also auch der betreffende Film als jugendgefährdend bewertet werden, wenn die jugendgefährdenden Sequenzen nicht durch den Zusammenhang relativiert werden. Letztlich ist natürlich der Film als eigenes Werk ins seiner Gesamtheit zu beurteilen. […].“

    Nun kam die AG Verfahren der KJM zum Ergebnis, dass ein Let's Play eines Videospiels "in der Regel als ein neues, nicht mit dem indizierten Spiel ganz oder im Wesentlichen inhaltsgleiches Angebot“ zu werten sei. Eine Ansicht, die auch von den Juristen Felix Hilgert und Benjamin Dankert geteilt wird, die unter anderem auch die Meinung vertreten, dass selbst die Fernseh-Übertragung eines indizierten Spiels zulässig sein könnte. Wovon darf ein Let's Player jetzt ausgehen?

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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Pyri » Sa 19. Aug 2017, 23:39

Rey Alp hat geschrieben:@Pyri

(...) die falsche Adresse


Mit Verlaub, aber das denke ich nicht:

Rey Alp hat geschrieben:Die Indizierungskriterien wurdne ja nicht direkt geändert, sonder nur indirekt, in dem die StGB-Normen (§§ 184c ff. StGB) verschärft wurden, auf die diese (§ 18 JuSchG) verweisen.


Woher stammt die Information, dass keine Indizierungskriterien geändert worden seien? Diese werden ja (leider!) nicht öffentlich zugänglich gemacht.

Ich behaupte ja mal salopp: Indizierungskriterien existieren gar nicht, können - vernünftiger Weise - überhaupt nicht existent sein. Für alle die das nicht schon immer gewusst haben...

Und das was da noch (indirekt) als solche betrachtet wird, sehe ich auch nicht als Indizierungskriterien an: ich definiere Indizierungskriterien als Kriterien die explizit "Jugendgefährdung" in Deutschland feststellen sollen, und keine straf- oder zivilrechtliche Relevanz (die das auch kann). Nur weil etwa das Zivilrecht (als Privatrecht etc.) bislang in Deutschland bei Games keine Rolle spielte, heißt das nicht dass es dahingehend nicht auch greifen könnte - es existieren aus anderen Medienbereichen schließlich genügend Beispiele.
Das ist doch ein so weites Feld, dass darüber so gut wie gar nichts gesagt werden kann - was dann alles möglicherweise ein Indizierungskriterium wäre... Mag sein, dass eine solche Relevanz trotzdem als "indirektes" Kriterium verstanden werden kann, da liegt eine Fehlinterpretation des Begriffs (aufgrund besimmter, persönlicher Ablehnungen/Zurückhaltungen) aber wesentlich näher.

Genauso halte ich die genannten Strafnormen für beliebig und damit völlig aus der Luft gegriffen: "wir" wissen es doch nicht genau. Und das ist deshalb nichts anderes als würden gewöhnliche, andere "Gewaltspiele" plötzlich mit Terrorismus identifiziert werden - oder Umweltverschmutzung (im Sinne eines Spitzers).
Nach dem Motto: da war was mit Gewalt als Terror zuletzt in den Nachrichten, also wird auch das so interpretiert. Und solange es zu keiner Verurteilung in diesem Bereich kam, also ja nicht einmal zu einer Indizierung (!), sind das ganz klar Präjudizierungen - sprechen da nichts anderes als persönliche Abneigungen und Ressentiments.

Würden diese Normen zum Tragen kommen, käme es erfahrungsgemäß zu ganz anderen Ergebnissen - und keinem Herumlavieren zwischen USK-12, USK-18 und keiner Kennzeichnung, aber auch keiner Indizierung (!) - wobei meistens trotzdem weiterhin ein USK-16 erteilt wird. Und in einzelnen Fällen, bei einer nur leicht veränderten Ästhetik, USK-6 oder sogar USK-0.
Also wird es entweder an einer Änderung der "direkten" Indizierungskriterien, ja (vielleicht!) in Anlehnung an ein verändertes (verschärftes) Strafrecht, oder aber es gibt, als immer noch vorhandene zweite Möglichkeit, spielimmanente Gründe. Und allein über diese Gründe wird die BPjM keine Auskunft erteilen können, wobei sich dann aber schon die Frage stellt wie groß (und regelrecht absurd) der USK-Spielraum aus jugendschutzrechtlicher Sicht eigentlich ist...

Rey Alp hat geschrieben:Und die Frage, warum ein USK-Prüfgremium bzw. der ständige Vertreter der OLJB ein Spiel nicht kennzeichnet, müsste man der USK bzw. der OLJB stellen.


Man KÖNNTE die Frage auch jenen stellen, die verantwortliche Behörde bleibt jedoch in jedem Fall die BPjM, denn falls diese keine Jugendgefährdung sieht wären die anderen (die Aussteller von den OLJB und die privatwirtschaftlich organisierten "Selbstkontrollen") eigentlich verpflichtet (positiv) ein Kennzeichen zu erteilen (!). Dass das trotzdem nicht geschieht ist ein Versäumnis des Antragstellers (auf ein Kennzeichen), also ein Versäumnis von Industrieseite - wahrscheinlicher sind aber vielmehr PR-Gründe. Nur so habe ich meine Frage(n) auch (bewusst!) nicht formuliert.

Rey Alp hat geschrieben:Allein sofern entsprechende Titel schon von der BPjM auf den Listenteil B oder D gesetzt worden sein sollten, könnte man fragen, warum das mit diesen Titeln aber fürher nicht mit vergleichbaren Titeln bzw. den Vorgängern erfolgt ist.


Nein. Siehe oben, denn dann wäre eine strafrechtliche Relevanz schon festgestellt worden.
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Rey Alp
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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Rey Alp » So 20. Aug 2017, 16:36

Mit Indizierungskriterien war das wohl ein Missverständnis. Ich meinte den § 18 JuSchG, der ja grob folgende Kriterien hat:

  • Diskussionslose Listenaufnahme: Nach § 18 Abs. 5 JuSchG, wenn ein "verbotener" Inhalt durch ein Gericht festgestellt wurde.
  • Listenaufnahme bei "verbotenen" Inhalten: Wenn die BPjM zu dem Ergebnis kommt, dass der Inhalt dem § 184c StGB unterfällt.
  • Listenaufnahme bei "nur" jugendgefährdenden Inhalten: "Echte" Indizierungsprüfung zur Feststellung einer Jugendgefährdung - anküpfend an § 18 Abs. 1 S. 2 JuSchG:

      Dazu zählen vor allem unsittliche, verrohend wirkende, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende Medien sowie Medien, in denen

      1. Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailliert dargestellt werden oder
      2. Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit nahe gelegt wird.

Auch wenn alle 3 Kategorien Voraussetzungen für die Indizierung eines Videospiels beinhalten, dürfte man "Indizierungskriterien" im engeren Sinne wahrscheinlich nur die Voraussetzungen der 3. Kategorie nennen. Und diese sind nach meinem Verständnis aber ausdrücklich Indizierungskriterien, wenn auch nicht abschließend ("vor allem").

Die Indizierung ist hier etwas "schief", weil die Kategorien 1 und 2 eigentlich wesensfremd sind: Die Indizierung setzt eigentlich Jugendgefährdung (für den Nutzer) voraus, doch - soweit ich das verstanden habe - braucht es das Element der Jugendgefährdung in diesen Kategorien nicht: Ich hoffe ich sage da jetzt nichts falsches, aber ich würde jetzt davon ausgehen, dass der Anblick einer "teilweise unbekleideten vierzehn, aber noch nicht achtzehn Jahre alten Person in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung" im Anime-Look nicht jugendgefährdend ist und eine USK-Kennzeichnung durch den ständigen Vertreter der OLJB daher deswegen erfolgt ist, weil man annahm, dass der Inhalt dem § 184c StGB unterfällt, und nicht weil das Spiel jugendgefährdend sei.

Du bist da in der Materie mehr drinnen als ich und weißt vielleicht, ob es offizielle Äußerungen dazu gibt, weshalb genau eine Kennzeichnung nicht erfolgt ist. Aber ich würde hier vermuten, dass es nicht an einer Änderung der Indizierungskriterien "im engeren Sinne" (Kategorie 3) liegt, sondern daran, dass durch die Verschärfung des § 184c StGB (Lex Edathy) eine Kennzeichnugn deswegen nicht erfolgt ist, weil der Titel nach Einschätzung des Prüfgremiums dem § 184c StGB - Neue Fassung - unterfallen könnte.

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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Rigolax » Mo 21. Aug 2017, 01:02

Aber ich würde hier vermuten, dass es nicht an einer Änderung der Indizierungskriterien "im engeren Sinne" (Kategorie 3) liegt, sondern daran, dass durch die Verschärfung des § 184c StGB (Lex Edathy) eine Kennzeichnugn deswegen nicht erfolgt ist, weil der Titel nach Einschätzung des Prüfgremiums dem § 184c StGB - Neue Fassung - unterfallen könnte.


Die Verschärfung der Normen im Strafrecht ist ja eigentlich gar kaum relevant meiner Ansicht nach. Der Witz ist doch, dass quasi "nur" die Posendarstellung aus dem JuSchG in § 184 c geschieben wurde.

Vergleich: "Kinder oder Jugendliche in unnatürlicher, geschlechtsbetonter Körperhaltung darstellen oder" -- § 15 Abs 2. Nr. 4 JuSchG (analog JMStV, wobei es da noch den Zusatz "dies gilt auch bei virtuellen Darstellungen" gibt).

und

"die Wiedergabe einer ganz oder teilweise unbekleideten vierzehn, aber noch nicht achtzehn Jahre alten Person in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung," -- § 184c StGB

Der Unterschied ist im Wortlaut nur, dass der JuSchG-§ auch komplett bekleidete "Figuren" enthält.

Aber siehe besser Liesching dazu: http://www.bpjm.bund.de/RedaktionBMFSFJ ... b=true.pdf

Was ich damit jetzt aber auch sagen will, dass die Verschärfung an sich eigentlich egal sein müsste, da solche Inhalte schon vorher (mindestens) schwer jugendgefährdend waren und zu einer Kennzeichnungsverweigerung geführt haben müssten. (!)

Ansonsten glaube ich auch mal irgendwo gelesen zu haben, dass die BPjM auch schon vorher öfters bei Posendarstellungen auf B indiziert hat, gerade wenn es um Kinder geht. Aber kann ich nicht mehr finden.

Rey Alp
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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Rey Alp » Mo 21. Aug 2017, 18:51

@Rigolax
Danke - dass die Posendarstellung davor auch schon ein Indizierungsgrund war bzw. immer noch ist, wusste ich nicht.

Dann habe ich auch keine Erklärung, warum da aufeinmal Spiele Probleme bekommen, die sie schon vorher hätten haben müssen, wenn es an diesen Inhalten liegen sollte.

Rigolax
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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Rigolax » Mo 21. Aug 2017, 19:49

Na ja, ich hätte diesen Hinweis schon in dem anderen Thread zu dem Thema bringen sollen. Deswegen meinte ich da ja auch, dass die USK ggf. schlicht "überfordert" war, nachdem der Tatbestand ins Strafrecht gehievt wurde. Besonders befriedigend ist die Erklärung auch eh nicht.

Anzumerken ist dann noch, dass die Titel ja laut USK/OLJB via Mitteilung der Antragssteller aufgrund der Posendarstellung im JuSchG abgelehnt wurden, unter der Pornographieschwelle. Das geht sogar, so weit ich das verstehe, auch noch, aber nur bei Jugendlichen, nicht Kindern. Grund dafür ist, dass die Norm im Strafrecht quasi höhere Anforderungen an Pornographie hat (logisch, geht ja um "Pornographie") Dies gilt aber nur bei Jugendlichen bzw. 184c, nicht bei Kindern bzw. 184b (höherer Schutzzweck, gab da eine BGH-Entscheidung); siehe Liesching.

Ich habe in einem Steam-Thread noch gelesen, dass die USK angeblich im Oktober (kein Jahr benannt) ihre Richtlinien oder dergleichen geändert hätte, unter Vorgaben der KJM. Nun, keine Ahnung, wie das erfolgt, ehrlich gesagt.

Vielleicht hat die StGB-Änderung irgendwie auch ein "Vakuum" geschaffen und die USK/OLJB (edit: bzw. BPjM?) nutzen das, um eine neue Spruchpraxis zu etablieren. Inwiefern das Sinn ergibt, I don't know.

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Re: Fragen an Petra Meier (BPjM) für gamescom-Treffen

Beitragvon Pyri » Mi 23. Aug 2017, 23:59

Rey Alp hat geschrieben:Die Indizierung ist hier etwas "schief", weil die Kategorien 1 und 2 eigentlich wesensfremd sind: Die Indizierung setzt eigentlich Jugendgefährdung (für den Nutzer) voraus, doch - soweit ich das verstanden habe - braucht es das Element der Jugendgefährdung in diesen Kategorien nicht: Ich hoffe ich sage da jetzt nichts falsches, aber ich würde jetzt davon ausgehen, dass der Anblick einer "teilweise unbekleideten vierzehn, aber noch nicht achtzehn Jahre alten Person in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung" im Anime-Look nicht jugendgefährdend ist und eine USK-Kennzeichnung durch den ständigen Vertreter der OLJB daher deswegen erfolgt ist, weil man annahm, dass der Inhalt dem § 184c StGB unterfällt, und nicht weil das Spiel jugendgefährdend sei.


Immer wieder wird bei Gelegenheit diese für mich seit jeher irrige Sicht vertreten. Das widerspricht doch vollkommen jeglichem Ansatz von Jugendschutz (nicht nur in Deutschland), ganz egal was (in Deutschland) konkret unter "jugendgefährdend" sonst noch so alles verstanden wird: es ist doch ein Grundanliegen jeglichen Jugendschutzgedankens auch (die) Jugend vor Straftaten zu schützen (!). Zudem ist im Jugendschutzgesetz doch ausdrücklich festgelegt, dass strafrechtlich relevante Inhalte zu indizieren sind - und sie sind damit nunmal nichts anderes als (auch) jugendgefährdend. Ich meine da tritt, ähnlich wie bei schwer jugendgefährdender aber legaler Pornografie (mit Erwachsenen), einfach ein Automatismus (noch) ein - vielleicht rührt dieses aus meiner Sicht ganz klare Missverständnis ja von daher.
Ansonsten: worauf stützt sich das? Ich verstehe es einfach nicht.

Die einzige Ausnahme wo ich dem noch wenigstens logisch folgen könnte ist zumindest wirklich die Jugendpornografie unter Jugendlichen (wie beim Sexting-Phänomen), aber auch das ist meinem Rechtsverständnis zufolge ganz klar falsch, da das Gesetz meint dass sich die Jugendlichen durch ihre Selbstdarstellungen auch selbst gefährden würden (in Hinblick auf die Erwachsenenwelt, aber auch in ihrer emotionalen Entwicklung). Und ich persönlich stimme dieser Sichtweise des Gesetzes (in verschiedenen Ländern!) sogar zu.

-

Nun aber zur Posendarstellung:
die Posendarstellung ist schon seit den Achtziger/Neunziger Jahren relevant und drehte sich von Anfang an um an Pädophile gerichtete, vorgebliche "FKK"-Inhalte. Einerseits, andererseits ging es um Darstellungen in der Kunstfotografie - wie etwa bei den Arbeiten von Jock Sturges - und etwa um die Frage wie groß deren (angenommener) sexueller Gehalt (nicht) ist, wie hoch das Maß der Inszenierung (samt Belastung der dahinter liegenden Intention) und sonstigen vorgestellten Natürlichkeit ist - kurzum: wie "sexualisiert", im heute üblichen Sprachgebrauch der zwischen einem selbstbestimmten Bedürfnis und einer fremdbestimmten Aufdrängung/Gewalt von Sexualität unterscheidet, die Bilder sind: der springende Punkt ist hier, dass vielfach angenommen wurde dass es auf FKK-Stränden keine Künstlichkeit geben kann, zumal in der zugehörigen (echten) sozialen Bewegung der sexuelle Gehalt von FKK sowieso häufig geleugnet/abgestritten wird.

Soweit ich weiß soll es sich auch bei den irgendwo im Netz versteckten, gekauften oder abonnierten Bildern über welche dieser vielzitierte SPD-Politiker gestolpert ist (und die letztlich die Gesetze änderten/verschärft haben), um Inhalte gehandelt haben, welche an genau diese Tradition anknüpften und sich so einer deshalb - sozusagen - auf einer sicheren Seite wähnte (was auch immer da konkret alles noch gefunden wurde).
Ganz sicher weiß ich, dass es einerseits (bis vor kurzem noch?) Internetseiten gibt (gab?), die - Stichwort "family nudism" - an Pädophile gerichtete Inhalte anboten die diesbezüglich ganz offen Schlupflöcher ausnutzen wollten. Dort wo die Gesetze diesbezüglich besonders streng sind, wie etwa in den USA, ging es dann etwa darum ob (nackte) Kinder gleichrangig zu (nackten) Erwachsenen dargestellt werden - oder ob die Kinder im Vordergrund zu sehen sind.
Bei "angezogenen" Inhalten, die andererseits ganz eindeutig sexualisierte Posen aufweisen, gab es eine Seite die 13-17jährige "glamourös" in Bikinis und Unterwäsche (und der Ästhetik herkömmlicher Kataloge) zeigte. Diese Seite wurde afaik aber jedenfalls erfolgreich bekämpft, zumal sie in der Presse einige Aufmerksamkeit erregte und die Intention ganz unzweideutig sexuell (ausbeuterisch) gewesen ist.

Weiterhin bin ich jedoch der festen Überzeugung dass hier ein grundsätzlicher Denkfehler in der Perzeption und Rezeption von (diesen) Gesetzen vorliegt: es geht einfach nicht darum, ob hier Tatbestände erfüllt sind, sondern ob sich unter Umständen diesen angenähert wird (!). Und erst dann wenn Schwellen überschritten werden kommt der sogenannte Index zum Zug, wenn eine strafrechtliche Relevanz angenommen wird, kommen Gerichte zum Zug.
Doch schon weit davor müssen die Gesetze berücksichtigt werden: das betrifft doch praktisch jede Form von medialem Jugendschutz - egal ob es sich um Darstellungen von Panzerknackern (ein Spiel wo man einen Einbrecher mimt, ein Film wo ein Einbrecher der Held ist, ist mindestens USK/FSK-6 oder USK/FSK-12) handelt, oder ob die Darstellungen selbst strafrechtlich problematisiert werden.
Genauso wie auch die Erfüllung von etwa "Kriegsverherrlichung" bei einem USK-16-Strategiespiel wie aktuell "Sudden Strike 4" oder FSK-16-Film wie "Battleship" (2012) keine Annahme ist, sondern ob die Darstellung des Militärs, der zugehörigen Politik, in Hinblick auf militaristische Tendenzen möglicherweise jugendbeeinträchtigend ist - oder eben sogar jugendgefährdend. Deshalb wurde damals auch einem relativ abstrakten Titel wie "Panzer Corps" die Jugendfreigabe zum Beispiel verweigert (zumal - verklausuliert - darin nur die Wehrmacht gespielt wurde).
Kurzum: ich kann dieses Schwarz/Weiß-Denken bezüglich der Erfüllung von Tatbeständen einfach nicht nachvollziehen, finde es völlig übertrieben und unsachlich.

Und die USK reagiert da in ihren Entscheidungen auch in Abwägung, das heißt höchst graduell, auf Entwicklungen. Das hat nichts damit zu tun, dass sie (jetzt auf einmal) nicht wüsste was sie tun sollte - weil sie etwa vor neuen Gesetzen steht.

Von "Peach Beach Splash" hab ich mittlerweile auch schon mehr gesehen und verstehe die Bedenken nun umso besser - bei "Valkyrie Drive" und "Criminal Girls" (2) ist es mir sowieso schon klar.
Es ist wohl eine Mischung aus beidem von dem ich schon schrieb: einerseits sind spielimmanente Gründe Schuld, andererseits eine veränderte Gesetzeslage: ja die Posendarstellung dürfte aufgrund einer bestimmten Spielmechanik bei gleichzeitigem Eindruck von Minderjährigkeit der Figuren, eine Rolle spielen, aber längst nicht bis zur Erfüllung des Tatbestandes.

In der Realität ging es nun um etwas ganz anderes - so wie ich persönlich schon damals bei “Panzer Corps” danach fragte was etwa dieses Spiel falsch gemacht haben sollte: die betroffenen Spiele zu verteidigen, sofern dies erwünscht ist (man es eben möchte) - vergleichend arbeitend - zu erklären warum die Spiele so sind wie sie sind, weshalb sie (trotz dieser angenommenen Problematiken) eine Daseinsberechtigung hätten usw. usf.
Wobei diese Auseinandersetzung auch “kritisch” sein kann - etwa zu fragen ob minderjährige Figuren in diesen Spielen wirklich nötig sind, aber auch ob es wichtig ist dass diese vorhanden sind, oder ob diese vom Zielpublikum überhaupt wirklich als solche wahrgenommen werden… Ich bezweifle das letztere ja.
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